Miniaturbücher - Kleine bibliophile Kostbarkeiten

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Miniaturbücher - Kunst und Handwerk

Miniaturbücher waren in ihrer Geschichte immer auch Musterbeispiele hoher Buchkunst und Buchkultur. Man bewunderte respektvoll die Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer anhand der gefertigten Kostbarkeiten. Nicht selten galten das kunstvolle Binden und die künstlerische Verzierung der Einbände als besondere Gesellen- oder Meisterstücke. Deshalb nannte man solche Miniaturbücher "Meisterwerke der Druck- und Buchkunst" oder auch "Schmucksachen der Bibliographie".
 
Die buchkünstlerische Gestalt eines Miniaturbuches muss als erstes Erfordernisse der Ästhetik erfüllen, insbesondere geeignete Proportionen des Formates und inhaltsgerechte Typographie. Beide Elemente bestimmen auch heutzutage wesentlich die Schönheit einer Ausgabe. In der Herstellung von Miniaturbüchern hat sich daher manches an Handwerklichem bewahrt, das in der massenhaften Buchproduktion unserer gegenwärtigen Zeit kaum mehr Beachtung findet.
 
Traditionelle Schriftschneider und -gießer sowie Buchdrucker konnten ihre Geschicklichkeit und Leistungsfähigkeit an den kleinen Formaten beweisen und auf diese Weise etwas Eigen- und Einzigartiges bieten, das ja immer interessierte Liebhaber findet. Besondere Sorgfalt wurde der Herstellung verwendbarer Papiersorten und Druckfarben gewidmet. Dem Wettbewerb und Wettkampf der Schriftschneider und Druckereien folgten die Buchbinder. Ihnen standen durch die Jahrhunderte Silber- und Goldschmiede, Gürtler, Maler und Bildhauer bei.

Die Kunst der Lithographie Anfang des 19. Jahrhunderts und die Möglichkeit der photomechanischen Verkleinerung gegen Ende des 20. Jahrhunderts machten Miniaturbücher zunehmend populärer. Die Entwicklungsgeschichte ihrer Herstellung reicht von der Handschrift über den Holzschnitt zum Kupferstich, vom Handsatz zum Photosatz. Dabei war bis spät ins 19. Jahrhundert hinein die Herstellung eines Buches noch reine Handarbeit. Letztere führte nicht selten zu geringfügigen Ungleichheiten der Buchformate desselben Titels, wodurch jedes Buch gleichsam zum Unikat wurde.

Die mit der Handarbeit verbundene Kreativität der Gestaltung und Materialauswahl mündete in einem breiten Sortiment unterschiedlichster Einbände: Holz, Birkenrinde; Schweins-, Kalb-, Schafs-, Ziegen-, Saffian-, Lack-, Eidechsen-, Schlangen- und Kunstleder; bemaltes Leder oder geflammte Lederdecken; Pergamente, Fischhaut, Schildplatt, Perlmutt, Elfenbein; Bronze, Zinn, Kupfer, Silber, Gold, Metall- und Perlen-Stickerei; Messingbeschläge, -schließen und -spangen; geschnürte Einbände, Beutelbücher oder Buchbeutel; Leinen, Seide, Samt; Handstickereien, Holz- und Strohintarsien; Porzellan, Emaille und Kunststoffe - eine enorme Vielfalt, der Phantasie der Handwerker freien Lauf lassend.
 
Das Miniaturbuch galt als Experiment, als ein Zeichen technischer Disziplin von dem man sich Ausstrahlungskraft versprach. Im Literarischen galt es als Probierfeld. Beiden Absichten war die Überlegung gemeinsam, das Miniaturbuch könnte Nährboden für die Liebe zum Buch überhaupt sein oder werden. Miniaturbücher sind weder nur Modeerscheinungen noch Spielerei, weder nur ein bibliophiler Seitensprung noch allein eine Kuriosität. Es sind auch Gebrauchsbücher, Bücher in besonderem Format und mit guter bis schöner Ausstattung. Heute sind Miniaturbücher innerhalb einer hochindustrialisierten und automatisierten Massenbuchproduktion stille Zeugen für akkurate Verarbeitung, Zeugnis von handwerklichem Können im wahrsten Sinne des Wortes, Förderer guten Geschmacks, Bewahrung der Buchkunst und Ausdruck höchster Kunstfertigkeit.


Miniaturbücher

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