Mehr als nur Sirtaki: Musik aus Griechenland

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Ein bisschen mehr als nur Sirtaki: Musik aus Griechenland

Die harmonischen Klänge griechischer Musik erinnern viele Menschen vor allem an Urlaubsatmosphäre. Auch über den Sirtaki-Tanz hinaus gestaltet sich die musikalische Welt Griechenlands vielfältig - von zart beschwingt über lebensfroh bis hin zu schwermütigen Blues-Arrangements wird nahezu jede emotionale Befindlichkeit repräsentiert.
Aus der ursprünglichen griechischen Volksmusik "Dimotiki Mousiki" ging schrittweise Moderneres hervor, unterteilt in Rembetiko, Laïkó und Entechno Tragoudi. Viele griechische Interpreten sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, beispielsweise die Pop-Sängerin Anna Vissi oder der Elektro-Künstler und Komponist Vangelis.
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Dimotiki Mousiki - die griechische Volksmusik

Dimotiki Mousiki - auch Ellinika dimotika tragoudia - bezeichnet die traditionelle griechische Volksmusik insbesondere aus ländlichen Gegenden.
Bedeutende Instrumente für die Melodien und Rhythmen dieser ursprünglichen Stilrichtung sind beispielsweise Gitarren, Klarinetten, Geigen und Tambourinen. Tanzmusikformen wie etwa der chaniotische Syrto, der Reigentanz Kalamatiano, der Tsamiko oder Arvanitikos als Tanz der Tapferkeit und der Chasaposerviko spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle für die Dimotiki Mousiki.
Zur Vokalmusik zählen die sogenannten Kleften-Lieder - sie wurden während des Partisanenkrieges im 18. Jahrhundert von den Rebellen, die sich gegen die türkische Herrschaft wehrten, ins Leben gerufen und inbrünstig gesungen. In den Liedern geht es vordergründig um Treue und Verrat, Kampf und Tod. Derart tragische Themen sind zusammen mit der Liebe weiterhin tragende Elemente in der griechischen Musik.
Darüber hinaus gibt es die Paradosiaka - alte Volkslieder aus Mittelgriechenland und Thessalien. Sie behandeln hauptsächlich das osmanische Joch, Vertreibung und Krieg. Die zumeist eingesetzten Instrumente sind hierbei die Violine und die Klarinette.

Volkslieder der Inseln

Nisiotika nennen sich die Volkslieder der Inseln; die temperamentvollen und melancholischen Stücke werden oft mit der Laute, der Violine, dem Hackbrett Santouri, der Kretischen Lyra sowie einer speziellen Dudelsackart - der Tsampouna - gespielt.

Musik der nördlichen Regionen Griechenlands

Auch in den Regionen im Norden Griechenlands kommt ein Dudelsack für die Dimotiki Mousiki zum Einsatz: die auch im Nachbarland Bulgarien sehr beliebte Kaba Gajda. In Thessaloniki war bis zu den Judenverfolgungen des Zweiten Weltkriegs eine sephardische Musiktradition populär und wurde zu späteren Zeiten von der Sängerin Savina Yannatou wieder aufgenommen.
Bekannte und erfolgreiche Alben der griechischen Musikerin sind unter anderem "Pao na po sto synefo", "Song of the Mediterranean" und auch "Songs of an other". Wer Savina Yannatou live erleben will, erfreut sich an der CD "En concert" mit Miquel Gil.
Zu den allerersten Interpreten der Dimotiki Mousiki zählen Giorgia Mittaki und Giorgios Papasideris; ältere Instrumentalisten waren Klarinettenvirtuosen wie beispielsweise Kostas Karakostas, Baggelis, Tassos Chalkias und Basilis Soukas.

Laïki Mousiki - die populäre Musik Griechenlands

Neben den über die griechischsprachigen Grenzen hinaus einem breiten Publikum bekannten Interpreten wie Anna Vissi oder Vangelis besteht die modernere griechische Musik vor allem aus den Stilrichtungen Entechno Tragoudi, neuere Laïki Mousiki und besonders Rembetiko, aus dem sie sich ursprünglich ableitet.

Rembetiko - die ersten Wurzeln modernerer griechischer Musik

In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstand der Rembetiko unter den urbanen Subkulturen der größeren Städte Griechenlands. Als Folge der Kleinasiatischen Katastrophe von 1922 wanderten Menschen aus Kleinasien nach Griechenland ein.
Durch diesen Bevölkerungsaustausch bildete sich in den Städten ein neues Subproletariat. Diese Schicht der "neuen Griechen" entwickelte den Stil des Rembetiko, aufbauend auf den musikalischen Traditionen der Heimatländer. Die typischen Instrumente, die diese Musik ausmachen, sind die Gitarre, Baglamas, Akkordeon, die Geige und vor allem die griechische Bouzouki. Die Bouzouki ist eine Lautenart mit besonders langem Hals, die den Klang der Musik Griechenlands entscheidend prägt.
Die Lieder weisen meist eine schwermütige Grundstimmung auf und handeln von Liebesschmerz, der Fremde, Gefängnis, den Lasten des Alltags und anderen Lebensnöten. Aufgrund seiner melancholischen Haltung und der Herkunft aus Elendsquartieren heißt der Rembetiko auch der "Blues Griechenlands". Ein Großteil der Rembetiko-Stücke entstand in den Jahren 1930 bis 1950, verpönt und kritisiert im griechischen Bürgertum.
Besonders bekannte Vertreter der Interpreten des Rembetiko sind unter anderem Vassilis Tsitsanis, Manolis Chiotis und Markos Vamvakaris. Mit dem 1983 entstandenen Film "Rembetiko" vom Regisseur Kostas Ferris bekommen Sie einen besonders detaillierten Einblick in den Lebensstil und die sozialen Bedingungen dieser Zeit.

Moderne Laïki Mousiki - die Musik für das ganze Volk

Der Rembetiko wurde im Laufe der 1950er Jahre zu weiten Teilen von der moderneren Musik, dem sogenannten Laïkó, abgelöst. Diese Art der Musik sprach nicht mehr nur eine begrenzte zur Arbeiterschaft gehörende Bevölkerungsgruppe an, sondern wandte sich in ihren Texten an nahezu jede Schicht.
Der neuere Stil bot alltäglichen Problemen der Menschen Raum, allerdings unter teilweise starken Veränderungen der ursprünglichen Form des Rembetiko. Während Komposition und Melodik ein wenig in den Hintergrund rückten, trat die Rolle des Liedtextes und damit der Interpreten in den Fokus. Insbesondere die Werke von Tsitsanis machen diese Variationen populär.
Die neue Stilrichtung des Laïkó öffnet vielen Musikern die Türen zu Ruhm und Erfolg: Panos Gavalas, Grigoris Bithikotsis, Mairy Linda, Stelios Kazantzidis, Manolis Angelopoulos, Giota Lydia, Poly Panou und Kaity Grey sind nur einige davon.
Wie auch zuvor schon der Rembetiko fand die moderne Laïki Mousiki trotz ihrer Beliebtheit im Volk bei intellektuellen Kreisen wenig oder gar keine Akzeptanz. Daher war diese populäre Art griechischer Musik über Jahrzehnte hinweg kaum in den Radios des Landes zu hören. Die Punkte des Anstoßes lagen vor allem in der nicht-politischen Grundhaltung der Texte und der Ansicht, der Laïkó gehe auf türkische Ursprünge zurück.

Entechno Tragoudi - das populäre griechische Kunstlied

Im Entechno Tragoudi - dem populären griechischen Kunstlied - verbinden sich Elemente des Rembetiko mit modernen Chanson- und Liedformen. Einige Interpreten wie Giannis Markopoulos fügen auch Elemente der ursprünglichen Dimotiki Mousiki mit ein.
Ins Leben gerufen wurde diese Form der griechischen Musik von den bekannten Sängern Mikis Theodorakis und Manos Chatzidakis im Laufe der 1950er Jahre. Der Entechno Tragoudi verhilft der Lyrik zu einem neuen Aufwind an Beliebtheit - er setzt größtenteils poetische Werke namhafter griechischer Autoren in Klang um.
Nena Venetsanou, Maria Farantouri und Dionysis Savvopoulos sind bekannte Interpreten des sogenannten Neo Kyma - einem Rendezvous des französischen Chansons mit dem Entechno Tragoudi. Dionysis Savvopoulos vereinigte den Entechno mit einer Mischung makedonischer Volksmusik und politischer Liedtexte in Kombination mit Elementen moderner US-amerikanischer Musik unter Inspiration bei Bob Dylan und Frank Zappa.
Einen ähnlichen Musikstil pflegen Künstler wie Kostas Chatzis, Mariza Koch und Arletta. Im Laufe der Militärdiktatur der Jahre 1967 bis 1974 wurden die Liedtexte zunehmend politischer. Vor allem unter versteckten Andeutungen griffen diverse Musiker wie Mikis Theodorakis direkt oder indirekt konfliktreiche Themen des öffentlichen Interesses auf. Teils fiel diese Musik des Widerstands der Zensur zum Opfer oder wurde komplett verboten.

Zeitgenössische griechische Musiker

Anna Vissi

Die griechisch-zypriotische Popsängerin Anna Vissi zählt zu den bekanntesten Vertretern griechischer Musik. Sie wurde 1957 in Larnaka auf Zypern geboren und wuchs bei ihren Eltern auf. Nachdem sie 1973 einen Talentwettbewerb gewonnen hatte, zog sie nach Athen und begann eine erfolgreiche Musikkarriere, zu der unter anderem drei Teilnahmen am Eurovision Song Contest in den Jahren 1980, 1982 und 2006 gehören. Die bekanntesten Alben von Anna Vissi sind unter anderem "Kravgi" - das sieben Mal Doppelplatin erhielt, "Eimai To Simera Kai Eisai To Hthes", das Erstlingswerk "As Kanoume Apopse Mian Arhi" sowie "Agapi Ine Esi", das immerhin mit Gold ausgezeichnet wurde.

Vangelis

Bei Vangelis, der mit bürgerlichem Namen Evangelos Odysseas Papathanassiou heißt, handelt es sich um einen griechischen Komponisten und Sänger, der zu den wichtigsten weltweit gehört. Sein Stil reicht von New Age über Elektronik bis zu Dark Ambient.
Vangelis lieferte mit "Conquest of Paradise" die Filmmusik zum Blockbuster "Blade Runner, 1492 - Die Eroberung des Paradieses"; das Werk diente gleichermaßen als Hymne zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 und als Wiedererkennungs-Musik des deutschen Boxers Henry Maske. Seine erste Solosingle aus dem Jahre 1968 trägt den Titel "Our Love Sleeps on the Waters / The Clock".
Seither veröffentlichte der griechischstämmige Musiker zahlreiche Alben, die teils von großem Erfolg gekrönt waren; dazu zählen beispielsweise das 1971 erschienene "Fais Que Ton Reve Soit Plus Long Que La Nuit" - das so viel bedeutet wie "Lass deinen Traum länger als die Nacht sein" sowie aus dem Jahr 1980 "See you later" und "Chariots of Fire - The Play Stage Music" von 2012.

Kristi Stassinopoulou

Die ehemalige Musical-Darstellerin Kristi Strassinopoulou kam 1956 in Griechenlands Hauptstadt Athen zur Welt. Neben wichtigen Musical-Rollen, unter anderem in der griechischen Version von Jesus Christ Superstar und als Evita Perón, nahm sie wie ihre Kollegin Anna Vissi ebenfalls beim Eurovision Song Contest teil und vertrat ihr Land mit dem Lied "Mou les" im Jahre 1983 in der bayrischen Landeshauptstadt München.
Ihr Debütalbum, das schlicht ihren eigenen Namen "Kristi Stassinopoulou" trägt, erschien 1986. Ihr Stil lässt sich als ein Mix von traditioneller griechischer Folklore, Pop/Rock-Musik und elektronischen Rhythmen definieren. Dem Erstlingswerk folgten die Alben "By the lake with the Poppies", "Ifantokosmos", "Echotropia", "The Secrets of the Rocks", "Taxidoskopio" sowie "Greekadelia".

Sirtaki - der renommierteste griechische Tanz

Beim Kunsttanz "Sirtaki" fasst man sich nicht im Kreis stehend bei Händen – anders als bei den sonstigen griechischen Volkstänzen – sondern die Tänzer tanzen nebeneinander in einer Reihe und legen ihre Arme über die Schultern ihrer Nachbarn.
Der Name "Sirtaki" leitet sich als Verkleinerungsform ab vom Volkstanz "Syrtos Choros", übersetzt "der schleppende Tanz". Eine feste Choreographie erhielt die Schrittfolge des "Sirtaki" erstmals für den Film "Alexis Sorbas" nach dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis. Die Filmmusik "Zorba" stammt von dem bekannten und einflussreichen griechischen Musiker Mikis Theodorakis.

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