Kurzweil ME-1 Micro Ensemble

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Kurzweil ME-1 Micro Ensemble

 

Konnte das Micro Piano in den 90ger Jahren noch durch den alten Kurzweil Klaviersound aus der 1000er Serie (herausgekommen in den 80-ger Jahren) überzeugen, war ich sehr gespannt auf das Micro Ensemble, das ein preisgünstiger Ableger der PC Serie darstellt. Um es gleich vorwegzunehmen: ich war etwas enttäuscht.

 

Zum Sound:

Das Micro Ensemble besitzt 256 Sounds (in 12 Bänken a 16 Sounds = etwas umständlich) aus allen möglichen Bereichen, die ich als befriedigend bezeichnen würde. Die Sounds sind bis auf die Effekte nicht editierbar, womit man aber leben kann, da die wichtigsten Klanggruppen vorhanden sind, d.h. Pianos, E-Pianos, Strings (u.a. die bekannten, aber immer noch etwas harten Kurzweil-Strings), Pads, typische Syn-Sounds, Solosounds, Mallets, Synth- und Natur-Brass-Sounds, weitere Naturinstrumente sowie Drumsets. Als gut empfand ich darunter die meisten E-Piano Sounds, aber auch die Synth- und String-Sounds erschienen brauchbar und vor allem praxisnah, d.h. keine abgedrehten Klänge zum Beeindrucken der Kaufinteressenten, sondern gut im entsprechenden, musikalischen Kontext einsetzbar. Aber es handelt sich hierbei ja um ein Kurzweil-Gerät, das sicherlich vor allem wegen des Klaviersounds gekauft werden soll, und ausgerechnet der enttäuscht. Er leidet wie die meisten, aktuellen Klaviersounds unter einem erheblichen Mangel an Durchsetzungsfähigkeit. Die alte Geschichte: zu Hause klingt es prima, aber auf der Bühne fragt man sich, was denn mit dem Piano los ist! Im Bass- und Höhenbereich kann man noch damit leben, aber der Mittenbereich ist dünn und unnatürlich und verliert völlig seine Charakteristik, die man zu Hause noch zu schätzen wusste. Während man beim PC2R mit dem internen EQ nachhelfen könnte, besteht diese Möglichkeit beim Micro Ensemble nicht. Kurzweil selbst hebt hervor, dass der Klaviersound des Micro Ensembles im Gegensatz zu dem des alten Micro Pianos in Stereo vorliegt. Aber was nützt das schon, wenn der Sound an sich wenig überzeugen kann? Leider unterliegen auch viele der anderen, o.a. Sounds dieser Schönfärberei, so dass sie trotz aller Klang-Brauchbarkeit in einem komplexen Klanggebilde oder in der Live-Situation Mühe haben, sich durchzusetzen oder ihren Charakter darzustellen.

 

Zum Rest:

Man kann am Gerät sehr wenig editieren, einige Effekte lassen sich einstellen, was durch die LED-Anzeige nur recht umständlich durchzuführen ist. Ohne Handbuch ist man also aufgeschmissen, denn wer behält schon alle kryptischen Abkürzungen permanent im Gedächtnis? Doch das für mich entscheidende, fast unglaubliche Manko dieses Gerätes besteht in seiner Midi-Konfiguration: es befindet sich permanent im Midi Omni On - Modus und empfängt dabei ständig alle 16 Midi Kanäle, was sich am Gerät nicht editieren lässt! Und im Begleitheft steht über dieses Fiasko keine Silbe. Ich kam diesem `Fehler´ nur deshalb auf die Spur, als mir auffiel, dass bei der Ansteuerung durch ein bestimmtes Masterkeyboard, das in dem Moment auf 2 Midi-Kanälen gleichzeitig sendete, der Klaviersound so klang, als wären Phasenauslöschungen am Werk. Als ich dann genauer nachforschte, kam ich zu des Rätsels Lösung, dass durch die zweimalige Ansteuerung des selben Klaviersounds tatsächlich Phasenauslöschungen vorlagen (wahrscheinlich durch die leicht zeitverzogene Midi-Ansteuerung). Wenn man das Teil also in einem größeren Midiverbund betreiben will, muss man wahrscheinlich einen Midifilter davorschalten - sehr umständlich und antiquiert. Außerdem kommt noch das externe Netzteil hinzu, so dass das Micro Ensemble beim Live-Einsatz recht viel Aufmerksamkeit und Zeit beim Aufbauen benötigt.

 

Fazit:

Ich habe das Gerät an den Händler zurückgeschickt und auf die konstruktiven Mängel hingewiesen. Der entgegnete mir zu Recht, dass der Klaviersound auch schon etwas älter wäre, dass er aber von der merkwürdigen Midi-Konfiguration nichts wüsste. Ähnlich äußerte sich der deutsche Kurzweil-Vertrieb! Ferner wies der darauf hin, dass er das Gerät nebst amerikanischer Bedienungsanleitung an einen allseits geschätzten Fachmann, der u.a. Beiträge für das Magazin `Keyboards´ schreibt, mit der Bitte um das Erstellen einer deutschen Anleitung geschickt hätte. Diesem Fachmann sind die Minuspunkte nicht aufgefallen, bzw. hat er wahrscheinlich nur das originale Beiheft in´s Deutsche übersetzt. Als ich dem Kurzweil-Vertrieb dann auf dessen Wunsch eine Liste der Minuspunkte schickte, fanden diese keine weitere Beachtung. Im Kundeninteresse hätte man das aber z.B. in Form eines Zusatzblattes der Bedienungsanleitung hinzufügen müssen. Man hätte den Käufern einige Stunden des Suchens und Ausprobierens erspart. Aber so ist es nun mal (meistens), unser Musik-Business..... - Nun mag man o.a. Schwachpunkte mit dem niedrigen Preis des ME-1 erklären, aber da gibt es Hersteller, die zu einem ähnlich günstigen Preis wesentlich besser konzipierte Geräte anbieten, die nicht über solche Macken verfügen; siehe Waldorf Micro Q. - Falls jemand einen guten Klaviersound sucht, sollte er sich bei anderen Herstellern umsehen oder auf den neuen Kurzweil (wahrscheinlich K-3000) warten, vielleicht wird der ein würdigerer Vertreter der Kurzweil Piano-Tradition sein. Falls man hingegen einen günstigen GM/GS-Expander sucht, wird man Probleme mit dieser fatalen Midi-Konfiguration bekommen. Ergo: nicht sonderlich empfehlenswert.

 

Noch ein kurzes Wort zum Begriff Höflichkeit: ich habe diesen Ratgeber nicht für mich, sondern für alle Ebaynutzer geschrieben, die dieses Gerät nicht kennen, um sie vor einem möglichen Kauf zu informieren. Nun sehe ich, dass bereits diverse Mitglieder die Zeilen gelesen haben, und ich möchte wetten, dass einige davon ihren Nutzen daraus ziehen konnten. Aber offiziell hat bisher nur ein paar Leser meinen Bericht als hilfreich bewertet! Das ist ein guter Ansporn dafür, in Zukunft noch mehr zu schreiben..........

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