Manches kommt nie aus der Mode: Schreibmaschinen entdecken

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Manches kommt nie aus der Mode: Schreibmaschinen entdecken

Schreibmaschinen – ein Relikt aus vergangener Zeit?

In der heutigen Zeit, in der Computer aus dem Leben der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken sind, können sich viele gar nicht mehr vorstellen, dass es auch mal ein Leben ohne digitale Textverarbeitung gab. Wer kommt unter diesen Umständen schon noch auf die Idee, sich an eine Schreibmaschine zu setzen und darauf seine Texte zu produzieren? Vermutlich mehr Menschen als erwartet.
Zwar mögen viele Vertreter der jüngeren Generation nicht einmal wissen, was eine Schreibmaschine ist und wie eine solche aussieht, aber dennoch hat die Schreibmaschine ihre Anhänger noch nicht gänzlich verloren. Ganz im Gegenteil, die Schreibmaschine erlebt sogar eine kleine Renaissance. Immer mehr - insbesondere junge - Leute besinnen sich zurück auf die Schreibmaschine oder - abhängig von ihrem Alter - entdecken diese für sich neu. In einigen Städten der USA finden sogar sogenannten Type-Ins statt. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, bei denen sich Schreibmaschineliebhaber treffen, natürlich mit ihren Schreibmaschinen im Gepäck, um gemeinsam auf ihre Schreibmaschinen einzutippen und mit diesen Texte zu schreiben. Warum? Bei Vertretern älterer Generationen mögen durch Schreibmaschinen nostalgische Gefühle wachgerufen werden, aber jüngere Anhänger der Schreibmaschine sind dafür zu jung.
Es muss also noch andere Beweggründe geben. Welche? Gründe werden viele genannt: Anders als bei der Textproduktion an einem Computer, sind bei der Bedienung einer Schreibmaschine Nachdenken und Konzentration gefragt, denn was einmal getippt ist, steht schwarz auf weiß auf dem Papier und kann nicht wieder durch Drücken einer Löschen-Taste entfernt werden – zumindest nicht ohne Korrekturflüssigkeit und ohne Spuren zu hinterlassen. Einer der am häufigsten genannten Gründe ist, dass Schreibmaschinen und die damit produzierten Texte berührbar sind und somit vollkommen real, sodass ein besonderes Schreibgefühl empfunden wird. Dieses Empfinden wird durch das Klacken der angeschlagenen Buchstaben verstärkt. Und anders als die für die digitale Textverarbeitung verwendete Technik, ist die Technik einer Schreibmaschine – sofern es sich nicht um eine elektrische Schreibmaschine handelt - zeitlos und beständig. Aber auch unabhängig von dem aufgekommenen Trend der Rückkehr zur Schreibmaschine, gibt es auch immer noch einige Menschen, die aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zu der modernen Technik gefunden haben, oder trotz dieser lieber auf Schreibmaschine ihre Texte verfassen. Wenn Sie sich nun dafür interessieren, welche Schreibmaschinenbauarten und Hersteller es gibt, finden Sie Informationen darüber zusammengefasst in den folgenden Abschnitten.

