Längst nicht mehr nur Zupfinstrument in der Volksmusik: Was die Zither auszeichnet

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Längst nicht mehr nur Zupfinstrument in der Volksmusik: Was die Zither auszeichnet

Heutzutage lassen sich viele verschiedene Musikinstrumente erwerben, unter anderem auch Zupfinstrumente wie Zithern, die zur Familie der Saiteninstrumente, den Chordofonen, gehören. Ursprünglich war die Zither ein Instrument in der Volksmusik, fand aber im Laufe der Zeit viele weitere Anhänger aus anderen Bereichen.

Die Konzertzither - Wissenswertes zu Aufbau und Spielweise

Die Grundform der Konzertzither besteht aus einem flachen Kasten und besitzt 5 Griffbrett- bzw. Melodiesaiten und 27 oder mehr Freisaiten, die parallel zur Längsseite der Zither gespannt sind. Das Schallloch befindet sich unter den Freisaiten, wohingegen unter den Melodiesaiten das Griffbrett liegt, das mit Bünden unterteilt ist. Zu den am häufigsten gespielten Konzertzithern zählt die Diskantzither, aber auch die Quint-, Alt- und Basszither sind bekannte Instrumente aus der Gruppe der Konzertzithern. Diskantzithern weisen eine normale Stimmung auf, Altzithern sind eine Quarte tiefer und Basszithern eine Oktave tiefer gestimmt. Die Quintzither ist eine Quinte höher gestimmt, kommt jedoch eher selten vor. Zithern mit unterschiedlicher Stimmung werden meist gemeinsam in einem Ensemble gespielt, können jedoch auch einzeln verwendet werden.

Griffbrettsaiten oder Freisaiten? 

Die Konzertzither kann in zwei Spielbereiche unterteilt werden: die Griffbrettsaiten, die auch als Melodiesaiten bezeichnet werden, und die Freisaiten, die umgangssprachlich oft Begleit- oder Akkordsaiten genannt werden und ebenfalls eingeteilt werden können in Bass- und Kontrasaiten. Beim Spielen werden die Griffbrettsaiten mit einem sogenannten Zitherring am Daumen der rechten Hand angerissen, wobei sie die Finger der linken Hand greifen. Die Freisaiten werden mit den Fingern der rechten Hand gezupft.

Die Besaitung bei den Konzertzithern

Bis heute gibt es zwei weitverbreitete Besaitungen für die Konzertzither, die sich in der Stimmung der beiden Spielbereiche unterscheiden. Am häufigsten sieht man die sogenannte Standardbesaitung, die auch als Normalstimmung oder früher Münchner Stimmung bezeichnet wird und geschichtlich jünger ist. Hierbei sind die Griffbrettsaiten auf a, a, d, g und c gestimmt und die Freisaiten sind in Quart-Quint-Folgen angeordnet. Die Stimmung letzterer Saiten geht auf ein System von Nikolaus Weigel zurück, der von 1811 bis 1878 lebte. Es wird der Tonraum von f‘ bis Kontra F lückenlos abgedeckt, wobei die Kontrasaiten von F chromatisch abwärts gestimmt sind. Durch die Anordnung im Quintenzirkel entsteht der Vorteil, dass die Grundakkorde einer Tonart nahe beieinanderliegen und somit schnell gegriffen werden können. Die Anordnung der Griffbrettsaiten, die sich an der Quinten-Stimmung von Streichinstrumenten orientiert, ermöglicht zudem durch die zusätzliche a-Saite ein gutes Greifen von Akkorden in höheren Lagen. Der „Verband deutscher Zithervereine" führte die Standardbesaitung 1878 bei einem Kongress als „Normalstimmung" ein, wobei sie sich vor allem durch Komponisten oder Zitherspieler wie Johannes Pugh, Richard Grünwald oder Josef Haustein verbreitete.

Seltener: die Wiener Stimmung

Seltener ist die sogenannte Wiener Besaitung oder Wiener Stimmung, wobei die Griffbrettsaiten auf a‘, d‘, g‘, g und c gestimmt sind. Wesentlicher Unterschied bezüglich der Freisaiten sind die sechs Basssaiten, die eine Oktave tiefer gestimmt sind. Somit können bei dieser Stimmung die Freisaiten in zwei Tonbereiche eingeteilt werden, nämlich as‘ bis gis sowie c bis Cis, und es entsteht von g bis cis eine Lücke. Bei dieser Besaitung sind die Kontrasaiten von C chromatisch abwärts gestimmt. Die Wiener Stimmung wurde überwiegend durch Carl J. F. Umlauf, der von 1824 bis 1902 lebte, bekannt, da er sie in seiner „Neuesten vollständigen theoretisch-praktischen Wiener Zitherschule" verwendete.

