Klassiker der Filmprogrammgeschichte

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Filmprogramme: Echte Klassiker entdecken

Die Entstehung und Entwicklung der Filmprogramme

Zwischen 1920 und 1940, als der Kinofilm sich im Wandel vom Stumm- zum Tonfilm befand, war das Programmheft das meistverbreitete Werbematerial für neue Kinofilme. An den Farbfilm im Kino war noch nicht zu denken und ohne Massenmedien, um Neuigkeiten rund um neuen Produktionen zu verbreiten, waren die Kinobetreiber und Filmstudios auf sich selbst gestellt, wenn es um Weiterleitung von Informationen an die potenziellen Zuschauer ging. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, in der man sich über neue Kinofilme mittels Fernsehen oder Internet informiert, standen außer den Programmheften nur wenige Wege parat, neue Kinovorführungen anzukündigen.

Den Anfang machte der Broadway

Den Grundstein der Filmprogramme legten die Theater am Broadway, als sie ab Ende des 19. Jahrhunderts kurze Informationsblätter zu ihren Vorstellungen herausgaben. Diese Hefte enthielten eine Liste der Rollenbesetzungen, den Namen des Regisseurs, eine knappe Zusammenfassung der Handlung sowie eine kurze, zum Thema passende Illustration. Die Kinos übernahmen Anfang des 20. Jahrhunderts diese Form der Information und Werbung und erweiterten die Hefte im Laufe der Zeit. Später stiegen Verlage in das Geschäft ein und brachten Filminformationen raus, die sich auf halbem Wege zu Zeitschriften befanden und neben den reinen Filmneuigkeiten weitere aktuelle Informationen aus der Welt des Films und der Stars anhängten. Viele Kinofilme, die im Laufe der Jahre in den verschiedenen Filmprogramm-Heften thematisiert wurden, sollten später zu großen Klassikern der Filmgeschichte werden.Klassiker der deutschsprachigen Filmprogrammgeschichte

Die Anfänge der Filmprogramme in Deutschland

1919, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, begann der erste Aufschwung des deutschen Kinofilms. Zu diesem Zeitpunkt existierten landesweit bereits 3000 Kinos und jährlich wurden rund 500 Filme gedreht. Gleichzeitig wurden die ersten Filmprogramm-Zeitschriften publiziert und erlebten einen rasanten Aufstieg, auch bedingt durch das hohe Interesse des Publikums an Kinofilmen.

Der „Illustrierte Filmkurier“  - das erste Programm-Heft Deutschlands

Der „Illustrierte Filmkurier“ war das erste Filmprogramm-Heft in Deutschland und berichtete bis 1944 von vielen großen Klassikern der deutschen Filmgeschichte. Der „Illustrierte Filmkurier“ wurde schnell zu einem der einflussreichsten Zeitschriften rund um das Kino und berichtete in Zeitungsform nicht nur über Filme, sondern auch über Neuigkeiten von Schauspielern sowie aus der Welt des Theaters, der Unterhaltung und der Mode. Die Programmhefte erschienen seit dem 30. Mai 1919 wöchentlich und enthielten außerdem noch den aktuellen Plan der Vorstellungen aller Berliner Kinos. Der „Illustrierte Filmkurier“ wurde im Jahre 1944 eingestellt, nachdem er im Laufe der 40er Jahre mit den Konkurrenzheften „Der Film“ und „Lichtbild-Bühne“ vereinigt wurde.

Das erste farbige Programm-Heft - Die „Lichtbild-Bühne“

Die „Lichtbild-Bühne“, welche ab 1930 erschien, war dank der farbigen Ausgaben ein Novum in der Landschaft der Filmprogramm-Hefte und ermöglichte einen ganz eigenen Einblick in die ansonsten schwarz-weiße Zeit des Films. Obwohl diese Hefte nur rund zehn Jahre lang gedruckt wurden, bildeten sie einen wichtigen Teil in der Geschichte des deutschen Films und sind heute ein gern gesehenes Stück in jeder Sammlung. In den 40er Jahren dominierten vor allem die Komödien mit Heinz Rühmann die deutsche Kinolandschaft, darunter die Klassiker um den Flieger Quax. Mit „Quax, der Buchpilot“ kam 1941 der erste Teil in die deutschen Kinos und war Thema in Ausgabe Nummer 1884 des „Illustrierten Filmkuriers“. Die letzte Ausgabe des Filmkuriers hatte die laufende Nummer 3364 und berichtete über den deutschen Film „Das war mein Leben“, welcher im Oktober des Jahres 1944 in die Kinos kam.

