Konzerte und Tanzmusik – wie das Grammophon die Musikwelt revolutioniert hat

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Konzerte und Tanzmusik – wie das Grammophon die Musikwelt revolutioniert hat

Für den Großteil der Menschheitsgeschichte war Musik stes etwas Besonderes. Etwas, was man nur dann hören konnte, wenn eine Gruppe von Menschen zusammen kam und sang, auf Instrumenten spielte und vielleicht auch tanzte. Im Mittelalter zogen Spielleute von fürstlichem Hof zu fürstlichem Hof, in der Renaissance und im Barock begann man ganze Chöre und Kapellen zu unterhalten und in der angehenden Moderne ging man auf Konzerte und zu Tanzveranstaltungen. Wer zuhause Musik hören wollte, der musste wohl seine Familie dazu bringen ein privates Konzert zu geben.

Das alles änderte sich erst, als man im 19. Jahrhundert ein Gerät entwickelte mit dem Töne aufgezeichnet und wiedergegeben werden konnten. Die Musikwelt war damit revolutioniert, denn Musik konnte nun fast jeder überall hören. Man benötigte keine Kapelle, kein Orchester, keine Menschen mehr, um spontan Musik hören zu können. Die Welt der Musik hatte sich für immer verändert. An diesem Ruhm konnte auch die Entwicklung vieler weiterführender Gerät zum Musik Abspielen nichts ändern – Plattenspieler, Kassetten- und DVD-Spieler bis hin zu digitalen Geräten. Das Grammophon war zuerst da, nachdem es zunächst nur primitive Musikautomaten, sogenannte Polyphone gegeben hatte.

Vom Phonograph zum Grammophon

Bevor es das Grammophon gab, existierte bereits ein Gerät zum Aufnehmen und Abspielen von Musik. Es hieß Phonograph und war eine weitere Erfindung von Thomas Alva Edison, der der Welt schon die Glühbirne gebracht hatte. Das Wort Phonograph ist eine Wortschöpfung aus altgriechisch „phon“ und „graph“ und heißt soviel wie Klangschreiber oder Schallschreiber. Es wurde schon im Jahr 1878 zum Patent angemeldet und sah für heutige Vorstellungen überhaupt nicht wie ein Gerät zum Musikabspielen aus. Es fehlt das für spätere Grammophone so typische „Ohr“ und funktioniert auch anders. Der Phonograph war kein geschlossener Kasten, sondern ein offenes mechanisches Gerät und er verfügte nicht über eine Platte zum Abspielen, sondern las die Töne von einer Wachswalze mit Stanniolüberzug. Man nannte das Ganze Zinnfolienphonograph. Der Besitzer konnte auch schon Aufnahmen auf leere Wachswalzen aufnehmen.

Der große Haken an diesem System war die Tatsache, dass diese Walzen nicht vervielfältigt werden konnten, sie waren jeweils Unikate. Zudem war eine Aufnahme nicht sonderlich haltbar und überstand normalerweise kaum mehr als fünf Abspielungen. Danach waren die Rillen auf der Walze völlig abgeplättet und nicht mehr abspielbar. Der Ton war außerdem recht blechern und wirkte flach. Edison verbesserte die Tonqualität später deutlich durch die Verwendung von Walzen aus Paraffinwachs, die mit 5 – 6 Millimetern Dicke sogar abgeschliffen werden konnten, um sie erneut zu bespielen. Dadurch konnten die Walzen nun auch öfter abgespielt werden, bevor die Oberfläche wieder völlig plan war.

Auf einer solchen Walze war es möglich ungefähr zwei bis drei Minuten Tonaufnahmen unterzubringen, je nach Abspielgeschwindigkeit. Die Walzen wurden nicht mit einer Standardgeschwindigkeit abgespielt, sondern manchmal mit 120 Umdrehungen pro Minute, mal mit 125, 144, 160 oder auch nur 80 für die Aufnahme von Gesprochenem. Je größer die Zahl der Umdrehungen desto kürzer wurde die Aufnahmezeit, die zur Verfügung stand.

