Markenanzüge und Markenweber von Super 100 - Super 180

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Dieser Ratgeber umfasst :

2.) Die Qualitäten bei Anzugsstoffen
3.) Die Weber/ Markenweber von Oberstoffen
4.) Die Konfektionäre/ Die Markenhersteller von Anzügen

2.) Die Oberstoff - Qualitäten


Haben Sie auch schonmal darauf geachtet welche Berufe welche Anzüge tragen ? Ein Immobilienmakler, der seinem Kunden ein Produkt für einen hohen 7-stelligen Betrag verkaufen möchte muss entsprechend gekleidet sein, doch wissen Sie was ein Super 120 ist ? Oder ein Metalizatto, ein „Tropical“ ? Eine Mischung ? oder ein Poly ? Nein ? Hier einiges was Sie über Oberstoffe wissen sollten;

Ein Anzug besteht neben der Konfektionsmarke zumeist zu 80 % was die Herstellungskosten angeht aus dem Oberstoff, der von einem „Weber“ geliefert wird. Für einen durchschnittlichen Anzug werden ca. 3,3 Meter Stoff benötigt. Ein Anzug besteht aus bis zu 62 einzelnen Teilen, die aus diesen 3,3 Metern herausgeschnitten werden und anschließen im "Konfektionsbetrieb" zusammengenäht werden. Dabei werden die Stoffbahnen geschnitten und die Teilstücke meist mit einem Computermesser einzeln ausgetrennt. Werden mehrere Anzüge in einer Größe gleichzeitg konfektioniert, so werden die einzelnen Lagen übereinander gelegt und dann geschnitten.


Sicher haben Sie sich schon oft gefragt warum zwischen einem Kaufhaus-Anzug für 99 Euro und einem Anzug unseres ehemaligen Bundeskanzlers für 3.000 Euro so eine Preisdiffernz ist. Die Gründe hierfür liegen überwiegend im verwendeten Oberstoff und natürlich in der Konfektionsmarke. Entscheidend ist aber natürlich auch der Anteil der per Hand gefertigten Verarbeitungsstufen. So sind die italienischen Ateliers natürlich weit teuerer, als Massenfertigungen in Asien.


Bei den Oberstoffen kann man einen Anzug sowohl aus einem vollkommen künstlich hergestellten Polyamid herstellen, aber natürlich auch aus der Wolle eines tasmanischen Schafes. Dazwischen liegen insbesondere bei den Meterpreisen der Oberstoffe Welten. So können Sie als Produzent einen Meter Polyester schon für 1-2 Euro auf dem Weltmarkt kaufen, für einen Meter Stoff aus dem Hause Cerruti müssen Sie aber bereits hohe zweistellige Preise pro Meter bezahlen.


Die meisten unserer vielen zufriedenen Kunden wollen sich in erster Linie gut kleiden und sich in ihrem Anzug wohl fühlen. Daher setzen wir von Anfang an fast ausschließlich auf reine Schurwolle und eine traditionelle Fertigung die eine Konfektionierung in Europa und nicht in Asien erfährt.
Die noch immer verbreitete Meinung in einem Polyesteranzug würde man grundsätzlich schwitzen müssen ist zwar ein überholtes Vorurteil, doch die Anzüge aus reinem Polyester sind schlicht billig.


Abgesehen von einigen wenigen hochwertig veredelten Microfasern wirkt ein Polyesteranzug oft billig und fühlt sich auch nicht gut an. Gerade bei Damenbekleidung setzen sich aber zwischenzeitlich stark sogenannte Microsilks durch. Das sind hochveredelte Polyiamide die hervorragende Trageeigenschaften haben und preislich daher auch auf dem Schurwoll-Niveau rangieren. Unserer Ansicht nach gehört für einen Anzugskenner ein Polyesteranzug aber nicht in den Kleiderschrank.


In der Businessbekleidung auch bei Herren setzen sich mehr und mehr Mischqualitäten durch, dies sind oft Wolle/ Viscose-Mischungen in der Materialkomposition 60 % Wolle /40 % Viscose oder 80 % Schurwolle /20 % Viscose. Diese Qualitäten haben mitunter sehr gute Trageeigenschaften und sind auch bereits in der Preislage 100 - 150 Euro in vernünftiger Verarbeitung zu haben. „Fühlen" sollte man einen Anzug erst aber reiner Schurwolle. Bei den reinen Schurwoll - Anzügen auch Purewool oder Wollmark – Siegel gibt es Garnfeinheiten.


