M-AUDIO Dreifaltigkeit - Torq & Co

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Salection - Feb. 07

M-AUDIO fällt mit einem Paukenschlag in den wachsenden Markt der digitalen DJ-Systeme ein. FS, Serato und Co bekommen also einen neuen Mitbewerber, der neben etlichen innovativen Features, vor allem beim Preis zu punkten weiß. Unter 300 Euro für eine Vinyl-Emulation inklusive Hardware, kann das gut gehen?

Bisher scheiterte die Traumerfüllung vieler DJs schon beim Preis. FS, SSL, DS und wie sie alle abgekürzt heißen, verlangen eine Investition im oberen dreistelligen Bereich. Preiswertere Alternativen, wie Mixvibes, belasten den Geldbeutel durch den Zukauf passender Audio-Interfaces oder werden mitunter zur Bastelsache. Nix halbes, nix ganzes und nun also ein gut beleumundeter Hersteller mit einem abgestimmten Dreigespann aus Software (Torq), Audio-Interface (Conectiv), sowie Controller (X-Session Pro). Ich hab M-AUDIOs Einstand in der Vinylvariante getestet.

Das Package erreicht mich in einer schmucken Kiste, darin zwei Timecode-Vinyl, zwei Timecode-CD, Software-CD, Conectiv-Interface, USB-Kabel und ein dünner Quickstart-Guide. Das 88seitige Handbuch darf ich mir downloaden und ausdrucken, Chinchkabel fehlen ebenfalls … verbesserungswürdig. Dagegen gefällt mir das Klappcover des Timecode-Vinyls mit seinem aufgedruckten Anschlussschema. Scheint idiotensicher.

Conectiv Hardware

Conectiv, ein USB-Audio-Interface, verfügt über je vier Ein- bzw. Ausgänge in Form von Chinch-Buchsen. Dazu gesellen sich ein Kopfhöreraus- sowie ein Mikrofoneingang. Die Eingänge können, je nach Signalquelle, zwischen Phono, Line und Mikrofon umgeschaltet werden. Auch an eine Erdung für Turntable wurde gedacht. Zwei große Drehknöpfe regeln das Volumen des jeweiligen Kanals, eine Monitorabteilung mit Cue/Split/Volume- sowie ein Mic-Regler komplettieren das Ganze. Die Hardware ist komplett aus Kunststoff, das aber recht solide und sehr handlich. Erfreulich ist, dass Conectiv als Soundkarte erkannt wird und sich so auch mit anderen Anwendungen einsetzen lässt.

Torq Software

Die Software bietet eine Vielzahl von Features und braucht sich vor den bisherigen Platzhirschen nicht zu verstecken. Ganz im Gegenteil. Zwei virtuelle Decks verfügen über den üblichen Schnickschnack um MP3, Wav, Aiff, etc. zu steuern. In jedem Deck lassen sich Cue-Punkte und Loops setzen, sowie interne Effekte-Racks anwenden. Zudem hebt sich Torq durch einen Sampler mit 16 Sample-Slots und einem (optional verwendbaren) internen 2-Kanal-Mixer hervor. Steuerbar sind alle Funktionen natürlich auch via MIDI, zum Beispiel durch den dafür optimierten Controller X-Session-Pro.
Ein weiteres Highlight ist die mögliche Einbindung von VST-PlugIns. Das dürfte die Arbeit mit einer DJ-Software in neue Dimensionen heben. Für faule DJs gibt es eine automatische Tempoerkennung und eine Synchronisierung, ein in Foren gern diskutiertes Thema.

Sehr schön ist das Snapshot-System, mit dem sich Bewegungsabläufe an Buttons und Reglern aufzeichnen, speichern und bei Bedarf wieder laden lassen. Pluspunkt.
Freilich gibt es auch ein Waveform-Display mit der optischen Darstellung des aktuellen Tracks. Das finde ich allerdings bei meinem “Stammsystem” Digiscratch besser gelöst. Die, bei Torq, mittig übereinander laufenden, einfarbigen Wellenformen, was wohl eine visuelle Mixunterstützung sein soll, irritieren mich etwas. Da mag ich eine deckbezogene Zuordnung, mit mehrfarbigen Wellenformen weit mehr. Aber sicher handelt es sich hierbei nur um eine Frage der Gewöhnung.

