Landschafts-u.Gebäudebau Nr.2: Aufgelassener Steinbruch

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Dies ist keine "R a t s c h - Seite", sondern speziell eine "R a t - S e i t e" für bastelfreudige  Modellbahnfreunde von 8 - 80 Jahren! 

Themeninfo: Der (aufgelassene) Steinbruch - (k)ein "Randthema" für eine N-TT-H0-00-0-G-Z-Anlage! Einer für alle ...

"Marmor, Stein und 'Meißel' bricht, aber unsere gute Laune nicht!" Auf, auf zum fröhlichen Steinerweichen - Steineklopfen - Steinebrechen - Steinema(h)len etc. und dabei alles auch noch völlig  --- 'ent-deutscher-t'! *  (MoBa-Freund HaHe bekennt sich zur alleinigen Urheberschaft) 

Liebe MoBa-Freunde, ich habe von Euch eine ganze Reihe von freundschaftlichen und respektbezeugenden Ratschlägen und hilfreichen Vorschlägen (bemerkenswerterweise auch von bekennenden Nicht-Modellbahnern) erhalten, die ich in dieser Breite nicht erwartet hatte.  Dafür möchte ich mich an dieser Stelle schon einmal herzlichst bedanken und sofort etwas davon umsetzen. -  Mit dem Themenwechsel weg von der 'Lückenproblematik' bei der N-Spur zum 'Landschafts-und Gebäudebau', der auch für  a l l e  anderen Spurweiten von G über TT bis Z interessant sein dürfte, versuche ich, auch meinen Beitrag  zu einer allseits gewünschten größeren Vielfalt und Vielseitigkeit auf der Ratgeberseite zu leisten!  - Zudem bewege ich mich mit diesem neuen 'Steinbruch-Ratgeber' auf bekanntem Terrain, denn ich kann an meine erste Veröffentlichung vom April 2009 über den Berg-Burg-Ruinen-Bau Nr. 1 & 2 anknüpfen. 

Wir bleiben mit der 'Steinbruch-Thematik'  in der gleichen Region, wie ich sie bereits in meinem Jubiläumsratgeber Nr. 16 vom Oktober 2006 mit der alles beherrschenden 'Burg Wolkenstein' auf dem zweithöchsten Berg meiner Anlage schon einmal vorstellte!

 Zur Erinnerung bitte RG Nr. 16 Bild 1 aufschlagen: DB-Rheingold von 1962 - Zug und Gegenzug geführt von E 10.1266 ("Bügelfalte") + E 10.1204 ("Kastenlok") im direkten Begegnungsverkehr bei der Überquerung des großen Viaduktes auf der doppelgleisigen Hauptstrecke unterhalb der Burg Wolkenstein (Blickrichtung Süd-Nord). - Jetzt das uns vertraute Bild-Duplikat ohne die Begegnungsszene der beiden beige-blauen 'Rheingolds' als Fern- und Nahaufnahme:

                                                            

 

Das erste neue Bild 1 zeigt als Einstiegsbild nun einen Panoramablick auf das ausgewählte Areal. Im Mittelpunkt wieder am linken Bildrand als markante Landmarke die 'Burg Wolkenstein', diesmal jedoch aus einem anderen Blickwinkel. - Wir blicken jetzt in Nord-Süd-Richtung auf eine (geografisch gesprochen) typische deutsche 'Mittelgebirgslandschaft', deren reizvollen landschaftlichen Charakter, es modellbahnmäßig überzeugend einzufangen gilt! ---  ( Im Norden vom nord-und ostdeutschen Tiefland und im Süden von der Voralpen- u. Alpenregion begrenzt, umfassen die Mittelgebirge immerhin über 3/4 der Fläche unserer deutschen Heimat!) --- Ihre werkgetreue Nachbildung auf einer vergleichsweise winzigen Modellbahnanlage quasi als ein mosaikartiges 'Teil vom Ganzen' wird damit zu einer lohnenden Aufgabe, wobei stets bedacht werden sollte, dass immer zuerst d i e 'Landschaft' in ihrer unverwechselbaren natur- und kulturräumlichen Prägung da war, ehe irgendwann d i e 'Eisenbahn'  als 'Newcomer' hinzu kam - und nicht etwa umgekehrt! Erst die 'Eisenbahn' und dann noch schnell etwas 'Landschaft' dazwischen oder drumherum oder 'um Ulm herum'; das passt doch irgendwie für passionierte Modellbahner nicht zusammen! -  Ich hoffe nun, dass ich diesem Anspruch in allen Teilen gerecht werden konnte und stelle mich hiermit gerne Eurem Urteil!

Bild 1+ 2: O Täler weit, O Höhen ...  Die 'Grafen von Wolkenstein' haben den Weit- und Überblick! - Da wir zudem auch noch im "Burgenland" sind: Ganz hinten in SW thront auf steilem Felsen das kleine 'Schloss Lichtenstein'!