Die Technik der Schreibmaschine in einem kurzen historischen Überblick

Um Ihnen die Welt der Schreibmaschinen näher zu bringen, ist ein Blick auf die verschiedenen Bauarten von Schreibmaschinen unumgänglich, schließlich finden sich darin bedeutende Unterschiede: Die erste Schreibmaschine wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfunden. Im Laufe des Jahrhunderts wurden bereits Schreibmaschinen entwickelt, die viele Gemeinsamkeiten mit der klassischen Typenhebelschreibmaschine hatten: Die Maschinen waren mit einer Tastatur versehen, deren Buchstaben auf den Tasten entsprechend der Häufigkeit ihrer Verwendung angeordnet waren. Die Tasten waren über einen Hebel mit den zugehörigen Schriftzeichen, welche auch Typen genannt werden, verbunden. Durch einen Umschalter konnte zwischen Klein- und Großbuchstaben gewechselt werden. Die Typen wurden mittels eines Farbbandes, das zwischen zwei Spulen verlief, eingefärbt und bedruckten so das Papier, welches zuvor über einen Zylinder gelegt und so in die Schreibmaschine eingeführt wurde. Allerdings war bei diesen Schreibmaschinen der geschriebene Text nicht sofort sichtbar, da die Schriftzeichen von oben oder unten auf das Papier aufschlugen.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann die erste Schreibmaschine mit sofort sichtbarem Text patentiert. Die dieser Neuerung zu Grunde liegende Technik war das Wagnergetriebe, welches bis heute die prinzipielle Funktionsweise von Schreibmaschinen darstellt. Hierbei befindet sich zwischen Taste und Typenhebel ein Zwischenhebel, wodurch ermöglicht wird, dass das Schriftzeichen von vorne auf die Papierwalze auftrifft. Dieses System wurde in den Folgejahren nur leicht abgewandelt, indem die Hebel nicht direkt mit einander sondern mit Zugdrähten verbunden wurden, wodurch der Kraftaufwand beim Schreiben erheblich reduziert wurde. Andere große Erneuerungen und Verbesserungen an den Schreibmaschinen entstanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg. So wurden elektromechanische Typenhebelschreibmaschinen gebaut, bei denen der Anschlag der Tasten von einem Motor unterstützt und dadurch erleichtert wurde.
Im Jahr 1947 erschien die Schreibmaschine IBM Executive, welche die erste Schreibmaschine mit Proportionalschrift war. Diese Schrift bezeichnet einen Schrifttyp, bei dem die einzelnen Zeichen nicht alle gleich breit - oder im Falle von schmalen Buchstaben künstlich mit Serifen auf Einheitsbreite ausgedehnt - sind, sondern jedes Zeichen nur so viel Platz einnimmt, wie es breit ist. Ein neues Konstruktionsprinzip kam im Jahr 1962 mit der IBM 72 auf den Markt, welche erstmalig anstelle von Typenhebel einen Kugelkopf oder Typenkopf eingebaut hatte. Hierbei sind auf einem Kugelring alle Zeichen in mehreren Ebenen aufgebracht. Durch Anschlagen einer Taste wird der Ring so gedreht, dass das entsprechende Zeichen auf die Schreibwalze mit dem Farbband und das darunter liegenden Papier schlägt. Der entscheidende Vorteil dieses Konstruktionsprinzips: Es gibt keine einzelnen Typenhebel mehr, die sich bei schnellem Schreiben ineinander verhaken können. Eine Weiterentwicklung des Kugelkopfs ist dasTypenrad, bei welchem die Schriftzeichen an federnden Zungen um ein Rad angeordnet sind. Diese Konstruktion vereinfachte die Bewegungsabläufe in der Maschine beim Schreiben, sodass im Gegensatz zum Kugelkopf keine mehrdimensionalen Bewegungen konstruiert werden mussten.
Ende der 1960er Jahre erschienen Carbonbänder, die, anders als die herkömmlichen Farbbänder mit Flüssigfarbe, mit Kohlenstoff beschichtet waren. Diese Schicht wird durch Aufschlagen der Typen auf das Papier übertragen, sodass mit jedem Anschlag ein kleines Stück des Carbonbandes aufgebraucht wird. Dementsprechend oft müssen diese Bänder erneuert werden. Allerdings kann die auf das Papier übertragene Carbonschicht wegradiert werden, sodass Fehler recht einfach und ohne zu deutliche Spuren zu hinterlassen korrigiert werden können. Außerdem waren Carbonbänder bald auch in anderen Farben als schwarz und sogar in korrekturfähiger Ausführung erhältlich, welche die Farbe des falsch getippten Zeichens aufnehmen oder überdecken. Ab den 1980er Jahren wurden vermehrt elektronische Schreibmaschinen produziert, die sich nach und nach zu hochwertigen Textverarbeitungssystemen entwickelten. Spitzenmodelle dieser Kategorie verfügten neben einem Bildschirm und internem Speicher auch über Diskettenlaufwerke und hatten Tintenstrahldrucker integriert. Dank ihrer Ausstattung konnten diese Modelle noch problemlos mit den damals aufkommenden Computern konkurrieren. Allerdings waren sie so hochpreisig, dass sie weniger für Privathaushalte als vielmehr für die tägliche Büroarbeit ausgelegt waren.

Schreibmaschinen heute

Nun, im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, werden immer noch Schreibmaschinen produziert, wenn auch nur noch sehr wenige. Die Produktion von hochwertigen elektronischen Schreibmaschinen wurde aufgrund der Konkurrenz durch Computer im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte gänzlich eingestellt. Derzeitige Hauptproduzenten von traditionellen Schreibmaschinen sind Triumph-Adler –mittlerweile aufgekauft von Bandermann -, Brother sowie Godrej and Boyce. Im Zuge der Renaissance der Schreibmaschine ist jedoch auch eine neue Generation von Schreibmaschinen erschienen, die allerdings nicht industriell produziert wird: die Schreibmaschine mit USB-Anschluss. Hierbei werden traditionelle, mechanische Schreibmaschinen von Hand umgebaut und mit einem USB-Anschluss versehen, sodass die Textausgabe auf einem normalen Computermonitor oder auf das iPad erfolgt.

