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Tödliches Geschäft – gefälschte Medikamente

 

Der Zugang zu einem Labor, ein wenig Grundverstand von Chemie und das große Geld im Auge – das sind Voraussetzung und Antrieb für ein kriminelles Geschäft, das weltweit jährlich tausende Menschen streben. International bekannt werden nur die spektakulärsten Fälle, wie etwa der 100 nigerianischen Kinder, die elend an einem vermeintlich harmlosen Hustensaft verreckten, der tödliche Lösungsmittel enthielt. In Haiti bekamen Kinder einen mit Frostschutzmittel gestreckten Fiebersirup, für 59 von ihnen kam jede Hilfe zu spät. In Kambodscha starben im Jahr 2000 dreißig Menschen an Malaria. Der Grund auch hier: gefälschte und damit wirkungslose Medikamente. Von den jährlich eine Million Malaria-Toten wären 200 000 vermeidbar, wenn die Medikamente von guter Qualität wären. Die US-Arzneimittelbehörde FDA schätzt, dass gefälschte Präparate etwa zehn Prozent des weltweiten Pharmamarktes ausmachen - damit betrage der Wert der kriminellen Verkäufe rund 26 Milliarden Euro im Jahr.

Die zahllosen Opfer der Medikamentenfälscher zählt niemand. Häufig ist nicht einmal klar, ob Menschen an ihrer Krankheit oder an den gefälschten Medikamenten sterben, die man ihnen verabreicht hat. Nach Angaben der WHO ist Arzneimittelfälschung mittlerweile trauriger Alltag. Rund zehn Prozent aller Medikamente weltweit sind Mogelpackungen: bestenfalls Imitate mit denselben Wirkstoffen wie das Original, schlimmstenfalls aber wirkungslose Attrappen wie in Kambodscha oder sogar Gift, wie die Fälle aus Nigeria und Haiti zeigten. Am häufigsten betroffen sind die Entwicklungsländer, hier werden rund 25% der Medikamente illegal produziert. In manchen Ländern – wie in Nigeria – ist sogar jedes zweite Mittel falsche Ware. Mal entpuppt sich ein angebliches Antibiotikum als Kurkuma-Gewürz, mal enthalten Verhütungspillen statt Hormonen nur gepresstes Weizenmehl.

Gefälscht wird alles, was der Markt der Pharmaerzeugnisse zu bieten hat, in der Dritten Welt sind es fatalerweise meist Medikamente gegen Infektionskrankheiten wie AIDS, Malaria oder Tuberkulose. Die Professionalität der gewissenlosen Fälscher ist dabei so unterschiedlich wie ihre Produktpalette. Während einige in schäbigen Hinterhöfen wirkungslose Stärke in Kapseln abfüllen, pressen andere Tabletten in großen Industriehallen und lassen sie in Verpackungen abfüllen, die vom Original optisch in keinster Weise mehr zu unterscheiden sind. Der Inhalt allerdings macht den großen Unterschied:
nach einer Studie der WHO enthalten gerade einmal 7 Prozent der Fälschungen tatsächlich den richtigen Wirkstoff in der korrekten Dosierung. 17 Prozent enthalten zwar den richtigen Wirkstoff, allerdings viel zu wenig, um wirklich heilen zu können. 16 Prozent enthalten den falschen Wirkstoff oder sind sogar mit giftigen Substanzen verunreinigt. Und mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent der gefälschten Medikamente sind komplett wirkungslos.
Die Pharmaunternehmen wissen zwar um das Problem, aber aus Angst vor einem Vertrauensverlust für ihre übrigen Produkte geben sie keine Warnungen heraus, wenn ihnen gefälschte Präparate bekannt werden.

Zunehmend werden Arzneimittelfälschungen in Europa und Nordamerika aufgrund des Angebots über das Internet und den in Deutschland zwar verbotenen, weltweit aber forcierten Versandhandel und Import entdeckt. So wurden zum Beispiel in den USA circa 1,5 Millionen Antibabypillen beschlagnahmt, die zu wenig Wirkstoff enthielten. "Auch für Deutschland ist eine Gefährdung durch Arzneimittelfälschungen nicht auszuschließen, zumal über deutsche Freihäfen bereits unterdosierte Medikamente verschifft und in deutschen Apotheken gefälschte Arzneimittel entdeckt wurden", so der German Pharma Health Fund e.V. (GPHF). 
Dennoch: in Deutschland muss man sich kaum Sorgen vor Arzneimittelfälschungen machen, solange man Sie beim Apotheker kauft. In den Jahren 1996 bis 2002 sind gerade mal 26 Fälle gefälschter Medikamente bekannt geworden, wobei in den meisten Fällen nur der Beipackzettel gefälscht war. Bei rund 1,6 Milliarden verkauften Arzneimitteln pro Jahr in Deutschland ist das nicht viel.

Den Verbraucher haben die gefälschten Medikamente jedoch gar nicht erst erreicht, dafür sorgte das dichte Kontrollsystem: Jeder Apotheker ist gesetzlich dazu verpflichtet, regelmäßig in Stichproben Arzneimittel zu überprüfen. Jeden Tag werden so in deutschen Apotheken 120.000 Arzneimittelpackungen kontrolliert, insgesamt sind das mehr als 5 Millionen Überprüfungen im Jahr. Von einem solch ausgefeilten Kontrollsystem können die Menschen in den Entwicklungsländern nicht profitieren und sind den Fälschern weiterhin hilflos ausgeliefert.
Medikamente, an denen Fehler festgestellt werden, werden sofort durch die Kontrollbehörden - wie etwa das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) - vom Markt genommen. Wer hingegen Anabolika über dunkle Kanäle aus dem Fitnessstudio bezieht, oder auf unseriöse E-Mail-Angebote wie "Viagra rezeptfrei für 10 Cent die Kapsel" hereinfällt, muss auch hierzulande damit rechnen, eine wirkungslose Pille zu bekommen - oder Schlimmeres.

Medikamentenfälscher gefährden unsere Gesundheit und unser Leben, für dessen Schutz man bereit sein sollte, auch einen höheren Medikamentenpreis zu bezahlen. Dann hört die Geldquelle skrupelloser Geschäftemacher auch auf zu sprudeln.

 

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