Klettband in allen möglichen Varianten

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Klettband ist richtig angewandt fast ein Wundermittelchen der Befestigungs- und Verschlußtechnik. Eine der genialsten Anwendungen ist die simple Kindersicherung: Je ein Klettpunkt wird auf die Schublade eines Schrankes und auf den Korpus geklebt, darüber kommt ein Streifen Klettflausch.  Die Schublade ist für Baby nicht mehr zu öffnen. Aus 1 - 2 Paaren selbstklebender Klettpunkte läßt sich die preiswerteste Handyhalterung der Welt machen: Die Hakenseite ins Auto, den Flausch auf das Handy; fertig. Einfach und darum genial?  

Wirklich aufregend tolles und qualitativ bestechendes Klettband, wie solche Aussagen wie "Industriequalität" und "Profiqualität" suggerieren wollen, gibt es nicht. Es gibt nur das richtige Klettband für den richtigen Zweck, und genau hier wird wirklich übel gelogen, weil der Kunde es (fast) nie nachweisen kann, betrogen worden zu sein. Der wirkliche Fachhändler wird immer genau sagen können, unter welchen Umständen das eine oder das andere Klettband das Klettband der Wahl ist und auch Datenblätter zur Verfügung stellen können/wollen.

Die Aussage "Endlos zu öffnen und zu schließen." ist schlicht betrügerisch, egal ob aus Unwissenheit oder mit bösem Vorsatz geäußert. Es gibt Klettband grundsätzlich immer mit einem definierten Lebenszyklus, der in Datenblättern eindeutig bestimmt ist. Eine Faustformel könnte heißen: Je kleiner die Zahl der Zyklen (öffnen - schließen) ist, umso fester hält der Klettverbund. Es gibt Klettbandvarianten, die schon nach 30 Zyklen (öffnen - schließen) ihr Leben aushauchen. Sicher sind diese selten, haben aber durchaus ihre Daseinsberechtigung, wenn man bedenkt, das Material wird im Waggonbau eingesetzt und die Innenverkleidung von Waggons wird ca. alle 2 Jahre ausgebaut zu Inspektionszwecken. Hier soll die (De-)Montage relativ einfach sein, der Halt aber "bombastisch".

Weitverbreitete Varianten halten 200 Zyklen, 500 Zyklen, 2.500 Zyklen, 4.000 Zyklen und über 10.000 Zyklen. Aber selbst die letzte Variante hat ein klar definiertes Nutzungsende.

Rechnen wir:
Eine Jacke mit Klettverschluß, im Winter 100 Tage täglich 2mal an- und ausgezogen, würde theoretisch 100 Jahre funktionieren; im Falle der ersten Variante ist der Klettverschluß schon nach einem Winter "fertig". Leider sammeln die Haken jede Fluse aus der Wäsche und von Sitzkissen ein, damit steigt die Verschleißkurve enorm. Speziell bei Kinderkleidung ist der Verschleiß durch häufiges Öffnen/Schließen sowie die Belastung durch Fasern aller Art gigantisch, und die ab Werk eingebauten Verschlüsse sind nicht immer für diese Belastung ausgelegt. Da hilft dann nur austauschen der Klettverschlüsse.

Aber (!) speziell der Klettverschluß für 200 Zyklen klettet extrem fest und zuverlässig. Damit ist er der Klettverschluß für dekorative Anwendungen (Gardinen u. ä.) und Messen, wo Exponate zwar sicher befestigt werden sollen, aber auch abnehmbar sein sollen. Nach der Messe wird alles gut
verstaut und ist bereit für den nächsten Einsatz.

Besondere Anwendungen sind Kabelbinder aus Klettband. Sie sind speziell in der Veranstaltungstechnik bekannt als Kabelklett(s), werden aber auch im Netzwerkbau und in der Büroinstallation eingesetzt.

Hier trifft man prinzipiell auf 2 Varianten: das sogenannte BackToBack-Klettband und die Rücklauf- oder Umlaufverschlüsse. Bei BackToBack-Klettband sind die Pilzseite und die Flauschseite fest miteinander verklebt, und das BackToBack-Klettband hält durch einfaches
Umschlingen eines (Kabel-)Bündels auf sich selbst. BackToBack ist aus Kostengründen selten in der Variante für 10 000 und mehr Zyklen zu bekommen. Schützen sollte man sich vor der Billigvariante des BackToBack. Bei diesem Produkt sind der Pilz und der Flausch eines selbstklebenden Klettbandes einfach aufeinander geklebt, das Ergebnis ist als Notbehelf ok, als Handelsprodukt eine Frechheit. Das industriell gefertigte BackToBack ist erheblich flexibler, die Kleberverbindung ist weicher und das BackToBack ist erheblich angenehmer zu verarbeiten.

BackToBack-Quasi-Standard ist die Variante für 200 Zyklen, die auf 25-m-Rollen in verschiedenen Breiten (gängig: 20 mm, 25 mm und 50 mm) und Farben (schwarz, weiß, rot, gelb, grün, blau) produziert werden. Aus genau diesem Material werden auch vorgestanzte Kabelbinder in unterschiedlichen Längen hergestellt, auch diese sind ursprünglich von Rolle auf Rolle gestanzt.

Die Rücklauf-/Umlaufverschlüsse werden aus Klettband für 10 000 und mehr Zyklen hergestellt und für Kunden in Breite, Länge und Farbe beliebig kombinierbar individuell hergestellt, das ist gar nicht so teuer, wie man glauben könnte, schon Auflagen von 5 bis 10 Verschlüsse sind recht preiswert zu bekommen; zusätzlich lassen sie sich im Tampondruck sehr haltbar bedrucken und damit gegen Diebstahl schützen oder als Werbeträger einsetzen. Ob die Ösen aus Metall oder Kunststoff sind hat nichts mit derQualität oder Herkunft der Verschlüsse zu tun, sondern mit der Verwendung. Es gibt Umgebungen (z.B. Datennetzwerke) in denen kein unnötige Metall eingebracht werden soll und dann wieder Umgebungen (z.B. Bühne) wo Kuststoffösen einfach durch die mechanische Beanspruchung "sterben" würden. Auf einer Wanderbühne :-) werden die Materialien überrollt, es wird drauf herumgetreten ...

Die Mindestauflage von 100 Stück sollte gegeben sein, sonst schlagen die Vorkosten für den Druck übel zu Buche. Sehr bekannt sind diese Verschlüsse auch aus dem Sport (Ski bündeln, Rutenhalter...).

Zum Schluß noch der Hinweis auf selbstklebend ausgerüstetes Klettband und selbstklebendes Material allgemein: Bitte die Flächen, auf die geklebt werden soll, reinigen (fettfrei, sauber, trocken, keine abblätternden oder kreidenen Anstriche), nach dem Verkleben bei wenigstens 15 °C (besser über 20 °C) dem Kleber unbelastet (!) wenigstens 24 Stunden Zeit zur Verankerung
geben. Die Adhäsion (Klebkraft) des Klebers wird deutlich besser sein!

So, nun viel Spaß bei der Suche nach dem richtigen Material. :-)
Noch Fragen?  BillGermanyNRW AT  gmail.com könnte Antworten haben.

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