Akustische Zeitzeugen

In jener Zeit wurden Tonaufnahmen mit dem Phonographen von einigen sehr berühmten Persönlichkeiten aufgenommen – etwa die einzige bekannte Tonaufnahme von Otto von Bismarck, der sich polyglott gleich in vier Sprachen äußerte und eine von Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke, der beinahe 90-Jährig Auszüge von Goethe und Shakespeare rezitierte. Die beiden sensationellen Aufnahmen fand man im Jahr 2012 wieder und digitalisierte sie, eine Walze mit den Tonaufnahmen der kleinen, deutschen Prinzen aus dem Jahr 1889 bleibt dagegen verschollen.

Letztendlich konnte der Phonograph sich nicht durchsetzen, weil niemand eine massentaugliche Möglichkeit fand Kopien der Walzen zu erstellen. Als Edison schließlich zwischen 1893 und 1898 eine Möglichkeit entwickelte Wachswalzen mit einer pantographischen Kopiermaschine zu vervielfältigen, waren bereits Grammophone mit Schallplatten als praktischere Alternative auf den Markt gekommen.

Die Erfindung des Grammophons macht Kopien möglich

Nach dem Phonographen von Edison entwickelte der Hannoveraner Emil Berliner im Jahr 1887 das sogenannte Grammophon. Es bediente sich nicht einer Walze, sondern einer Schallplatte, wie sie heute noch bekannt ist und auch das Aufnahmeprinzip war anders. Mit einem Grammophon konnte man keine Aufnahmen machen, dafür aber umso effektiver Musik abspielen. Statt Rillen in Wachs zu schneiden, wird beim Grammophon eine Stahlnadel über eine sich drehende Scheibe gezogen. Zunächst benutzt Berliner dafür noch Glasplatten, die dick mit Ruß überzogen sind, doch auch die haben gegenüber dem Phonographen bereits einen großen Vorteil: Sie können als Kopiervorlage dienen, um daraus eine Zinkplatte zu pressen mit der beliebig viele Kopien der Aufnahme gefertigt werden können. Die Platten eigneten sich damit zur Massenproduktion, allerdings war der Ton noch äußerst mangelhaft. Deshalb vermarktete Berliner sein Grammophon zunächst als Spielzeug, in Form von Geräten zum Handkurbeln und als sprechende Puppen. Auf der Suche nach einer Möglichkeit den Ton zu verbessern, stieg er schließlich von Glasplatten auf Kupferplatten um, die mit Wachs überzogen waren und ihre Rillen durch Säure bekamen, Experimente macht er auch mit Zelluloid und Hartgummi.

Schellack erobert die Welt – Schallplatten aus haltbarem Material

Der Durchbruch gelang schließlich mit der Entwicklung der Schellackplatte. Diese Platten bestehen aus Baumwollfasern, Schießpulver und Schellack zum Binden der beiden Materialien. Obwohl Schellack nur zu geringem Anteil in der Mischung ist, wurden die Platten danach benannt. Dieses wird als Flüssigkeit auf ein Platten-Negativ gegossen und härtet dann aus. Dadurch entstanden viel feinere Rillen, die eine wesentlich bessere Tonqualität ermöglichten. So konnten schließlich schnell und günstig Kopien gefertigt werden.

Günstiger, einfacher und praktischer – das Grammophon setzt sich durch

Man könnte meinen, es hätte sich als Nachteil ausgewirkt, dass mit regulären Grammophonen keine Aufnahmen gemacht werden konnte. Jedoch wurde die Konstruktion des Grammophons durch diese fehlende Funktion einfacher und damit auch kostengünstiger. Für ein Grammophon war keine Spindel nötig, die man für die Aufnahme benötigte und die Nadel konnte direkt über die Platte geführt werden. Die Grammophonnadel übertrug dann mittels Hebelsystem die Toninformationen in den Plattenrillen auf eine Membran, die als Lautsprecher fungierte. Da das nur leise Töne erzeugt, benötigte das Grammophon noch eine Schalldose und den typischen großen Schalltrichter. Dennoch war dies alles günstiger zu produzieren und eignete sich somit als Massenware.
Auch vorteilhaft war die Möglichkeit direkt auf die Schallplatte – um das Loch in der Mitte herum – den Namen des Musikers und das Stück zu gravieren. Später ging man dann zu klebenden Etiketten über. Auf Phonographen-Platten war dies nicht möglich, hier mussten Zettel beigelegt werden. Die Platten konnten außerdem sowohl auf der Vorder- als auch der Rückseite abgespielt werden, wodurch eine Gesamtspielzeit von etwa 8 Minuten zusammenkam, was die Walzen um das zwei- bis vierfache übertraf. Ganz generell waren die Platten auch viel handlicher als die Walzen.