„Das Programm von heute“

Die Programmhefte von „Das Programm von heute“ hatten eine Besonderheit, die es sonst nirgends sonst gab. Jeder Ausgabe lag eine Postkarte bei, die von Art und Darstellung an eine Autogrammkarte erinnern. Sie zeigten dazu zumeist den Hauptdarsteller oder den bekanntesten Schauspieler des Filmes, welches in der Ausgabe thematisiert wurde. Ebenso wie der „Illustrierte Filmkurier“ überlebte „Das Programm von heute“ den Zweiten Weltkrieg nicht, die letzte Ausgabe wurde unter der Nummer 1890 im Jahre 1944 herausgegeben und hatte als Inhalt den Kinofilm „Junge Herzen“, der am 30. November 1944 Uraufführung hatte. Sollten Sie Interesse haben, die Filmprogramme aus der Reihe „Das Programm von heute“ zu sammeln, sollten Sie darauf achten, dass die Künstlerpostkarte mit beiliegt, denn diese sind für Sammler ein wichtiger Bestandteil eines kompletten Sets.

„Tobis Lockende Leinwand“

Die 1927 gegründete Tobis Tonbild-Syndikat AG avancierte schnell zur zweitgrößten Filmproduktionsgesellschaft Deutschlands hinter der UFA. Ab Mitte der 30er Jahre wurde von der Tobis ein eigenes Informationsblatt herausgegeben, das den Namen „Tobis Lockende Leinwand“ erhielt. Dieses Filmheft konzentrierte sich ausschließlich auf Produktionen der Tobis Filmstudios und existierte nur bis ins Jahr 1942, als die Tobis AG in die UFA eingegliedert wurde. Heutzutage sind die Ausgaben der „Tobis Lockenden Leinwand“ unter Sammlern beliebte Raritäten der deutschen Kinogeschichte.

Ab 1945 – Die Kinolandschaft lebt wieder auf

Im Deutschland der Nachkriegszeit erholte sich die Filmlandschaft ziemlich schnell und so lebten auch die Filmprogramme wieder auf. Nachdem 1944 mit dem „Illustrierten Filmkurier“ die letzte große Zeitschrift ihre Produktion eingestellt hatte, gründete der Verleger Paul Franke im Jahre 1946 die „Illustrierte Film-Bühne“, kurz IFB. Mangels aktueller deutscher Produktionen zeigten die deutschen Kinos zu dieser Zeit zumeist Filme der späten 30er und frühen 40er Jahre. Bei diesen handelte es sich dazu oftmals um amerikanische Hollywoodproduktionen, da der deutsche Film ab 1933 zumeist einen propagandistischen Hintergrund hatte.
So wundert es nicht, dass die erste Ausgabe der „Illustrierten Film-Bühne“ über einen fünf Jahre alten Film berichtete, und zwar „Verdacht“, der unter dem Titel „Suspicion“ in den US-Kinos lief. Für das deutsche Publikum war dies dennoch eine Filmpremiere, denn zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden im Dritten Reich keine Produktionen aus Übersee in den Kinos gezeigt. „Verdacht“ war ein von Alfred Hitchcock produzierter Psychothriller aus dem Jahre 1941, in dem Joan Fontaine und Cary Grant die Hauptrollen spielten. Die ersten Hefte lang setzte sich diese Strategie fort, bis in der Ausgabe 24 erstmals ein deutscher Film in der „Illustrierten Film-Bühne“ vorgestellt wurde. Bei dem Film handelte es sich um „In jenen Tagen“, bei dem Helmut Käutner Regie führte und der zur Klasse der Trümmerfilme zählte, von denen in den ersten Jahren nach dem Krieg eine ganze Reihe Kinofilme gedreht wurden. Anfang der 50er Jahre wurde die bis dahin in schwarz-weiß gedruckte Zeitschrift erstmals in Farbe publiziert. 1969 wurde die „Illustrierte Film-Bühne“ eingestellt und in der knapp 25-jährigen Geschichte wurden 8069 Ausgaben gedruckt.

