Kultobjekt mit Schönheitsfehlern

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iPod ist Kult. Punkt. Diese Aussage vieler Apple-Jünger ist in Anbetracht der Verkaufszahlen und in Anbetracht der Tatsache, daß "iPod" fast schon zum Synonym für MP3-Player schlechthin geworden ist, durchaus gerechtfertigt. Aber auch der Trabi ist Kult, viel auszusagen hat dies demnach noch nicht. Schauen wir also mal ein wenig hinter die kultige Fassade des jünsten Sprosses der iPod-Familie, des iPod nano, hier in der 2GB-Version.

Der erste Eindruck ist ganz typisch für einen iPod, er weckt sofort das berühmt-berüchtigte "Haben-Wollen-Gefühl". Der nano reiht sich nahtlos ein in das bekannte schlicht-elegante Design der iPod-Familie, ja er ist sogar der unangefochtene Designhöhepunkt der ganzen Truppe! So klein, so flach, so schick war noch kein iPod zuvor - und auch kein anderer MP3-Player auf dem Markt kommt in meinen Augen in diesem Punkt mit. Es hat gar keinen Sinn, hier die Maße aufzuzählen, das bringt nichts, man muß den nano in Natura erleben und begrabbeln, sonst glaubt man es einfach nicht.

Apple hat es fertiggebracht, das geniale Bedienkonzept der großen Brüder samt Clickwheel in dem winzigen Gehäuse des nano unterzubringen - nun, das war wohl auch gut so, schließlich hat die einfache und durchdachte Bedienung einen großen Anteil am Gesamterfolg der iPods. Das Durchgrasen der Musiksammlung macht einfach Spaß, alles findet sich in Augenblicksschnelle, egal ob man nach Titeln, Interpreten oder Wiedergabelisten sucht. Hier findet sich jeder sofort zurecht, Einschalten und Loslegen ist auch für absolute Techniklaien kein Problem. Ja, ich hab es probiert, der iPod ist omagetestet *g*! Zumindest wenn sich die gewünschte Musik bereits auf ihm befindet.

Das verbaute Farbdisplay ist naturgemäß klein geraten, aber es ist sehr klar, auch Fotos sind nett anzusehen. Wenn man das denn möchte, für mich ist das allerdings eine Funktion, die wohl der Markt verlangt (wo ja immer nach mehr und mehr Funktionen geschrien wird, man siehe auch den Handymarkt), aber eine Funktion die ich persönlich nicht nutzen würde. Gleiches gilt (jedenfalls für mich) für Spiele, Wecker, Stopuhr, Kalender usw. usf. Meinen "großen" iPod hab ich seit anderthalb Jahren, diese Dinge habe ich beim ersten Einschalten mal ausprobiert und dann nie wieder angefaßt.

Der nano liefert einen ausgezeichneten Klang, welcher mit eingebauten Equalizern noch den eigenen Wünschen angepaßt werden kann. Ob man allerdings mit den beigefügten Kopfhörern glücklich wird muß jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich mag diese Ins-Ohr-Steck-Dinger eh nicht, daher habe ich sie gleich durch solche mit Ohrbügel ersetzt. Insgesamt kann man mit sehr guten Kopfhörern noch einiges mehr aus dem nano herauskitzeln, allerdings legt man dann schnell nochmal 20-30 Prozent vom Kaufpreis des Players hin.

Mit Musik bestückt wird der nano wie jeder iPod über die kostenlos für MacOS und Windows beigefügte Software iTunes. Es gibt gerade aus dem Windows-Lager Leute, die dies als großen Minuspunkt ansehen. Für mich persönlich ist es in Anbetracht des genialen Zusammenspiels von iPod und iTunes eher ein Vorteil, macht es doch die Musikverwaltung auf Rechner und MP3-Player zum Kinderspiel. Anstöpseln und schon machen sich die auf dem Rechner vorhandenen Titel auf den Weg zum nano (falls sie speichermäßig draufpassen, ansonsten ist es *etwas* mehr Arbeit).

Der nano spielt verschiedene Audioformate ab, darunter natürlich MP3 und das apple-eigene AAC (bringt bei gleicher Datenrate ein höhere Qualität als MP3). Während man problemlos auch AIFF-Dateien oder das beliebte Hörbuch-Format Audible abspielen kann, verweigert der iPod den Dienst z.B. mit dem freien Ogg Vorbis oder dem in der Windowswelt verbreiteten WMA-Format. Somit ist es z.B. auch nicht möglich, bei bestimmten Onlineshops  erworbene Musikstücke im drm-bestückten WMA-Format abzuspielen (verwendet z.B. Musikload). Da iTunes aber einen eigenen Onlineshop, den iTunes Music Store, mitbringt, sehe ich da kein Problem. Bei den letzten ca. 20 von mir online gekauften Titeln habe ich mal die Preise verglichen: bei Musicload hätte ich im Schnitt 20-30 Cent mehr bezahlt als im iTMS.

