Kinderwagen-Typen: welcher für was?

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Ein Kurzüberblick

~~Kinderwagen ist ja nicht gleich Kinderwagen...! Inzwischen gibt es ja zahlreiche Hersteller, Modelle, Varianten, Typen und Kombinationsmöglichkeiten. Unterschieden werden dabei grundsätzlich:
• Erstlingswagen: für Säuglinge bis ca. 6 Monate, solange sie liegen. Nicht umbaubar
• Kombikinderwagen: für Säuglinge ab Geburt nutzbar, später umbaubar für Kleinkinder, die sitzen können. Es gibt große Wägen oder Buggies (meist "Travelsystem" genannt)
• Sportwagen: ab ca. 6 Monaten nutzbar, sobald das Kind sitzen kann, meist mit Komfort ausgestattet wie großen Rädern, Einkaufskorb, Verdeck, verstellbare Rückenlehne, etc.
• Buggy: leichter, schmal faltbarer, wendiger Wagen mit oftmals geringerem Komfort bei Sitzplatz, Verstellbarkeit etc.
• Shopper: dem Buggy sehr ähnlich, meist mit einem durchgehenden Schiebegriff und mehr Stauraum ausgestattet
• Jogger: Dreirädriger Sportwagen, meist mit großen, festen Luftreifen ausgestattet, speziell für sportliche Aktivitäten konstruiert
• Zwillingswagen / Mehrlingswagen: Wägen für die Nutzbarkeit mit 2 oder mehr Kindern konstruiert, wobei die Möglichkeit besteht, beide (gleichaltrigen) Kinder liegend zu transportieren;
• Geschwisterwagen: ähnlich dem Zwillingswagen, jedoch für zwei unterschiedlich alte Kinder gedacht, wobei maximal eines liegend transportiert werden kann; es gibt immer mehr Modelle, die als Einzelwägen konstruiert wurden, aber mit Extrasitzen zum Geschwisterwagen umfunktioniert werden können

~~Die Fragen, die man sich vor dem Kauf stellen sollte, sind folgende:
•Was habe ich mit dem Wagen vor? Wird der Kinderwagen meistens in der Stadt benutz, evtl. mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die schmale Einstiege haben? Gehe ich damit oft in Geschäften einkaufen und brauche Stauraum? Gehe ich viel auf Feldwegen spazieren? Wird der Wagen oft im Auto transportiert und sollte schmal klappbar sein? Habe ich einen Hund dabei, der nebenher an der Leine geführt wird? Will ich damit Joggen gehen oder Skaten?
• Wie soll er beschaffen sein und aussehen? Diese Frage ist im wahrsten Sinne des Wortes "Geschmackssache". Will ich einen Kombiwagen, der lange nutzbar ist oder stelle ich später sowieso auf einen kleinen Buggy um? Welchen Wert lege ich auf die Farbauswahl, das Design des Gestells oder den Fahrkomfort? Welches Zubehör möchte ich verfügbar haben (Bremsen, Reflektoren, Wannenaufsätze, Gurte, Klappmechanismus,...)?
• Welche Summe kann oder will ich ausgeben? Ein neuer Kinderwagen kann günstig sein (stammt dafür aber meist aus einer nicht so qualitativ hohen Produktion), ein gebrauchter einer teuren Marke kann genauso günstig sein, hält aber ggf. länge. Meine Erfahrung war bisher, dass sich die Anschaffung eines Markenwagens rentiert, wenn man ihn oft und umfassend nutzt
• Wer nutzt den Wagen hauptsächlich? Wie ist die Körpergröße desjenigen, der hauptsächlich schiebt? Leider ist die Auswahl an Wägen für große Menschen recht beschränkt, deshalb sollte man sich vorher informieren und testen, welcher Wagen passt, denn ein zu niedriger Schiebegriff kann schnell zu Rückenschmerzen führen. Auch das Gewicht spielt ggf. eine Rolle, wenn der Wagen oft ins Auto oder Treppen rauf und runter gehoben werden muss.
