Leica Fälschung

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Leica Fälschungen

1932 kam mit der Leica II ein verbessertes Modell der Leica I auf den Markt. Die Kamera verfügte jetzt über einen gekuppelten Entfernungsmesser. Dieses Modell ist die am meisten nachgebaute Kamera der Welt. Insbesonders in Russland wurde ohne Rücksicht auf Patente kopiert. Schon 1932 von FED, nach dem Krieg auch von Zorki. Insgesamt wurden wohl 1.5 Millionen Leica II Kopien hergestellt. Auch das Standardobjektic Leica Elmar wurde kopiert ("Industar").

Auf Grund dieser hohen Stückzahl liegt der Preis einer FED oder Zorki mit Ausnahme einiger sehr frühen und seltenen Modelle deutlich unter dem Preis einer Leica II. Dies führte schon früh zu Fälschungen. Diese sind allerdings auch für einen Laien leicht zu erkennen: Deswegen wundert es, dass oft sogar professionelle Fotografica Verkäufer die von ihnen angebotenen Fälschungen mit Fragezeichen versehen bzw. Unwissenheit vorgeben.

1. Messing Leicas (meist als Gold oder vergoldet bezeichnet) gibt es nicht. Die Leica II wurde vernickelt,verchromt oder schwarz lackiert ausgeliefert. Der Bezug war Vulkanit - eine Art Kunstleder - und nicht Holzfurnier oder Schlangenleder. Es gab zwar von der Leica II tatsächlich eine echt vergoldete Ausführung - diese waren jedoch nicht im offiziellen Verkauf. Vom Vorgänger Leica I wurden ca. 100 solcher  Luxusausführen hergestellt. Es kann natürlich sein, dass Besitzer ihre Leica anlässlich einer Überholung auch vergolden ließen.

2. Da der Austausch der oberen Deckkappe mit den neuen Gravuren am einfachsten ist bleibt meisten das kyrillische "B" am kleinen Rückspulhebel stehen. Dort steht bei Leica aber "R" für rückwärts .

Merke:"Meistens" heißt nicht "immer".

3.Die Deckkappe ist im Bereich des eckigen Sucherausblicks vorne anders konstruiert. Bei Leica ist die Front glatt und das Sucherfenster aufgesetzt. Bei FED und Zorki bildet der Sucherausgang einen Erker (bei Aufnahmen von oben gut zu sehen).Ein Abstand zwischen Fensterrahmen und Kante der Kappe fehlt. Siehe auch Bilder am Ende des Beitrags.

4. Am gefälschten Elmar ist vorne die alte Leica Blendenreihe mit den Blenden 3,5-4,5- 6,3-9-12,5-18 eingraviert. Hinten an der Schärfentiefenskala steht jedoch fast immer die moderne Reihe 4-5,6-8-11-16. Die Angabe der Brennweite in mm statt cm ist kein Indiz, da es auch frühe Elmare damit gab (bis ca 1935).

Beim echten Elmar ist die Irisblende direkt hinter der Frontlinse-bei den russischen Nachbauten hinter der 2. Linse.

Zusätzlich werden diese umgravierten Gehäuse noch gerne durch fantasievolle Zusätze "aufgewertet". Die bekanntesten sind "Safari", "Bildberichter", "Panzerkampf", "Alles für Deutschland", XI Olympischen(!) Spielen, "Luftwaffen(!)", "Marineansalt", (man beachte die Rechtschreibung!) meistens in Verbindung mit den entsprechenden Hoheitszeichen des 3. Reiches, die aber in Wirklichkeit nur sehr selten Verwendung fanden (Marine). Die Wehrmacht benutzte eigentlich auch nur Leica III Modelle (Zusätzliches Langzeitwerk vorne). Dass ein General seinen Namen auf eine Dienstleica gravieren lässt ist sehr unwahrscheinlich. Auch die Schnittmodelle sind keine echten Leicas - sollte es echte geben befinden sie sich fest in Sammlerhand. In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis: Wenn jemand schreibt "Schnittmodell einer Leica"  behauptet er damit nicht, dass da eine Leica zersägt worden ist - es ist ja nur ein Modell. Genauso bei Objektiven: Nicht jedes Objektiv mit "Leica M39 Anschluß" kann man auch wirklich an einer Leica verwenden.Es gibt mehrere Hersteller, die dieses Gewinde verwendet haben bei ganz anderem Auflagemaß zur Filmebene.

Auch Leica III wird gefälscht - der Langzeitknopf ist dann ohne Funktion aufgesetzt (sehr selten).

Schwierig auch für den Fachmann zu erkennen sind echte Leica III mit nachträglich angebrachten Gravuren wie z.B. "Luftwaffen Eigentum" oder "WH" (Wehrmacht Heer) oder auch nur "Heer". Durch diese meist nicht belegbaren "Originalgravuren" kann der Preis bis zum Faktor 10 steigen. In letzter Zeit werden auch Zorki C (kyrillisch für S) auf Leica umgraviert. Das ist eine russische Weiterentwicklung mit glatter Deckkappe ohne den charakteristischen Absatz für den Zeitenknopf (frühe Leicas haben auf diesem Absatz auch noch eine kleine Vertiefung für das Zeitenrad - deshalb "Toilettensitz" genannt) und wurde ab 1955 gebaut.

