Kostüme: geheimnisvolles Versteckspiel mit venezianischen Masken

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Geheimnisvolle Masken, prunkvolle Bälle, Festzüge aus Gondeln auf dem Canale Grande – neben dem Karneval in Rio gehört der Karneval in Venedig zu den schönsten und berühmtesten Karnevalsfeierlichkeiten der Welt. 
Wer steckt dahinter? Venezianische Masken lassen jedes Kostüm geheimnisvoller erscheinen

Der venezianische Karneval beginnt zehn Tage vor Aschermittwoch und endet mit dem Beginn der Fastenzeit. Schon die Eröffnungszeremonie, der sogenannte Engelsflug, bei der eine berühmte venezianische Persönlichkeit als Engel maskiert vom Turm des Campanile über den Markusplatz schwebt, lockt Tausende von Touristen in die Stadt. Der eigentliche Höhepunkt ist aber die Zeit zwischen dem Donnerstag vor Karneval, dem „giovedi grasso" (fetter Donnerstag) und dem Aschermittwoch.


Die Tradition der Masken

Die Masken – so werden die kompletten Kostüme bezeichnet – sind wohl das herausragendste Kennzeichen des venezianischen Karnevals. Die Ursprünge gehen auf die  Commedia dell'Arte zurück. Diese Stehgreifschauspiele wurden von der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von herumziehenden Schauspieltruppen auf öffentlichen Plätzen dargeboten. Das besondere Kennzeichen dieser sehr beliebten Schauspielkunst war, dass die Figuren keine individuellen Charaktere waren, sondern stereotype Figuren mit den immer gleichen Merkmalen.

Maskenformen

Während der Aufführungen trugen die Schauspieler eine Halbmaske, die sogenannte "mezza maschera". Sie bedeckte nur die obere Hälfte des Gesichts, damit man die Schauspieler bei ihren Darbietungen auch verstand. Während des Karnevals war diese Maske auch besonders beliebt, weil sie den Maskierten das Essen und Trinken ermöglichte. Die das komplette Gesicht bedeckende Maske bezeichnet man hingegen im Italienischen als Bauta. Sie zeichnet sich durch ein stark nach vorne gewölbtes Kinn aus.

Die Bedeutung der Masken

Die Masken boten den Einwohnern der streng nach Klassen gegliederten venezianischen Gesellschaft die Möglichkeit, für ein paar Stunden in eine andere Rolle zu schlüpfen: Der Diener wurde zum Herrn, der Herr zum Diener, Frauen und Männer tauschten ihre Kleider. Geltende Moral- und Sittenvorstellungen verloren während der Karnevalszeit für ein paar Tage ihre Bedeutung: So nutzten Geliebte die Masken, um sich in der Öffentlichkeit zu treffen, Diener, um ihren Herren eins auszuwischen. Soziale Stellung, Alter und Geschlecht spielten für die Zeit des Karnevals keine Rolle mehr, denn die Masken sorgten für Anonymität.

Die Bauta – die anonyme Maske

Die Bauta, eine weiße Maske, bedeckt das ganze Gesicht und kann von Frauen und Männern getragen werden. Zu dieser Maske trägt man einen schwarzen Umhang und einen schwarzen Dreispitz (Hut). Die Bauta war in der Vergangenheit so beliebt, weil sie ihrer Trägerin die komplette Anonymität ermöglichte. Sie steht bis heute für Freiheit, da dem unbekannten Träger dieser Maske alles erlaubt ist.

Die Moretta – die Stumme

Die Moretta ist eine schwarze Frauenmaske. Sie hat eine ovale Form und keinen Mund. Der Tradition nach wird sie von ihren Trägerinnen anhand eines kleinen Knopfes mit dem Mund gehalten, sodass die maskierten Damen zum Schweigen gezwungen sind. Die Moretta übte durch die Schweigsamkeit ihrer Trägerin eine ganz besondere Faszination auf die Männerwelt aus und wurde so zu einer der meist getragenen Frauenmasken.

