Leica und Contax – Der Beginn der Kleinbildfotografie

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Leica und Contax – Der Beginn der Kleinbildfotografie

Leica und Contax sind Kameras deutscher Hersteller von Fotoapparaten und weiterer optischer Produkte. Die Leica Camera AG, wobei Leica eine Abkürzung von Leitz(sche) Camera darstellt, ist ein Unternehmen der optischen Industrie mit dem Firmensitz Solms in Hessen. Die Gesellschaft hat sich auf die Produktion von Ferngläsern und Fotoapparaten spezialisiert. 1986 entstand die AG aus der Ernst Leitz Wetzlar GmbH, die ein Nachfolgeunternehmen des 1849 von Carl Kellner in Wetzlar gegründeten optischen Betriebs ist. Ab 1900 wurden von Kellner auch andere optische Geräte wie Episkope, Ferngläser und professionelle Filmkameras gefertigt. Contax ist eine Marke für Fotoapparate von Carl Zeiss. Von 1932 bis 2005 wurden unter dieser Bezeichnung Kameras unterschiedlicher Bauarten und Produzenten angeboten, für die Carl Zeiss, bzw. bis 1958 VEB Carl Zeiss Jena, die Objektive bereitstellte.

Die Entwicklung der Kleinbildkamera

Aus den äußerst unhandlichen, mehrere Kilogramm schweren Kamerakästen der frühen Jahre der Fotografie wurden durch umfangreiche Entwicklungsarbeit immer leichtere und komfortablere Kameras. Diese Entwicklung wurde durch drei wichtige Fortschritte beeinflusst:

  • Die Einführung des Rollfilms: Das Material, auf dem die Bilder aufgenommen wurden, wurde durch diese Neuerung immer flexibler und kompakter. Ab 1848 konnte Papier und ab 1888 Zelluloid als Trägermaterial eingesetzt werden.
  • Die Einführung von lichtempfindlichen Filmemulsionen: Diese Entwicklung ermöglichte es, das Negativ zu vergrößern. Hierdurch konnten kleinere Aufnahmeformate und damit auch kompaktere Kameras verwendet werden.
  • Die Fertigung handlicherer und einfacherer Kameras - Der Siegeszug der Amateurfotografie veranlasste die Produzenten zur Herstellung immer funktionstüchtigerer Apparate, um weitere Märkte zu erreichen.

Die als solche bezeichneten Handkameras wie die Kodak von George Eastman und die Detektivkamera von Thomas Bolas aus den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts werden als Vorläufer der Kleinbildkameras betrachtet. Oskar Barnack, ein Feinmechaniker der Optischen Werke Ernst Leitz in Wetzlar, entwickelte die erste Kleinbildkamera nach heutiger Definition. Unter dem Namen Leica (Leitz Camera) wurde der Apparat, den Barnack 1913 konstruiert hatte, erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 präsentiert. Barnack hatte bei seiner Entwicklung das Ergebnis im Auge, Probeaufnahmen herzustellen, um unabhängig von der großen Filmkamera zu sein. Hiermit wurde die Ausleuchtung eines Szenenbildes vor dem eigentlichen Dreh überprüft. Die Wahl des Kleinbildformats von 24 × 36 Millimetern bedeutete in der damaligen Zeit die Verdopplung des Kinoformats für Stummfilme, das 18 × 24 Millimeter betrug. Aus heutiger Sicht stellt man fest, dass es sich bei dem Kleinbildformat um das am weitesten verbreitete Filmformat handelte, das sowohl für Spiegelreflexkameras als auch für Sucherkameras Verwendung fand. Die 1933 auf dem Markt erschienene Contax I von Carl Zeiss war bereits mit einem versenkbaren Objektiv ausgestattet und ermöglichte es, 36 Aufnahmen auf einem Kleinbildfilm zu belichten.

