Klimakiller ade - Berlin verbietet Heizpilze

Aufrufe 17 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Klimakiller ade - Berlin verbietet Heizpilze

 
Michael Schulz ist sauer. Seit mehr als zehn Jahren vermietet und verkauft der Unternehmer in Berlin Gasheizstrahler. Die griffige Bezeichnung "Heizpilz" stammt von ihm; er hat sie sich als Marke schützen lassen. Doch in wenigen Wochen wird der Firma Schulz Heizpilze ein großer Teil ihrer Kundschaft wegbrechen. Dann nämlich werden die Heizstrahler in fünf Berliner Bezirken von den öffentlichen Gehwegen verbannt. Aus Klimaschutzgründen, sagen Umweltschützer und Politiker. Aus Profilierungssucht einiger Politiker, sagt Schulz. 
 
Ein Hauch von Mittelmeer wehte in den vergangenen Jahren durch Berlin. Ob der Mai verregnet war oder im Dezember lausige Temperaturen herrschten - die Straßencafés waren trotzdem gut besucht. Dank warm bollernder Heizpilze konnte jeder, der wollte, wie im Süden rund ums Jahr im Freien sitzen und dort seinen Kaffee trinken. Rund 5000 Heizstrahler gibt es Schätzungen zufolge in der Stadt. Doch die wohlige Wärme hat einen entscheidenden Nachteil: Sie ist ein echter Klimakiller. 
 
Emission eines Kleinwagens 
 
Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung stößt ein Heizstrahler bei mittlerer Leistung rund zwei Kilogramm klimaschädliches Kohlendioxid pro Stunde aus, bei maximaler Leistung sogar bis zu 3,5 Kilogramm. Übers Jahr gerechnet können so rund 2000 Kilogramm CO2 zusammenkommen, rechnet die Umweltexpertin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Felicitas Kubala, vor. "Ein Pilz entspricht damit ungefähr den Emissionen eines kleinen Autos." Bei geschätzten 5000 Heizpilzen in der Stadt bedeute dies, dass etwa 10.000 Tonnen zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen würden.



Der Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg wurde bislang beheizt.

Die Berliner Umweltsenatorin Karin Lompscher (Linke) hat sich auch schon für ein generelles Verbot der Gasstrahler ausgesprochen - allerdings will sie eine mögliche Umsetzung im Rahmen des neuen Klimaschutzgesetzes prüfen lassen. Und das kann dauern. Die fünf Bezirke Kreuzberg-Friedrichshain, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Schöneberg-Tempelhof wollen so lange nicht warten. Zum 1. Januar 2009 schränken die zuständigen Bezirksräte die Nutzung öffentlicher Straßenflächen massiv ein. Konkret heißt das: Auf öffentlichen Gehwegen dürfen Heizpilze nicht mehr aufgestellt werden. In Privatgärten bleiben sie jedoch weiter erlaubt - denn dorthin reichen die Befugnisse der Ämter nicht.
 
Es sei kein Zufall, dass die Heizstrahler gerade in den touristischen Gegenden verboten würden, sagt der Bezirksrat für Wirtschaft und Ordnung in Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers. "Auf manchen Straßen haben Sie auf zehn Metern sechs Heizpilze stehen." Die Beheizung der Bürgersteige habe Ausmaße angenommen, die den Klimazielen in Berlin entgegenstünden.
 
Gasstrahler-Unternehmer sind sauer
 
Genau das zweifelt der Unternehmer Schulz an. Der tatsächliche Gasverbrauch und damit der CO2-Ausstoß seien viel niedriger als die in Umlauf gebrachten Zahlen, sagt er. "Ob man die Heizpilze ausschaltet oder abschafft, ändert nichts am Klima." Das sehen die zuständigen Politiker allerdings anders. "Wenn wir ernsthaft über Klimaschutz reden wollen, müssen wir uns die Frage stellen: Wie wollen wir mit unseren Ressourcen umgehen?", sagt die Grünen-Abgeordnete Kubala. "Ist es uns das wert, unser Tässchen Kaffee draußen zu trinken?" Im Übrigen würden die Erfolge im Umweltschutz sehr oft "in Kilogramm und Tonnen" gemessen. Auch bei der Sanierung von Wohnhäusern oder Schwimmbädern gehe es häufig nur um ein paar Kilo.
 
Bezirksrat Beckers glaubt sogar, dass viele Gastwirte insgeheim ganz froh sind, dass ihnen die Heizpilze nun offiziell verboten werden. "Für Gastronomen bedeuten die Heizstrahler oft einen Kostenaufwand und organisatorischen Aufwand, das kostet eine Menge Geld", sagt der SPD-Politiker. "Viele haben sich die Strahler nur angeschafft, weil der Nachbar sie auch hatte." Der große Proteststurm sei bislang jedenfalls ausgeblieben. Sein Bezirksamt wirbt jetzt für umweltfreundliche Decken auf den Terrassen.
 
Marion Meyer-Radtke, AFP
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber