Kinematografie: eine Zeitreise zu den Anfängen der Filmkamera

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Die Geschichte der Filmkameras – eine spannende Zeitreise mit interessanten Hintergrundinfos

Die Darstellung bewegter Bilder machte den Weg frei für Medien, die uns heute selbstverständlich erscheinen: Kino und Fernsehen. Ein ganzer Kulturzweig, die Kinematografie, nahm etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts damit seinen Anfang. Die Popularität von Spielfilmen ist bis heute eher gestiegen und die Faszination von Kino und Fernsehen ist ungebrochen. Hinzu kommt die Möglichkeit für jedermann, eigene Filme zu drehen und im Internet zu veröffentlichen. Die Anfänge waren eher spielerisch und wurden als Attraktion auf Jahrmärkten gezeigt. Auf drehenden Pappscheiben konnte man kurze Bewegungssequenzen anschauen, die sich wiederholten. Die Anzahl der Einzelbilder war relativ gering, sodass Bewegungssequenzen von nicht viel mehr als einer Sekunde realisiert wurden. Das Prinzip, das hinter der Illusion von Bewegung steckt, ist jedoch bis heute das gleiche: eine geschickte Täuschung des Auges. Wenn wir in schneller Folge Bilder sehen, die sich nur geringfügig unterscheiden, interpretiert unser Gehirn die Unterschiede als Bewegung.

Von bewegten Bildern zu bewegenden Filmen

Mit einem selbst gezeichneten Daumenkino kann jeder diesen Effekt ausprobieren: Je nach zeichnerischem Geschick können entweder einfache geometrische Formen oder kleine Figuren animiert werden. Ein kleiner Stapel Papier von ca. 20 Blättern reicht bereits aus, um das Prinzip zu erkennen: Auf jedes Blatt wird der gleiche Gegenstand gezeichnet und von Blatt zu Blatt nur geringfügig verändert. Rollt man nun mit dem Daumen den Stapel so ab, dass die Blätter in schneller Folge zu sehen sind, dann kann man seine eigene Bewegungsanimation bewundern. Das Grundprinzip des Kinos ist auch hier bereits verwirklicht: Bilder, die einzelne Bewegungsphasen darstellen, werden in schneller Folge am selben Ort sichtbar. Um diesen Effekt zu erreichen, genügen ca. 16 bis 18 Bilder pro Sekunde. Jedoch sogar bei langsamerem Bildwechsel ist unser Auge gewillt, eine Bewegung anstatt einer Folge von Einzelbildern zu sehen.
Wichtig bei dieser Art der Täuschung ist, dass die Einzelbilder sich nicht bewegen dürfen, sondern für die Dauer ihrer Sichtbarkeit bewegungslos am Ort bleiben müssen. Diese Bedingung stellte für die Konstrukteure der ersten Filmvorführgeräte eine große Herausforderung dar, der auf vielfältige Weise und sehr trickreich begegnet wurde. Während des Bildwechsels ist allerdings unabhängig von der verwendeten Vorführtechnik kein Bild zu sehen, was vom Auge als Flimmern wahrgenommen wird. Auch dieses Problem ist heute weitgehend gelöst. Voraussetzung für eine ruckelfreie Darstellung ist jedoch in jedem Falle eins: eine gleichmäßige und ausreichend schnelle Aufnahme der Bewegung. Zum Ende des 19. Jahrhunderts begann die lange Geschichte der Filmkamera.

