Lohnt es sich bei schlechtem Empfang einen Satelliten Splitter anzuschaffen?

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Lohnt es sich bei schlechtem Empfang einen Satelliten Splitter anzuschaffen?

Ist eine Sat-Antenne optimal montiert und ausgerichtet, sollte das Thema Empfang kein Problem darstellen – was allerdings oft nicht der Fall ist. Zudem spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle, die die Signalqualität direkt oder indirekt mit beeinflussen. Es ist daher wichtig, eine geplante Neuinstallation sorgfältig vorzubereiten, damit am Ende alles passt, denn Nacharbeiten sind zumeist mit viel Aufwand verbunden.

Im nachfolgenden Ratgeber wird die Sat-Anlage in ihrer Gesamtheit ins Visier genommen, wobei ein Schwerpunkt auf dem sogenannten Satelliten-Splitter als Zubehör liegt. Welche Funktionen übernimmt er und wie kann er möglichst optimal eingesetzt werden? Auf jeden Fall stellt er eine Lösung dar für alle, die den einen oder anderen Kompromiss eingehen wollen oder können und zudem keine größeren Investitionen tätigen möchten.

Aufbau einer Sat-Anlage

Vom Grundprinzip her ist der Aufbau einer Sat-Anlage relativ einfach, wenn – wie in diesem Fall erst einmal angenommen – nur ein einzelner Anschluss benötigt wird, etwa wenn Sie eine Sat-Schüssel am Balkon montieren und Sie auch der einzige Teilnehmer sind. Per Koaxialkabel wird die Schüssel oder alternativ eine Sat-Flachantenne mit dem notwendigen Receiver verbunden und dieser wiederum an einen geeigneten Fernseher. Bei Geräten neuerer Bauart eignen sich vor allem HDMI-Kabel als Verbindungselement, die passenden Steckplätze sind in der Regel vorhanden. HDMI-Verbindungen bieten neben der hohen Bandbreite noch weitere Vorteile wie die CEC (Consumer Electronic Control), über die verschiedene Geräte übergreifend mit einer einzigen Fernbedienung steuerbar sind. Verfügen Sie über einen Fernseher mit einem integrierten Sat-Tuner, ist kein externer Receiver notwendig, da dieser direkt mit der Sat-Schüssel verbunden werden kann. Ist letztlich alles ausgerichtet und der Sendersuchlauf abgeschlossen, steht dem Empfang nichts mehr im Wege.

Satelliten-Splitter

Aus dem Englischen übersetzt bedeutet der technische Begriff Splitter soviel wie "Abzweigung", und damit ist die Funktion eigentlich sehr gut erklärt – die Rede ist auch von einem Sat-Verteiler. Zunächst bedarf es dabei noch an ein wenig mehr Hintergrundwissen: In Anlehnung an das zuvor erwähnte Beispiel mit der Sat-Anlage für einen einzelnen Teilnehmer besteht für Sie die Möglichkeit, dass Sie neben dem Hauptfernseher im Wohnzimmer zu einem späteren Zeitpunkt den Wunsch verspüren könnten, ein Zweitgerät im Schlafzimmer aufzustellen. Hier kann der Splitter als einfache und kostengünstige Lösung genau richtig sein, ohne dass weitere Kabel von der Sat-Schüssel aus gelegt werden müssen.

Die Vorgehensweise, um beide Fernseher nutzen zu können, ist leicht zu erklären: Das von der Sat-Schüssel ausgehende Antennenkabel wird mit der Eingangs-F-Kupplung verbunden, zwei weitere Antennenkabel jeweils mit den Ausgangs-F-Kupplungen, die zu den jeweiligen Fernsehern mit integriertem Sat-Tuner führen – mit wenigen Handgriffen sind beide Geräte betriebsbereit. Sofern Sat-Receiver zwischengeschaltet werden sollen, ist die Vorgehensweise die gleiche. Selbstverständlich gibt es auch Splitter, die drei oder mehr Ausgangsbuchsen bieten – ob das Sinn macht, ist eine andere Frage, wenn man die Einschränkungen berücksichtigt.

