Minolta Ofenrohr / Beercan Objektive - Geld wert oder überteuert?

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Eigentlich gibt es nur ein einziges Ofenrohr-Objektiv, das 70-210, allerdings kann man von der Ofenrohr-Generation sprechen, d.h. den ersten AF-Objektiven, die Minolta ab 1985 mit Einführung der 7000er und 9000er Kameras einführt. Diese umfasst 7 Zoom-Objektive und anfangs 7 Festbrennweiten, diese wurden jedoch sehr schnell um einige mehr erweitert

Diese Objektive zeichnen sich durch eine massive Metallbauweise, einen aufwendigen Aufbau und eine für damalige Verhältnisse extrem gute Abbildung aus. Ich möchte mich hier nur mit den 7 Zooms widmen, da die Festbrennweiten teilweise bis heute im Sony-Zeitalter unverändert geblieben sind.

Die nachfolgende Beurteilung gilt für mich und meine Kamera (Alpha 850 mit 24,6MP Vollformatsensor). Für APS-C oder die neuen SLT-Modelle kann ich nicht sprechen. Ich besitze alle 7 Objektive und spreche daher aus Erfahrung.

3,5-4,5 – 28-85

13 Linsen in 10 Gruppen, 490gr, 85,5mm Baulänge, 55er Filter

Ein recht kompaktes Objektiv mit einem Makrobereich bei 28mm, der einen Abbildungsmaßstab von 1:4 ermöglicht. Die Abbildungsleistung ist sehr gut, extrem scharf zeichnend mit hohen Kontrasten, der AF läuft schnell und präzise. Als Standardzoom eignet sich das 28-85 genauso wie das später erwähnte 35-105. Negatives lässt sich über dieses Objektiv nicht sagen, oftmals ist es recht preisgünstig zu erwerben!

4.0-4,5 – 28-135 (Spitzname "Secret handshake")

16 Linsen in 13 Gruppen, 750gr, 109mm Baulänge, 72er Filter

Oftmals als Geheimtip beschrieben und von allen "Ofenrohren" das am teuersten gehandelte Objektiv finde ich die Abbildungsleistung zwar auf sehr gutem Niveau, aber nicht sooo umwerfend, wie immer beschrieben. Die Abbildungsleistung ist qualitativ mit den 28-85 und dem 35-105 gleichzusetzen, nur der Brennweitenbereich ist natürlich universeller und eignet sich dadurch besser zum "Immer drauf"-Objektiv. Der AF ist etwas langsamer und trifft den Fokus auch nicht immer auf Anhieb. Wie beim 28-85 ist der Makrobereich auch hier bei 28mm, der maximale Abbildungsmaßstab ebenfalls 1:4

Das Objektiv ist extrem aufwendig aufgebaut und besteht aus drei ineinander liegenden Tuben. Durch diesen Aufbau wird das Objektiv extrem empfindlich gegen Stöße. Schon ein leichtes Spiel des Tubus lässt die Abbildungsleistung extrem abfallen. Gerade Objektive mit Beschädigunges des Filtergewindes sollte man genauestens unter die Lupe nehmen!

Für das 28-135 ist als einziges Objektiv der "Ofenrohr" - Reihe keine originale Sonnenblende ("Hood") erhältlich. Abhilfe schafft hier entweder eine Gummisonnenblende oder eine tulpenförmige Sonnenblende aus Kunststoff, die oftmals alleine, oder in Filtersets erhältlich ist (Chinaware)

4,0 – 35-70

6 Linsen in 6 Gruppen, 255gr, 52mm Baulänge, 49er Filter

Ein extrem kleines und vergleichsweise leichtes Zoomobjektiv. Es besitzt zwar nur einen kleinen Brennweiten-Spielraum, besitzt aber dafür aber eine extrem gute Abbildungsleistung. Kontraste sind sehr gut, das Bokeh sehr schön. Wer ein unauffälliges und preisgünstiges Objektiv für Geburtstage und Familienfeiern sucht, dem sei dieses Objektiv ans Herz gelegt!

Der Makrobereich ist hier bei 70mm, der maximale Abbildungsmaßstab liegt ebenfalls bei 1:4

3,5-4,5 – 35-105

14 Linsen in 12 Gruppen, 495gr, 87mm Baulänge, 55er Filter

Der Makrobereich ist hier bei 105mm, der maximale Abbildungsmaßstab liegt ebenfalls bei 1:4

Extrem scharf zeichnend mit hohen Kontrasten. Ähnlich wie beim 28-85 findet sich hier eine hervorragende Abbildungsleistung und eine recht kompakte Bauweise. Wer eher den unteren Brennweitenbereich benötigt, sollte zum 28-85 greifen, ansonsten zum 35-105. Qualitative Unterschiede kann ich bei beiden auf keinem Foto feststellen!

4,0 – 70-210 (Spitzname "Ofenrohr")

12 Linsen in 9 Gruppen, 695gr, 152mm Baulänge, 55er Filter

Der Makrobereich ist hier bei 210mm, der maximale Abbildungsmaßstab liegt bei 1:3,9

Dies ist mein absolutes Lieblingsobjektiv, scharf zeichnend, hohe Kontraste, perfektes Bokeh und was für mich wichtig ist, ein guter Makrobereich mit hohem Objektabstand, was sehr wichtig bei Fotos von scheuen Kleintieren ist. Der AF ist ausreichend schnell um auch schnelle Bewegungen auszugleichen. Bei Bildern mit diesem Objektiv lassen sich hervorragend Ausschnittvergrößerungen herstellen, ohne das sichtbare Qualitätseinbußen zu erkennen sind!

4,5-5,6 – 75-300 (Spitzname "großes Ofenrohr")

13 Linsen in 11 Gruppen, 850gr, 163,5mm Baulänge, 55er Filter

Der Makrobereich ist hier bei 300mm, der maximale Abbildungsmaßstab liegt bei 1:3,9

Im groben gilt das gleiche wie beim 70-210 erwähnten, nur das hier die Leistung ab etwa 200mm abnimmt. Die Lichtstärke ist nicht ganz so hoch, und im oberen Brennweitenbereich zeigen sich je nach Blendenwert oftmals feinere Farbränder, was auf eine nicht optimale chromatische Korrektur hinweist. Durch die recht gute Makroleistung bei 300mm lassen sich sehr gut kleinere scheue Tiere wie Schmetterlinge, Frösche oder Eidechsen fotografieren. Teleextender sollte man, wenn überhaupt, max. mit 1,4x ansetzen, da sonst die chromatische Abberation extrem verstärkt wird. Auch die Lichtstärke passt dann meist nicht mehr für jedes Motiv und oftmals läuft dann der AF auch ins Leere, weil die Kamera den geringen Kontrast nicht mehr handeln kann!

4,5 – 100-200

8 Linsen in 7 Gruppen, 375gr, 94,5mm Baulänge, 49er Filter

Sehr kompakt aufgebautes Zoom, das einzige Zoom ohne Makrotaste. Daher wird nur ein extrem bescheidener Abbildungsmaßstab von 1:9 erreicht. Von allen Ofenrohren ist dieses Objektiv zwar am Leistungsschwächsten, allerdings ist es in Kombination mit dem 35-70 eine gute Wahl, wenn man auf leichtes Gepäck achten muß. Es besitzt eine gute bis sehr gute Abbildungsleistung, kann aber nicht mit dem 70-210 mithalten. Wer ein kompaktes Zoom für den Telebereich für unterwegs sucht, sollte dies – auch speziell wegen des oftmals günstigen Preises – näher ins Auge fassen.

Fazit:

Grundsätzlich kann man folgendes Fazit ziehen. Die fast 30 Jahre alte Objektivreihe ist sicher nicht mehr up to date. Heute gibt es bessere Reflexminderung ("Entspiegelung"), schnellere AF-Motoren (z.B.: Ultraschallmotor) und letztendlich auch leichtere und kompaktere Objektive. Für diese muß man allerdings auch ein vielfaches des Preises der "Ofenrohre" auf den Tisch legen. Gegenüber anderen gebrachten Objektiven gleich welchen Herstellers, sind sie zwar teurer, allerdings bieten Sie noch immer eine hervorragende Bildqualität, die man bei den preisgünstigen Pedants meist vergeblich sucht!

Für das leichte Gepäck nehme auch ich andere Objektive zur Hand, trotzdem greife ich persönlich immer wieder auf diese Objektive zurück, wenn es um hohe Abbildungsleistung geht. Landschaften, Gebäude, Natur, Makro – bei all diesen Aufnahmen wird kein Ultraschallmotor benötigt, hier ist der AF schnell genug und oftmals sogar schneller als bei so manchen neueren Zooms.

Ich habe mir im Laufe der Jahre, mal aufgrund des günstigen Preises, mal wegen des fehlenden Brennweitenbereichs noch Dutzende weitere Objektive zugelegt, darunter fast alle Markennamen. Kaum eines dieser Objektive kommt an die Abbildungsleistung der Ofenrohre heran. Die neuem Sony-Zeiss-ige sind mir einfach zu teuer, die anderen haben entweder nicht die Qualität oder finden sich ebenfalls in einem sehr hohen Preissegment.

Nachteile:

  • Schwer (850er mit Batteriegriff, 2 Akkus und dem 28-135 – 2100gr!!!)
  • Für Aufnahmen, die ein extrem schnelles Fokussieren erfordern, wie etwas Sportfotografie, zu langsam
  • Je nach Objektiv hohe Flare-Neigung bei Lichteinfall durch betagte Entspiegelungsschichten auf vergleichsweise vielen Glasflächen
  • Für heutige Verhältnisse bescheidene Lichtstärke und Naheinstellgrenze
  • Teuer für ein Objektiv dieses Alters

Vorteile:

  • Durch hohe Schärfe extreme Ausschnittsvergrößerungen möglich
  • Sehr hoher Kontrast
  • Sehr gute Farbwiedergabe
  • Wunderschönes Bokeh
  • Objektive mit vergleichbarer Abbildungsleistung wesentlich teurer
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