Lautlos im Weltraum, Bruce Dern, Silent Running, DVD

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die Story: grüner Öko - Krieger läuft Amok (heute aktueller als damals)

In Ordnung, diese zugegeben recht absonderlich anmutende Überschrift macht den Eindruck, die Handlung des Films wäre schwach bzw. wenig aussagekräftig, aber genau dies ist absolut nicht der Fall. Denn, ebenso wie z.B. nur mal bei "Andromeda - tödlicher Staub aus dem All" oder auch "Soylent Green" alias (Alternativtitel) "Jahr 2022 ... die überleben wollen", (die auch und sehr wschl. nicht nur bei mir auf einer ganz persönlichen Liste der All Time Favorites stehen dürften) wurde hier, lange bevor dieses Grundthema so dermaßen brisant und wie inzwischen auch (leider) sehr zeitgemäß war, mit "Silent Running" schon damals (also im Produktionsjahr 1972) eine der möglichen düsteren Zukunftsprojektionen gezeigt, die vielleicht und in absehbarer Zeit dann nicht mehr nur fiktiv und phantastisch sein muß.

Zur Handlung: Irgendwann in einer (z.T. realen) gar nicht einmal mehr allzu fernen Zukunft, - eine Flotte von Raumschiffen treibt seit vielen Jahren durch unser Sonnensystem. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, die letzten Reste von Pflanzen und Tieren, bereits nach ihrem Aussterben auf unserer Erde in einer Art intestellaren "Arche Noah" zu bewahren. Das ganze wird, wie es eben leider auch heute der Fall ist, mit begrenzten staatlichen Mitteln finanziert.

Derweil hier die anderen Angestellten lediglich nur noch rein routinemäßig ihren alltäglichen Dienst dabei versehen. Sonst aber schon bereits jegliches Interesse an der Natur verloren haben und so z.B. auch biologisch angebaute Nahrungsmittel verabscheuen, kämpft einzig der Astronaut Freeman Lowell in eigener, mühevoller Klein(st)arbeit zusammen mit den dafür vorgesehenen Wartungsrobotern darum, die unter riesigen Glaskuppeln bestehenden Biotope noch selbst zu pflegen.

Eines Tages kommt es allerdings,wie's kommen muß. Fördergelder sollen für wichtigeres verwendet werden, das gesamte Projekt wird als entbehrlich eingestuft, da die Menschen der Erde sich ohnehin nicht mehr an die Natur erinnern können. Und daher sollen die Kuppeln mit sich an Bord befindlichen Atombomben gesprengt werden, ebenso alle Raumschiffe wieder zurückbeordert, um nun wieder ihrem rein kommerziell gedachten Einsatz zu dienen.

Entsprechend unterschiedlich sind daher auch die Reaktionen bei den Crew's der Raumschiffe, als sie davon erfahren. Wärend, nur natürlich, die meißten seiner Kollegen bereits in Vorfreude auf eine baldige Rückkehr zur Heimat damit beginnen, viel zu verfrüht Sprengungen durchzuführen, wächst einzig in Lowell der Widerstand dagegen an, dies nicht zuzulassen (überzeugend im Minenspiel, - fast ohne jeglichen Text dazu durch Hauptdarsteller Bruce Dern auch hier rüber gebracht, bei jeder der Explosionen möchte man als Zuschauer mit zusammenschrecken und schlicht genauso einfach durchdrehen).

Weil er sich schließlich nicht mehr beherrschen kann, als dann auch sein Garten an der Reihe ist, und, um somit auch noch die Sprengung der letzten, einzigen ihm noch verbliebenen Kuppel zu verhindern, tötet er zuerst einen seiner Kollegen und sprengt die beiden anderen im abgelegeneren Teil des Raumschiffes, auf dem er sich selbst befindet, ins Weltall. Dann ignoriert er jegliche Befehle der Bodenstation zur Rückkehr und gibt vor, technische Probleme bei der Navigation zu haben.

Er fliegt durch eine ziemlich schwierige Passage (wobei er gleichzeitig hofft, den Verlust seines Raumschiffes vortäuschen zu können, weil diese auch nicht ganz ungefährlich ist) noch weiter in unbekannte Regionen des Alls, und verbringt, nachdem das zunächst auch erst einmal erfolgreich war Monate allein mit anfangs 3,- etwas später dann aber nur noch 2 der ihm verbliebenen Roboter.