• Welche "Features" soll der Wagen haben? Schwenkschieber oder umsetzbare Sitzeinheiten ermöglichen Schieben in beide Richtungen, womit man den Blickkontakt oder die Sonneneinstrahlung beeinflussen kann. Welche Art von Rädern sollen es sein? Luftreifen mit Schlauch, Vollgummiräder oder Luftkammerreifen?
• Ist schon ein weiteres Kind geplant, das evtl. auf dem selben Wagen mitfahren können soll?
• Mit der wachsenden Zahl an Produkten aus China und Fernost ist auch die Frage nach vorhandenen Schadstoffen immer mehr von Bedeutung. Ebenso eine GS-/TÜV-Zertifizierung, die technische Sicherheit und die Erfüllung bestimmter DIN-Normen bestätigen soll.

Ausstattungsmerkmale und Kriterien

~~Wie bereits festgestellt, ist Kinderwagen ja nicht gleich Kinderwagen. Selbst Kinderwägen vom gleichen Typ können sehr unterschiedlich aussehen und funktionieren. Dabei ist so manches Ausstattungsmerkmal dabei, das zwar gut aussieht, sich aber im Praxistest als völlig ungeeignet erweist. Andererseits gibts es Erfindungen, die wirklich praktisch sind, aber bei uns nicht beworben werden oder schwer erhältlich sind. Wie bei allen Aspekten des Kinderwagenkaufs spielt natürlich auch bei den einzelnen Merkmalen die individuelle Präferenz eine große Rolle. Jemand, der nur kurze Strecken in der Stadt unterwegs ist, wird mit kleinen Schwenkrädern gut klarkommen. Eine Familie, die mit zwei Kleinkindern Wanderungen machen will, braucht eine andere Ausstattung. Daher möchte ich an dieser Stelle eine Aufstellung diverser Merkmale machen und deren Funktionen, Vor- und Nachteile beschreiben. Ob sie für einen persönlich dann in Frage kommen, darf jeder selbst entscheiden. • Schwenkräder: Bei den beweglichen, kleinen Vorderrädern gibt es die Variante mit einem Rad oder Doppelrädern, wie bei den meisten Buggies. Beide Varianten gibt es inzwischen mit Federung, so dass in dieser Hinsicht Gleichstand herrscht. Die Doppelräder haben den Vorteil, dass sie (zumindest meiner Erfahrung nach) stabiler in der Spur fahren, also nicht so schnell auf eine Seite ziehen, wenn der Weg uneben wird. Dafür verhaken sie sich schneller, wenn man über kleine Hindernisse fährt, weil sich zwei Räder, die zusammenhängen, eben nicht so leicht über Unebenheiten manövrieren lassen, wie ein einzelnes. Es gibt ein paar Hersteller, die ihren Kinderwägen schwenkbare Vorderachsen mit großen Rädern verpasst haben. Ein guter Kompromiss, wenn man Beweglichkeit und Geländegängigkeit vereinen möchte. Wie bereits erwähnt, haben die Räder den Nachteil, dass sie beim Rückwärtsfahren blockieren können. • Sitz-/ Liegepositionen: Für ein Baby ist es wichtig, im Kinderwagen eben liegen zu können. Deshalb ist eine Wanne, Falttragetasche oder Softtragetasche in jedem Fall zu empfehlen. Ich sehe auch Kinderwägen mit Sportaufsätzen, deren Fußstützen sich nicht gerade stellen lassen, sehr kritisch. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das ein bequemer Schlaf ist, wenn man in "Schockhaltung" liegt. Eine verstellbare Rückenlehne ist sicher vorteilhaft, wenn man länger unterwegs ist und so die Sitzpositionen variieren kann. Ebenso die verstellbare Fußstütze, die daran angeglichen werden kann. • Verstellbare Schiebegriffe: sind so unendlich praktisch! Wenn zwei Personen unterschiedlicher Körpergröße den Wagen schieben, sind sie auf jeden Fall zu empfehlen. Und selbst wenn nicht, ist es