Minolta Sony : Welches Objektiv paßt zu welcher Kamera?

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Minolta-Objektive und ihre Verwendung

Das grundsätzliche Problem

Immer wieder passiert es, daß Verkäufer bei ebay ein Minolta-Objektiv anbieten oder Käufer eines erstehen, ohne richtig zu wissen, zu welchen Kameras sie passen. "Für alle Minolta-Spiegelreflex-Kameras" oder "Für Minolta/Sony Alpha" steht dann da und führt die Käufer irre; denn es gibt kein einziges Objektiv, das an alle Minolta- und Sony-Kameras paßt. Stattdessen muß man sie sogar in vier Gruppen einteilen, mit drei verschiedenen Bajonetten, die untereinander nicht kompatibel sind.

Was ist ein Bajonett?

Ein großer Vorteil von Spiegelreflexkameras (SLR = Single Lens Reflex; DSLR = Digital SLR) ist die Möglichkeit, je nach Gelegenheit, Bedarf und Geldbeutel verschiedene Objektive zu verwenden. Das eine Mal möchte ich ein möglichst leichtes, dann brauche ich ein Teleobjektiv für Tieraufnahmen, ein drittes Mal möchte ich Makroaufnahmen von einer Blüte aufnehmen. Und jedesmal gibt es ein optimales Objektiv. Besonders beliebt sind Zoomobjektive, die einen großen Brennweitenbereich abdecken. Um diese Objektive an der Kamera zu befestigen, hat man sie früher eingeschraubt. Sehr viel einfacher und sicherer sind die sogenannten Bajonett-Verschlüsse, bei denen man das Objektiv mit einer kurzen Drehung bombenfest an der Kamera befestigt. Leider sind diese Bajonette nicht genormt: Fast jeder Kamerahersteller hat ein eigenes; außerdem gibt es reine Objektivhersteller, die dann für die verschiedenen Kameras Objektive mit den jeweils passenden Bajonetten liefern.

Welche Bajonette gibt es von Minolta/Sony?

Beispiel Minolta: Das alte (sogenannte) MD-oder M-Bajonett war für die Kameras mit manuellem Fokus. Bei Einführung des Autofokus (AF) in SLRs hat sich Minolta für die Radikallösung entschieden und ein völlig neues Bajonett entwickelt, das die für AF nötigen elektrischen Kontakte beinhaltete und das deutlich größer ist als die alten. Dieses A-Bajonett ist auch heute noch aktuell und wird von Sony (die vor einigen Jahren die Kamerasparte von KonicaMinolta übernommen haben) in seinen neuen DSLRs verwendet. Obwohl vom Bajonett her alle neuen Objektive an die Kameras passen, sind dennoch nicht alle Objektive an jeder Kamera verwendbar (s. unten: A-Bajonett). In den 90-ern kamen kurz auch sogenannte APS-Kameras in Mode, die mit einem kleineren Filmformat arbeiteten und deshalb auch kleinere Gehäuse und Objektive haben konnten.  Minolta hat viele Kompaktkameras mit APS, aber auch zwei SLRs herausgebracht, die sie VECTIS genannt haben. Diese haben das V-Bajonett.

Auf welche Kameras passen Objektive mit M-Bajonett?

Nun, das sind prinzipiell alle Kameras mit manueller Scharfeinstellung, angefangen von den SR- und SRT-Modellen der 60-er und 70-er über die XM, die Modelle der XE-, XD- und XG-Reihen bis zu den letzten manuellen Modellen der X-Reihe, die X-700, X-500, X-300, X300s udn X-370. (Achtung: Die Bezeichnungen asiatischer und amerikanischer Modelle können abweichen!) Auf alle diese Kameras passen nur manuelle Objektive, die ein MC, MD oder die Bezeichnung Rokkor im Namen tragen. Sinngemäß gilt das auch für Fremdfabrikate (also zB. Tokina MC). Alle AF-und V-Objektive passen nicht!

Auf welche Kameras passen Objektive mit AF-Bajonett?