Der Akku reicht für 12-14 Stunden Musik, allerdings ist das sehr vom Einsatz abhängig. Wer häufig in der Titelliste herumspringt, die Hintergrundbeleuchtung ständig am Laufen hat usw. usf. wird diese Zeit definitiv nicht erreichen!


Bis zu diesem Punkt hat sich alles sehr gut angehört, aber es gibt für mich ein paar Punkte, die diese Lobeshymne etwas einschränken. Zu diesen Punkten möchte ich jetzt kommen.

Zuerst einmal: so schön wie der nano anzuschauen ist, so empfindlich ist seine Oberfläche auch! Der Ruf nach serienmäßig mitgelieferten Samthandschuhen ist hier wirklich nicht übertrieben. Nicht nur, daß das Display kratzempfindlich ist, die sonstige Oberfläche (gerade beim eleganten schwarzen Modell) verzeiht auch keine Fingerabdrücke. Sieht einfach nicht schön aus. Meine Empfehlung: gleich eine Silikonhülle dazu besorgen, und man vermeidet den Ärger von Anfang an. Blöderweise leidet darunter dann der elegante Eindruck - eine Zwickmühle.

Als flash-basierter MP3-Player bietet sich der nano ja eigentlich für den "Hardcore-Einsatz" an,  zum Joggen, bei der Arbeit usw.  usf. Seine Empfindlichkeit jedoch (und seine Eleganz) sprechen dagegen, ihn zu so schnöden Aufgaben einzusetzen. Viel wohler würde er sich an der heimischen Stereoanlage fühlen, quasi als Ersatz für einen CD-Wechsler. Dafür wiederum ist der Speicherplatz mit 1, 2 oder 4 GB zu klein - auf meinem großen iPod habe ich jetzt rd. 12 GB drauf, und da habe ich noch nicht damit begonnen, auch die Schallplatten zu digitalisieren.

Nicht daß wir uns falsch verstehen, für den "normalen" mobilen Einsatz ist der nano auch sehr gut geeignet. Kommen aber größere mechanische Beanspruchungen hinzu sehne ich mich doch eher nach dem alten iPod mini zurück. Nicht umsonst war dieser robusteste aller bisherigen iPods auch der meistverkaufte. Wäre das nicht eine Idee für Apple? Einen echten Mini-Nachfolger im widerstandsfähigen Gehäuse aber mit dem Flash-Speicher des nano für den Heavy-Duty-Einsatz?

Typisch für Apple (besonders in jüngerer Zeit) ist die magere Serienausstattung des iPod. Netzladegerät? Fehlanzeige - bei meinem großen von vor anderthalb Jahren war das noch dabei. Natürlich ist der iPod das Lieblingskind aller Zubehörhersteller, es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber natürlich alles nur gegen Geld.

Was mich wirklich ärgert ist, daß Apple seit dem nano (und somit auch bei den aktuellen großen Modellen) nur noch auf USB 2 setzt, die früher als so großartig angepriesene (und auch super funktionierende) Firewire-Konnektivität fehlt jetzt. Gut, für die meisten Leute wird das nicht *so* gravierend sein, USB 2 hat ja schließlich mittlerweile jeder Rechner, trotzdem stört es mich persönlich. Ich habe z.B. in meinem zwar leicht angegrauten aber immer noch vollkommen ausreichenden PowerMac G4 keine USB-2-Schnittstelle und müßte diese nachrüsten, um einen der neuen iPods nutzen zu können. Oder halt meine gesamte Musikverwaltung auf einen meiner neuerern Rechner überspielen.


Fazit

Auch der iPod nano ist Kult. Punkt. Aber halt ein Kultobjekt mit Einschränkungen. Mir ist nicht ganz klar, was Apple bei der Gestaltung im Sinn hatte. Einen mobilen Allround-Player oder doch ein Designerstück für die Penthouse-Wohnung? Für ersteres ist er in meinen Augen zu empfindlich, für letzteres ist der Speicherplatz zu klein. Von daher fällt es mir persönlich leicht, dem "Haben-Wollen-Gefühl" im Falle des nano zu widerstehen - aber das ist halt wirklich eine SEHR persönliche Einschätzung, die daher auch nicht zu einer großen Abwertung führt. Andere mögen das anders sehen - und in Anbetracht der Verkaufszahlen scheint das ja auch zuzutreffen.

In diesem Jahr wird Apple 30 Jahre alt - man darf sicherlich auch im iPod-Bereich mit weiteren Neuerungen rechnen. Harren wir der Dinge, die da kommen wollen...
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