Leica, Rollei, Zeiss & Co – die Geschichte der Spiegelreflexkameras

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Leica, Rollei, Zeiss und Co. – Spiegelreflexkameras und ihre Entstehungsgeschichte

Eine Spiegelreflexkamera - oder verkürzt SR-Kamera - wird definiert als ein Fotoapparat, bei dem sich ein wegklappbarer Spiegel zwischen Objektiv und Bildebene befindet. Vor der Aufnahme wird das Bild auf einer normalerweise horizontal liegenden Mattscheibe seitenverkehrt dargestellt. Der Fotograf betrachtet hierbei das Motiv bei älteren Kameras von oben blickend entweder unmittelbar oder mithilfe einer Lupe, eines sogenannten Lichtschachtsuchers. Im Laufe der Entwicklung kamen Prismensucher zum Einsatz, mit deren Hilfe das Bild nicht mehr seitenverkehrt und horizontal oder parallel zur optischen Achse der Kamera durch ein Okular betrachtet werden muss. Eine Sonderform der einäugigen Standardform stellt die zweiäugige Spiegelreflexkamera dar. Sie weist einen völlig autonomen Sucher-Strahlengang durch ein über dem Hauptobjektiv angebrachtes zweites Objektiv, das sogenannte zweite Auge, auf. Diesem folgen Mattscheibe, Spiegel und im Allgemeinen ein Lichtschacht. Beide Kameras haben lediglich das auf einer horizontal liegenden Mattscheibe befindliche Sucherbild gemeinsam. Moderne Spiegelreflexkameras mit einem digitalen Aufnahme-Sensor werden in der Regel kurz DSLR, Englisch für Digital Single lens Reflex, oder DSR, also digitale Spiegelreflex, genannt.

Geschichte der Spiegelreflexkamera

1861 entwickelte Thomas Sutton die erste Spiegelreflexkamera. 1893 wurde das erste Wechselmagazin für die Spiegelreflexkamera zum Patent angemeldet. Die erste in Deutschland produzierte Spiegelreflexkamera war die Zeus-Spiegel-Kamera. Sie stammte aus der Fabrikation von Richard Hüttig in Dresden. Der Berliner Fritz Kricheldorff konstruierte eine der ersten Spiegelreflexkameras mit Klapp-Mechanismus. Seine „Spiegel-Reflex-Klapp-Camera Modell 1910" wurde ebenfalls patentiert. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936 wurde die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt, die Kine-Exakta der Firma Ihagee aus Dresden, präsentiert. Diese Kameras wiesen - wie sämtliche Spiegelreflexkameras mit Lichtschachtsucher - den Nachteil auf, dass das Sucherbild durch die Achsenspiegelung verursacht nur seitenverkehrt betrachtet werden kann. 1931 fand der Konstrukteur Kurt Staudinger die Lösung hierfür: durch die Entwicklung des seitenumkehrenden Dachkantpenta-Prismas. Allerdings wurde das Prisma erst 1949 in Serienfertigung in die Contax S von Zeiss Ikon und in die Rectaflex, einer italienischen Marke, eingebaut.

1943 wurde in Ungarn der erste Spiegelreflex-Sucher für den Betrachtung in Augenhöhe mit aufrechtem und seitenrichtigem Bild von Jenő Dulovits zum Patent angemeldet. Dulovits konstruierte mit der Duflex auch die erste 35-mm-Spiegelreflex-Kamera für den heutzutage gewohnten Suchereinblick. Er nutzte jedoch kein Dachkantprisma, sondern verwendete einzelne Spiegel. Diese Kamera verfügte auch über den ersten Rückschwingspiegel, durch den das Sucherbild sofort nach der Aufnahme erneut sichtbar wird.

Das Funktionsprinzip der Spiegelreflexkamera

Das Licht dringt bei einer Spiegelreflexkamera durch die Linsen des Objektivs und wird daraufhin vom Schwingspiegel zurückgeworfen und auf die Einstellscheibe projiziert. Schließlich wird das Motiv des Bildes mit einer Sammellinse und durch die Reflexion innerhalb des Dachkantpenta-Prismas im Sucher sichtbar, der meist mit einem Dioptrien-Ausgleich versehen ist. Manche Spiegelreflexkameras funktionieren auch nach dem Prinzip, dass anstelle eines Prismensuchers mit Dachkantpenta-Prisma ein Porro-Spiegelsucher oder ein Lichtschachtsucher verwendet wird. Die Funktionsweise der einäugigen Spiegelreflexkamera stellt sich so dar, dass der Spiegel unmittelbar vor einer Aufnahme nach oben klappt und der Verschluss sich dabei öffnet. Somit wird das Bild nicht mehr in das Dachkantpenta-Prisma umgelenkt, sondern gelangt auf die Filmebene oder auf den Bildsensor oder den Film.

