Klavierstimmung nach Gehör

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Klavierstimmung nach Gehör
 - der wichtigste Service für Ihr Piano

 Ihr Klavierstimmer benötigt für seine Arbeit genau einen Referenzton. Die Stimmgabel lässt den "Kammerton A" ertönen, meist mit 440 Hz (Hertz, Doppelschwingungen pro Sekunde). Davon lassen sich alle Töne und Intervalle zuverlässig und präzise ableiten. Ein elektronisches "Stimmgerät" ist dafür nicht erforderlich, kann aber bisweilen hilfreich sein, weil es die Höhe einzelner Töne exakt anzeigt.

Es gibt unterschiedliche Wege zum Ziel der guten Stimmung. Bei jeder dieser Vorgehensweisen spielt das geschulte Gehör die Hauptrolle. Denn mit exakt gestimmten einzelnen Tönen klingt ein Piano noch lange nicht gut, weil es bereits während des Stimm-Vorgangs "arbeitet". Meistens müssen viele Töne mehrfach gestimmt werden. Nur wer hören kann, welche das sind, kann tadellosen Zusammenklang erzielen.

Gute Klavierstimmer und -stimmerinnen verfügen normalerweise von vornherein über zwei höchst ungewöhnliche Talente: Sie können mit sehr grober Kraft äußerst feinfühlige Handbewegungen ausführen, und sie können bei sehr lauten unangenehmen Tönen ganz genau auf die Feinheiten horchen. Demgemäß wählen nur wenige Menschen den Klavierstimmer-Beruf, obwohl für seine Ausübung kein Ausbildungsnachweis gefordert wird. Ein gutes Fundament kann durch geeignete Lehrgänge oder eine Klavierbauer-Lehre gelegt werden; aber jahrelange Berufserfahrung bietet die zuverlässigste Gewähr für klanglich tadellose und dauerhaft stabile Stimmungen.

In aller Regel lohnt es sich nicht, das eigene Piano selbst zu stimmen. Leicht wird daraus ein mehrtägiges Abenteuer mit unbefriedigendem Ergebnis, ramponierten Ohren und Nerven, sowie arg strapazierten Nachbarschaftsbeziehungen. Aber wenn Sie ein feines Gehör haben, können Sie schon mit Grund-kenntnissen der Ton- und Intervallbezeichnung (siehe hierzu meinen Ratgeber "Die Oktavenfolge beim Piano") jederzeit die Leistung Ihrer Fachperson überprüfen.

Hier sind zwei meiner wichtigsten Faustregeln:

  • Die Große-Terzen-Treppe: Testen Sie die aufeinander stehenden großen Terzen f-a, a-cis', cis'-f' und f'-a'. In dieser Reihenfolge müssen die hörbaren Schwebungen ("uauaua...") schneller werden. Toleranzgrenze: zwei direkt auf einander stehende große Terzen schweben gleich schnell. Schwebt die obere der beiden aber langsamer, liegt ein Stimmfehler vor. Bei exakter Stimmung muss außerdem f-a genau halb so schnell schweben wie f'-a'. Testen Sie auch andere Tonfolgen!
  • Die Oktaven-Brücke: Testen Sie z. B. die große Terz f-a  und die große Dezime f-a'. Wenn die hörbaren Schwebungen in beiden Intervallen gleich schnell sind, stimmt die Oktave a-a' genau.

   Für die besonders engagierten Leser/innen: dieses Bild zeigt die Tonfolge, mit der ich seit 1980 beim Klavierstimmen in der Mittellage beginne. Sie orientiert sich an den genannten Faustregeln. Sie weicht deutlich vom allgemein empfohlenen "Großen Quintenzirkel" ab, ist aber nach meiner Erfahrung flott, zuverlässig und praxisgerecht. 

Wenn Sie Ihr Klavier oder Ihren Flügel mäßig oder regelmäßig nutzen, dann sollten Sie auch regelmäßig ein- bis zweimal im Jahr Ihren Stimmer / Ihre Stimmerin kommen lassen.

Bei einer gründlichen Überarbeitung oder einer Generalrenovierung Ihres Pianos sind Stimmarbeiten von Anfang bis Ende höchst bedeutsam; eine einfache Reinstimmung genügt sehr selten. In der Regel muss zu Beginn die gesamte Stimmlage mindestens ausgeglichen werden, häufig muss sie verändert und aufgefrischt oder sogar komplett neu aufgebaut werden.

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Ein eBay-Ratgeber - mit freundlicher Empfehlung von PianoCandle

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