Lohnt sich für mich der Umstieg auf HD-Fernsehen?

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HDTV, Full-HD und Blu-Ray: Das sind die momentanen Schlagwörter der Unterhaltungsindustrie, die uns dazu bewegen will, alles vom Fernseher bis zum DVD-Player durch neue Geräte zu ersetzen. Aber muss es denn wirklich HD oder sogar Full-HD sein, und soll ich alle meine DVDs jetzt durch Blu-Ray Scheiben ersetzen? Die Antwort darauf ist nicht so einfach und nicht für jeden Fernsehzuschauer oder Filmfan die selbe. In diesem Ratgeber möchte ich ein paar Fakten zusammenstellen, die einem die individuelle Entscheidung vielleicht ein wenig leichter macht.

Zunächst muss ich wissen, dass man ALLE Teile der Gerätekette ersetzen muss, um in den Genuss von hochauflösenden Bildern zu kommen. Es reicht also nicht, sich einen neuen HD-ready Fernseher zu kaufen. Der kann zwar hochauflösende Bilder darstellen, aber :

1. Von welcher Quelle kommt mein Programm?

Die Bilder kommen üblicherweise aus folgenden Quellen auf die Mattscheibe:

1. TV-Empfänger (Fernsehempfang)
2. Videokameras (selbst gehrehte Videos)
3. Festplatten-, DVD- oder Videorecorder
4. DVD Spieler.

Betrachten wir diese 4 Quellen einmal hinsichtlich ihrer HD- Eignung:

1. TV-Empfänger: Wenn man sein Fernsehprogramm analog empfängt (z. B. über Kabel analog), kann man HDTV schon mal gleich vergessen. Diese Empfangsart wird auch in Zukunft kein HDTV übertragen. Bei den digitalen Fernsehempfangsarten gibt es drei verschiedene: DVB-T (über Antenne), DVB-C (über Kabel) und DVB-S (über Satellit). Bei DVB-T ist derzeit kein HDTV geplant, daher wird das hier auch in der Zukunft nichts hochauflösendes zu sehen geben. Im Kabel gibt es derzeit nur einige HD- Kanäle von Premiere (die aber extra kosten) und ein freies Programm (Anixe HD). Über Satellit sind es ein paar mehr, die meisten sind aber auch hier Pay-TV. Die öffentlich-rechtlichen werden 2010 den Regelbetrieb in HD aufnehmen. Ab dann wird das Angebot wesentlich größer, empfangbar aber auch nur über digitales Kabel (mit Settop-Box) und Satellit. Es wird aber auch noch die nächsten Jahre parallel in Standardauflösung gesendet. Man verliert also keine Programme, wenn man bis dahin noch nicht komplett auf HD umgestiegen ist.

2. Videokameras sind in letzter Zeit sehr häuftg in HD- Auflösung zu haben und gar nicht mal teuer. Die Qualität ist deutlich besser als bei Standardauflösung. Allerdings bekommt man die volle Qualität zunächst nur zu sehen, wenn man die Kamera direkt am Fernseher anschließt. Hier sollte man darauf achten, dass sie einen HDMI- Anschluss hat. Auch bei Fernsehern ist dieser Anschluss das einzig wahre und zum Glück bei fast allen neueren Geräten zu finden. Bei analogem Anschluss (z. B. über die SCART- Buchse) geht gar kein HD. Will man die Filme bearbeiten und schneiden, muss man einen leistungsfähigen PC haben und das Ergebnis auf Blu-Ray Disk brennen können, sonst geht die HD- Auflösung auch verloren.

3. Rekorder: Die betagten Videorekorder können natürlich kein HD aufnehmen. Aber auch praktisch alle Festplatten- und vor allem DVD- Rekorder nehmen nur in Standardauflösung auf. Um HD- Material aufzunehmen, muss man sich einen speziell HD-fähigen Rekorder zulegen, den es praktisch nur in Verbindung mit Premiere-Abos gibt und der auch dann noch ziemlich teuer ist. Die aufgenommenen Filme können übrigens dann nicht mehr auf andere Geräte kopiert oder bearbeitet werden, da haben die Hollywood-Studios schon einen Riegel vorgeschoben.