Geschichte und Herkunft der Zither

Das Wort Zither geht auf das griechische Wort „Kithara" zurück, das im deutschen Sprachgebrauch erstmals im 17. Jahrhundert in den Formen „Cyther" oder „Zitter" auftritt. Allerdings bezeichnete es zunächst die lautenartige „Cister", ein Zupfinstrument aus der Familie der Kastenhalslauten. Schon in der Bibel wird die Zither erwähnt, als der Hebräer Jubal als Urvater der Zither- und Flötenspieler genannt wird. Die Frage der Herkunft der Zither ist jedoch bis heute ungeklärt, allerdings fand man bereits bei den antiken Griechen das sogenannte „Monochord", einen Vorgänger des heutigen Instruments. Auch das mittelalterliche „Scheitholt" und das „Psalterium" sind Vorgänger aus dem europäischen Raum. Weitere regionale Ausprägungen der Zither sind weiter die „Qin" aus China, die „Koto" aus Japan und die „Tranh" aus Vietnam.

Der Begriff Zither ist in der Hornbostel-Sachs-Systematik, einem Klassifizierungssystem für Musikinstrumente, eigentlich ein Oberbegriff für einfache Chordofone, die allein aus einem Saitenträger mitsamt Saiten bestehen oder einen zusätzlichen Resonanzkörper besitzen. In der populärwissenschaftlichen Instrumentensystematik versteht man demnach unter Zithern Zupfinstrumente mit Saiten, bei denen ein flacher Kasten den Korpus darstellt. Die Saiten sind dabei parallel zur Oberfläche des Kastens gespannt. Eine weitere Untergruppe dieser Instrumente stellen beispielsweise die sogenannten „Hackbretter" dar.

Bekannte Zitherspieler und -bauer vom 15. bis ins 20. Jahrhundert 

Im Alpenraum stammt die früheste Beschreibung der Zither von Thomas Platter, der 1499 in der Schweiz geboren wurde und berichtete, dass er sich Saiten auf eine Schindel mit Steg gezogen hat, die der dann mit dem Finger angerissen hat. Auch ist ein Instrument aus dem Jahr 1675 bekannt, das die Form eines langen Rechtecks aufwies und Spiel- und Begleitsaiten sowie ein Griffbrett besaß. Erst im 18. Jahrhundert begann man mit Schwerpunkt im Salzburger Raum und in Mittenwald, den Instrumententypus zu modernisieren. Im 19. Jahrhundert wurde das Instrument zudem durch Johann Petzmayer bekannter, der zuerst das Spielen der Violine erlernte und im Alter von 16 Jahren auf die Zither umstieg. Sein Instrument besaß 3 Melodie- und 15 Begleitsaiten und er spielte es oftmals auf seinen Konzertreisen. 1836 wurde schließlich der bayerischen Herzog Max auf den jungen Musiker aufmerksam und stellte ihn als Privatlehrer ein. Im Jahr 1838 verlieh er ihm zudem den Titel „Kammervirtuose". In der Biedermeier-Zeit wurde die Zither in Mitteleuropa immer beliebter, was durch die Liebe zum Folkloristischen bedingt war und die Zither wurde zu einem bürgerlichen Saloninstrument. Ende des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Zithern in die ganze Welt exportiert und in Deutschland stieg die Zahl der Zither-Vereine, von denen manche heute noch bestehen. Die erste Konzertzither wurde im Jahr 1862 von Max Amberger in München gebaut und Adolf Meinel entwickelte im Jahr 1930 in Markneukirchen eine Quintzither und eine Basszither.

Eine weitere Neuerung fand im 20. Jahrhundert statt, als Ernst Volkmann in Ingolstadt eine Zither in Psalterform entwickelte. Volkmann kannte sich bereits mit Geigen und deren Fertigung aus und griff bei der Entwicklung auf diese Kenntnisse zurück. Seine Zither hatte eine gespannte Decke für den Korpus und verlängerte Mesuren, sodass ein kräftiger Klang entstand. Dies war gerade für barocke Transkriptionen und zeitgenössische Musik von Vorteil. Volkmanns Bauweise wurde von vielen weiteren Instrumentenbauern aufgegriffen und von diesen weiter verfeinert.