Dabei bezeichnet der sog. "Super-Wert", also z.B. S100, S110, S120, S130, S140, S150, S160, S170 und S180 das Gewicht des Garns in Meter pro Gramm. Ein Super 100 bedeutet also dass 100 Meter von diesem verarbeiteten Garn 1 Gramm wiegen. Je höher der Wert umso feinfädriger also das Garn.Das Garn wird dann je nach Verfahren zu so genannter Meterware gewebt. Diese Meterware ist der Oberstoff der dann zu Anzügen vernäht wird.


Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Werte und Bezeichnungen derzeit noch keine Norm haben. Ein Grund dafür, dass sich Fälscher und Betrüger diesen Umstand derzeit massiv zu nutze machen.
Es kommt aber auch aufgrund dieser fehlenden Norm vor, dass sich ein Super 100 eventuell "besser" oder weicher anfühlt als ein Super 120, denn neben der Garnfeinheit ist auch das Gewicht der Wolle für das Berührungsempfinden von Bedeutung. Webt ein Hersteller z.B. einen Sommeranzug, so hat dieser zumeist nicht mehr als 230 Gramm / pro m² Stoff. Hingegen im Winter ein Anzug 290 Gramm haben kann. Ein Anzug in hoher Qualität als Ganzjahresanzug wiegt zumeist 260 - 270 Gramm/ m².
Die (Schur-) wolle wird auch von verschiedenen Schafen geschoren, so sind die tasmanischen Schafe in Australien und Neuseeland bekannt für eine sehr feine und wohlfühlende Wolle, die hier auch gerne verwendet wird für hochwertige Meterware aber auch Polos. Bekannte Begriffe in diesem Zusammenhang sind auch Merinos. Dies ist eine Schafrasse die ursprünglich aus Spanien kommend auch nach Australien ihren Weg gefunden haben.
Zu den Garnfeinheiten und den Super-Werten ist ganz wichtig anzumerken, dass bisher nur die italienischen Top-Weber strenge Qualitätskontrollen vornehmen und daher die italienischen Anzüge ca. 20 % "feiner" sind als die allgemeine Verarbeitung bei anderen Webern.
Insbesondere die türkischen und indischen Weber, deren Meterware sich in vielen preisaggressiven Anzügen findet, weben ihre Oberstoffe und Garne nicht in den hohen Qualitätsansprüchen wie die Italiener. Wenn Sie also einen Anzug bei dem lediglich ein neutrales Etikett mit Super 150 eingenäht ist, so kann ihr Markenweber aus Italien mit Super 120 durchaus mithalten.
Für den Laien ist dieser Wert aber nicht messbar. Sie sollten daher darauf achten, dass Sie ihren Anzug von einem seriösen Anbieter beziehen bei dem der Anstieg der Super-Werte sich auch in den Preisen niederschlägt, denn umso feinfädriger die Ware umso teuerer der Oberstoff und umso schwieriger (teuerer) die Herstellung des Anzugs. Ein einfaches Etikett bei dem etwas draufsteht, kostet nur Cents und ist kein Garant für die tatsächliche Qualität.

3.) Die Weber / Die Marken(weber)


Ohne Umschweife kann man behaupten, dass Italien führend und auch von der Wertigkeit die besten Oberstoff-Weberein beheimatet. Gefolgt von England und auch Deutschland sind Indien und die Türkei in der Oberstoffproduktion zwischenzeitlich was die Quantität angeht sicher stark auf dem Vormarsch. Doch Quantität ist nicht gleich Qualität. Ein Grund warum z.B. die wohl zu den Bekanntesten Namen zählende Weberer Lanificio Filli Cerruti auch nur jedes Jahr ein festes Kontingent an Meterware produziert. Auch wenn die Nachfrage mitunter um ein vielfaches höher läge.
Doch auch innerhalb der Italiener gibt es Unterschiede. Dabei sind die bekanntesten Webereien nicht unbedingt alleine was die Qualitäten angeht.
Sicher kennen Sie Namen wie
Ermenegildo Zegna, Ing. Loro Piana, Lanificio Filli Cerruti dal 1881, Vitale Barberis Cannonico, Fratelli Tallia di Delfino, Marlane, Marzotto, Tessile D´oro, Lanificio di Fabio etc. sicher aus zahlreichen ihrer hochwertigen Anzüge, denn diese Markenweber führen ihr "eigenes Etikett", das sogenannte Weber-Etikett, korrekterweise auf der linken Innenseite ihres Jackets eingenäht, meistens über der Visitenkartentasche, also im unteren Bereich des Innenfutters.
Sie sind selbst oft "die Identifikationsmarke". Zu Recht, denn bei den meisten Anzügen stellt der Preis des Stoffes den Löwenanteil an den Herstellungs- und Produktionskosten.