Die Filmkamera und ihre Vorläufer

Chronofotografie und Zoopraxiskop

Die ersten Filmstars waren ein galoppierendes Rennpferd und dessen Jockey. Der britische Fotograf Eadweard Muybridge wurde beauftragt herauszufinden, ob es beim Galopp einen Moment gibt, in dem das Pferd keinen Fuß auf dem Boden hat. Muybridge löste die Aufgabe, indem er entlang der Rennstrecke 12 Fotokameras in regelmäßigen Abständen aufstellte. Ausgelöst wurden die Aufnahmen durch Kontaktdrähte, die das Pferd beim Vorbeilaufen berührte. So wurde von jeder der 12 Kameras eine Bewegungsphase des Pferdes aufgenommen. Diese Methode, zeitlich versetzte Fotos von einem Objekt zu machen, wird als Chronofotografie bezeichnet. Man konnte nun deutlich sehen: ja – es gibt einen Moment während des Galopps, in dem alle Beine des Pferdes in der Luft sind.
Dankenswerterweise konstruierte Muybridge auch gleich den passenden Vorführapparat für die Einzelbilder: das Zoopraxiskop. Ein scheibenförmiges Stroboskop projizierte die Einzelbilder der Bewegungsphasen an eine Leinwand. Für Muybridges Leistung musste eine Vorbedingung jedoch bereits erfüllt sein: eine Fotokamera, die in der Lage ist, mit sehr kurzen Belichtungszeiten zu arbeiten. Das war zu seiner Zeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit, brauchten die damals üblichen Plattenkameras doch viele Sekunden Belichtungszeit, um genügend Licht auf die relativ unempfindliche Platte zu lenken. Personen, die auf diese Weise fotografiert wurden, mussten sehr lange in einer Position verharren, und es gab spezielle Vorrichtungen, die sie in ihrer Lage hielten. Durch gezielte chemische und verschlusstechnische Experimente trug Muybridge zur Entwicklung einer Kamera bei, die sich bewegende Objekte aufnehmen konnte und so die Chronofotografie erst möglich machte.

Die Erfindung des Rollfilms

Die Lichtempfindlichkeit der Fotoplatten war nun zwar ausreichend, es gab jedoch keine Möglichkeit, sie schnell genug auszuwechseln, um mindestens 16 Bilder pro Sekunde mit derselben Kamera zu schießen. Erst die Erfindung des Rollfilms bedeutete einen Durchbruch in diese Richtung. 1887 erhielt Hannibal Goodwin das Patent für einen rollbaren Zelluloidfilm. Der an den Rändern perforierte Film war auf eine Spule gewickelt und konnte schnell transportiert werden, um ausreichende Bildraten zu ermöglichen. Der Filmtransport erfolgte in den frühen Filmkameras noch manuell. Mit einer Kurbel wurde die Filmspule möglichst gleichmäßig gedreht, was wohl zur Redewendung „einen Film drehen" beitrug.
Ab 1893 wurden von Eastman und Reichenbach in den USA und von Thomas Henry Blair in England die ersten Rollfilme industriell hergestellt. In schneller Folge, manchmal fast zeitgleich, wurden nun von mehreren Personen unabhängig voneinander Filmkameras entwickelt. Zu den Pionieren dieser Entwicklung gehörten Green, Bouly, die Gebrüder Lumiere, Max Skladanowsky und viele weitere visionäre Erfinder.
Das Verdienst, die allererste Filmkamera gebaut zu haben, gebührt jedoch dem Franzosen Louis Le Prince. Das geschah 1888, bereits ein Jahr nach der Patentierung des Rollfilms. Die technischen Herausforderungen waren immens. Es musste für eine ausreichende Bildfrequenz gesorgt werden, wobei zwei Dinge wichtig waren: Die Phase des Bildwechsels sollte möglichst kurz sein, um den Eindruck des Flimmerns zu minimieren. Andererseits musste das Einzelbild, das gerade belichtet wurde, stillstehen. So stellten sich bei der Entwicklung der Filmkamera sehr ähnliche Probleme wie bei der Entwicklung entsprechender Vorführgeräte. Auch diese wurden zunächst mit einer Kurbel bedient, weil es noch keine geeigneten Elektromotoren für den Antrieb gab. Erst die Lösung all dieser Fragen machte Kinematografie im eigentlichen Sinne möglich, allerdings vorerst stumm und in Schwarz/Weiß. An Ton- oder gar Farbfilm war in den Anfangsjahren des Kinos noch nicht zu denken.