Entwicklungsschritte der Kleinbildfotografie bei Leitz

Wie bereits angesprochen entstand wegen der damals noch bestehenden Notwendigkeit von Belichtungstests für den 35-mm-Kinofilm die erste Miniaturkamera. Oskar Barnack entwickelte auf Grundlage dieser Konstruktion 1913 die erste Kleinbildkamera der Welt, die heute als Ur-Leica bezeichnet wird. Zunächst diente sie als Schnappschusskamera für private Wanderausflüge. Ernst Leitz II übernahm 1920 die Leitung des Unternehmens und traf 1924 die Entscheidung, trotz widriger wirtschaftlicher Verhältnisse, mit der Großserien-Produktion der barnackschen Kleinbildkamera zu beginnen. Die Leica, die später als Leica I bezeichnet wurde, war ein außerordentlicher, in der Weise nicht eingeplanter Erfolg. Entsprechend dem Erfolg der Kleinbildfotografie entstand 1926 der erste Diaprojektor mit dem Handelsnamen ULEJA für kleinformatige Bilder. Da im 2. Weltkrieg die Ernst Leitz GmbH keine großen Schäden verzeichnen musste, konnte die Herstellung der Kameras nach Kriegsende unmittelbar wieder aufgenommen werden. Das Unternehmen wurde nach der Gebietsreform in Hessen in Ernst Leitz Wetzlar GmbH umbenannt. Die Firmenleitung musste befürchten, den eingeführten Namen Wetzlar durch die Zusammenlegung von Wetzlar und Gießen zur Stadt Lahn einzubüßen.

Die Firma Zeiss auf dem Weg zur Kleinbildkamera

Die Firma Carl Zeiss ist ein deutsches Traditionsunternehmen, welches in Jena 1846 von Carl Zeiss als Feinwerkstatt für Mechanik und Optik gegründet wurde. Ab 1872 wurden die aus Jena stammenden Mikroskope auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen produziert und wiesen aus diesen Gründen wesentlich günstigere optische Eigenschaften auf. In erster Linie ist diese technologische Überlegenheit, mit dem das Unternehmen weltweites Aufsehen erregte, dem Mathematiker und Physiker Ernst Abbe zu verdanken. 1876 wurde der Wissenschaftler stiller Teilhaber der optischen Unternehmung. Während der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts gehörte das Zeiss zu den wichtigsten deutschen Herstellern von Rüstungsgütern. Und auch heute noch finden sich in der Angebotspalette der Gesellschaft Rüstungsprodukte und Systeme für Sicherheit, die weltweit vertrieben werden.

 

Wissenswertes rund um die Contax

Schließlich brachte die Zeiss Ikon AG 1932 mit der Contax ihre erste Kleinbildkamera auf den Markt. Leiter der Entwicklung der ersten Contax war Emanuel Goldberg, die ab 1936 Contax I genannt wurde. Zeiss Ikon verstand ihre Kamera als Konkurrent der Leica II. Allerdings verfügte die Contax I bereits über einen gekuppelten Entfernungsmesser mit umfangreicher Mess-Basis, ein Objektivbajonett sowie einen Verschluss, der aus Metall-Lamellen bestand. 1936 präsentierte das Unternehmen die deutlich verbesserte Contax II, die auch heute noch als erste Mess-Sucherkamera gilt, und zusätzlich die Contax III, die mit einem integrierten Belichtungsmesser ausgestattet war. 1945 endete die Produktion mit der Demontage des Zeiss Ikon-Werkes in Dresden. Mit den aus Dresden stammenden Maschinen und Werkzeugen sollte in Kiew eine Kameraproduktion aufgebaut werden. Dies war allerdings wegen der aufgetretenen Transportschäden und wegen unsachgemäßer Demontage unmöglich. 1946 wurde die Firma Carl Zeiss, um die Forderungen aus der Reparation erfüllen zu können, dazu verpflichtet, die Instrumente erneut anzufertigen. Bei der praxisnahen Kontrolle der Instrumente entstand eine geringe Anzahl von Kameras, bevor die Apparaturen noch im gleichen Jahr nach Kiew transportiert wurden. Bei der noch heute bestehenden Firma Kiev Camera konnte im Anschluss daran die Herstellung der Modelle Kiev II und Kiev III aufgenommen werden.

Die erste Kleinbildkamera – die Leica

Mit dem Leica-Apparat etablierten sich die Kleinbildkameras im Format 24 mm × 36 Millimeter. Verglichen mit den sperrigen Großformatkameras und zu den inzwischen üblichen Mittelformatkameras mit Rollfilm konnte die Leica ohne große Vorbereitung eingesetzt und wesentlich unproblematischer transportiert werden. Diese Vorteile konnten aus Kostengründen anfangs lediglich von professionell arbeitenden Journalisten und Künstlern verwendet werden. Mit den neuen Modellen entwickelte sich eine neue Art der Presse-Fotografie. Auf der ganzen Erde wurden die Leica-Fotoapparate vielfach imitiert und nachgebaut.