                                                                 
 
Die Bekanntheit ihrer Marken lassen sich Lanificio Filli Cerruti dal 1881, Ermenegildo Zegna und Ing. Loro Piana mit extrem hohen Meterpreisen bezahlen. Dabei achten diese Markenweber auch streng und regide darauf wer ihre Stoffe überhaupt verarbeiten und verkaufen darf.
Grund hierfür ist eine zweigleisige Markenstrategie, denn aus den Webereien sind auch Handelsmarken hervorgegangen. Die Marke „Nino Cerruti 1881“ wird in Lizenz auch für Kugelschreiber, Parfüm, Damenbekleidung, Jeans etc. vertrieben, wohingegen die Weberei unter dem Label Lanificio Filli Cerruti dal 1881 mit einem neuen Etikett ihre Meterwaren an ausgesuchte Markenhersteller und Konfektionäre vergibt. Bei Ermenegildo Zegna ist auch aufgrund einer sehr erfolgreichen Flag-Store Strategie im Einzelhandel der Vertrieb der Eigenmarke „Z“ Zegna sehr erfolgreich und die Weberei mit dem Etikett „Cloth by Ermenegildo Zegna“ nur noch etwas für hochwertige Herrenausstatter und Top-Marken, die sich die hohen Meterpreise des Oberstoffes leisten können und wollen.

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Derzeit kann qualitativ die Weberei Vitale Barberis aus Biella den bekannten Wettbewerbern ohne weiteres Paroli bieten, auch andere italienische Webereien wie Delfino, di Fabio und Reda sind längst mit konsumigen und preisleistungsstarken Stoffkollektionen auf den Stoffmessen in Mailand und Paris auf denen die Konfektionäre ihre Meterwaren ordern.


Jede Weberei besitzt eine Vielzahl von Qualitäten in ihren Stoffkollektionen, alleine Cerruti hat eine Bandbreite von mehren Etiketten und Qualitäten. Die preiswerteste, aber auch zugleich bekannteste Stoffqualität ist der Super 120 Metalizatto, er zeichnet sich durch die Verarbeitung eines metalinen Garns aus, welches eine hohe Knittererholung vorweist. Die Königsqualiät "Turbo S180" ist hingegen etwas für Männer, die es sich leisten können solche Anzüge nur zu besonderen Anlässen anzuziehen, denn dieses Garn ist zwar wie ein Seidenhemd zu tragen, aber auch wie ein Seidenkrawatte sehr anfällig für Überbeanspruchung. Doch selbst innerhalb einer Stoffkollektion eines Webers wie Cerruti sind für Laien enorme Preisunterschiede nicht nur an der Garnfeinheit messbar. Die Qualität Superissimo von Cerruti ist wie der Metalizatto auch ein Super 120 - Garn, allerdings ist er vom Griff wesentlich weicher und hochwertiger, da er anders verwebt ist und zusätzlich ein Finish erhält. Deshalb kostet der Meter entsprechend auch ca. 25 % mehr in der Kollektion und folglich auch im Endprodukt. Die Oberklasse und auch bei sehr bekannt bei Cerruti ist der Nobility S150, ein robuster und zugleich sehr hochwertiger Oberstoff aus dem Traditionsbetrieb. Dazwischen ist noch der „Prestige“ zu nennen, der zwar keine Garnfeinheit im Weberetikett ausweist, aber als S130 zu werten ist.
Beispiel eines Weberetiketts der Marke Lanificio Filli Cerruti dal 1881 in der Stofflinie "Metalizatto"


