Leica M6 – die Geschichte einer zuverlässigen Kleinbildkamera

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Leica M6 –  die Geschichte einer zuverlässigen Kleinbildkamera

Die Leica M6 hat Geschichte geschrieben. Allein die Liste der Spezialeditionen liest sich wie das „Who is Who" exklusiver Exemplare eines Stückes bester, fotografischer Fertigungskunst: 200 mit Platin belegte Kameras für das Sultanat Brunei, 700 Leica M6 zum Anlass des fünfzigjährigen Kronjubiläums des thailändischen Königs, weitere 100 Stück für die Royal Photographic Society. Diese Liste ließe sich beliebig fortführen. Natürlich ist eine Leica immer etwas Besonderes. Die Kameras aus dem hessischen Solms stehen für hervorragende Verarbeitung und fotografisch hochwertige Ergebnisse, und sie werden von professionellen Fotografen sowie Reportern weltweit eingesetzt. Trotz der langen Reihe an exklusiven Sondereditionen ist die Leica M6 aber vor allem eine sehr zuverlässige, analoge Kleinbildkamera für ambitionierte Fotografen, die das automatisierte Feeling ablehnen und Handarbeit bevorzugen.

Die M-Serie: Verlässliche Fotografie seit fast 60 Jahren

1954 wurde die Leica M3 als erstes Modell der M-Serie eingeführt und etablierte das Messsuchersystem, das sich bis heute erfolgreich gehalten hat. Das „M" steht für den verwendeten Messsucher. Neben der Spiegelreflexfotografie hat sich damit für den engagierten Hobbyfotografen und den professionellen Einsatz ein weiteres System durchgesetzt. Mit der Leica M6, die von 1984 bis 1998 - und in einer TTL-Variante („Through The Lens") sogar bis 2002 - gebaut wurde, steht eine zuverlässige und einfach zu bedienende Kleinbildkamera zur Verfügung, die noch heute Enthusiasmus auslöst. Ohnehin konzentriert sich die M-Serie auf das Wesentliche – nämlich das Bild. Dieses Prinzip wurde auch bei den neueren, digitalen Kameras der Serie beibehalten. Sie müssen sich nicht mit komplizierten Einstellungen und unnötigen Entscheidungen auseinandersetzen, wie sie von den meisten Spiegelreflexkameras verlangt werden. Als Besitzer einer Leica M6 wissen Sie genau, auf was es ankommt. Sie konzentrieren sich auf das Motiv und nicht auf die Bedienung der Kamera. Sie werden die Leica M6 verstehen und dann werden Sie diese Kamera eher fühlen und wertschätzen wie einen treuen Begleiter.

So gewöhnen Sie sich schnell an den Messsucher

Im Gegensatz zur Spiegelreflexfotografie oder gar zur Autofokusfotografie, verflogt Leica mit dem Messsuchersystem über ein bewährtes, wenn auch unter Hobbyfotografen weniger bekanntes Prinzip. Um mit diesem System schnell vertraut zu werden, müssen Sie einige Grundlagen der Leica M6 verstehen. Da es sich um eine analoge Kamera handelt, die 35mm-Kleinbildfilme als Medium nutzt, erfassen Sie das Motiv selbstverständlich durch den Sucher. Dies ist soweit nichts Besonderes. Während eine Spiegelreflexkamera jedoch üblicherweise den gesamten im Sucher sichtbaren Bereich auf Film bannt, arbeitet das Messsuchersystem anders. In Abhängigkeit von der gewählten Brennweite wird nur das auf dem entwickelten Bild erscheinen, was innerhalb des sogenannten Leuchtrahmens liegt.
Der Leuchtrahmen wird eingespiegelt und ist somit gut im Sucher sichtbar. In der Mitte des Leuchtrahmens findet sich schließlich das ebenfalls eingespiegelte, jedoch hellere Entfernungsmessfeld. Alle geeigneten Objektive mit einer Brennweite zwischen 21 und 135mm „kuppeln" sich automatisch mit diesem Entfernungsmessfeld. Das letzte Element, das Sie im Sucher sehen werden, ist ein Paar dreieckiger, sich gegenüberliegender LEDs. Diese werden auch als „Lichtwaage" bezeichnet. Die Lichtwaage zeigt Ihnen an, ob die Belichtung korrekt ist. Bei einer Unterbelichtung von einer ganzen Blendenstufe ist das rechte Dreieck unsichtbar. Beträgt die Unterbelichtung nur eine halbe Blendenstufe, so ist das rechte Dreieck nur schwach sichtbar. Bei einer Überbelichtung gilt das gleiche Prinzip – nur bezogen auf das linke Dreieck. Achten Sie also bei der Blenden- und Zeitvorwahl auf die Lichtwaage im Sucher. Die LEDs blinken, wenn der Messbereich der Belichtungsmessung unterschritten wird, also zu wenig Licht vorhanden ist.

