MD-Player & -Recorder selbst reparieren

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MD-Player & -Recorder selbst reparieren

MiniDisc-Player und -Recorder haben sich im Privatbereich nicht im gewünschten Maße durchsetzen können. Die großen Vorteile der Geräte haben aber dazu geführt, dass sie sogar in Tonstudios Einzug hielten. Mit dem Siegeszug von MP3 und mobilen Geräten für das erfolgreiche Format gerieten tragbare MD-Player langsam aber sicher in Vergessenheit. Auch wenn in Japan das Format nach wie vor ähnlich weit verbreitet wie die CD ist.

Trotz der deutlichen Vorteile, zu denen unter anderem umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten direkt auf dem Gerät selber gehören, konnte sich das System nicht am Markt durchsetzen und fristete eher ein Nischendasein. Das mag zum Teil auch der damaligen Marketingstrategie zuzuschreiben sein, nach der die MiniDisc als Nachfolger der Compact Cassette positioniert wurde, obwohl sie eigentlich eher das DAT (Digital Audio Tape) im Consumerbereich ablösen sollte. DAT war durch die hohen Gerätepreise eher für Audioliebhaber und Tonstudios interessant und konnte sich daher im Privatbereich kaum durchsetzen. Leider erlitt die MiniDisc weitgehend das gleiche Schicksal, nur in Japan, dem Ursprungsland der Technik, gelang dem Format der erfolgreiche Schritt in den Markt.

Nichtsdestotrotz gibt es auch in Deutschland viele MiniDisc-Player und -Recorder, die trotz ihrer robusten Bauweise mit der Zeit immer öfter Probleme machen. Die Mechanik, die ähnlich wie beim CD-Player konstruiert ist, verursacht dabei den größten Teil aller auftretenden Symptome.

Gründliche Vorbereitung ist unverzichtbar für die erfolgreiche Reparatur

Eine Reparatur der Geräte ist oft auch für Laien möglich. Sie sollten allerdings bei Geräten mit eingebautem Netzteil die Arbeiten innerhalb des Gerätes nur von geschultem, qualifiziertem Personal ausführen lassen, sofern Sie nicht selbst über die notwendigen Kenntnisse und Befähigungen verfügen. Auch nach dem Ziehen des Netzsteckers können im Bereich des Netzteils noch spannungsführende Teile offen liegen, deren Berührung zu schweren gesundheitlichen Schäden bis zum Tod durch Herzstillstand führen kann.

Lassen Sie daher im Zweifelsfalle eine Reparatur nur von Fachpersonal ausführen – die Mehrkosten für die Reparatur wiegen in jedem Falle deutlich geringer als die möglichen gesundheitlichen Schäden durch den Kontakt mit Netzspannung.

Diagnose des Problems und Nachschlagen in der Bedienungsanleitung

Der erste Schritt beim Auftreten eines Problems sollte der Blick in die Bedienungsanleitung sein. Häufig auftretende Probleme werden dort in der Regel mit einfachen Vorschlägen zu ihrer Beseitigung aufgeführt.

Dazu ist es auch ratsam, das auftretende Problem genau zu beobachten. Gibt es ein Muster, nach dem es auftritt? Bei genauer Beobachtung könnten Sie beispielsweise feststellen, dass eine bestimmte Reihenfolge von Bedienschritten das Problem reproduzierbar auftreten lässt. Eine andere Möglichkeit wäre, dass das Problem nur bei Benutzung einer bestimmten MiniDisc oder in Kombination mit einem bestimmten anderen Gerät auftritt. Je genauer Sie hinschauen, desto leichter fällt es, das Problem systematisch einzukreisen.

Sobald Sie das Problem auf eine möglichst geringe Anzahl zusammentreffende Punkte reduziert haben, können Sie gezielt nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten suchen. Dazu finden Sie auch über das Internet reichlich Möglichkeiten, beispielsweise in Foren, die sich auf die MiniDisc spezialisiert haben. Dort kann man Ihnen auch in vielen sehr speziellen Fällen weiterhelfen, beispielsweise wenn eine Aufnahme nach einem Stromausfall plötzlich nicht mehr abspielbar ist.

Zuerst die Reparaturanleitung konsultieren, dann Hand anlegen

Zeigt das Gerät einen offensichtlichen Defekt, so lässt es sich meist mit vertretbarem Aufwand reparieren. Über das Internet lassen sich viele Ersatzteile problemlos besorgen, ebenso wie ein anderes unverzichtbares Instrument zur erfolgreichen Reparatur: Ein Service Manual, auch als Reparaturanleitung bekannt.

