Mission „Ein Monat ohne Zucker“: Tag 15 – Schmeckt’s?

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So ein kalter Entzug ist schlimm. „Komm“, flüstert meine innere Stimme, kaum dass ich ein paar Tage zuckerfrei lebe. „Nur ein Rippchen Schokolade. Nur ein bisschen Zucker in den Kaffee. Merkt doch keiner.“ Bin ich vielleicht zuckersüchtig? Ernsthaft abhängig? Aber ich bleibe standhaft. Kein Industriezucker, keine künstlichen Zuckerersatzstoffe. Tagsüber klappt das wunderbar, da bin ich die Queen of Zuckerfrei.
Kekse ohne Zucker: Kann das schmecken? (© Nadja Katzenberger)
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Kekse ohne Zucker: Kann das schmecken? (© Nadja Katzenberger)

Die ersten Abende dagegen sind nur eines: schlimm. Mein Gehirn ist immer noch auf die tägliche Zucker-Dosis nach der Tagesschau programmiert. Stattdessen knabbere ich eine Karotte und ernte genervte Blicke von meinem Mann. Gemeinsames Fernsehen ist schwierig, wenn einer dabei sehr laut Rohkost kaut und der andere ungeniert Schokolade und Chips futtert. Ein geläufiger Tipp für neue Zucker -Abstinenzler ist, einfach alle Süßigkeiten aus dem Haus zu verbannen. Was nicht gelingt, wenn man mit jemandem zusammen wohnt, der dann einfach neue kauft.
Cashews sind mein Schokoladen-Ersatz. (© Nadja Katzenberger)
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Cashews sind mein Schokoladen-Ersatz. (© Nadja Katzenberger)

Cashews sind meine Rettung

Meine Rettung: Cashew-Kerne und getrocknete Cranberries. Die könnte ich tatsächlich den ganzen Tag naschen und das auch noch mit gutem Gewissen – zumindest einigermaßen, denn auch Nüsse strotzen nur so von Kalorien. Egal, ein Schritt nach dem anderen. Erstmal geht es nur um die gesunde Ernährung. Außerdem sind Nüsse ein guter Ersatz für Schokolade. Denn, das habe ich mit Begeisterung gelesen, Cashews führen im Gehirn zu einer ähnlichen Serotonin-Ausschüttung wie Zucker und vermitteln ein ähnliches Glücksgefühl wie Schokolade.
Ich habe deshalb fast immer eine Tüte in der Tasche, denn meine innere Stimme verlangt ganz schön oft nach diesem Glücksgefühl. Zum Beispiel nach dem Mittagessen. „Jetzt noch’n kleiner Nachtisch. Oder so’n Schokolädchen! Da hab ich jetzt Lust drauf!“, flötet sie. Wer genau aufpasst, kann sehen, wie ich nach der Mittagspause mit zittrigen Fingern eine Packung Cashews öffne und mir eine Hand voll in den Mund stopfe – ein bisschen ist es, als wäre ich ein Junkie auf Entzug.
Cashews sind lecker, vitaminreich und machen satt. Und machen zumindest zeitweise glücklich. (© Nadja Katzenberger)
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Cashews sind lecker, vitaminreich und machen satt. Und machen zumindest zeitweise glücklich. (© Nadja Katzenberger)

Der Einkauf wird zur Nervenprobe

Hinzu kommt, dass das Einkaufen plötzlich viel länger dauert. Früher bin ich einfach mit dem Einkaufwagen durch den Supermarkt geflitzt. Jetzt stehe ich ewig vor den Regalen, starre auf Packungen und versuche, die kleingedruckten Inhaltsangaben zu entziffern. Ist da Zucker drin? Ja? Dann zurück ins Regal damit.
Dream-Team: Latte Macchiato und Agavendicksaft. (© Nadja Katzenberger)
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Dream-Team: Latte Macchiato und Agavendicksaft. (© Nadja Katzenberger)

Meine Suche nach einem ungesüßten Müsli gleicht einer Odyssee. Die meisten – auch viele Bio-Müslis – sind zusätzlich gesüßt. Nicht unbedingt mit raffinierten Industriezucker, aber zum Beispiel mit Vollrohr- oder Rohrohrzucker. Gesünder ist der auch nicht. Gute Alternativen sind Reissirup, Honig oder Agavendicksaft. Letzterer ist mein absoluter Favorit – nach dem ersten Test habe ich gleich die Halbliterflasche auf eBay bestellt und süße damit meinen Milchkaffee, das Müsli der Kinder oder unser Salatdressing. Ohne es zu wissen lebt so auch mein Mann ein bisschen zuckerfreier als sonst.
Kekse mit Reissirup sind der Hit! (© Nadja Katzenberger)
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Kekse mit Reissirup sind der Hit! (© Nadja Katzenberger)

So manches Experiment geht in die Hose

Beim Backen habe ich experimentiert: Die Zitronenkekse mit Reissirup sind gut geworden – allerdings habe ich eine ordentliche Menge Sirup gebraucht, um mein immer noch auf Süßes programmiertes Geschmacksempfinden zu befriedigen. Die Kalorienbilanz ist da wohl nur wenig besser als mit der üblichen Zuckerdosis.
Kuchenbacken mit Stevia? Ein Desaster! (© Nadja Katzenberger)
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Kuchenbacken mit Stevia? Ein Desaster! (© Nadja Katzenberger)

Die Rettung aus der Kalorienfalle: Stevia! So dachte ich zumindest. Doch mein Kuchen-Experiment mit dem pflanzlichen Zuckerersatzstoff ist gründlich missglückt. Komischer Geschmack, seltsame Konsistenz. Raffinierter Zucker ist beim Backen eben nicht nur Süßungsmittel, sondern macht auch das Volumen des Kuchens aus – das gelingt mit den ganzen Alternativen nur bedingt. Ein weiterer Nachteil: Reissirup, Agavendicksaft & Co gibt es nicht überall zu kaufen – meistens im Biomarkt – und sie sind nicht billig.

Mein erstes Fazit:

Das Projekt Zuckerfrei kostet Zeit und Geld. Ich habe zum Beispiel unterschätzt, wie lange ich im Supermarkt brauche oder wie teuer manche alternativen Süßungsmittel sind. Aber ich ernähre mich tatsächlich gesünder als vorher, esse mehr Obst, trinke viel Wasser und Kräutertee, kaufe bewusster ein. Aber jetzt muss ich meine innere Stimme schnell mit ein paar Cashews zum Schweigen bringen.
Nadja Katzenberger bloggt auf healthandthecity.de (© Nadja Katzenberger)
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Nadja Katzenberger bloggt auf healthandthecity.de (© Nadja Katzenberger)

Über die Autorin

Nadja Katzenberger, Jahrgang 1979, lebt mit ihrer Familie in München. Sie schreibt als freie Journalistin und Bloggerin über Gesundheit, Medizin und Lifestyle für Print- und Online-Magazine sowie ihr eigenes Blog healthandthecity.de.

Anfang verpasst? Hier geht’s zum ersten Teil der „Mission Zuckerfrei“.
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