Klassischer Fotospaß mit zwei Augen – TLR-Kameras und Zubehör entdecken

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Klassischer Fotospaß mit zwei Augen – TLR-Kameras und Zubehör entdecken

Eine TLR-Kamera (vom englischen twin lens reflex) ist eine zweiäugige Spiegelreflexkamera und weist zwei übereinander angeordnete Objektive auf. Das obere Objektiv erzeugt das Sucherbild auf der Einstellscheibe, das über einen Spiegel umgelenkt wird. Hierdurch wird dieses aufrecht stehend, jedoch seitenverkehrt dargestellt. Das untere Objektiv ist mit einer Blende und einem Verschluss versehen und stellt die Belichtung auf dem Film sicher.
Die TLR-Kameras wurden von der Braunschweiger Firma Franke & Heidecke entwickelt, die später unter dem Namen Rollei in der Welt der Fotografie Furore machte. Über viele Jahrzehnte hinweg waren die Rolleiflex und ihr einfacheres Einsteiger-Modell Rolleicord beliebte Instrumente für Fotojournalisten. Zeiss, Yashica und Mamiya mit Wechselobjektiven waren weitere Produzenten, die sich im Laufe der Jahre an diesem Kameratyp versuchten.

Heute noch erhältliche TLR-Kameras

Die meisten TLR-Kameras sind im Handel nicht mehr erhältlich. Allerdings bietet Rollei nach wie vor aktuelle Modelle mit unterschiedlichen Brennweiten an. Unter anderem sind die die Rolleiflex 2,8FX mit einem Objektiv mit 80 mm, eine 4,0FW mit einem Weitwinkelobjektiv mit 50 mm Brennweite und eine 4,0FT mit einem Teleobjektiv mit 135 mm Brennweite erhältlich. Das Nachfolgeunternehmen von Franke & Heidecke, die DHW Fototechnik, präsentierte auf der photokina 2012 eine Neuauflage der Rolleiflex FX-N, der zweiäugigen 6x6-Mittelformatkamera, die Kultstatus erreicht hatte. Darüber hinaus gibt es im Handel technisch erheblich einfachere und preisgünstigere Modelle wie die russische Lubitel-Reihe und die des chinesischen Produzenten Seagull.

Charakteristik der TLR-Kamera

Beide Objektive der TLR-Kamera sind auf einer gemeinsamen Basisplatte montiert und werden zur Einstellung der Schärfe gemeinsam justiert. Ähnlich wie bei einäugigen Spiegelreflexkameras wird hierdurch eine exakte Einstellung der Schärfenebene gewährleistet. Um ein möglichst helles Sucherbild zu erhalten, ist das Sucherobjektiv häufig lichtstärker ausgelegt. Allerdings ist das Sucherobjektiv dabei aus Gründen der Kosteneinsparung einfacher konstruiert als das Aufnahmeobjektiv. In vielen Fällen ist der Sucher als Faltlichtschachtsucher konstruiert. Zur besseren Helligkeitsverteilung kann die Mattscheibe eine Fresnel-Linse aufweisen, weitere Einstellhilfen sind oft nicht vorhanden. Oftmals ist eine einklappbare Sucherlupe eingebaut, die eine exaktere Einstellung der Schärfe gestattet, durch die allerdings meist nicht das gesamte Sucherbild überschaubar ist. Eine Reihe dieser Lichtschachtsucher können auch als einfache Rahmensucher verwendet werden, der gelegentlich beschönigend als Sportsucher bezeichnet wird. Bei zweiäugigen Spiegelreflexkameras wird meist ein Rollfilm vom Typ 120 oder 220 eingesetzt und die TLRs belichten Negative der Größe sechs mal sechs Zentimeter. Eine Ausnahme hiervon bildet die sogenannte „Baby-Rollei", die für einen Rollfilm vom Typ 127 konzipiert ist und mit einem Bildformat von vier mal vier Zentimeter arbeitet.