sehr angenehm, wenn man die Schieberhöhe für sich persönlich passend einstellen kann. Auch beim Joggen oder Inline-Skaten mit dem Kinderwagen (wenn man "größer" ist, als normal), ist Verstellbarkeit Gold wert. • Klappsysteme: Generell ist jeder Kinderwagen zusammenklappbar. Wie das Faltmaß dann ausfällt, ist sehr unterschiedlich. Wie beschrieben, hatte ich einen Zwillingskinderwagen, der deutlich besser ins Auto passte, als ein großer Buggy. Nun ist das Faltmaß nicht für jeden ein wichtiges Merkmal; ein Kinderwagen, der immer fahrbereit im Treppenhaus steht, muss nicht so klein faltbar sein, wie ein Wagen, der hauptsächlich mit dem Auto transportiert wird und dann womöglich noch Platz für Einkäufe lassen soll. Die allermeisten Kinderwägen haben heute schnell abnehmbare Räder, die den zusammengeklappten Wagen schonmal um einiges schmälern. Generell ist es meist so, dass Wägen mit doppeltem Klappmechanismus (meist gegensätzlich gefaltet, z.B. bei Phil & Teds, TFK) flacher werden, als solche, die nur eindimensional zusammenklappen (z.B. Hartan Topline X). Kürzlich ist übrigens der Buggy mit dem kleinsten Faltmaß der Welt vorgestellt worden: der Goodbaby "Pockit", der zusammengeklappt dann tatsächlich nur noch Handtaschenformat hat. Eine super Lösung für einen Buggy, der für gelegentliche Verwendung im Auto bleiben, aber nicht viel Platz einnehmen soll. Mit 175€ hat er auch einen vertretbaren Neupreis, angesichts der wirklich enormen Platzersparnis, die er bietet. • Bremsen: eine Feststellbremse hat jeder Kinderwagen und die ist auch wichtig, will man den Wagen stehen lassen und sicherstellen, dass er nicht losrollen oder vom Kleinkind weggeschoben werden kann. Die Bremssysteme sind unterschiedlich und deren Bedienung nicht immer ganz Nutzerfreundlich. So sind Bremsen, die klassisch bei Buggies verbaut werden und einfach aus einer Art Zahnrädern und Gegenstücken bestehen, die sich dann verhaken und so das Rad blockieren, recht zuverlässig und wenig anfällig für Defekte. Nach diesem Prinzip funktionieren die meisten Feststellbremsen, wobei der Auslösemechanismus stark variiert. So gibt es die per Fußpedal betriebenen, auf die man dann Steigen oder sie mit dem Fuß in eine Richtung drücken muss. Wenn diese Bedienung an der Hinterachse angebracht ist, kann es schon wieder schwierig werden, wenn ein Buggyboard montiert ist oder der Sitz in kompletter Liegeposition weit über die Achse hinausragt. Bei der seitlichen Bedienung (z.B. Topline S) ist das wesentlich bequemer, wobei ich finde, dass diese Bremse sehr streng geht, da der Seilzug eben lang ist, um bis an die Seitenstrebe zu reichen. Der Hebeleffekt wie bei einer Fußraste geht hier verloren. Neuere Bremssysteme liegen eher auf Schieberhöhe und sind schnell auslösbar. Über einen Bügel wie beim Rasenmäher (Phil & Teds) oder ein Sicherheits-Schnellbremssystem, das über einen Seilzug die Seitenbremse auslöst (Hartan), kann der Wagen schnell zum Stehen gebracht werden. Eine Handbremse ist oft nützlicher, als man denken mag: bei einem vollbepackten Kinderwagen, den man bergab schiebt, nimmt sie so viel Gewicht weg, dass man den Wagen locker mit einem Finger und ohne gegenhalten zu müssen, den Berg runter halten kann. Auch beim Sport oder einfach, wenn man an der Ampel wartet, gibt es Sicherheit, wenn man die Handbremse ziehen kann, ohne die Feststellbremse nutzen zu