Einigen Sonderkonstruktionen benutzen anstatt eines Schwingspiegels ein Prisma oder einen fest montierten, teildurchlässigen Spiegel. Dies verringert die Verzögerung zwischen dem Auslösen und der Belichtung und gestattet bei motorbetriebenen Kameras deutlich schnellere Aufnahmefolgen. Nachteilig dabei ist aber auch, dass sie ein dunkleres Sucherbild produziert und nicht mehr so viel Licht zum Film durchlässt, da der Spiegel das Licht aufteilt. In aller Regel werden etwa ein Drittel des Lichts in den Sucher gespiegelt und zwei Drittel zum Film weitergeleitet.

Vorteile der Spiegelreflexkameras

Ein großer Vorteil der modernen Spiegelreflexkameras besteht in den wechselfähigen Objektiven, wodurch eine ganze Anzahl von Aufnahmeoptionen verfügbar ist. Die Bandbreite umfasst, je nach Modell und Produzent, sehr lichtstarke Festbrennweiten, Fish-Eye-Objektive mit über 180 Grad Bildwinkel, Shift-Objektive für Architekturaufnahmen, extreme Teleobjektive und zahlreiche Spezialoptiken, beispielsweise mit einstellbarer Weichzeichnung, oder Lupen- oder Makro-Objektive. Die Hersteller von Spiegelreflexkameras liefern teilweise sehr umfangreiches Systemzubehör, bei filmbasierten Modellen unter anderem Wechselsucher und Motorantriebe. Digitale Spiegelreflexkameras sind verglichen mit Kompaktkameras mit erheblich größeren Sensoren ausgestattet, mit denen sich vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen bessere Ergebnisse erzielen lassen. Als ein weiterer Vorteil gegenüber den Analogkameras stellte sich die Übereinstimmung von Blick- und Aufnahmeachse dar, was bedeutete, dass der Fotograf im Sucher sieht, was auch auf die gleiche Weise auf Film oder Sensor in Ausschnitt, Perspektive sowie Bildwinkel - und ohne die gefürchtete Parallaxenverschiebung - abgebildet wird.

Nachteile der Spiegelreflexkameras

Auf den ersten Blick erkennbare Nachteile der Spiegelreflexkameras sind das erheblich höhere Gewicht sowie die Größe, besonders in Verbindung mit lichtstarken Objektiven, und selbstverständlich auch der Preis. Darüber hinaus verursacht der Spiegelmechanismus zusätzliche Geräusche, was beim Fotografieren in einer Umgebung, die absolute Stille gebietet, wie beispielsweise bei sakralen Handlungen, unangenehm ist. Auch kann es möglicherweise durch die Verwendung des Spiegels zu Fokussierungsfehlern bei der Entfernungseinstellung kommen, da die Bildschärfe nicht in der Bildebene des Films oder des Bildsensors ermittelt wird. Stattdessen geschieht dies durch eine Einstellscheibe oder einen gesonderten Schärfesensor, die jedoch bei offensichtlichen Schäden oder nicht angemessen hochwertiger Produktion geometrisch nicht korrekt die Bildebene wiedergeben.

Eine digitale Spiegelreflexkamera kann, solange der Spiegel den Bildsensor verdeckt, nicht im Live-View betrieben werden. In diesem Falle können keine entsprechenden Belichtungshistogramme angezeigt und bestimmt werden. Allerdings gelten diese beiden Einschränkungen nicht für einige der heutigen DSLRs, die für diesen Zweck über einen zweiten Bildsensor verfügen. Daneben kann auch keine Schärfeeinstellung vorgenommen werden, die auf einer Messung des Kontrasts mit dem Bildsensor basiert. Seit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts Spiegelreflexkameras mit feststehendem teildurchlässigem Spiegel den Markt erobert hatten, die den Schwingspiegelmechanismus ersetzten, war die Verwendung der beiden optischen Pfade zum Sucher oder zum Sensor nicht mehr auf ein Entweder/Oder beschränkt. Beide Pfade konnten nun gleichzeitig genutzt werden.