Diese meist umfangreichen Dokumente werden vom Gerätehersteller für Fachwerkstätten zur ordnungsgemäßen Instandsetzung herausgegeben, lassen sich in vielen Fällen aber auch über das Internet als PDF-Dokumente auffinden. Im Zweifelsfalle können Sie auch bei Schaltungsdiensten anfragen, die ein umfangreiches Lieferprogramm an Schaltplänen und Wartungsunterlagen gegen eine entsprechende Schutzgebühr bieten. Im Service Manual finden Sie detaillierte Anweisungen, wie das jeweilige Gerät korrekt auseinander genommen und wieder zusammengesetzt werden kann. Auch Hinweise zum benötigten Werkzeug finden sich in diesen Unterlagen, die leider selten direkt zum Lieferumfang der Geräte gehören.

Mit dem richtigen Werkzeug fällt die Reparatur deutlich leichter

Anhand der Beschreibungen im Service Manual können Sie das benötigte Werkzeug zusammenstellen. Spezielle Schraubendreher, zum Beispiel mit Torx-TR-Kopf oder sonstigen Sonderformen, erhalten Sie meist kostengünstig über das Internet, beispielsweise bei ebay, ebenso wie weiteres Werkzeug zum Öffnen von Gehäusen mit Rastnasen. Diese lassen sich zwar auch mit roher Gewalt öffnen, in der Regel brechen dabei aber eine oder mehrere dieser Rastnasen oder der zugehörigen Ösen, so dass das Gehäuse später nicht mehr einwandfrei schließt. Gerade bei mobilen Geräten dringt durch diese Spalten dann Staub ein und macht das Laufwerk im schlimmsten Falle dauerhaft unbrauchbar.

Daher ist die bessere Alternative auf jeden Fall, das kleine Werkzeugsortiment zum Gehäuseöffnen anzuschaffen. Fertige Sets, mit denen viele Einsatzzwecke abgedeckt werden können, finden Sie ebenfalls im Internet. Ein zusätzlicher Tipp: Bewahren Sie alte Bankkarten (Girocard, Kreditkarte, etc.) auf, diese eignen sich gut als weiches Werkzeug, um gezielte Hebelkräfte auf Plastikgehäuse auszuüben. Mit Metallwerkzeugen verursachen Sie schnell hässliche Werkzeugspuren, die im Extremfall dann auch wieder zum Staubeintrag in das Gehäuse führen können. Mit der Plastikkarte hingegen verhindern Sie zudem hässliche Kratzer, falls Sie einmal abrutschen.

Wenn Sie im Internet Ihr Werkzeug zusammenstellen, kaufen Sie auch gleich ein kleines Leergehäuse aus Plastik mit Clips als Verschlussmethode statt eines verschraubten Gehäuses. Mit solch einem Gehäuse für wenige Euro können Sie sich zum einen genau ansehen, wie das Clippen von Gehäuseteilen funktioniert, und zum anderen gefahrlos das spurenfreie Öffnen solch eines Gehäuses üben, bevor Sie sich an den teuren MiniDisc-Recorder wagen.

Das richtige Ersatzteil für das Laufwerk suchen und finden

Haben Sie anhand Ihrer eigenen Beobachtungen und/oder der strukturierten Anleitung zur Fehlersuche aus dem Service Manual den Fehler auf ein bestimmtes Bauteil eingegrenzt, so ist der nächste Schritt die Suche nach einem passenden Ersatzteil. Abgesehen von den mobilen Geräten finden vielfach die gleichen Standardkomponenten Verwendung, sodass die Verfügbarkeit für viele der gängigen Ersatzteile immer noch sehr gut ist. Erste Anlaufstelle ist neben dem Fachhandel – wo Sie jedoch häufig dazu gedrängt werden, gleich die gesamte Reparatur dort erledigen zu lassen – auch hier wieder das Internet.

Mit der genauen Bauteilbezeichnung aus der Teileliste, die Sie im Service Manual finden, gelingt es meist leicht, das passende Ersatzteil ausfindig zu machen. Schlägt die Suche hier zunächst fehl, können Sie Ihre Recherche zum Beispiel auch auf MiniDisc-Foren ausdehnen. Oftmals finden sich hier dringend gesuchte Ersatzteile im Austausch gegen andere Teile oder gegen einen kleinen Obolus.