Natürlich gibt es auch im Innenleben Unterschiede. Das erfordert aber Fachkenntnis und ist auf einem Foto meist  nicht zu erkennen. Auch der untere Verschlussdeckel ist anders: Im Original  sind 4 oder 7  Schraubenköpfe zu sehen - eine FED hat 5, eine Zorki 3. Die Deckel sind aber untereinander austauschbar. Sogar die innen angebrachte Anleitungsskizze für das Einlegen des Films wird manchmal originalgetreu nachgemacht.

Sogar die Taschen werden nachgemacht. Dabei ist aber die Leica Gravur meistens nicht geprägt, sondern eingebrannt nachdem der FED oder Zorki Schriftzug abgeschliffen wurde. Auch fehlt auf der Rückseite "Leitz Wetzlar Germany". Die originale Markung ist oft noch zu erahnen.

Wer mehr wissen will, sollte das "Leica Cameras Book" aus dem Wittig Fachbuchverlag oder "300 Leica Copies" von Pont/Princelle aus dem Fotosaga Verlag zu Rate ziehen.
Auch nicht schlecht sind die Bücher von Rogliatti.
Das Standartwerk ist wohl "Leica" von Paul-Henry van Hasbroeck - allerdings teuer.

Die russischen Kamers sind ganz brauchbar..Auch die Objektive.Ich selbst benütze an meinen  Schraubleicas  das russische Jupiter 8(man muss allerdings Glück haben-die Qualität ist nicht durchgehend gut),das ich sogar besser einschätze(sorry) als das originale Elmar(ist ja auch ein Zeiss Sonnar Nachbau).

Der FED  Nachbau soll der bessere sein. Er entspricht auch mehr der Leica II, da insbesonders bei den Zorki Gehäusen ab 1952 die Belederung nicht mit den Gehäusedeckeln abschließt sondern oben und unten, sowie um das Schraubgewinde herum durch einen schmalen, schwarz lackierten Rand getrennt ist. Vorher war die Zorki praktisch eine Kopie der FED - sozusagen eine Kopie der Kopie.

Sehr schön sind auch die Geschichten, die oft um die falsche Leica gewoben werden. Immer wieder sind sie aus dem Nachlass eines Offiziers oder wurden vom Opa aus Kriegsgefangenschaft(!) mitgebracht. Auch die Sage, dass sie in Lizenz oder nach dem Krieg in Russland mit beschlagnahmten Originalmaschinen hergestellt wurden hält sich hartnäckig. Letzteres wohl eine Verwechslung mit Contax/Kiev.

Preise: Der Erlös liegt zwischen 60 und 120 €. Unbelehrbare (üblicherweise hagelt es Hinweise) Verkäufer kassieren bis zu 300 € von ebenso unbelehrbaren Käufern - leider hat ebay die Kommunikation erschwert und einen Bieter kann man nicht mehr warnen - erst nach der Auktion. Gibt natürlich auch Leute, die unbedingt gefälschten Nazi-Kitsch haben wollen....


Das Neueste bei ebay : eine "verfälschte Kopie":

Die chinesische Leica Kopie "Shanghai"  (zu Anfang eine Leica IIIb  Kopie ;Später  mit größerem Sucherfenster und nur noch einem Einblick) ist sehr selten.Was liegt näher als eine FED oder Zorki statt mit Leica mit "Shanghai" zu gravieren?Dummerweise fehlt natürlich das Langzeitwerk und der Dioptrinausgleich.Auch die Kappe ist verräterisch(s.o.)




Leica IIIa(mit Langzeitwerk vorn)  1936                Falsche Leica II "Marine "mit Seriennummer einer Leica I von 1929
nicht werksseitiger Blitzanschluß                            Der andere Ausblick im Erker und  die abweichende Positionierung  der Seriennummer sind zu sehen.                                                   

                                                                                                          




Noch eine Fälschung:Pilzförmiger Schutz um den Auslöser, "B" am Rückspulhebel, Deckkappe mit Erker:

                                                                                                                         



 Ausserdem:                                                                                                                                                                            
Falsches Elmar: Blendenreihe vorn am Objektiv und hinten an der Schräge unterschiedlich.
Dazu kommt hier noch die Blendenbetätigung als Ring statt der (unpraktische) Leitz Hebel.
 



      



      Hier noch Innenansichten:Links eine originale Leica II.In der Mitte wohl eine Zorki mit vereinfachter Konstruktion.Rechts wahrscheinlich FED mit wenigen Unterschieden.Hauptsächlich ist das kleiene Abdeckblech oben,das bei der Zorki ganz fehlt,anders geformt.Leicas sind innen mit normalen Lack behandelt,die Russen haben den sogenannten "Kräusellack".


siehe auch
Alte Kameras verkaufen
Edixa Kameras sammeln

 

U.M.

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