4. DVD-Spieler: Alle DVDs und Spieler haben nur Standardauflösung. Um hochauflösende Filme sehen zu können, muss man sich Blu-Ray Disks und einen entsprechenden Blu-Ray Player kaufen. Die Verbindung mit dem Fernseher kann nur digital erfolgen (über HDMI). Allerdings steckt die Technik hier noch in den Kinderschuhen: Nicht alle HDMI- Kabel laufen mit allen Playern und Fernsehern zusammen, besonders nicht wenn sie länger als 2,5 m sind. Das liegt an Timing-Problemen bei der Übertragung der Schlüsseldaten zu HDCP (ein Kopierschutzverfahren, das zwingend ist). Eine Entfernung von 10 m (z. B. bei Beamern) bekommt man nur mit äußersten Schwierigkeiten zum Laufen. Das dafür benötigte HDMI- Kabel kann leicht doppelt so teuer werden wie der Blu-Ray Player. Auch können nicht alle Blu-Ray Player ohne weiteres jede Blu-Ray Disk abspielen. Der Standard befindet sich nämlich noch in der Weiterentwicklung. D. h. wenn ich eine Blu-Ray Disk abspielen will, die neuer ist als mein Player, kann es erforderlich sein, dem Player erst einmal ein Update einzuspielen bevor es geht. Dazu muss man aber schon technisch versiert und mit PCs vetraut sein.

Wenn man nach dem hier Gesagten der Meinung ist, HD ist das richtige für mich, folgen die nächsten Überlegungen:

Was für ein Programm sehe ich am meisten?

Die Tagesschau oder Reportagen braucht man nicht in HD zu sehen: Sie sind so produziert, dass man auch in der Standardauflösung alles super erkennt. HD- Auflösung macht nur bei Filmen Sinn, die sehr "große" Aufnahmen mit vielen kleinen Details beinhalten. Das sind in erster Linie neuere Naturfilmproduktionen und Kinofilme. Beide sind meist explizit für die große Leinwand produziert und kommen erst auf großen Bildschirmen voll zur Geltung. Wer schon mal die Landschaftsaufnahmen aus der Luft in "Unsere Erde" oder die Totalen in Dr. Schiwago, Spiel mir das Lied vom Tod oder 2001 gesehen hat, weiß was ich meine. Hier lohnt sich HD in jedem Fall. Besonders für Freunde von Kinofilmen ist HD also eine echte Überlegung wert.

HD- Material kann übrigens nur auf großen Bildschirmen zur Geltung kommen. Wenn ich also nicht bereit bin mir einen Flachbildschirm mit mindestens 37 Zoll Diagonale zuzulegen (oder dafür keinen Platz habe), brauche ich gar nicht weiter zu überlegen: Dann bleibe ich am besten bei Standardauflösung (SD).

Zum Schluss aber noch eine wichtige Entscheidungshilfe, die die meisten beim Kauf eines HD-Fernsehers übersehen:

Wie weit sitze ich vom Fernseher weg?

Früher gab es einmal einen Richtwert für die Entfernung zum Gerät von etwa der 5-fachen Bildschirmdiagonale. Das gilt bei Flachbirldchirmen natürlich nicht mehr. Bei 100% Sehschärfe ist das Auge in der Lage, zwei nebeneinander liegende Punkte noch aufzulösen, wenn sie unter einem Winkel von mindestens 0,025° einfallen. Auf das Betrachten von Fernsehbildern übertragen heißt das: Die Entfernung zum Bildschirm, unter der die Standardauflösung gerade optimal erkennbar ist, beträgt das 2,7 fache der Bildschirmdiagonale (bei 16:9 Seitenverhältnis). Das ist bei einem 40-Zoll Bildschirm z. B. 2,75 m. Wer weiter entfernt vom Bildschirm sitzt, könnte den Unterschied zwischen Standard- und HD- Auflösung also gar nicht erkennen! Bei HD selbst gibt es zwei gängige Formate: 720 und 1080 Zeilen. Das 1080- Signal wird auch als "Full HD" bezeichnet. Premiere und Anixe HD senden nur in diesem Format, und auch alle Blu-Ray Filme sind so produziert. ARD und ZDF werden aber 720 Zeilen senden, also eine etwas geringere Auflösung (dafür aber Vollbilder und nicht "interlaced", was bei schnellen Bewegungen bessere Ergebnisse erzielt). Um den Unterschied zwischen 720 und 1080 sehen zu können, darf man nicht mehr als die 2-fache Diagonale wegsitzen (das sind bei einem 40-Zöller 2,05 m). Die optimale Wirkung erzielt ein Full-HD Bild erst bei einem Betrachtungsabstand vom 1,44 fachen der Bilddiagonale (1,5 m beim 40-Zöller). Das lohnt sich also praktisch nur bei Beamern.

Fazit

Der Umstieg auf HD lohnt sich nur, wenn man das Fernsehprogramm digital aus Kabel oder Satellit empfängt, sich auch einen Blu-Ray Player gönnen kann und hauptsächlich Kinofilme sehen möchte (Ausnahme: selbst gedrehte Videos). Wenn man dazu einen neuen Fernseher anschafft und von HD auch wirklich etwas sehen will, muss man die Bilddiagonale nach dem Betrachtungsabstand im Zimmer auswählen. Die meisten werden sich wundern, wie groß der Bildschirm sein muss, damit sich HD überhaupt lohnt.

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