Akkordzither, Scherrzither und Oberton-E-Zither – besondere Formen des Instrumentes

Die Gitarren- oder Akkordzither weicht in der Bau- und Funktionsweise von den Konzertzithern ab, da sie kein Griffbrett hat, sondern nur freischwingende und in Akkordgruppen angeordnete Saiten aufweist. Sie wurden als Laieninstrument entwickelt und meist industriell gefertigt. Sie kann zudem ohne spezielle Notenkenntnisse gespielt werden, da spezielle Notenblätter unter die Saiten gelegt werden können.

Die Scherrzither ist eine besondere Form der Zither und wird auch als Kratzzither oder Schlagzither bezeichnet. Sie ist ein bäuerliches Instrument und besitzt diatonisch angeordnete Bünde. In der alpenländischen Volksmusik kommt sie noch heute zum Einsatz.

Die Oberton-E-Zither, auch Moodswinger genannt, ähnelt zwar einer E-Gitarre, ist aber eine Flachbrettzither. Sie wird elektrisch verstärkt und besitzt einen zusätzlichen dritten beweglichen Steg, der die Saiten in zwei Teile mit unterschiedlichen Tonhöhen teilt.

Eine eigene Zither - nützliche Hinweise zum Kauf

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Zither zu lernen, so stellt sich die Frage, ob Sie eine Zither kaufen oder lieber ausleihen sollten. Für den Anfang ist es sicher nicht schlecht, sich vorerst bei einer Musikschule oder Ähnlichem zu erkundigen, ob diese für die ersten paar Wochen eine Leihzither zur Verfügung stellen würde. Sind Sie sich nach einigen Übungsstunden dann immer noch sicher, dass das Instrument zu Ihnen passt, so können Sie sich über Angebote informieren. Es sind zum einen natürlich neue Zithern erhältlich, aber auch wenn Sie vorerst auf eine gebrauchte Zither ausweichen wollen, so gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten.

Für welche Bauform Sie sich entscheiden, hängt überwiegend von Ihren Vorlieben ab, allerdings kann man sagen, dass je größer die Bauform ist, desto kräftiger die Zither klingt. Achten Sie beim Kauf auch darauf, dass der mechanische Aufbau qualitativ hochwertig ist. Gerade beim Griffbrett ist Genauigkeit sehr wichtig und es kommt bei der Bundfreiheit auf Zehntelmillimeter an. Sämtliche Griffbrett- und Freisaiten müssen frei schwingen können und dürfen unter nicht schnarren. Lassen Sie sich in jedem Fall genügend Zeit bei der Auswahl einer Zither. Wenn möglich sollte die Zither zudem in einem stabilen Zitherkasten geliefert werden, der idealerweise mit einem Hydrometer ausgestattet sein sollte. Auch bietet es sich an, direkt eine zusätzliche Tragetasche mit Tragriemen zu erwerben, da das Instrument so einfach zum Unterricht, zu Konzerten oder Ähnlichem transportiert werden kann, wobei auch immer Seitentaschen für Noten und Zubehör praktisch sind.

Das Spielen der Zither erlernen - Tipps und Tricks für Anfänger

Das Spielen einer Zither sollten Sie am besten von einem ausgebildeten Lehrer erlernen, es sind aber auch Lehrbücher, sogenannte Zitherschulen, erhältlich. Achten Sie von Beginn an auf die richtige Fingerstellung, da Sie mit einer falschen Technik später schnell an nur schwer überwindbare Grenzen kommen. Gerade am Anfang tut es auch mal weh, die Saiten herunterzudrücken, doch geben Sie keinesfalls auf, da sich beim regelmäßigen Spielen eine Hornhaut an den Fingerkuppen bildet. Auch sollten Sie neben den reinen Spielübungen regelmäßige Trainingseinheiten zur Stärkung der Fingermuskulatur durchführen, da wie bei allen Saiteninstrumenten eine gewisse Kraft und Koordination sowie Ausdauer in den Fingern hilfreich, aber auch notwendig ist.

Zum Aufwärmen vor dem Spielen eignen sich zum Beispiel kurze Übungen mit Federhanteln oder Ähnlichem. Das Greifen der Töne bildet die Basis für das erfolgreiche Spielen der Zither, sodass Sie dies von Anfang an ausgiebig üben sollten. Arbeiten Sie sich langsam voran und geben Sie nicht zu schnell auf – mit einer Zither können Sie mit der Zeit und den richtigen Noten viele schöne Stücke der Zithermusik spielen. 

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