Vorrang-Splitter

Häufig steht die Behauptung im Raum, dass bei einem Splitter nur jeweils ein Fernsehgerät verwendet werden kann, was allerdings nicht ganz richtig ist. Auf eBay finden Sie ein großes Angebot an sogenannten Vorrang-Splittern – auch als Vorrangschalter bezeichnet –, mit denen beide Receiver oder Fernsehgeräte gleichzeitig nach folgenden Kriterien betrieben werden können:

Der Vorrangschalter verfügt über eine Master-Kupplung und eine Slave-Kupplung, was im Einzelnen bedeutet: Für den an die Master-Kupplung angeschlossenen Receiver besteht vorrangig eine freie Programmauswahl; der mit der Slave-Kupplung verbundene Receiver kann bei gleichzeitigem Betrieb nur Programme auf der gleichen Frequenzebene mit identischer Polarisation empfangen. Aktuell stehen dabei vier Ebenen zur Verfügung:

  • Low-Band mit vertikaler Polarisation
  • Low-Band mit horizontaler Polarisation
  • High-Band mit vertikaler Polarisation
  • High-Band mit horizontaler Polarisation

Wird über den Master-Receiver zum Beispiel ein Sender aus dem Low-Band mit vertikaler Polarisation gewählt, lassen sich parallel über den Slave-Receiver alle anderen auf dieser Ebene verfügbaren Sender betrachten – nicht mehr und nicht weniger. Die gute Nachricht: Über das horizontale High-Band stehen zum Beispiel die wichtigsten deutschsprachigen Sender gleichzeitig zur Verfügung.

Der Investitionsbedarf für diese Lösung liegt bei wenigen Euro, zudem entfällt die Notwendigkeit, weitere Kabel von der Sat-Schüssel in die Wohnung legen zu müssen. Bei einer Balkon-Installation ist das zumeist zwar nur ein kleineres Problem, befindet sich die Schüssel jedoch auf dem Hausdach oder im Garten, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, warum der Empfang schlecht ist, und ob dieser durch allerhand Maßnahmen nicht verbessert werden könnte, etwa durch eine neue Feinjustierung der Schüssel, die Verwendung besser isolierter Koaxialkabel – es kann aber auch an dem verbauten LNB (Signalumwandler) selbst liegen. Die Qualität des Empfangs wird dabei durch die empfangene Signalstärke bestimmt, Bildstörungen wie etwa Artefakte sind da oder nicht da, unabhängig davon, ob ein Splitter zwischengeschaltet ist. Bei geringen Signalreserven spielt zudem das vorherrschende Wetter eine Rolle, Wolkenbrüchen können schnell zum Empfangsausfall führen.

Multischalter

Im Gegensatz zu den einfachen Splittern sind Multischalter explizit für Sat-Anlagen gedacht, die mit einer einzelnen Schüssel mehrere Teilnehmer unabhängig voneinander versorgen sollen. Die Verwendung eines Multischalters macht allerdings nur dann Sinn, wenn in der Sat-Schüssel zumindest ein Quad-LNB (mehr Infos dazu im nächsten Abschnitt) verbaut ist, denn nur über diesen können alle Frequenzebenen (Low Vertikal, Low Horizontal, High Vertikal, High Horizontal) gleichzeitig empfangen und über den Multischalter an die einzelnen Nutzer weiter geleitet werden.

Multischalter gibt es in unterschiedlichen Variationen, die durch die Verwendung von zwei Ziffern deutlich wird: Die Kombination 4/8 besagt zum Beispiel, dass alle vier digitalen Frequenzbänder für bis zu acht Teilnehmer zur Verfügung stehen. Lautet die Kombination 5/8, besteht die Möglichkeit, zusätzlich etwa eine noch vorhandene Dachantenne für den terrestrischen Empfang mit anzuschließen. Über Kaskaden-Multischalter lassen sich noch weit aus mehr Teilnehmer anbinden, wenn etwa eine Sat-Anlage in einem Wohnblock installiert wird.