Vor und Nachteile der zweiäugigen Spiegelreflexkamera

TLR-Spiegelreflexkameras weisen im Hinblick auf Systeme unterschiedlicher Hersteller sowohl Vor- wie auch Nachteile auf. Der fest installierte Spiegel ist billiger und einfacher als die aufwendige Bauweise von Schwingspiegeln bei einäugigen Spiegelreflexkameras und erlaubt dennoch im Gegensatz zu Sucherkameras die Bewertung der Schärfenebene. Die zweiäugigen Fotoapparate sind durch die fehlende Spiegelmechanik in der täglichen Praxis deutlich leiser und arbeiten nahezu erschütterungsfrei. Darüber hinaus bleibt das Sucherbild selbst bei der Aufnahme sichtbar. Der Fotograf hat hierdurch zu jedem Zeitpunkt den vollen Überblick über das Geschehen, beispielsweise wenn das gewählte Motiv unvorhergesehene Bewegungen macht. Durch den Lichtschachtsucher kann das vollständige Sucherbild mit beiden Augen überblickt werden. Dies vereinfacht die Zusammenstellung des Bildes und ermöglicht darüber hinaus ein unbemerktes Fotografieren. Da das Sucherobjektiv unabhängig vom Einsatz eines Objektivfilters und von der Blendeneinstellung des Aufnahmeobjektivs funktioniert, weist das Sucherbild im Normalfall immer die volle Helligkeit auf. Der Sucher der TLRs wurde vor der Entwicklung der Springblende beim Fokussieren des für die Aufnahme vorgesehenen Blendenwerts entsprechend abgedunkelt. Die Konstruktion gewährleistet eine leichte und handliche Bauform und erweist sich als sehr gut geeignet für die Reisefotografie.

Als nachteilig erweist sich das Auftreten der sogenannten Parallaxenfehler, das jedoch im täglichen Betrieb meist nicht relevant ist und bei höherwertigen Ausführungen automatisch ausgeglichen wird. Für Fotografen, die Kameras mit Prismen- oder Durchsicht-Sucher mit einer seitenrichtigen Bildanzeige gewöhnt sind, kann das seitenverkehrte Sucherbild der TLR ein Umstellungsproblem darstellen. Der Vorteil des geringeren Preises der mechanisch vergleichsweise einfachen Bauweise relativiert sich bei TLRs mit Wechselobjektiven, da immer zwei Objektive benötigt werden. Und weil die beiden Objektive praktisch nebeneinander montiert sind, ergeben sich darüber hinaus weitere Einschränkungen in Bezug auf die möglichen Lichtstärken und Brennweiten der Wechselobjektive.

Maßgeblicher Hersteller der TLR – Rollei

Rollei ist ein deutsches Unternehmen der optischen Industrie, das sein Image mit der zweiäugigen Rolleiflex begründete, die als die richtungweisende Rollfilmkamera angesehen wird. Seit 2007 ist die ursprünglich aus Braunschweig stammende Rollei in drei eigenständige Unternehmen aufgespalten. RCP-Technik GmbH & Co KG mit dem Firmensitz Hamburg ist für den nichtprofessionellen Sektor der Marke, der heute zum Beispiel kompakte Digitalkameras herstellt, in Europa zuständig. Franke & Heidecke GmbH aus Braunschweig übernahm das Segment der Profiprodukte, das Diaprojektoren und Mittelformatkameras umfasste. Rollei Metric GmbH betreut den Bereich Photogrammetrie, also z. B. Methoden zur Messung für die Fernerkundung. Das Unternehmen Franke & Heidecke GmbH befindet sich seit 2009 in der Insolvenz. Von der DHW Fototechnik GmbH wurden Teile der Konkursmasse erworben, die nach wie vor digitale und analoge Mittelformatkameras, Diaprojektoren, Fachkameras und Kleinserien fertigt.

Ziel des Unternehmens mit dem Namen Rollei, das 1920 als Betriebsstätte für Feinmechanik und Optik, Franke & Heidecke, gegründet wurde, war die Produktion einer zweiäugigen Spiegelreflexkamera. Die Gesellschaft änderte mehrere Male den Firmennamen und die Rechtsform, wobei 2004 der Name Rollei GmbH gewählt wurde. 2006 wurde der Firmenstandort der Rollei GmbH nach Berlin verlegt und zu gleicher Zeit die Herstellung in die Rollei Produktion GmbH, heute Franke & Heidecke GmbH in Braunschweig, ausgelagert. Eine weitere einschneidende Umstrukturierung des Unternehmens fand 2007 statt.

Die vielen Änderungen der Firmenbezeichnung weisen bereits auf eine bewegte Geschichte des Unternehmens hin. Ende der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden nach Absatzproblemen der inzwischen veralteten Rolleiflex die Produktionsstätten und das Angebotspalette vergrößert, was Rollei als kleines Unternehmen jedoch nicht verkraften konnte. Der Beginn einer eigenen Fertigung in Singapur im Jahr 1970 wurde als Pioniertat der Fotoindustrie angesehen, die allerdings dem Renommee der Gesellschaft als deutscher Präzisionshersteller schadete. 1982 folgte nach mehreren wenig gelungenen Experimenten zur Sanierung eine Konzentration auf Mittelformat-Kameras und eine geringe Anzahl weiterer Produkte. Ab 1986 wurden Vermessungssysteme, ab 1991 moderne Kompakt- und Digitalkameras in die Angebotspalette aufgenommen.

Die Anfänge der Rolleiflex

Der erste Prototyp der neuen Rolleiflex entstand 1927. Die Bezeichnung Rolleiflex, die der neuartige Apparat bekam, war in erster Linie auf höchste Zuverlässigkeit hin konstruiert worden und verfügte aus diesem Grund über ein stabiles Spritzgussgehäuse aus Aluminium. Die Entwickler verzichteten auf einen Lederbalgen als Objektivauszug, da sie mit einer solchen Vorrichtung unangenehme Erfahrungen gemacht hatten. Die Konstrukteure hatten einige Jahre vorher bei einer Kodak-Kamera beobachtet, dass der Balgen des Apparates, als diese einmal in einem Keller liegen gelassen worden war, von einer Ratte angefressen worden war. Dies brachte die Entwickler zu der Erkenntnis, dass eine Kamera, die auf einer Reportage-Reise ihren Dienst erfüllen sollte und selbst unter extremen Wetterbedingungen schadensfrei funktionieren musste, aus keinerlei Materialien bestehen dürfe, die leicht verrotten konnten. Daher verzichteten sie auf einen textilen Verschluss und verwendeten einen so bezeichneten robusten Compur-Zentralverschluss.

Die Einstellung der Entfernung wurde bei der neuen Rolleiflex dadurch bewerkstelligt, dass der Träger unmittelbar mit dem Sucher- und Aufnahmeobjektiv verschoben werden konnte. Dieser wies einen Metallbalgen auf, wobei die Platte seitlich das Gehäuse umkleidete. Dabei war einer der wichtigsten Aspekte, dass die Platte genau parallel verschoben wurde, wozu die Konstrukteure der Rolleiflex eine ausgeklügelte Konstruktion erfanden, die maßgeblich am Erfolg beteiligt war. Das zentrale Element dabei zeigte sich dadurch, dass sich um die Öffnung für den Strahlengang hinter dem Objektiv für die Aufnahme ein mittig angebrachtes Zahnrad befand, das vier kleine Rädchen in Gang setzte. Diese kleinen von Zahnrädern aktivierten Zahnstangen, die ihrerseits mit dem Träger des Objektivs verbunden waren. Das System funktionierte ordnungsgemäß und ließ sich dank hochwertiger Materialien auch noch nach vielen Jahren einwandfrei verwenden. Nur der Sucheraufsatz und die Rückwand der Kamera, die aus Aluminium gefertigt waren, mussten mit erhöhter Vorsicht behandelt werden. Dies konnten die Entwickler auch bis zum Start der Serie nicht mehr abändern.

TLRs von Mamyia

Mamyia begann 1948, nur acht Jahre nach der Gründung des Unternehmens, mit der Produktion von TLR-Kameras. Die Gesellschaft präsentierte der Öffentlichkeit bis 1956 sechs Modelle (Mamiyaflex Junior, I, II, Automatic A, Automat B und Mamiyaflex C genannt). Die berechtigte Vermutung liegt nahe, dass sich die Leitung von Mamyia langsam herantastete und die Chancen für ein Konkurrenzprodukt zur Rolleiflex prüfte. Als mit der C-Reihe Wechselobjektive eingeführt wurden, war die Marktnische gefunden, die mit der Einführung der Mamiyaflex C2 ab 1958 erfolgreich ausgebaut wurde. Dies wies schon alle wesentlichen Charakteristika auf, die auch die folgenden Modelle zeigten. Mit der Einführung der C3 Professional im Jahr 1962 änderte das Unternehmen den Namen der Serie in "Mamiya". Was zunächst als eine Weiterentwicklung der C2 betrachtet wurde und als Nächstes eine C4 erwarten ließ, war der Start für die Zweiteilung der Produkt-Linie. Der C2 folgte eine C22, danach die C220 und anschließend die C220f. Nach der C3 kamen die C33, die C330, die C330f und die C330s. Bei der C220 bzw. bei der 330 wurden mehr und mehr Kunststoffe verwendet, was sich in der Verringerung des Gewichts bemerkbar machte.

Zweiäugige Kameras besitzen auch heute noch in der Profi- und Reisefotografie einen hervorragenden Ruf.

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