Kopierschutz-Paranoia 2 / sog. Kopierschutzdekoder

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Die Filmindustrie führte in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Signal-Verschmutzung “Macrovision” auf VHS-Cassetten ein. Das war nie ein wirksamer Kopierschutz (hat meinen alten VHS-Recorder damals auch nie interessiert oder gar beeinträchtigt) und hat dementsprechend kopierschutztechnisch auch nichts gebracht - außer Ärger. Denn mein damaliger Sony-Fernseher (!!!) konnte die so übel und absichtlich verunreinigten VHS-Filme nicht ohne Bildstörungen anzeigen. Das Gerät, das die Störsignale in der Austastlücke (im Bildsignal außerhalb des sichtbaren Videobildbereichs, dort wo auch der Videotext untergebracht ist) viele Jahre lang zuverlässig beseitigt hat, war für mich überflüssig, seitdem das TV-Gerät vor etwa 3 Jahren mit defekter Bildröhre entsorgt wurde. Da es mit Sicherheit Leute gibt, die immer noch ähnliche Sony-Röhrenfernseher betreiben und trotzdem gelegentlich Videofilme störungsfrei ansehen wollen, habe ich das nützliche Hilfsgerät bei Ebay mit 1,- € Mindestgebot eingestellt und einen Erlös von ca. 10,- € erwartet. War aber nix!

Immer wenn es irgendwie im allerweitesten Sinn um Kopierschutz geht, melden sich irgendwelche Anwälte! Sinn oder Unsinn des Ganzen wird nie hinterfragt, denn es geht letztendlich nur ums Beutemachen. Meine Auktion wurde umgehend gestoppt und ich erhielt E-Mails von Ebay und einer Anwaltskanzlei, die angeblich eine Musikfirma vertrat (was zum Teufel hat ein Gerät zur Filterung von analogen Bildstörungen mit Musik zu tun?). Dazu muss man wissen, dass Ebay ohne jede Plausibilitätsprüfung oder gar Nachfrage jedem angeblichen Rechtevertreter auf ein Fingerschnippen hin sofort sämtliche Daten von Ebay-Mitgliedern aufdrängt! Siehe dazu auch die sogenannten Datenschutzrichtlinien von Ebay (habe ich bei dieser Gelegenheit auch zum ersten Mal gelesen), die ihren Namen beileibe nicht verdienen!

Nun gut:  In meinem Fall war die Anwalts-E-Mail noch recht freundlich formuliert und man hat voller Gnade und schier unendlicher Güte auf jede straf- und zivilrechtliche Verfolgung meines ach so schweren Verbrechens verzichtet (kann natürlich auch daran gelegen haben, dass es möglicherweise schwergefallen wäre, einen eventuell erlittenen Schaden nachzuweisen und damit einen lohnenden Streitwert zu beziffern). Dass ich das betreffende Gerät völlig legal gekauft und über zwei lange Jahrzehnte völlig legal benutzt habe, gilt nicht. Ohne dieses nützliche und qualitativ hochwertige kleine Gerät hätte ich mein Recht, gekaufte (und bezahlte !!!) oder in der Videothek geliehene VHS-Cassetten anzusehen, überhaupt nicht wahrnehmen können! Aber meine Rechte interessieren dabei niemanden. Heute ist solche Technik anscheinend streng verboten, obwohl man damit bekanntlich KEINE hochwertigen digitalen Kopien anfertigen kann. Und analoge VHS-Kopien könnten bestenfalls als abschreckendes Beispiel für mangelnde Bildqualität dienen. Als Nicht-Jurist kann ich all die äußerst seltsamen Behauptungen der sogenannten Rechtevertreter natürlich nur schwer nachprüfen.

Wenn Sie noch so ein ehemals sehr nützliches Gerät haben, das einzig und allein dazu geeignet ist, die unwirksamen und doch lästigen macrovisionsbedingten Videobildverschmutzungen auszufiltern, und das in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts als “Kopierschutzdekoder” verkauft wurde, so verzichten Sie besser darauf, es heute per Ebay-Auktion verkaufen zu wollen. Die Dinger sind leider seit langem veraltet, bringen nur sehr wenig Erlös und machen Sie zum Ziel beutegieriger Abmahnanwälte. Ich wollte für ca. 10,- € Erlös auch nicht in für mich völlig nutzlose jahrzehntelange juristische Auseinandersetzungen verstrickt werden.

Zwar war Macrovision niemals ein wirksamer Kopierschutz und damit schon per Definition für die heute so einseitige Gesetzeslage auch nie relevant, aber das kann man eventuell lange diskutieren und wird dabei wahrscheinlich aufgrund der boshaften Raffinesse von Beute-Anwälten und der andauernden Ahnungslosigkeit von  Richtern vor einige Wände laufen. "Recht haben" hat hierzulande leider nicht viel mit "Recht bekommen" zu tun. Immerhin war Macrovision im vorigen Jahrtausend als der erste sogenannte "Kopierschutz" vorgesehen, wenn auch unausgereift, stümperhaft hingebastelt und wirkungslos. Wirkung hatte das Ganze nur auf meinen Fernseher, womit meine Rechte in krimineller Weise beschnitten wurden. Aber das wichtigste ist immer, das irgendjemand damit absahnen kann.

Und da unsere Bundesministerin Brigitte Zypries in den letzten Jahren vorrangig damit beschäftigt war, die maßlos überzogenen Vorgaben der Film- und Musikindustrie ohne weitere Bearbeitung in Paragrafen zu pressen, haben Sie voraussichtlich schlechte Chancen bei desinteressierten und willfährigen Amtsrichtern ohne jedes Fachwissen.

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