 
In der Königklasse spielen noch Ermenegildo Zegna, zB. mit der Stoffkollektion "Hermitage" aber auch Loro Piana mit seinem "Tasmanian".
Aufgrund der sehr hohen Preise für diese Oberstoffe werden diese Weberetiketten und somit auch die Anzüge immer wieder gefälscht. Daher sollten Sie auch hier bei sehr günstigen Angeboten in großen Mengen stets wachsam sein und den Anbieter genau prüfen, insbesondere den Hintergrund und die Dauer des Angebots sowie das andere Sortiment. Arbeitet ein Anbieter mit verschiedenen Artikeln und Marken zusammen ist das ein gutes Indiz für echte Ware. Wie bei Quint z.B. erhalten sie dort sowohl Markenhemden von Seidensticker, aber auch Anzüge aus Markenstoffen, Markenschuhe von Pierre Cardin, Gürtel von Monti usw.


Unser Ansicht nach kann man die Stoffkollektionen von Loro Piana als modisch, Zegna hochpreisig und leicht englischen Traditionen folgend und Cerruti als klassisch charakterisieren. Alle Kollektionen in der Königsklasse bieten den Konfektionären natürlich die komplette Bandbreite an Farben und Streifen die ein Herrenausstatter wünscht. Dennoch hat jede Weberei einen unverwechselbaren Stil.
Neben den klassischen Schurwollen gibt es für die Sommermonate noch die Möglichkeiten von Kompositionen mit Mohairwolle, der man kühlende Eigenschaften nachsagen kann, der Baumwolle die atmungsaktiver und leichter ist, allerdings sehr knitterempfindlich und im Winter die Mischungen von Cashmere und Schurwolle oder im Sakko und Mantelbereich auch die reinen Cashmere-Artikel, die allerdings bedingt durch eine Verknappung der nur in der Mongulei geschorenen Schafe zwischenzeitlich preislich durch die Decke ist.


4.) Die Konfektionäre/ Die Marken


Den Hersteller eines Anzugs bezeichnet man als Konfektionär. Dabei ist der Markeninhaber nicht zwingend der Konfektionär, oft sind die Hersteller der Anzüge Betriebe die für den Markeninhaber die Anzüge nähen. Die Firma Quint Fashion GmbH mit den Marken Quint Tailor, Quint Select und Quint S150 ist selbst Markenhersteller und somit Garant für eine strenge Qualitätskontrolle vom Garn bis zum Kunden. Ein Großteil der in Deutschland vertriebenen Anzüge werden in der Türkei, Portugal und den osteuropaischen Anreinerstaaten Polen und Rumänien hergestellt. Deutschland war früher ein sehr gutes Produktionsland. Heute existieren nur noch 3 Betriebe, die Anzüge in Deutschland fertigen, allerdings sind die Lohnkosten so hoch, dass der Absatz dieser Anzüge nur noch im festlichen Bereich z.B. Wilvorst oder bei Ausstattern in Bestlagen einen Käufer finden können.
Dabei kommt es oft vor dass mehrere Marken in einem Betreib ihre Anzüge herstellen. Insbesondere die preisaggressiven Marken produzieren seit einiger Zeit bereits in Fernost, insbesondere in den Textilzentren in China, aber auch zunehmend in Thailand und anderen asiatischen Staaten. Unserer Meinung nach jedoch sind in China produzierte Anzüge was die Tradition und die Verarbeitungstiefe angeht nicht mit europäischen Standards zu messen.
Im Anzugsbereich kennen wir viele Marken. Boss mit seinen verschiedenen Markenarchitekturen wie Boss Orange, Boss Black, Baldessarini, Hugo ist allgemein in Deutschland die Referenz für Passform. Oft hört man: „bei Boss passt mir die 50 blind“. Insbesondere durch ein tolles Marketing hat es dieses Unternehmen geschafft sich an die Spitze der Marken im Anzugsbereich zu bringen. Einen großen Anteil an diesem Unternehmen hält die italienische Textilgruppe Marzotto. Ein Hersteller konsumiger Meterware zum Teil zumindest im Weberbereich auch eine bekannte Marke.
Fazit: Eine Marke ist nicht zwingend der Hersteller des Anzugs, sondern nur der Auftraggeber des Lohnbetriebes. Entscheidend für das persönliche Tragegefühl ist daher die „Passform“, die wiederum die Handwerkskunst des ausführenden Betriebes bezeichnet.

  

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