Der Tonfilm

Um Stummfilme akustisch zu untermalen und zu illustrieren, wurden sie meist von Pianisten begleitet, die den Film sahen, und die Stimmung der jeweiligen Szene musikalisch unterstrichen. Dieser ganz eigenen Kunstform war jedoch kein langes Leben beschert und sie fristet heute nur noch ein Nischendasein. Dialoge mussten als Text in den Film eingeblendet werden, was sie was sie notwendigerweise auf kurze, plakative Aussagen reduzierte. Trotz der enormen Beliebtheit des Stummfilms fehlten ihm ganz offensichtlich Sprache und Musik. Die entsprechende Aufnahmetechnik gab es bereits, auch das Grammophon als Abspielgerät stand zur Verfügung. Ein entscheidendes Detail wartete jedoch noch auf seine technische Umsetzung: die Synchronisation von Bild und Ton.
Als erster echter Tonfilm gilt der amerikanische Film „The Jazz Singer" von 1927. Der Ton kam von einer Schallplatte. Er wurde zwar gleichzeitig mit dem Bild aufgezeichnet, jedoch nicht mit der Kamera. Allerdings wurden trotzdem Modifikationen an der Kamera nötig, damit sie mit ihrem Laufgeräusch nicht die Tonaufnahme störte. Zu diesem Zweck wurde sie in eine schallgedämmte Holzkiste gepackt, was ihre Bedienung erheblich erschwerte. In der Folge wurden die Schalldämmungen, die sogenannten „Blimps" handlicher und passten sich der Form der Kamera an. Die Synchronisierung von Schallplatte und Film funktionierte nie wirklich zufriedenstellend. Erst mit Einführung der Lichttontechnik war eine tatsächlich lippensynchrone Tonwiedergabe möglich. Dabei wird die Tonspur neben dem Bild auf dem Zelluloidfilm gespeichert, optisch ausgelesen und anschließend in einen elektrischen Impuls verwandelt und über Lautsprecher hörbar gemacht. Erst die gleichzeitige Aufnahme von Bild und Ton mit einem Gerät brachte den endgültigen Durchbruch des Tonfilms, der nun auch für die aktuelle Berichterstattung eingesetzt werden konnte.

Die ersten Farbfilmkameras

Etwa um 1936 war der Stummfilm endgültig vom Tonfilm abgelöst worden. Von den Nazis als Propagandamedium missbraucht, brachte er jedoch auch in den finstersten Jahren des Krieges wunderbare Schlager hervor, die wir bis heute kennen: „Kauf dir einen bunten Luftballon" beispielsweise ist ein wunderschönes Lied aus dem ansonsten völlig inhaltslosen Film „Die Eisprinzessin". Der Ton hatte sich im Kino etabliert, es wurde Zeit für den nächsten Quantensprung, den Farbfilm. Das Bedürfnis nach farbigen Bildern fand seinen Ausdruck im nachträglichen manuellen Kolorieren, das nicht nur bei einzelnen Fotos angewendet wurde, sondern auch bei Filmen. Dieses Verfahren war jedoch mühsam und qualitativ unbefriedigend. Einen Ausweg schien das Filmen mit Farbfiltern zu bieten. So wurden auf normalen Schwarz-Weiß-Filmen mit jeweils einem roten, einem blauen und einem grünen Filter drei Bilder des gleichen Motivs aufgenommen, die als Farbauszüge bezeichnet werden. Der Nachteil dieses Verfahrens war ein undeutliches, kleines Bild, weil der verfügbare Platz auf dem Film auf drei Teilbilder aufgeteilt werden musste. Die Vorführung war schwierig, da die Zusammenführung der Farbauszüge analog zur Aufnahme mittels Farbfilter erfolgen musste und sich kein einheitlicher Standard dafür durchsetzen konnte.
Nach vielen Versuchen wurde erst mit dem Technicolor–Verfahren ein Weg gefunden, authentische Farben in bewegten Bildern zu zeigen. Der Durchbruch bestand darin, dass man die durch das Auswaschen des Silbers zu feinen Reliefs gewordenen Negative als Druckvorlage für ein Tiefdruckverfahren nutzen konnte. Nun wurden alle drei Farbanteile nacheinander auf das Positiv gedruckt, das mit einem normalen Projektor gezeigt werden konnte. Der erste abendfüllende Farbfilm war „Becky Sharp" aus dem Jahre 1935.

Von der Schmalfilmkamera bis zur Digitalkamera

Mit der Entwicklung der Schmalfilmkamera wurde das Medium Film auch für Amateure zugänglich. Kameras wurden leichter, kleiner und komfortabler. Der Zelluloidfilm als Speichermedium ist nicht abgelöst, aber ein Trend zur digitalen Filmaufnahme ist auch bei den großen Kinofilmen erkennbar. Durch dramatisch angestiegene Prozessorleistung und Kapazität digitaler Speicher ist die brillante Qualität, die wir vom Kino erwarten auch mit Digitalkameras möglich. Bei steigender Bildqualität sinken die Preise für diese Technik, sodass Full HD Auflösung mittlerweile auch für private Camcorder Standard ist. Der Trend ist klar – ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht.

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