Klassische Herrenhemden: Welches Hemd passt zu Business-Anzug und Smoking?

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Klassische Herrenhemden: Welches Hemd passt zu Business-Anzug und Smoking?

Kaum ein zweites Kleidungsstück aus dem Bereich der Herrenmode hat in seiner langen Geschichte eine derart große Verbreitung gefunden wie das Oberhemd. Seit dem Altertum trugen die Menschen Gewänder, doch erst im Laufe des 16. Jahrhunderts bildete sich die bis heute gebräuchliche Variante heraus. Im 19. Jahrhundert setzte sich zudem eine erweiterte Farbpalette durch, das ausschließlich verwendete Leinen in traditionell heller Farbgebung wurde durch dezente Blautöne und eine Baumwollverarbeitung erweitert. Ebenfalls eine Errungenschaft im Zuge der Entwicklung stellt die praktische Knopfleiste dar. Sie wurde erst relativ spät, nämlich vor rund hundert Jahren eingeführt, bis zu diesem Zeitpunkt wurden Hemden über den Kopf gezogen. Die Ursprungsfarbe des Hemdes ist eindeutig weiß, auch heute dominiert diese Farbe in und auch außerhalb der Geschäftswelt und unterstreicht das saubere Outfit. Dies hat seine Gründe, denn tatsächlich galten Hemden in Reinweiß als Inbegriff der zurückhaltenden Arbeitskleidung, deren Träger es schlichtweg nicht nötig hatte, mit den nackten Händen zu arbeiten. Wer Weiß trug, der konnte es sich leisten. Von dieser Prägung ist vieles in die Moderne übernommen worden, das weiße oder – etwas weiter gefasst – helle Hemd steht sinnbildlich für Akkuratesse und findet vorwiegend zum Anzug Verwendung. Die benachbarten Freizeithemden weisen eine deutlich breitere Palette an Designs auf, können aber auch im schlichten Weiß daherkommen.

Der entscheidende Punkt bezüglich der richtigen und vorteilhaften Art der Kleidung liegt im Verständnis der überlieferten Normen. Diese geben den Rahmen vor, innerhalb dessen sich die unterschiedlichen Varianten zusammenstellen lasen. Der dem Anlass entsprechend gewandete Herr ist dabei deutlich weniger Regeln unterworfen als in der Vergangenheit, diese wenigen allerdings gilt es umso mehr zu berücksichtigen. Ausgenommen von den Konventionen ist bis auf sehr wenige Ausnahmen das Segment der freizeitlichen Garderobe. Mit dem vorliegenden Ratgeber erfahren Sie alles Wissenswerte über das passende Hemd zum gehobenen Outfit. Ob Opernball oder festlicher Auftritt, die Hemdenwahl ist stets von Bedeutung. 

Von Alters her: Das weiße Hemd hat Tradition

Die oben erwähnte Geschichte des weißen Hemdes hat nicht nur zu mehr oder weniger streng befolgten Konventionen geführt, sondern ebenso zu einer großen Vielfalt in Sachen Konzeption. Die Geschichte des weißen Oberhemdes kennt sehr unterschiedliche Ausführungen, die sich sowohl im verwendeten Material als auch in Schnittführung und Detailverarbeitung niederschlagen. Allen voran geht das wohl bekannteste Hemd für besondere Anlässe, das Smokinghemd. Dem Namen nach ist es auf einen dazugehörigen schwarzen Anzug angewiesen, der sich wiederum vom Schnitt handelsüblicher Büroanzüge unterscheidet.