Filmprogramme in der DDR

Auch im Osten bemühte man sich, die Unterhaltungsindustrie so schnell wie möglich wieder zum Laufen zu bekommen. Im Jahre 1950 gründete sich in Ost-Berlin der „Progress Film-Verleih“, der die Vermarktung und den Verleih von Kinofilmen innerhalb der DDR organisierte. Teil der Vermarktung wurde auch ein eigenes Filmprogramm-Heft, welches „Progress-Filmprogramm“ getauft wurde. Die anfangs in Sepia beziehungsweise schwarz-weiß herausgegebenen Hefte wurden ab dem Jahre 1965 langsam und teilweise in Farbe gedruckt. Eine der ersten dieser Ausgaben war das Heft 66/1965, welches über den DDR-Film „Eine schreckliche Frau“ mit Karin Schröder in der Hauptrolle berichtete. Im Jahre 1966 folgte die Umbenennung in „Für Sie“.

Filmprogramme in Österreich

Was die Filmprogramme angeht, war die Alpenrepublik dem nördlichen Nachbarn einen ganzen Schritt voraus. Bereits 1911, also rund achte Jahre vor den Filmprogramm-Heften in Deutschland, erschienen in Österreich die ersten Informationsblätter. Zu überregionaler Bedeutung gelangte „Paimann´s Filmlisten“, welche ab 1916 gedruckt wurde. In erster Linie war dieses Heft als unabhängige Informationsquelle für Kinobetreiber gedacht und enthielt neben reinen Informationen zu allen neuen Kinofilmen auch eine Bewertung über die Qualität und den Inhalt. Bei den Zuschauern wurden „Paimann´s Filmlisten“ gerade aus diesem Grunde sehr beliebt, da sie im Vorhinein die einzige Möglichkeit darstellten, sich über einen Kinofilm kritisch zu informieren. In dem Heft wurden alle Filme auf einer sechsstufigen Skala bewertet, wobei die unterste Bewertungsstufe als „mittelmäßig“ bezeichnet wurde. Auf der andern Seite sah sich die Filmindustrie durch diese Zeitschrift in ihrer Existenz bedroht und versuchte, ihre eigenen Filmprogramm-Hefte am Markt zu etablieren.
Zu diesen Konkurrenz-Heften gehörten zum Beispiel „Der Filmbote“, der zwischen 1918 und 1926 erschien sowie „Das Kino-Journal“, welches sich immerhin fast 20 Jahre von 1920 bis 1939 behaupten konnte. Beide Filmprogramme waren komplett von der Kino- und Filmindustrie finanziert und lobten dementsprechend alle einheimischen Produktionen in den höchsten Tönen. Nichtsdestotrotz liefern sie aus heutiger Sicht interessante Daten und Fakten zu den Filmen dieser Zeit und sind ein Teil der Kinogeschichte.
Ab dem März 1943 pausierte die Veröffentlichung, da aufgrund von Versorgungsengpässen durch den Krieg der Druck nicht mehr gewährleistet werden konnte. Nach dem Krieg nahm „Paimann´s Filmlisten“ ab dem 7. Februar 1946 die Berichterstattung über Filme wieder auf. Schlussendlich wurden „Paimann´s Filmlisten“ im Jahre 1965 eingestellt. Eine der Filmprogramm-Hefte, die sich mit am längsten auf dem Markt halten und auch bis heute über neue Kinofilme berichten, stammt ebenfalls aus Österreich. „Neues Film-Programm“ heißt diese Zeitung, die seit Mitte der 50er Jahre erscheint und inzwischen weit über 10.000 Ausgaben publiziert hat. Grade dieser Umfang macht es für Sammler erstrebenswert, ein komplettes Lot aufzubauen, wobei man die älteren Ausgaben meist nur noch auf den einschlägigen Börsen oder bei eBay findet.

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