Lotem 800 Creo Scitex Rip-Problem Indesign TippsTricks

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 CTP mit Creo/Scitex Lotem 800: Rip-Probleme an der Brisque mit Indesign-Dateien?

Hallo an alle eBay-User in Deutschland, die an so einem mittlerweile in die Jahre gekommenen Arbeitsplatz in der Druckvorstufe sitzen und sich immer und immer wieder mit den allseits bekannten Problemen mit obigen Dateien auseinandersetzen müssen. Im folgenden biete ich einen Lösungsansatz an, der vielleicht für den einen oder anderen von Nutzen wäre (natürlich ohne Gewähr). Hinweis: dieser Ratgeber wird von Zeit zu Zeit ergänzt und selbstverständllich auch aktualisiert, sofern ich zeitmäßig dazu komme.

Problem: Sie bekommen immer mehr Indesigndaten zur Aufbereitung für die Druckvorstufe und stellen fest, dass von Indesign kreierte "Bild"-Masken die Vektor/Schrift-Informationen drunter überlagern und alles nun vom Rip als Bild interpretiert wird und in geringer Auflösung gerippt werden (das Rip geht also davon aus, dass es sich um Halbtoninformation handelt).

Lösung No. 1: Sie nehmen Kontakt zum Hersteller auf und kaufen eine neue Workstation mit der neuesten Rip-Software (Kostenpunkt vielleicht 20000-30000 €). Der Lotem 800V wird dann mit dem neuen Gerät angesteuert.

Lösung No. 2: Nun; Creo selbst hat in den Rip-Settings eine Einstellungsoption mit abgespeichert, bei der unter "CT Handling"/"CT Quality" die "CT on CT Border" und die "Screen Grabs" in der LW Resolution (i.d. Regel 100 L/mm) interpretiert/gerippt werden. Das LW-File wird nun natürlich größer, da viel Halbton-Infos in die lauflängencodierten LWs reingerechnet werden. Das ist jetzt aber kein Beinbruch, da diese Daten genauso und auch bei Mischformen problemlos ausgeschossen und belichtet werden können. Wichtig ist aber, das die Grunddaten in Indesign unter Werkzeuge/Druckproduktion/Transparenzenreduzierung aktualisiert werden. Ich empfehle, aus diesen Daten PostScriptdaten zu erzeugen. Die Weiterverarbeitung ist um Meilen problemloser!
Zu beachten (Einschränkungen): Bei "composite"-Dateien (PDFs aus INDESIGN) kann das RIP auf der Brisque Fehler erzeugen bzw. sich zu Tode interpretieren (-> Schleife). Dies kann man umgehen, indem man in Acrobat vorseparierte PSe erzeugt, sodass das Datenhandling umfangmäßig für das Rip deutlich reduziert wird. Auch hier gilt: weniger ist mehr: also eine 32seitige Broschüre in 4 oder noch mehr Teile splitten, falls es mal Probleme geben sollte. Eine weitere Empfehlung meinerseits ist auch hier, nicht das volle Doppelprozessorspektrum bei einer F50 auszunutzen sondern peu à peu die Daten rippen lassen; also immer nur eine einzige Datei rippen. Im schlimmsten Fall muss der Desktop (cdesci) neu gestartet werden - ist halt so! Bei Fehlermeldungen ("Abnormal Termination etc...) sollte das PDF mit PitStop-Professional nachbearbeitet werden; d.h. Masken in Farbauszügen eliminieren, die da nicht reingehören. Noch was, wer hier Überfüllungen benötigt, sollte nach dem erfolgreichen Ripvorgang die CT/LW-Seiten mergen, dann klappt es auch mit dem Trapping!

Lösung No. 3 (ist mit Sicherheit die sauberste/billigste und effektivste Variante): RIP-Software unter Linux mit einem Red Hat-zertifizierten Single/Doppelprozessor-Rechner auf Xeon-Basis. Ich habe mir vor kurzem diese Sache "live" anschauen dürfen in München: hier wird sozusagen "ferngesteuert" unter Mac OS X das Rip in der Blackbox neben der Brisque mit dem entsprechenden Jobticket gestartet und danach die fertigen LW/CT-Daten automatisch über das Netzwerk im entsprechenden Ordner auf der Brisque abgelegt. Der Workflow funktioniert, ist einfach und die Ergebnisse waren fantastisch (vollkommen kompatibel zu den nativen LW/CTs auf der Brisque). Kostenpunkt hier so ab 6000  €. Man kann also für wenig Geld auf diese Art und Weise seine Rip-SW upgraden und über die nächsten Jahre den Lotem 800 noch volle Kanone ausnutzen, ohne dass einem dieses Investment das finanzielle Rückgrat bricht.

Nachtrag 02/2009: das SW-Rip ist nun gekauft und wir sind echt zufrieden. Was jetzt noch interessant wäre für den Besitzer, ist ein Harlequin-Rip mit FM-Rasterausgabe am Lotem (das funktioniert dann auch mit entsprechendem Frontend). Der Lotem ist und bleibt, wenn man sorgfältig damit umgeht, unkaputtbar und bleibt noch für viele Jahre einsatzfähig und ist wieder voll integriert.

Tipp No. 2: Datensicherung an der Brisque. Diese ist eigentlich schon integriert: ich mache die Sache so: Abends kurz vor'm nachhausegehen nehme ich mir 20-30 Ordner vor, in denen die Feindaten drinstecken, aktiviere durch Anklicken der rechten Maustaste die "Archive and Compress"-Funktion und starte somit die Generierung  von verlustfreien Daten in eine ".tar"-Datei, die ich auf dem Mac ablege und bei Bedarf (Nachdruck etc) wieder auf die Brisque bringe. Die Brisque selbst ist somit immer einigermaßen leer und aufnahmebereit für die nächsten Jobs - also einfacher geht es wirklich nicht mehr! Bei einem Nachdruck kann ich mir die Blaupause sparen, denn alles läuft Faksimile zum letzten Job!

Tipp No. 3: Jetzt zum Thema vorseparierte PDFs vom Kunde. Alles ist soweit in Ordnung, denn der Kunde hat seine Überfüllungen/Überdruckungen etc schon eingearbeitet und Sie möchten nun nach dem RIPen blaupausen, was aber bei älteren Softwareversionen dazu führt, dass zwar richtig separiert wird vom Rip, aber die Farbauszüge als schwarz/weiß interpretiert dargestellt werden. Hier meine Lösung: in Acrobat über Illustrator ein Rechteck (außerhalb des Beschnitts) in der korrekten Farbe abspeichern (also wieder von Acrobat ins PDF reinrechnen lassen); RIPen und was passiert: die entsprechenden Farben werden nun korrekt vom Rip interpretiert und alles ist für die farbige Blaupause fertig! Hyper...

Fazit: Das Creo/Scitex System ist für mich immer noch state-of-the-art in der Druckvorstufe. Der integrierte Dschungel an Lösungsmöglichkeiten lässt fast keine Wünsche offen! Und wenn es keine internen Lösungen geben sollte, dann holt man sich diese von draußen. Ein Mangel sei aber nicht verschwiegen: die Geräte haben ihren Preis und sind bei Gott nicht billig - leider!

Wenn der eine oder andere aus den Infos einen Nutzen ziehen kann, dann würde ich mich sehr darüber freuen!

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