Lesezeichen einmal anders

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Aus Anlass des Welttages des Buches (23. April) einige Hinweise zu "Lesezeichen" .

Ein Lesezeichen soll dem Leser bekanntlich helfen, die Stelle wiederzufinden, wenn er das Buch aus der Hand legen muss und die Lektüre zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen möchte. Eine weit verbreitete Unsitte ist es, das Buch umgekehrt aufgeschlagen hinzu legen, sodass der Einband nach oben weist und das Buch auf den aufgeschlagenen Seiten liegt; jeder Buchbinder schüttelt hier den Kopf, jeder Bücherfreund schüttelt sich vor Grausen. Die Seiten werden so verschmutzt und der Einband überdehnt oder gar gebrochen.

Übrigens gibt es auch ein Museum zum Thema, das eine schöne Geschichte veröffentlicht:

Lesezeichen

Nicht jeder hat beim Lesen eine so dienstbare Fliege zur Hand, wie der irische Mönch Coloman. Wann immer er seine Bibellektüre unterbrach, befahl er der Fliege, die stets auf seinem Kodex hin und her lief, genau auf jener Zeile sitzen zu bleiben, bei der er aufgehört hatte zu lesen, bis er wiederkäme, um an derselben Stelle seine Lesung fortzusetzen. Was die Fliege auch unfehlbar tat.

Unsereins, wenn er denn kein Eselsohr machen will, benutzt ein Lesezeichen als Möglichkeit, nach einer Leseunterbrechung die Textstelle rasch wieder zu finden.

Das Lesezeichen verbindet Raum und Zeit, setzt Raum- und Zeitmarkierungen. Es verbindet die Zeit des Lesens mit der Zeit des Lebens. Ohne Buch verliert das Lesezeichen seinen ursprünglichen Sinn, da es dann ohne Funktion ist. Erst als Sammelobjekt erhält das Lesezeichen seine Autonomie.

Über die ältesten Lesezeichen kann nur spekuliert werden. Die Notwendigkeit, nach einer Leseunterbrechung die Textstelle schnell wieder zu finden, führte zum Einlegen von Stoff- oder Lederstreifen. Bekannt ist jedenfalls, dass Elisabeth I. im Jahre 1584 ein seidenes Lesezeichen von ihrem Drucker Christopher Barker überreicht wurde. Im 18. Jahrhundert band man oben schmale Seidenbändchen mit ein.

Für Kulturhistoriker sind aber lose Lesezeichen interessant. Hier kommen die verschiedenen Materialien (Papier, Plastik, Metall, Leder, Stoff) vor. In ihrer Ausgestaltung spiegelt sich der Zeitgeist wider.

http://www.lesezeichenmuseum.de/lese_zeichen.html



Als Faustregel empfehle ich:

je kostbarer das Buch, desto wertvoller das Lesezeichen, das man verwenden sollte.

Während bei einem Taschenbuch-Mängelexemplar ein einfacher Notizzettel oder ein abgerissener Papierstreifen passend ist, sollte die signierte Erstausgabe eines guten Romans durchaus eine hübsche Handwerkerarbeit in Gold, Leder oder Stoff erhalten. Teuren Wein trinkt man ja auch nicht aus einem Pappbecher.


Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesen Hinweisen helfen!


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