 

                                                           

 

Wie alles anfing? Irgendwann hatte ich die Gelegemheit, preiswert größere Rindenstücke von portugiesischer Korkeiche zu erwerben. Mit dieser Menge hätte ich ganze Gebirge bauen können, aber dies ist nicht der wesentliche Punkt. Die wunderbar naturbelassene Struktur der Korkeichenrinde weckt wohl bei jedem in Miniatur-Kategorien denkenden Modellbahner 'heftige' Assoziationen zu realen Gebirgsformationen! Ich meine, man kann ohne 'Gipsmanscherei' und farblicher Nachbearbeitung sehr schnell und raumfüllend herrlich hohe und "echt" aussehende Berge aus Kalkgestein(!) auftürmen!  - Was die Herren von Wolkenstein natürlich nicht ahnen konnten; sie saßen auf einem riesigen Berg von dickbankigen Lagen z.B. aus Muschel- und Korallenkalk, der sich in den jurassischen Meeren des Mesozoikums über Jahrmillionen hinweg gebildet und verfestigt hatte! - Solche Gegebenheiten finden wir bevorzugt im süddeutschen Raum! (Also hätten die Herren von Wolkenstein u.a. aus württembergischen Geschlechte stammen können.)  Aber ehe ich hier auch noch ins geologische und geomorphologische Fachchinesisch abzugleiten drohe, jetzt der Rückgriff wieder aufs Grundsätzliche: 'Steinbruch' ist nicht gleich 'Steinbruch' und jeder 'Steinbruch' sollte seine ihm ureigene Geschichte auch erzählen dürfen!  Zunächst aber noch ein 'Heiteres-Steinbruch-Raten':  "Wer bin ich denn?" - "Ganz einfach, einfach nur meine Ident-Fotos anschauen!"- "Richtig, Dank vieler anderer und meiner Existenz erlernten im letzten Jahrhundert alle i-Männchen das Schreiben!"

                                                           

                                                            

 

Wer jetzt nach meinen bisherigen Ausführungen einen 'Kalksteinbruch' mit seinen i.d.R. 'raumfressenden' Ausmaßen erwartet hatte, den muss ich leider enttäuschen. Schon wegen dieses Platzbedarfes verbietet sich so eine Darstellung. Es musste also eine elegante und wirklich platzsparende Variante her! Und somit kommt neben dem Kalkstein ein zweites, wenn auch nur singuläres Gestein ins Spiel, das hier eigentlich wegen der Jura-Dominanz nicht erwartet werden kann! Wir sind auf ein kleines, aber feines dünnschichtiges Schiefervorkommen aus der Devonzeit gestoßen, also aus einer Zeit wiederum Jahrmillionen v o r der Jurazeit! Somit folgen wir genau der geologischen Schichten-Logik, dass die jüngeren Gesteinslagen i.d.R. ü b e r den älteren liegen müssen, ... und irgendwann hatten dann die heftig nagenden Erosionskräfte von 'Wasser & Co'. bei der wannenförmigen Talbildung auch diese singuläre Schieferformation abbauwürdig freigelegt! So oder so ähnlich ließe sich dazu ein gedanklicher geologischer und geomorphologischer Faden spinnen!

 Half die Korkeiche als reines Naturprodukt bei der Kalksteinimitation, so bot sich jetzt zweckmäßigerweise ein völliger  Materialwechsel an. Für die Schieferimitation gibt es im Zubehörhandel sehr gut gelungene geschäumte Reliefplatten ca. im DIN-A4-Format, die zwar täuschend echt wirken, aber auch einen stolzen Preis haben. Also habe ich 'zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen'! Bei diesem Schiefer-Steinbruch konnte kostengünstig eine gestückelte und zugleich wirkungsvoll plazierte Reliefplatte mit einer zwar verordneten, aber keineswegs unattraktiven 'Randlage' kombiniert werden! Man denke sich also die Fortführung der Schieferformatiom mit einiger Fantasie noch etwas über den Anlagenrand hinaus! - Aber ehe wir gleich so richtig die 'Meißel' schwingen können, müssen wir noch etwas die sog. 'dingliche Erfüllung' des Areals komplettieren. Am Fuße der bemerkenswerten Steilwand, die eine Bergflanke des Burgberges von Wolkenstein bildet, liegt der Bahnhof 'Burghausen', der an der eingleisigen Streckenverbindung zwischen Klein-A-Stadt über Klein-B-Stadt nach Klein-C-Stadt die normalen Aufgaben eines kleinen Landbahnhofs zu erfüllen hat!