Daran erkennen Sie ein Smoking-Hemd

Die Abstimmung des entsprechenden Hemds zum gewählten Anzug spielt gerade beim Smoking ob seines auffälligen Revers eine nicht zu unterschätzende Rolle. Unerlässlich zur Komplettierung eines Smokings ist die schwarze Fliege. Dieses kleine, aber keineswegs unauffällige Accessoire wirkt entscheidend auf die Gestaltung des Kragens ein. Anders als bei normalen Hemden verfügt der Kragen eines Smokinghemds über zwei abgeknickte und stehende Enden, die sogenannten „Vatermörder". In Ausnahmefällen wird auch ein Kentkragen verwendet, dieser ist identisch zu den Kragen aller anderen Hemdentypen. Das wichtigste Merkmal eines Smokinghemds findet sich allerdings unterhalb des Kragens. Die dort gut sichtbar platzierte „Hemdbrust" fällt dem Betrachter unweigerlich ins Auge, da sie sich durch eine Raffung vom ansonsten glatten Stoff der übrigen Bestandteile abhebt. Befestigt wird die Hemdbrust mit kleinen Knöpfen an der Innenseite der Smokingjacke. Diese rüschenartige Gestaltung geht weit zurück in die Entstehungsgeschichte des Hemds und wurde dort vor Durchsetzung der Knopfleiste als übliche Verarbeitung der Frontfläche verwendet. Um den noblen Charakter des Smokinghemds zu unterstreichen, werden statt knöpfbarer Manschetten sogenannte Umschlagmanschetten getragen. Die in Silber oder Messing gehaltenen Accessoires sorgen für eine der wenigen Gelegenheiten des Mannes, eigenen Schmuck aufzutragen.

Das Smokinghemd als Wissenschaft – festlich will gelernt sein

Rund um das Smokinghemd existieren zahlreiche Begriffe, deren Kenntnis zumindest ansatzweise vorhanden sein sollte. Gerade wenn Sie den Smoking samt Hemdbrust auf Leihbasis nutzen – was wegen seiner doch recht spärlichen Einsatzzeit häufig der Fall ist – gehören einige prägnante Begriffe unweigerlich zum Verständnis dazu.

Eine Variante der Hemdbrust besteht aus einer „Plissee". Dabei handelt es sich nicht um ein Muster in rüschenartiger Anordnung, sondern um schmale vertikal verlaufende Streifen. Bei den Manschettenknöpfen werden in der Regel „Cabochons" verwendet, zu deutsch „Nagelköpfe". Sie zieren die Knöpfe und runden dank ihrer meist schwarzen Farbe das Outfit am Ärmelansatz gekonnt ab. Hier ist die Skala nach oben offen: Wer kann, trägt gerne seine mit Diamanten besetzten Manschetten auf. Die in allen anderen Umfeldern populären Knopfmanschetten sind hingegen nicht nur beim Smoking, sondern gleich im kompletten Bereich der festlichen Herrengarderobe verpönt. Mit einem gut erhaltenen weißen Oberhemd ist es also nicht getan. Allerdings kann die Farbe ein wenig abweichen, Reinweiß ist zwar der klare Favorit, aber auch Creme oder Ecru kommen als seriöse Alternativen infrage. Ebenfalls nicht kompatibel zu einem Smoking sind die durchaus praktischen Brusttaschen – auch wenn sie nicht zum Vorschein gelangen. Ebenfalls nicht zum Vorschein kommt die Knopfleiste, denn diese ist traditionell verdeckt. So wird die gesamte Aufmerksamkeit auf die verzierte Hemdbrust gelenkt.

Was ist eigentlich der Kummerbund?

Keinesfalls wird die Jacke direkt über das Hemd gezogen, stattdessen gehört eine schwarze Weste zum festen Repertoire des vornehm gekleideten Herrn. Diese ist meist aus Seide gefertigt und eventuell mit einem leichten Glanz versehen. Als Ersatz bietet sich der „Kummerbund" an. Diese Schärpe diente britischen Soldaten in Indien einst als luftiger Westenersatz und trug die englische Bezeichnung „Cummerbund". Das daraus abgeleitete deutsche Wort hat demnach nichts mit „Kummer" zu tun, im Übrigen setzte sich der Kummerbund erst in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts auf dem Kontinent durch. Damit gehört dieses Accessoire zu den jüngeren Konventionen der Herrengarderobe.

Jenseits des Ballsaals: Hemden können auch ohne Anlass überzeugen

Nicht immer müssen es die althergebrachten Regeln sein, auch moderne und innovative Versionen eines Oberhemds können für den eleganten Auftritt sorgen – ohne allzu extrovertiert zu wirken. Mit kleinen Kniffen und liebevollen Ausstattungen lassen Sie leicht einen bemerkenswerten Eindruck entstehen, auch oder gerade bei einer ästhetisch eher unbedarften Klientel. Ein gutes Beispiel für ein derartiges Akzentuieren bietet die Verwendung von herausnehmbaren Kragenstäbchen. Diese sind entweder aus Metall oder Edelmetall gefertigt und verleihen dem Hemdkragen eine enorme Stabilität. Anders als die regulär eingesetzten Stäbchen aus Kunststoff stören die herausnehmbaren Versionen den Vorgang des Bügelns nicht. Im Ergebnis bleibt die Kragenform auch auf lange Sicht geschmeidig und gibt ganz ohne zusätzlich verwendete Kragenstärke ein gepflegtes Bild ab. Das Herausnehmen der Stäbchen sollten Sie aber vor dem Waschen besser nicht vergessen, kleine Accessoires werden von der Waschmaschine nicht selten verschluckt. Das Hemd muss natürlich dementsprechend optimiert sein – diverse Hersteller führen spezielle Linien in ihrem Sortiment, nicht selten verbunden mit einer besonders edlen Webart.