Ab hier verläuft die sowieso schon bereits recht simple Haupthandlung nun nochmals etwas ruhiger ab und hat fast Kammerspiel-Niveau erreicht, um so interessanter ist es allerdings, (sowie in gewisser Weise ganz lehrreich für jeden, der möglicherweise selbst einmal in eine so abgeschiedene Situation kommen sollte, wie er sich hier nun,- nicht anders als jeder, halbwegs normale Mensch, der in diese Lage versetzt wird, benimmt. Er beginnt beispielsweise damit, die Roboter, denen er zuvor die Namen Dewey und Huey gegeben hat (ein dritter - Louie - ging beim Durchqueren der gefahrvollen Passage verloren), völlig um zu programmieren. Dazu werden z.B. für die Maschinen viele recht unkonventionelle Programme geschrieben, unter anderem eines zum Pokern ...

Bei einer Szene, wo er es zum ersten mal mit ihnen spielt und daraufhin selber noch darüber wundert, wie sich dies in der Praxis bei den Androiden auswirkt,- und wenn er dadurch einen fast schon irren Lachanfall hat, wird ganz leicht beim Zuschauer der Eindruck vermittelt, er hat nun seinen Verstand verloren. Auch das ist glaubhaft und nur nachvollziehbar geschauspielert, so das man davon ergriffen sein könnte.

 ... und pflegt selbstverständlich mit ihnen die restlichen Pflanzen. Dann, und, bevor ein Suchtrupp des Schwesterschiff's Berkshire eintrifft, womit ab diesem Zeitpunkt in der Geschichte gar nicht mehr unbedingt zu rechnen war, schickt er die ihm verbliebene und nun mit künstlichem Licht ausgestattete Kuppel wie eine Flaschenpost in den Weltraum. Vorher wurde noch sein einzig intakt gebliebener,- der andere wurde durch einen Unfall beschädigt,- Androide programmiert, das er nun völlig autonom dazu in der Lage ist, sich um die in der letzten Raumkapsel verbliebenen Pflanzen und Tiere zu kümmern.

Lowell macht alle vorhandenen, sich noch an Bord des Schiffes befindlichen Atombomben scharf und sprengt die Valley Forge und auch sich selbst mit dem beschädigten Dewey an Bord. Durch diese gewaltige Explosion wird noch einmal die zuvor abgelöste Kapsel beschleunigt und (hier unauffindbar für den Suchtrupp) weiter weg geschleudert, so das angenommen werden soll, auch sie ist zusammen mit dem ganzen, restlichen Raumschiff vollständig vernichtet worden. In einer endgültigen und irgendwie auch noch zumindest ganz hoffnungsvoll stimmenden Einstellung sieht man den beinahe zerbrechlich wirkenden Huey auf der nun letzten Kuppel (allerdings ohne exakte Zeitangabe, wie lange er das bereits schon macht), wie er herrlich naiv und vollkommen stoisch ruhig die dort allerletzten Pflanzen und Tiere ihrer Art weiterhin pflegt.

Das hier einsetzende Lied von Joan Baetz: "Rejoice in the Sun" dürfte spätestens hier wirklich jeden (der noch nicht komplett abgestumpft ist) zu Tränen rühren, dem der Film bzw. seine Handlung eher nicht gefallen hat. Fazit, - Sowie ein großes sorry an dieser Stelle, des es ist sonst absolut nicht meine Art, in Rezensionen die komplette Handlung bereits im vorraus aufzulösen bzw. zu verraten. Aber, wie bereits ersichtlich sein dürfte, bin ich, obwohl ich mich sonst nicht gerade besonders oder gleich derart fanatisch für alle Umweltfragen interessiere, völlig enthusiastisch für diesen Film. Manches erscheint zwar noch sicherlich unrealistisch. Aber gerade dafür ist es ja auch nur ein Science Fiction Film und keine Dokumentation. Und, da sich hier erstmalig so etwas wie ein besonderes Bewußtsein für Natur im speziellen und ihre Erhaltung im besonderen (nicht nur bei mir) herausgebildet hat, dürfte sein Thema gerade auch zum mal ernsthaft darüber nachdenken anregen, ebenso vorhandene, unterschwellige Kritik an der Gesellschaft.

Gerade, weil das bis zu dieser Zeit in typischen 60 - 70 er Jahre Hollywood - Filmen eher selten war.  So z.B. erst mit solchen Filmen wie "Bonnie und Clyde" (Version mit Faye Dunaway und Warren Beatty) als Beispiel. Und dem neuen Hollywood bzw. Schauspielern - Regisseuren, die sich auch mal gewagt haben, kategorisch gegen sämtliche, bis dahin geltenden Regeln (also, die bekannte, klassische gut und böse - Rollenverteilung usw.usf. immer exakt und unmißverständlich war) aufzubegehren und davon abzuweichen. Daher ist der Film auch nur wärmstens als Kauftip,- und / oder als Ausleihtip vorbehaltlos jedem weiter zu empfehlen. Und, hier werden sogar die gehobeneren Ansprüche erfüllt, was ja hier ebenfalls nicht sehr oft über einen SF-Film ausgesagt werden kann, oder ?
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