Die erste Leica Ia war mit einem fest eingebauten Objektiv versehen. Allerdings waren die Objektive nach kurzer Zeit mit Hilfe eines Wechselgewindes austauschbar. Unter dem Namen Schraubleica wurde das Modell auf diese Weise zur Systemkamera. Die Entwicklung der Sucherkamera mit Wechselgewinde wurde bis in die Nachkriegszeit ständig weiter geführt. 1954 präsentierte das Unternehmen die Baureihe „M“. Bei diesen Modellen wurde der vorherige M39-Schraubgewindeanschluss gegen einen Bajonett-Verschluss ausgetauscht. Zudem ist die „M“ mit einem Mess-Sucher ausgestattet, mit dem das Bild arrangiert und gleichzeitig die Schärfe eingestellt wird. Das modernste Modell der Reihe „M“ weist eine Zeitautomatik sowie eine TTL-Belichtungsmessung auf.

Die erste Spiegelreflex-Systemkamera aus dem Hause Leitz

Die erste Spiegelreflex-Systemkamera von Leitz wurde 1965 der Öffentlichkeit vorgestellt, wobei die Leicaflex zunächst über rein mechanische Funktionen verfügte. Die Leicaflex in den frühen 70er Jahren die Baureihe „R“ ersetzt. Die Leica R ist schwerer und größer als die klassische Sucherleica mit Messfunktion. Dafür ist die R allerdings mit mehr Komfort und Automatikfunktionen sowie einer größeren Objektivpalette versehen. Die Leica R, die 2004 auf den Markt kam, war mit der digitalen Rückfront, dem so genannten Digitalmodul R, die erste Hybridkamera im Kleinbildformat. Das Modell kann wahlweise digital und analog betrieben werden. Objektive, Kameras und weiteres Zubehör aus verschiedenen Jahrzehnten lassen sich aufgrund einer hohen Systemkompatibilität leicht kombinieren. Leica-Kameras sind bei Sammlern weltweit beliebt, für die exklusive Sondereditionen produziert werden.

Das Konkurrenz-Modell Contax von Zeiss

Die Entwicklung einer Contax-Spiegelreflexkamera begann bereits 1938. Das nun in VEB Zeiss Ikon umbenannte Unternehmen am 1948 enteigneten Standort Dresden griff diese Entwicklung wieder auf und offerierte 1949 die Contax S. Dieses Modell war die erste Spiegelreflexkamera mit Sucherprisma, welches ein seitenrichtiges Sucherbild zur Verfügung stellte. Nach den folgenden Modellen A, B, und C wurde ab 1953 die technisch entscheidend überarbeitete Contax D auf den Markt. Wenige Jahre später folgten die Contax E mit Belichtungsmesser sowie die Contax F. Nachdem die Zeiss Ikon AG ihren Standort von Dresden nach Stuttgart verlegt hatte, wurde dort die Fertigung von Messsucherkameras aufgenommen. 1950 präsentierte die Gesellschaft die komplett neu konstruierte Contax IIa, 1951 folgte die Contax IIIa. Gegenüber den Modellen der Vorkriegszeit waren diese deutlich kompakter, daneben wiesen sie eine Blitzsynchronisation auf. Die Produktion wurde 1962 beendet, da sich das Unternehmen auf Spiegelreflexkameras konzentrierte.

Die Kooperation mit Kyocera

Als Zeiss Ikon 1972 die Fertigung der Kameras einstellte, fehlte Carl Zeiss ein Kunde für seine Kleinbild-Objektive. Als eine Kooperation mit Pentax nicht realisiert werden konnte, wurde 1972 ein Abkommen über eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Kameraproduzenten Yashica geschlossen. 1983 wurde Yashica seinerseits von Kyocera übernommen und Kyocera übernahm nun die Produktion der Kameras. Zwischen 1974 bis 2005 entstand aufgrund dieser Kooperation eine ganze Reihe von Kameras verschiedenster Bauarten. Kyocera teilte 2005 mit, das Angebot der Marke Contax im Laufe des Jahres einzustellen, was bald darauf geschah. Weiter wurde verlautet, dass der Service für bestehende Kameras bis zu zehn Jahren weiter geführt werden sollte. Obwohl die Marke Contax immer noch Carl Zeiss zugerechnet wird, kann diese vom Unternehmen nicht genutzt werden, da sie auch weiterhin Gegenstand des Abkommens über die Zusammenarbeit ist.

Die deutschen Firmen Leica Camera AG und Zeiss Ikon besitzen in der Welt der Fotografie einen hervorragendes Image, gelten sie doch als Pioniere der Kleinbildkameras.

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