Die Leica - Spiegelreflexkameras von Leitz

Die erste Spiegelreflex-Systemkamera aus dem Hause Leitz-Wetzlar wurde 1965 vorgestellt. Zu Beginn funktionierte die Leicaflex auf rein mechanischer Basis. Die Leicaflex wurde zu Beginn der 70er Jahre durch die Baureihe „R" abgelöst. Gegenüber der klassischen Sucher-Leica war die Leica R schwerer und größer, dafür wiesen diese Modelle mehr Komfort und Automatikfunktionen sowie wesentlich mehr Objektive auf. Mit dem digitalen Rückteil Digitalmodul R, das auf der Photokina 2004 präsentiert wurde, wurde die Leica R zur ersten Kleinbild-Hybridkamera, die wahlweise digital und analog betrieben werden konnte. Anfang der 70er Jahre vereinbarte Leitz eine Kooperation mit Minolta, um den wachsenden Markt der Spiegelreflexkameras nicht aufgeben zu müssen. Hierdurch erhielt Leitz Zugriff auf moderne Entwicklungen wie etwa auf die Zeitautomatik. 1976 führte diese Zusammenarbeit zur Präsentation der Leica R 3, mit der Leitz wieder weitgehend den Anschluss an die Konkurrenz geschafft hatte. Leitz konnte allerdings bei der Entwicklung des Autofokus nicht Schritt halten, sodass für das Unternehmen technisch erneut Nachholbedarf aufkam. Die heutige Leica Camera AG konstruiert seit den späten 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder selbstständig Spiegelreflexkameras. Die Herstellung der R-Modelle wurde im März 2009 beendet. Leica baut ab Mitte 2005 die zweite modulare digitale Kamerarückwand für Kleinbildkameras, die in einer Kooperation mit Hasselblad/Imacon entwickelt worden waren. An Stelle der Standardrückwand kann an den Kamera-Bodies der Typen Leica R 8 und R 9 das Leica Digital-Modul-R (DMR) angeschlossen werden.

Die Rolleiflex - Spiegelreflexkameras von Rollei

1966 begann die Firma Rollei, im Zuge der Entwicklung, dass einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkameras immer beliebter wurden, etwas verspätet mit der Entwicklung eines solchen Apparates. Dabei handelte es sich bei der hierdurch erforderlichen Kooperation mit einem finanzkräftigeren japanischen Unternehmen, die vor allem erheblich mehr Anzeigen in Illustrierten und Fachzeitschriften schalten konnten. Fotofachverkäufer wurden auch vermehrt zu Werksbesuchen nach Japan eingeladen. 1970 wurde die Rolleiflex SL 35 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kamera war recht kompakt und konnte sowohl unter technischen Aspekten wie auch mit einem moderaten Verkaufspreis mit der asiatischen Konkurrenz mithalten. Rollei hatte sich am Vorbild der meistverkauften Kleinbild-SLR Pentax Spotmatic orientiert, allerdings war der deutsche Apparat der Pentax nicht überlegen. Rollei verwendete einen eigenen Objektivanschluss, das sogenannte QBM-Bajonett.

Spiegelreflexkameras unter der Mitwirkung von Zeiss

Nachdem die Produktion der letzten eigenen Kamera-Modelle von Zeiss in Deutschland Anfang der 70er Jahre eingestellt worden war, vereinbarte Zeiss 1972 eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Kamerahersteller Yashica. 1983 wurde Yashica ihrerseits von Kyocera übernommen. Kyocera begann unmittelbar darauf mit der Fertigung von Kameras. Im Zuge der ehemaligen Kooperation entstand von 1974 bis 2005 eine ganze Reihe von Kameras unterschiedlichster Bauarten. Als erstes Ergebnis der Zusammenarbeit erschien 1974 die Kleinbild-Spiegelreflexkamera Contax RTS. „RTS" beutete hierbei „Real Time System" und sollte den verzögerungsfreien Ablauf der Kamerafunktionen in Echtzeit durch elektronische Steuerung andeuten. Hierdurch konnte mit dem als Zubehör angebotenen „Professional Motor Drive" (PMD) eine Geschwindigkeit von fünf Bildern je Sekunde erreicht werden. Das Design der Contax RTS wurde von F. A. Porsche entwickelt und auch bei den Folgemodellen beibehalten. Die Contax RTS erhob für sich den Anspruch einer Profikamera. Dagegen war die Zielgruppe der Contax 137 MD von 1980 und der Contax 139 Quartz von 1979 das anspruchsvollere Amateurpublikum. Die Contax 137 MD war ein reiner Zeitautomat, verfügte jedoch schon über einen integrierten Motor für den Filmtransport.

Die deutschen Firmen Leica Camera AG, Rollei GmbH und Zeiss Ikon besitzen in der Welt der Fotografie einen hervorragenden Ruf, auch mit ihren Spiegelreflexkameras konnten sie zeitweise der japanischen Konkurrenz trotzen.

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