Eine weitere Möglichkeit ist, ein baugleiches oder zumindest kompatibles Gerät mit einem anders gearteten Defekt als Ersatzteilspender zu kaufen. Je nach Defekt lässt sich so gleichzeitig noch ein kleines Ersatzteillager für die Zukunft aufbauen. Allerdings sollten Sie hier auf das Alter und den Zustand des Spendergerätes achten, sonst stehen Sie womöglich nach kurzer Zeit erneut vor dem gleichen Problem.

Zu guter Letzt gibt es natürlich auch die Möglichkeit – sofern noch lieferbar – einen baugleichen neuen MiniDisc-Player beziehungsweise -Recorder zu kaufen und das defekte Gerät als Ersatzteilspender einzulagern.

Ersatzteile neu oder gebraucht kaufen – oder aus zwei Geräten eines machen?

Alle diese Möglichkeiten haben ihre eigenen Vor- und Nachteile. Bei neuen oder neuwertigen Ersatzteilen ist die Chance für eine dauerhaft erfolgreiche Reparatur natürlich am höchsten. Das setzt jedoch voraus, dass das defekte Bauteil noch keine Folgeschäden am Rest des Gerätes verursacht hat – das lässt sich meist jedoch kaum ohne spezielles Wissen und teure Ausrüstung überhaupt feststellen. Für den normalen Anwender bleibt es daher bei dem Fazit, dass erst nach der Reparatur klar ist, ob das Gerät wieder einwandfrei funktionieren wird, und dass kaum vorherzusagen ist, wie lange es das noch tun wird. Rein statistisch gesehen funktionieren die meisten reparierten Geräte danach noch lange Zeit völlig problemlos.

Negative Ausreißer gibt es jedoch immer, daher sollten die Aufwendungen für die Reparatur gegenüber einem Neukauf stets im Rahmen bleiben. Zwar ist es auch ökologisch in der Regel sinnvoller, ein bestehendes Gerät zu reparieren, als ein neues zu kaufen. Wenn diese Reparatur jedoch deutlich teurer als die Neuanschaffung ist, lässt sich schwerlich nur mit dem ökologischen Aspekt argumentieren.

In solch einem Falle sollten Sie aber zumindest das defekte Gerät nicht entsorgen, sondern entweder selbst einlagern, um es gegebenenfalls später als Ersatzteilspender zu verwenden, oder es anderen versierten Nutzern zur weiteren Verwendung überlassen oder verkaufen. So ist zumindest sichergestellt, dass die Umwelt nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen wird, als unbedingt nötig ist.

Altes Gerät reparieren oder doch lieber ein neues Gerät kaufen?

Eine Recherche im Internet zeigt, dass mittlerweile viele Verbraucher davon überzeugt sind, dass kaputte Geräte besser repariert werden sollten, anstatt sie zu entsorgen. Dieser Trend führt neben einem regen Teilehandel auch dazu, dass immer mehr Know-how angesammelt und ausgetauscht wird. Damit rückt eine erfolgreiche Reparatur auch dann in greifbare Nähe, wenn weder Budget noch eigene Fähigkeiten die Reparatur erlauben.

Einer der neuesten Trends in dieser Richtung sind die sogenannten Repair Cafés, bei denen sich interessierte Ehrenamtliche treffen, um defekte Geräte instand zu setzen. Die ursprünglich aus den Niederlanden stammende Idee verbreitet sich mittlerweile weltweit, auch in Deutschland gibt es bereits einige regelmäßig stattfindende Repair Cafés. Dabei handelt es sich nicht um stationäre Ladengeschäfte, sondern um Veranstaltungen, die jeweils zu festgelegten Terminen stattfinden. Dort wird dem Hilfesuchenden kostenlos mit Rat und Tat bei der Instandsetzung seiner defekten Geräte und Alltagsgegenstände geholfen.

Um Ersatzteile muss sich der Besitzer allerdings dabei meist selber kümmern, solange es sich nicht um simple Teile wie beispielsweise Netzstecker oder fehlende Schrauben handelt. Selbst wenn das passende Teil nicht vor Ort verfügbar ist, besteht dennoch die Möglichkeit, sich von den erfahrenen Reparateuren mit Informationen versorgen zu lassen, wie die Reparatur zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann. Auch im Hinblick auf Hilfe bei zukünftigen Problemen lassen sich hier wertvolle Kontakte knüpfen, von denen alle Beteiligten profitieren.

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