 

                                                                                                  

 

Der Bau einer solchen eingleisigen Bahnstrecke im letzten Drittel des 19. Jahrhundert war auf Grund schwieriger naturräumlicher Bedingungen sicherlich sehr kostenintensiv, allein schon, wenn man an die notwendigen Tunnel- und Brückenbauten denkt. Aber zu Zeiten der zweiten industriellen Revolution und steigender wirtschaftlicher Prosperität (das Deutsche Reich 'schwamm geradezu im Geld/Gold' u.a. auch durch maximierte  französische Reparationszahlungen (!) wegen des verlorenen Krieges 1870/71) wurde bei der Kosten-Nutzen-Rechnung der Streckenauslastung durch den Personen- und Güterverkehr vermutlich sehr großzügig verfahren! Somit war dann auch die Vorteilsnahme durch die Anbindung des Schiefer-Steinbruches an das damalige Länderbahnnetz mit einem eigenen Stichgleis durch den Seitentunnel (jetzt zugemauert!) am Bahnhof Burghausen aus fortschrittsgläubiger Sicht durchaus verständlich! - Und wenn man noch bedenkt, dass konkurrierende Steinbrüche im Rheinischen Schiefergebirge ca. 250 km entfernt sein könnten, müsste man sich um die Wirtschaftlichkeit  d i e s e s  Steinbruches vorerst keine Gedanken machen! - Was aber so hoffnungsvoll und entschlossen im 'industriellen Rausch' der Kaiserzeit (1871 - 1918) geplant und begonnen worden war, sollte nach nur einem Jahrzehnt durch eben diesen Fortschritt ebenso abrupt und endgültig beendet werden. Unser Thema heißt: "Aufgelassener Steinbruch", was nur eine Zustandsbeschreibung beinhaltet, aber keine ursächlichen Rückschlüsse zulässt! -  Damit kommen wir eigentlich zum Kern und fast schon zum Schlusspunkt unserer feinsinnigen 'Steinbruchgeschichte' oder unserer modellbahnerischen 'Märchenstunde'! ---  Um die Jahrhundertwende 1900 war bereits das heutige deutsche Schienen- und Streckennetz komplett errichtet und bis zum Jahre 1930 sogar auch schon zu einem geringen Teil elektrifiziert!

 

                                                                             

 

 Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden existierende Fernverbindungen schrittweise doppelgleisig ausgelegt und auch bei der Weiterführung teilweise neu trassiert, um kürzere Fahrzeiten zu erreichen. Damit war das Schicksal unseres kleinen Steinbruchs mit seinen begehrten feinen dünnbankigen Schieferlagen aus dem Devon besiegelt. Mitten durch, oder besser genau über sein Abbaufeld hinweg sollte die doppelgleisige Hauptstrecke von Groß-A-Stadt über Groß-B-Stadt nach Groß-C-Stadt geführt werden! Aus statischen Gründen und generellen Sicherheitsbedenken der Bahn wäre dann ein Weiterbetrieb dieses kleinen Schieferbruches nicht möglich gewesen! Jetzt ragen neben der ehemaligen Abbaufront wuchtig und respekteinflößendend die 80 Meter hohen gemauerten Doppel-Pfeiler der 'Burghausener-Eisenbahn-Talbrücke' gen Himmel, und was wir jetzt schon ahnen können , ---> Lage für Lage hochgemauert aus jurassischem Kalkgestein des mesozoischen Erdzeitalters!  --- Womit wir schon beim 'Kehraus' angelangt sind, denn das Wesentliche wurde dem modellbahninteressierten Leser und Betrachter in Bild und Text vorgestellt! 

Bleiben als Nachtrag noch drei kleine 'Schmankerln', die es Wert sind, zumindest als Randnotiz wahrgenommen zu werden:1) in nächster Zeit werden engmaschige Stahlnetze an neuralgischen Punkten der Steilwand über dem Bahnhof angebracht, um evtentuellen Steinschlag zu stoppen 2) der 'Heimatverein Burghausen eV.' hat beschlossen, den Wanderweg, der vom Bahnhofsvorplatz steil zur Burg Wolkenstein hochführt, an der Abbruchkante zum Steinbruch hin mit Geländern zu sichern 3) der 'Naturfreunde-Verein Burghausen eV.'  hat im zugemauerten Tunnelportal oben einen kleinen Durchbruch angelegt ---  als Flugloch für die bedrohte Fledermausart 'Myotis myotis' ('Großes Mausohr') ! - Es gäbe noch viel zu erzählen, z.B., dass der stillgelegte und heute ganz zugemauerte Tunnel als Luftschutzbunker dem Bahnhofspersonal im 2. Weltkrieg als Schutzraum diente! Oder, dass Bhf. Burghausen heute ein 'Geisterbahnhof' ist, denn die Nebenstrecke wurde, dem allgemeinen Trend folgend, in den 80er bis 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts stillgelegt! Heute verirrt sich allenfalls in der Sommersaison ein nostalgisches Museumsbähnle bis hierhin! ... Aber dies ist eigentlich schon wieder eine ganz andere und neue Geschichte!

Liebe Modellbahnfreunde, ich hoffe, dass ich Euch bis hierhin gut informiert und unterhalten habe und würde mich sehr freuen, wenn dieser Ratgeber, in den ich viele Stunden Arbeit investiert habe, nicht wieder niedergemacht oder abgestraft würde! Vielen Dank!

Euer MoBa-Freund HaHe

*Drafi Deutscher (1946 - 2006), deutscher Sänger, Komponist u. Musikproduzent, komponierte mit "Marmor, Stein und Eisen bricht" einen Evergreen - Netten Gruß auch nach 'ganz da droben', und Drafi, verzeih' mir bitte den 'scharfzüngigen Meißel'   HaHe
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