Mit Manschettenknöpfen auch im Alltag punkten

Auch abseits des Parketts verhelfen Manschettenknöpfe zu einem gehobenen Auftritt. Dieser in Deutschland eher selten anzutreffende Hemdschmuck muss nicht zwingend auf Smokingniveau liegen, auch oder gerade günstigere Materialen wie Bernstein oder Messing können einen reizenden Akzent setzen. Nicht zuletzt steht Ihnen als Interessiertem die Palette an spannenden Herrenaccessoires  zur Verfügung, gerade hier sind immer wieder echte Schnäppchen im Secondhand-Bereich zu machen. Eine besonders raffinierte Technik wenden Sie an, wenn Sie bei der Zusammenstellung Ihres Outfits die Manschettenknöpfe in ihrer Form auf die Konzeption der Hemdmanschette abstimmen. Ob rund, eckig oder mit Kante – ein dementsprechend ausgewählter Knopf kann die Garderobe auf hohem Niveau komplettieren.

Nicht nur Stoff und Manschette zählen – der Kragen als Blickfang ist nicht zu unterschätzen

Das feine Hemd unterscheidet sich auch in der Kragenform deutlich von den legeren Varianten der Freizeitmode. Mustergültig lässt sich dieser Unterschied an den beiden typischen Kragen Kent und Button-down festmachen. Bei Ersterem laufen die beiden Schenkel in spitzem Winkel auf die Front des Hemdes zu, bei Zweitem hält ein kleiner Knopf die Spitzen unmittelbar auf das Hemd gedrückt. Der Kentkragen kommt am besten bei unifarbenen Oberhemden zur Geltung; Weiß oder Blau sind hier die erste Wahl. Die meisten Büroanzüge werden in der Regel auf diese Weise getragen. Dabei ist die Spreizung der Schenkel verhalten, je nach Dicke des Krawattenknotens bleibt ein gewisser Spielraum dazwischen – hier bietet sich aus Gründen der Eleganz eine verdeckte Knopfleiste an. Der Kentkragen ist steif konzipiert und dementsprechend mit Einlagen versehen. Ganz anders nimmt sich sein direktes Gegenstück aus, der Button-down, als Freizeithemdkragen schlechthin. Bei diesem sind die Schenkel extra weich und sorgen mit den Knöpfen für einen grundsätzlich informellen Eindruck. Eine Krawatte ist in diesem Fall nicht üblich.

Akzeptierte Varianten der Kragengestaltung

Neben dem Kent- zählt der sogenannte Haifischkragen zum festen Bestandteil der gehobenen Herrenkleidung. Seinen Namen verdankt er der extremen Spreizung der Schenkel, die dem auffallend breiten Krawattenknoten den nötigen Spielraum verleiht. Mit dieser Form nimmt sich auch ein Outfit mit weggelassener Krawatte vorzüglich aus, das offene Hemd sorgt dank der abknickenden Schenkel für einen lässigen, aber niemals aufdringlichen Eindruck. Für Herren mit einem betont schmalen Hals empfiehlt sich zudem der Tabkragen. Bei dieser minimalistischen Version liegt der geschmeidige Kragen direkt am Hals an und umschließt auch den Krawattenknoten dichter als es bei alternativen Kragen der Fall ist. Der Schlips ist hierbei allerdings Pflicht, da ein „nackter" Anblick wegen der eng geschneiderten und ganz auf das Einschließen eines Krawattenknotens bedachten Form immer etwas unpassend aussähe. Allerdings sollte für ein gehobenes Outfit stets die Devise des Krawattentragens gelten. Dies schließt edle oder überdurchschnittliche Freizeitlooks nicht aus, bietet aber gerade dem Anzug-Laien eine wichtige Orientierungshilfe – nur so kann der modische Fauxpas bereits im Vorfeld vermieden werden.

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