Alternativen zum Sat-Splitter

Sollte die einfache Lösung mit dem Sat-Splitter nicht flexibel genug sein, gibt es noch so einige andere Möglichkeiten, um mehrere Geräte an eine Sat-Schüssel zu hängen: Eine davon wäre etwa, den LNB auszutauschen, sofern es sich um einen Single-LNB handelt. Folgende Varianten stehen zur Verfügung:

Über den Twin-LNB lassen sich zwei Empfangsgeräte anschließen und völlig individuell steuern, oder es wird ein Receiver mit integrierter Festplatte angeschlossen, sodass Sie gleichzeitig eine Sendung live im Fernsehen verfolgen können und eine andere parallel dazu aufnehmen. Der Quad-LNB ermöglicht den Anschluss von maximal vier Geräten oder auch Teilnehmern, der Octo-LNB sogar bis zu acht. Diese LNBs verfügen zumeist über einen integrierten Multischalter, sodass dieser nicht extern zwischengeschaltet werden muss. Diese Lösung macht immer da Sinn, wo es kein Problem darstellt – oder der Aufwand gerechtfertigt ist –, jeweils ein separates Kabel zu jedem Gerät oder Teilnehmer zu verlegen.

Einkabel-Lösung

Etwas anders funktioniert die Einkabel-Lösung (Unicable), für die allerdings spezielle Empfangsgeräte benötigt werden, die das DiSEqC-Signal (Digital Satellite Equipment Control) interpretieren können. Im Gegensatz zur normalen Multischalter-Lösung wird nur eine Leitung von der Sat-Schüssel aus benötigt, die Signale werden über den sogenannten DiSEqC-Schalter an die einzelnen Teilnehmer weitergeleitet. Allerdings werden dabei keine kompletten Frequenzbänder übertragen, sondern nur eine bestimmte Frequenz, das Empfangsgerät selbst übermittelt dem Verteiler sowohl die Ebene wie auch den Transponder für den gewählten Sender. In diesem Zusammenhang gibt es auch DiSEqC-kompatible LNBs, sodass kein externer DiSEqC-Schalter notwendig ist.

PowerLAN

Eine elegante Möglichkeit, kabelunabhängig in allen Räumen einen digitalen Empfang zu ermöglichen, ist das Fernsehen aus der Steckdose, auch als PowerLAN oder dLAN bezeichnet. Die Funktionsweise ist recht einfach erklärt: Benötigt wird ein spezieller Satelliten-Tuner, der direkt mit der Sat-Anlage, einem Multischalter oder einer vorhandenen Antennnenbuchse verbunden wird. Der Tuner selbst sendet das Signal weiter an einen PowerLine-Adapter, der in einer Steckdose angebracht ist – am besten direkt, da ein Mehrfachstecker die Datenrate nach unten drückt. Von diesem Moment an stehen die Fernsehsignale im Stromnetz zur Verfügung. Für den Empfang via Set-Top-Box (Receiver) wird ein weiterer Adapter benötigt, über den die Box mit dem Stromnetz verbunden wird. Im Anschluss erfolgt die Verbindung mit dem Fernseher etwa via HDMI-Kabel – passt alles, steht das Strom-Netzwerk sofort zur Verfügung. Sie benötigen also:

  • Satelliten-Tuner
  • Receiver
  • Eingangs- und Empfangsadapter
  • Fernsehgerät

Interessant in diesem Zusammenhang sind etwa Komplett-Sets von Devolo, die – abgesehen vom Fernsehgerät – alle Bauteile im Lieferumfang bereitstellen. Das Set entspricht dem aktuellen DVB-S2-Standard (Digital Video Broadcasting Satellit) und ermöglicht dabei den Empfang mit den Auflösungen 576i, 576p, 720p, 1080i, was Full HD entspricht. Eine prima Lösung für alle, die gerne auf eine zusätzliche Kabelverlegung verzichten können.

Fazit

Geht es um eine einfache Lösung für Sie als einzelnem Teilnehmer, um zwei Empfangsgeräte an eine Sat-Schüssel anzuschließen, sind Sat-Splitter oder Vorrangschalter genau die richtige Lösung, wenn die zuvor beschriebenen Einschränkungen kein Problem für Sie darstellen. Auf die Empfangsqualität haben diese zumeist keine oder wenn, nur eine minimale Auswirkung, ohne in diesem Rahmen nun tiefer in technische Details einzutauchen. Denn grundsätzlich gilt: Entweder ist das Bild da oder nicht. Bildstörungen wie die bereits erwähnten Artefakte haben andere Ursachen, die an der Verkabelung liegen können, an einer suboptimalen Ausrichtung der Schüssel oder an den herrschenden Wetterbedingungen. Wer sich deutlich mehr Flexibilität wünscht und bereit ist, etwas mehr zu investieren, sollte sich mit den beschriebenen Alternativen beschäftigen und überlegen, ob diese tatsächlich lohnenswert sind.

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