Hersteller von Schreibmaschinen

Wie bereits erwähnt, werden mittlerweile nicht mehr viele Schreibmaschinen produziert, und dies auch nur noch von wenigen Herstellern. Trotzdem sind dank der robusten Bauweise der älteren Modelle noch viele Schreibmaschinen erhältlich. Wenn Sie auf der Suche nach Schreibmaschinen namhafter Hersteller sind, so kommen für Sie unter anderem AEG-Olympia, Brother, IBM, Olivetti, Triumph-Adler und - für besonders antiquarische Wünsche - Underwood in Frage.

Vor- und Nachteile von Schreibmaschinen

Natürlich haben Schreibmaschinen verglichen mit den heutzutage erhältlichen Computern einige Nachteile, aber durchaus auch ihre Vorteile und Eigenschaften, die das Schreiben auf einer Schreibmaschine interessant machen. So ist – wie schon anfänglich erwähnt - beim Schreiben an einer Schreibmaschine unabdingbar, dass man sich vor dem Lostippen darüber im Klaren ist, was wie geschrieben werden soll; denn anders als am PC können einzelne Satzfragmente oder gar ganze Abschnitte nicht im Nachhinein umgestellt oder abgeändert werden. Auch ist beim Schreiben erhöhte Konzentration gefragt, da sich Tippfehler nicht ohne weiteres rückgängig machen lassen. Viele Menschen empfinden es als besonders reizvoll, sich bei dem Verfassen von Texten den exakten Inhalt und Wortlaut vor der Eingabe bewusst zu machen und sich ganz auf das Schreiben konzentrieren zu müssen. Für andere hingegen sind diese Aspekte lästig und unangenehm und stellen einen gewaltigen Nachteil der Schreibmaschine dar.
Ein weiterer Nachteil der Schreibmaschine ist, dass Dokumente nicht mehrfach ausgedruckt werden können, sondern entweder kopiert oder nochmal abgetippt werden müssen. Auch können mit der Schreibmaschine angefertigte Texte nicht einfach so per E-Mail verschickt oder anderweitig über das Internet verteilt werden, was jedoch auch als Vorteil der Textproduktion mit der Schreibmaschine interpretiert werden kann: Jeder freut sich über klassische Briefe, oftmals bestimmt sogar mehr als über elektronische Post; immerhin lässt sich ein Schreiben aus Papier nicht so einfach übersehen und auch nicht so schnell löschen wie eine E-Mail und ist außerdem viel persönlicher. Soll nur ein kurzes Schreiben aufgesetzt oder ein anderer kurzer Text verfasst werden, haben Sie schneller einen Bogen Papier in die Schreibmaschine eingelegt als der Rechner hochgefahren ist.
In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass die meisten Schreibmaschinen im Gegensatz zu Computern keinen Strom benötigen, wodurch Sie auch nie durch einen leeren Akku von Ihrem Schreibvorhaben abgehalten werden können. Und da eine Schreibmaschine ausschließlich zum Schreiben von Texten geeignet ist, können Sie sich nicht, wie am Computer, mit Spielen und Surfen im Internet ablenken. Weiterhin sind Mechanik und Bauweise von Schreibmaschinen so solide, dass sie nicht anfällig für Beschädigungen sind und dadurch ein technischer Ausfall sehr unwahrscheinlich ist. Und falls doch mal etwas kaputt geht, lässt sich der Schaden üblicherweise durch eine einfache Reparatur beheben. Andere bedeutende Vorteile der Textproduktion auf Schreibmaschinen sind, die Schreibmaschine selbst und der beschriebene Bogen Papier, die sich beide berühren und anfassen lassen, die Tastatur und die Form ihrer Tasten, die richtig erfühlt werden können, und das Klacken der Anschläge, das einem auch akustisch vermittelt, dass man gerade schreibt. Nur so – sagen Anhänger der Schreibmaschine, worunter sich auch nebenbei bemerkt viele Journalisten befinden – erhält man das Gefühl wirklich zu schreiben.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden