Matte o. Gewebe - kl. Lexikon des Faserverbundwerkstoff

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Matte oder Gewebe, das ist hier die Frage.

Oft sprechen Modellbauer von Matte, meinen aber eigentlich Gewebe. Was ist der Unterschied.

Matte (eigentlich Textilglasmatte) entsteht durch regelloses schichten von geschnittenen Glasspinnfäden. Diese werden durch einen Binder verklebt. Dieser Binder löst sich im Styrol, welches in Polyesterharzen enthalten ist. Dadurch werden die Fasern frei verschiebbar weil sie im Harz quasi schwimmen. In Epoxydharzen ist kein Styrol enthalten, daher bleibt dort die Matte völlig steif.

Gewebe (sog. Glasfilamentgewebe) sind gewoben wie Textilien. Also mit Kett- und Schussfäden verbundene Gebilde. Es gibt verschiedene Webarten. Die wichtigsten sind die Leinenbindung, die Köperbindung und die Atlasbindung.

Bei der Leinenbindung wird der Schussfaden immer abwechselnd unter und danach über den Kettfaden geschossen.

Bei der Köperbindung wird der Schussfaden abwechselnd unter einen/mehrere und danach über mehrere Kettfäden geschossen, z.B. 1 drunter und danach 2 drüber. Die Bindungsart schreibt sich dann so: Köper 1/2
Wird der Schuss über 2 und dann unter 2 Kettfäden geschossen schreibt sich die Bindungsart so: Köper 2/2
Und so kann es also weitere Bindunsarten geben, weit verbreitet ist jedoch die Köper 2/2
Der Vorteil von Köperbindung zu Leinenbindung ist, dass Köpergebundene Gewebe sich leicht an asphärisch geformte Bauteile, also Teile mit Rundungen in mehrere Dimensionen (z.B. Sturzhelm) anlegen, sie lassen sich leichter drappieren sagt der Fachmann dazu. Durch die Bindungsart ergibt sich auf dem Köpergewebe auch dieses "seltsame" Bild, wo scheinbar Streifen diagonal über das Gewebe verlaufen (sog. Köpergrat).

Bei der Atlasbindung ist die Anordnung der Kett- und Schussfäden noch aufwändiger, ausserdem berühren sich die Bindungspunkter der Fäden nicht mehr, sondern sind auf dem Gewebe nach einer bestimmten Anordnung verteilt. Bei Atlasbindungen werden 4 oder 7 Kettfäden überschossen danach 1 Kettfaden unterschossen. Die Schreibweise ist dann Atlas 1/4 oder Atlas 1/7.
Atlasgebundene Gewebe lassen sich noch besser drapieren als Köpergebundene Gewebearten.

Allerdings hat die Drapierbarkeit auch Ihren Preis, bzw. Nachteil. Die entsprechend mit Köper oder Atlasbindung versehenen Gewebe sind leicht verschiebbar, sie sind nur bedingt schiebefest. Das heisst, wenn man nicht bereits beim Zuschnitt des Gewebes aufpasst kann es leicht passieren, dass die Fäden aus der Bahn geraten, also später im der Form oder auf der Reparaturstelle liegen die Fäden nicht mehr in der Richtung, in der sie Festigkeit bringen sollen. Es ist also bei diesen Gewebesorten darauf zu achten, dass das Gewebe sich nicht verschiebt. Auch bereits getränktes Gewebe, welches schon in einer Form liegt, darf nicht allzueifrig mit dem Pinsel nachgetupft werden, da hier die Möglichkeit besteht, dass sich einezelen Fasern verschieben.

Wenn wir uns nun Fragen, was soll ich benutzen, Matte oder Gewebe, so kann man grundsätzlich sagen, dass jede Art von Gewebe der Matte vorzuziehen ist.
Will man aber andererseits möglichst günstig ein Teil bauen, das eventuell gar nicht zur Verwendung kommt sondern nur ein Prototyp darstellt, so kann mann Matte vorziehen.
Für asphärisch geformte Teile scheided Matte gänzlich aus, ausser man hat die Möglichkeit, mit einem Gegenstück, z.B. Negativ zum Positiv, die Matte entsprechend zu Pressen (wird bei Hardtops für Cabrios verwendet).

Soweit zu diesem Thema.

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