Mattaccino – die Clownsmaske

Die Mattaccino-Maske ist eine Clownsmaske, die ganz unterschiedlich aussehen kann. Kombiniert wird sie zu einem bunten oder weißen, kurzen Kostüm und einem Hut mit Federn. Die Träger dieser Maske werden in Venedig auch als Eierwerfer bezeichnet. Dieser Name rührt daher, dass die Mattaccini Freunde, Bekannte und Angebetete auf Balkonen mit parfümierten Eiern bewarfen.

Bernardone – der falsche Kranke

Die Maske des Bernardone wurde besonders gerne vom einfachen Volk getragen. Sie kann ganz unterschiedlich aussehen. Wichtigstes Accessoire des Bernardone sind ein Paar Krücken, mit denen er sich humpelnd über das Pflaster schleppt.

Gnaga – die Katzenartige

Die Gnagna-Maske ist eine Katzenmaske. Sie wurde früher ausschließlich von Männern getragen, die eine weibliche Figur darstellen wollten. Zur Maske trugen die Herren epochentypische Frauenkleider und einen Korb, in dem ein Kätzchen saß. Während sie durch die Gassen und über die Plätze flanierten, imitierten sie das Miauen eines Kätzchens.



 

Pantalone – der geizige Kaufmann

Die Maske des Pantalone ist eine der wichtigsten Figuren in der Commedia dell'Arte. Pantalone ist ein alter, reicher, aber geiziger Mann, der den venezianischen Kaufmann repräsentiert und den Reizen junger Damen nicht abgeneigt ist. Die Maske des Pantalones ist in der Regel eine Halbmaske, von brauner Farbe, mit einem von Furchen durchzogenen Gesicht und einer buckligen Nase. Sie wird ausschließlich von Männern getragen.

Arlecchino – der naive Diener

Arlecchino ist der Kasperle der Commedia dell'Arte. Als Diener reicher Herren sorgt er mit seiner Dummheit und Schusseligkeit für amouröse Verstrickungen und schicksalshafte Verwechslungen. Arlecchino trägt ein aus bunten Flicken zusammengenähtes Kostüm und fällt auf den Straßen durch seine Kunststücke als Spaßmacher auf. Die Maske selbst ist meist schwarz und bedeckt nur einen Teil des Gesichts. Viele Arlecchino-Masken nehmen aber auch die bunten Flicken des Kostüms in ihrer Gestaltung wieder auf.

Medico della peste – die Bizarre

Eine der bizarrsten und auffallendsten Masken ist die des Medico della peste, des Pestarztes. Sie verdeckt das komplette Gesicht und zeichnet sich durch eine extrem lange Nase in Form eines Schnabels aus. Sie kann weiß, farbig oder schwarz sein und hat einen düsteren Ausdruck. Im Gegensatz zu den meisten anderen Masken hat die Maske des Medico della peste einen praktischen Ursprung: Sie wurde von den venezianischen Ärzten während der Pestepidemien im 16. und 17. Jahrhundert getragen. Im Inneren des Schnabels deponierten die Ärzte aromatische Kräuter, um sich vor dem Gestank der Kranken und Toten sowie vor Ansteckung zu schützen.

Il Capitano – der heldenhafte Feigling

Die Maske des Capitano stammt wie die des Pantalones und des Arlecchino aus der Tradition der Commedia dell'Arte. Die Figur verkörpert einen Soldaten, der sich ständig seiner heldenhaften Taten und Erfolge rühmt, die jedoch nur in seiner Fantasie existieren. In Wirklichkeit fürchtet der Capitano nichts mehr als ein Duell oder einen Kampf. Die Maske dieses Charakters hat eine große Nase. Sein Kostüm erinnert an die Uniform spanischer Soldaten aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Colombina – die verführerische Dienerin

Die Maske der Colombina ist heute eine der beliebtesten Frauenmasken. Sie ist eine Halbmaske, reich mit Gold und Silber sowie mit Federn und Schmucksteinen verziert. Colombina ist ebenfalls eine Figur aus der Commedia dell'Arte. Sie dient als Magd oder Köchin, hat eine Menge Selbstbewusstsein und verdreht den Männern den Kopf. In der Commedia dell'Arte selbst trug diese sympathische Frauenfigur interessanterweise keine Maske.

 
 
 
 
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