Sie werden sich sehr schnell an dieses Prinzip gewöhnen, wenn Sie verstehen, dass nur das auf dem entwickelten Bild erscheinen wird, was innerhalb des Leuchtrahmens zu sehen ist. Der Vorteil liegt jedoch klar auf der Hand. Während Sie im Sucher einer Spiegelreflexkamera bereits das vergrößerte Bild bei hoher Brennweite im Sucher sehen, ist bei der Leica M6 der Gesamtkontext im Sucher dargestellt. Je höher die Brennweite ist, umso kleiner wird der Leuchtrahmen sein, der die Aufnahme definiert. Mittels dieser Technik werden Sie sehr schnell lernen, wie Sie einen perfekten Bildausschnitt auch bei großer Brennweite wählen. Denn schließlich sehen Sie diesen zentriert im gesamten Sucherfeld. Die Vergrößerung des Sucherfelds liegt dabei bei einem Wert von 0,72 und die Leuchtrahmen für die Brennweiten 28, 25, 50, 75, 90 und 135 mm können je nach benutztem Objektiv eingespiegelt werden.

Manuelles Fotografieren bedeutet zuverlässiges Fotografieren

Eine Leica M6 ist ein analoges, mechanisches Werkzeug für handelsübliche 35mm-Kleinbildfilme und verfügt über keine überflüssige Elektronik. Es müssen weder Bildeinstellungen gespeichert werden, noch erfordert die Technik der Leica M6 selbst eine Betriebsspannung. Denn sämtliche Vorgänge innerhalb der Kamera sind rein mechanisch. Einzig der Belichtungsmesser benötigt eine minimale Stromversorgung von mindestens drei Volt. An der Vorderseite der Kamera befindet sich dazu ein kleines Batteriefach, das entweder zwei Silberoxid-Knopfzellen mit je 1,55 Volt oder eine Lithium-Batterie mit 3 Volt aufnehmen kann.
Die Messzeit beträgt üblicherweise 15 Sekunden. Somit können Sie ganz entspannt darauf vertrauen, dass Sie bei einer mittleren Batterielaufzeit von 20 Stunden circa 4800 Aufnahmen machen können, ohne auf den Belichtungsmesser verzichten zu müssen. Diese Vorteile sollten Sie nicht unterschätzen. Denn Sie machen sich unabhängig von Steckdosen, Akkuladegeräten und schweren Batteriepacks. Die rein mechanische Technik dieser Kamera setzt auf Langlebigkeit. Alle Komponenten sind vorbildlich konstruiert und verbaut. Aus diesem Grund ist die Leica M6 ein treuer und zuverlässiger Begleiter, der den Fotografen nicht im Stich lässt. Weltweit setzten Fotoreporter aller Welt die Kameras der M-Serie ein. Sie konnten sich schlicht auf ihr Werkzeug verlassen.

Angenehmeres Blitzen mit der Leica M6 TTL

Wenn das Licht einmal nicht ausreicht, dann werden Sie auf einen Blitz zugreifen müssen. Die Leica M6 unterstützte in ihrer ursprünglichen Baureihe bis 1998 jedoch nur ein relativ rudimentäres Blitzverhalten mit statischer Synchronisationszeit von 1/50 Sekunde. Dies ist im normalen Gebrauch der Leica M6 ausreichend gewesen. Leica erkannte jedoch, dass es einer verbesserten Technik bedarf, um eine verbesserte Synchronisation zwischen Objektiv und Blitzgerät zu erfüllen. So kam 1998 das Model Leica M6 TTL auf den Markt. Diese baugleiche Kamera beherrschte es, durch die Linse die notwendigen Lichtwerte aufzunehmen und an den Blitz weiterzugeben. Außerdem gab es einige weitere, kleine Verbesserungen. Mit der Leica M6 TTL kommen Sie zusätzlich in den Genuss eines etwas größeren Zeitrads zur Zeitvorwahl und können zusätzlich zwischen drei verschiedenen Suchervergrößerungen mit den Faktoren 0,58, 0,72 und 0,85 wählen. Sofern Sie darauf verzichten und mit einem Blitz mit fester Synchronisationszeit gut arbeiten können, dann sind Sie auch mit der Leica M6 ohne TTL-Technik bestens bedient.