Vinylsteuerung:
In der externen Steuerung, also durch Timecode-CD bzw. Vinyl, arbeitet Torq mit der gleichen Technologie wie das “exotische” Ms.Pinky System. Die Kalibrierung des Timecode-Signals erfolgt dabei automatisch und funktionierte bei mir, selbst mit einem verbrauchten Ortofon Pro-S System, in der Grundeinstellung. Neben der Deck-Steuerung (entspricht in etwa einem CD-Player), einem Relative-Mode und einem Absolut-Mode (letzterer ist mit klassischem Auflegen gleichzusetzen), gibt es auch einen so genannten Amputante Mode. Dabei kann man mit nur einem CD-Player bzw. Turntable beide virtuelle Decks bedienen.

Auf meinem Rechner (P4, 1024MB RAM) lief Torq mit dem kleinsten der einstellbaren Latenzwerte (Buffersize 128, also 3 ms) flüssig und frei von Fehlermeldungen oder Abstürzen. Das Vinylfeeling ist passabel, lässt sich aber nicht 100%ig mit Digiscratch vergleichen. Erinnert mich eher an meine Final Scratch 2 Versuche, bei einigen Scratches scheint der Sound “zu schwimmen”. Nun bin ich aber nicht wirklich das große Turntabelism-Ass, mir genügt es schon zwei Tracks ordentlich ineinander zu mischen. Diesem Anspruch wird Torq ohne weiters gerecht.

X-Session-Pro / MIDI
Das Arbeiten oder besser, das Spielen mit den Cue-, Loop- und Effekt-Funktionen macht viel Freude. Da verliert man schnell manch Stündchen. Zum besseren Handling nutze ich Trigger Finger als Controller. Die Belegung der Buttons, Pads und Fader ist dank MIDI-learn ein Kinderspiel. Gefällt sehr.
Mit dem zusätzlich erhältlichen X-Session-Pro liefert M-AUDIO auch ein auf Torq zugeschnittenes Bedienteil. Der handliche Mixer wird über USB mit dem Rechner verbunden und verfügt über alles, was man benötigt um mit den beiden virtuellen Decks zu arbeiten. Einfach anstecken und loslegen. Der X-Session-Pro lässt sich übrigens auch mit jedem anderen Programm, welches eine MIDI-learn Funktion hat, verwenden.

Sync / Cue / Loop / Effekte
Wo ich nun schon einmal den MIDI-Controller angeschlossen habe beschließe ich, mich doch mal an der Sync-Funktion zu versuchen. Eigentlich ein rotes Tuch, denn wer mit Vinyl arbeitet (auch wenn dieses nur Timecode enthält) soll gefälligst mixen.
Doch siehe da, es macht Spaß. Quasi im Blindflug zimmere ich Tracks an- und ineinander, erstelle Loops, setze Cue-Punkte und schraube an den Effekten. Erstaunliche Ergebnisse, bei klar strukturierten Tracks hat die Software auch nicht die geringsten Probleme mit der Beaterkennung. Naturgemäß wird bei verschachtelten Beats alles komplizierter, hier ist ab und an manuelle Nacharbeit erforderlich. Remix in Realtime, dazu äußerst intuitiv.

Rewire
Torq unterstützt Rewire, kann also in entsprechende Programme, wie z.B. Ableton Live, eingebunden werden. Ändert sich das Tempo in Ableton, ändert sich auch das in den virtuellen Decks der Torq Software. Ein guter Ansatz, zum niederknien erst, wenn es auch andersrum geht.

Viele andere Dinge
Neben den beschrieben Features sollen weitere, wie eine vorhandene Key-Korrektur, die Unterstützung von iTunes-Bibliotheken oder der integrierte Performance Recorder nicht unerwähnt bleiben.

Fazit:
Für den Einstieg in die Welt des digitalen DJings bietet Torq erstaunlich viel für einen kleinen Preis. Torq kann durchaus mit den etablierten Systemen mithalten. Für mich waren, aufgrund langjähriger Gewöhnung, einige Sache irritierend, wettgemacht wurde das jedoch durch die Featurevielfalt. Hätte ich nicht schon ein anderes System würde ich bei Torq zuschlagen.

+
- Preis/Leistungsverhältnis
- großer Funktionsumfang mit Sampler, Cue, Loop, Effekten, Sync etc.
- Einbindung von VST-PlugIn und Rewire-Unterstützung
- Conectiv kann mit anderen Programmen eingesetzt werden

-
- Torq ist nur mit Conectiv einsatzfähig (also eine Art Dongle)
- keine Chinchkabel und kein Handbuch im Lieferumfang
- etwas schwammiges Vinylfeeling beim Scratchen
- gewöhnungsbedürftige Waveform-Darstellung
- Preis des (Ersatz) Timecodes

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Kontakt:

Tel: 0351 4845866

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