Die ersten Grammophone mussten noch mit Hand betrieben werden und man konnte nur Musik hören, wenn man kräftig mitkurbelte. Der endgültige Durchbruch kam schließlich, als im Jahr 1896 ein Federwerkantrieb entwickelt wurde, der das überflüssig machte. Man konnte mit dem Antrieb mindestens eine Seite der Platte zu Ende abspielen, bevor man ihn neu aufziehen musste. Geräte mit höherem Preis konnten dann auch eine ganze oder sogar mehrere Platten ohne nachziehen abspielen.

Berliner’s Gramophone und His Master’s Voice

Auch wenn Grammophon heute ein Gattungsbegriff ist und für alle Geräte diese Art verwendet wird, so war er früher eigentlich ein Markenname. Emil Berliner, der in die USA ausgewandert war, gründete dort zur Vermarktung der Platten seine Firma „Berliner’s Gramophone“. Das Geschäft lief gut, doch nach Streitigkeiten mit seinem Vertriebsleiter Frank Seaman, machte dieser ihm die Rechte an der Erfindung streitig und gewann sogar einen Patentstreit. Frank Zeaman gründete daraufhin seine eigenen Firma und vermarktete das Grammophon unter einem eigenen Namen als Zonophone. Emil Berliner ging daraufhin nach Deutschland und gründete dort das Label Deutsche Grammophon. Für die Vermarktung gründete er zusätzlich das Label „His Master’s Voice“ (Die Stimme seines Herrn). Das später weltweit bekannte Logo zeigt den Hund Nipper, wie er der Stimme seines Herrn an einem Grammophon lauscht. Ironischerweise war das Bild von Francis Barraud ursprünglich gemalt worden, als sein Hund eine Aufzeichnung von einem Phonographen anhörte. Berliner kaufte die Rechte am Bild und ließ den Phonographen durch ein Grammophon ersetzen.

Trotz vieler alternativer Namen, die von unterschiedlichsten Firmen im Laufe der Jahre verwendet wurden, setzte sich der Name Grammophon schließlich durch und wird noch heute für die „Plattenspieler“ mit den großen Trichtern verwendet.

Arten von Grammophonen – Grammophone unterwegs und Zuhause

Als Grammophone die Welt erobert hatten und die Musikwelt unwiederbringlich umgekrempelt worden war, kamen Leute schnell auf die Idee das zu tun, was wir auch heute tun: Musik jederzeit und überall hören zu wollen. Grammophone lassen sich allerdings nicht so leicht transportieren wie ein modernes Smartphone. Trotzdem wollte man auch schon damals beim Picknick im Park Musik hören und nicht nur im heimischen Wohnzimmer. Da Grammophone keinen Strom benötigten war dies sogar recht einfach. Und neben den großen Trichtergrammophonen und Tischgrammophonen gab es schon bald kleine Koffergrammophone, die tragbar waren.

Seinen Siegeszug durch die Welt konnte das Grammophon mehr als drei Jahrzehnte lang halten, bis schließlich die ersten elektrischen Plattenspieler aufkamen. Zunächst wurden diese noch „elektrische Grammophone“ genannt, bis sich dann der Ausdruck Plattenspieler durchsetzte. Aber auch wenn von da an nicht mehr gekurbelt wurde und die Schellackplatten später durch Vinyl ersetzt wurden: Was die Welt dem Grammophon zu verdanken hat, bleibt unvergessen.

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