Objektive, Verschlusszeiten und Filmmaterial: Das müssen Sie wissen

Kleinbildkameras der M-Serie verfügen über einen sogenannten „M-Bajonett"-Anschluss für Objektive. Dieser spezielle Bajonettanschluss wurde von Leica entwickelt und löste den bisher verbreiteten Schraubverschluss für Objektive ab. Grundsätzlich rastet das Objektiv ebenso fühl- und hörbar ein, wie Sie es vielleicht von anderen Bajonettsystemen wie etwa dem verbreiteten K-Bajonett von Pentax kennen. Das Aufsetzen des Objektivs wird Ihnen deshalb keine wirklichen Schwierigkeiten bereiten. Die passenden Objektive übertragen über die im Bajonett integrierte Übertragungsfunktion die Entfernung an den Entfernungsmesser der Leica M6. Die so gekuppelten Objektive ermöglichen dann die verlässliche Berechnung für den Messsucher. Leica-Objektive verfügen dabei über zwei Ringe - einen drehbaren Ring zur Entfernungs- also Schärfeneinstellung und schließlich einen Ring zur Einstellung des Blendenwerts selbst.
Selbstverständlich können Sie auch Objektive anderer Hersteller benutzen, die über das M-Bajonett verfügen. Hersteller, die ebenfalls auf das M-Bajonett gesetzt haben waren unter anderem Minolta, Carl Zeiss, Konica oder Rollei. Somit steht Ihnen eine große Vielfalt an Objektiven für anspruchsvolles Fotografieren zur Verfügung. Außerdem können Sie kompatible Objektive mit Schraubverschluss über entsprechende Adapter benutzen. Für die Belichtungszeit bietet die Leica M6 Werte zwischen einer Sekunde und 1/1000 Sekunde, wobei der Verschluss durch einen horizontalen Gummischlitz realisiert wird. Zusätzlich steht Ihnen am Zeitrat die Einstellung „B" zur Verfügung. Bei Wahl dieser Option wird die Belichtungsmessung nicht aktiviert und die Auslösezeit kann für die Langzeitbelichtung beliebig lang sein. Dadurch, dass bei einer Messsucherkamera kein Spiegel benutzt wird, ist das Auslösegeräusch im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera sehr leise und auch die Bauweise des Bodys ist kleiner und kompakter.
Als Filmmaterial kommen handelsübliche 35mm – Kleinbildfilme in Frage, die über die Unterseite der Kamera eingelegt werden. Die Leica M6 unterstützt dabei Filmempfindlichkeiten im breiten Spektrum von ISO 6/9° bis ISO 6400/39°. So sind Ihrer Kreativität in der Effektfotografie durch Wahl von unterschiedlich empfindlichem Filmmaterial keine Grenzen gesetzt.

Erhalten Sie den Wert Ihrer Kamera

Wenn Sie einmal mit der Leica M6 vertraut sind, dann werden Sie sich eigene Bildwelten und eine eigene Bildsprache schaffen. Damit Sie lange Freude an Ihrer Leica M6 haben, sollten Sie diese pflegen. Es handelt sich um ein mechanisches Präzisionswerkzeug. Sämtliche beweglichen Teile sind ab Werk geschmiert. Deshalb sollten Sie bei längerem Nichtgebrauch die Kamera ohne eingelegtem Film etwa alle drei Monate mit jeder Verschlusszeit einmal auslösen. Auch alle von außen beweglichen Bedienelemente sollten Sie von Zeit zu Zeit bewegen. Das verhindert ein Verharzen der Schmierstellen. Selbstverständlich ist es ratsam, dass Sie die Kamera und Objektive staubfrei halten und nicht über längere Zeit widrigen Witterungsverhältnissen, wie intensiver Sonnenausstrahlung auszusetzen. Ansonsten ist eine Leica M6 eine erstaunlich wartungsfreie und zuverlässige Kleinbildkamera, die auch in den Zeiten der digitalen Fotografie noch immer ihre Berechtigung hat.

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