Seit 1985 Minolta die 7000AF und ihr professionelles Gegenstück 9000AF herausbrachte, gibt es die parallelen Bajonett-Linien. Alle folgenden SLR-Kameras (außer Vectis) von Minolta, Konica-Minolta und jetzt Sony, egal ob analog oder digital, benutzen dieses A-Bajonett von 1985. Fast alle Objektive mit diesem Bajonett sind auch an allen Kameras dieser Linie nutzbar. Man kann also ohne Abstriche ein 20 Jahre altes Minoltaobjektiv an seiner neuen Sony-DSLR benutzen. Konkret fallen darunter sämtliche Kameras, die Dynax oder Maxxum heißen, also die Nachfolger der 5000/7000/9000 der Anfangsjahre. Das ist die xi-Serie (von der SPxi bis zur 9xi), die i-Serie (bis zur 8000i), alle Kameras mit si (300si bis 800si) und die späten Dynax-Serien bis hin zu den Spitzenmodellen Dynax7 und Dynax9. Außerdem benutzen auch die beiden DSLRs KonicaMinolta Dynax5D und Dynax7D die gleichen Objektive wie auch sämtliche Sony-Alpha-Modelle von der A100 bis hinauf zur A900. Hier gilt allerdings: Für alle digitalen SLRs, die nicht explizit als "Vollformat" oder "FF" (für Full Frame) bezeichnet werden, wird die Wirkung der Brennweite um Faktor x1,5 erhöht. Aus 100mm Brennweite wird also quasi ein 150mm-Objektiv. Momentan (Stand Januar 2010) sind nur die Sony A-850 und A-900 Vollformatkameras (Format bezieht sich auf die Größe des digitalen Sensors).

Die digitalen haben noch eine Eigenart: Der kleinere Sensor nutzt nicht das ganze Objektiv. Es gibt aber von Minolta und von Sony Objektive mit der Erweiterung (D) für digital. Diese Objektive sind speziell für die kleinen Sensoren gerechnet und können nicht sinnvoll an den analogen Kameras oder den digitalen FF-Kameras verwendet werden, weil sie nur die Mitte ausleuchten und am Rand beschnitten wären. Zu diesen Modellen gehören u.a. die Set-Linsen SAL18-70, SAL18-55, SAL16-105 und Zeiss 16-80, die alle nur für das kleinere Format gerechnet sind. Wie gesagt: Umgekehrt gibt es keine Probleme.

Zwar hat Minolta kurze Zeit zwei Adapter angeboten, um auch MF-Optiken an den neuen Gehäusen nutzen zu können; aber erstens waren die recht teuer (auwendige Konstruktion!), zweitens hatten sie einen Vergrößerungsfaktor x2, verdoppelten also die Brennweite. Und alle neuen Funktionen waren natürlich mit den alten Objektiven nicht nutzbar. Sinnvoll ist der Einsatz alter Geräte  bestenfalls im Makro- und Mikrobereich, zB.mit einem Balgengerät. Denn da und nur da reicht ein einfacher Adapterring ohne zusätzliche Linsen. Alles andere ist "Murks".

Auf welche Kameras passen Objektive mit V-Bajonett?

Es gibt zwei SLRs für das V-System: Die Spitzenkamera Vectis S-1 und die leicht abgespeckte Vectis S-100. Außerdem gibt es noch eine digitale Kamera RD-3000, an die die gleichen Objektive passen. Das Vectisangebot ist überschaubar: Es gibt nur 8 Objektive von Minolta und keine Fremdobjektive. Die Vectis sind zwar auch AF-Objektive, aber kleiner als die für das A-Bajonett. Sie sind mit diesen weder hin noch her austauschbar. Auch zum M-System gibt es keinerlei Kompatibilität. Als V-Objektive gibt fünf Zooms: 28-56mm; 56-170mm; 22-80mm; 80-240mm APO und 25-150mm. (APO steht für eine besondere Vergütung der Linsen.) Drei besondere Festbrennweiten ergänzen das Angebot: ein 17mm Weitwinkel, ein 50mm-Makroobjektiv und ein kompaktes 400mm Spiegeltele.

Fazit: Aufgepaßt beim Objektivkauf!

Um jedem Ärger aus dem Wege zu gehen, sollte man als

Verkäufer: unbedingt genaue Angaben machen, zu welchem Bajonett/System ein Objektiv gehört
Käufer: sich das Angebot genau durchlesen und evtl. vor Gebot nachfragen.

Dann lohnt sich der Kauf; denn Minolta-Optiken - ob alt oder neu - gehören zu den besten auf dem Markt!



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