müssen. Bei Systemen, die die Handbremse auch als Feststellbremse nutzen (wie bei TFK), kann es nachteilig sein, wenn die Bremse eben nicht richtig eingestellt ist, weil sie dann nicht genug Bremskraft aufbringt. Handbremsen sind sicherlich anfälliger als die herkömmlichen Feststellbremsen, wenngleich auch einfach praktisch. • Reifen: Die einen schwören auf den Komfort von Luftreifen, die anderen lieben ihre pannenfreien Luftkammerräder; der Reifentyp ist Geschmackssache und auch wieder vom Verwendungszweck abhängig. Luftreifen bieten selbst nochmal eine gewisse Federung und können in Kombination mit der Federung am Gestell ein sehr bequemes Fahrgefühl bieten. Sie sind gewissermaßen flexibel, meist groß genug, um die meisten Untergründe gut befahrbar zu machen und bieten guten Grip. Allerdings haben sie natürlich den Nachteil, dass die Luft mit der Zeit entweicht oder man eine Panne haben könnte. Eine Luftpumpe und ein Pannenset sollte man daher parat haben, um nicht in den Bergen mit einem Platten dazustehen. Luftkammerräder haben weiche, mit Luftkammern gefüllte Ummantelungen, die pannensicher sind ebenfalls einen guten Fahrkomfort bieten. Der Federungseffekt wie bei Luftreifen ist natürlich nicht im selben Umfang gegeben und auch das Profil ist meist nicht so haftsicher, wie bei Luftreifen. Dennoch die beste Alternative zu Luftreifen. Hartan hat bietet die neuen "Solight Ecco" Reifen an, deren Lauffläche noch widerstandsfähiger gegen Beschädigungen ist, resistent gegen Umwelteinflüsse und eine große Elastizität ausweisen. Einfluss auf die Laufruhe der Räder hat natürlich auch, ob sie z.B. kugelgelagert sind; wobei man mit einem Kinderwagen in der Regel keine 30km/h rast, wo die Achslagerung dann spürbare Auswirkungen hätte ;-) Die klassischen Vollgummiräder, wie sie bei den meistne Buggies zu finden sind, haben natürlich den geringsten Komfort, sind dafür auch sehr robust und widerstandsfähig und pannenfrei. Für Buggies sicher sinnvoll, zumal die Räder meist klein und schmal sind und wenig Platz für dicke Reifenmäntel bieten. • Gestell: Beim Gestell gibt es ja - abgesehen von der Unterschiedlichkeit zwischen Buggy und Kombi-/Sportwagen - diverse Designs, bei denen es meist mehr um die Geschmacksfrage als um Funktionalität geht. Die Frage, ob 3- oder 4 rädrige Gestelle, zielt wiederum auf die Nutzung des Wagens ab (Wendigkeit, Kippgefahr, Grip, usw.) und ist letztlich auch wieder Geschmackssache, welches "Fahrgefühl" bzw. Aussehen man bevorzugt. 3-rädrige Gestelle sind oftmals platzsparender zusammenzuklappen. Es gibt jedoch in der Qualität durchaus Unterschiede, die man meist auch am Preis erkennen kann, was man bedenken sollte, wenn der Wagen oft und/oder für mehrere Kinder genutzt werden soll. Da lohnt sich auf Dauer die Anschaffung eines Markenprodukts, wenngleich man auch hier die Augen offen halten und den Kinderwagen vor Kauf einmal testen sollte. Denn wie bereits erwähnt, gibt es Modelle, die schick aussehen, aber in der Praxis einfach untauglich oder unpraktisch sind. Prinzipiell wird auch unterschieden zwischen Wägen mit einer (austeckbaren, separaten) Sitzeinheit und solchen mit Sitzeinhängen. Letztere haben keine "Basis", sondern bestehen nur aus verstärktem Stoff, welcher am Rahmen direkt befestigt wird. Dadurch kann viel Platz beim Klappmaß gespart werden. Meist ist jedoch die Verstellbarkeit der Rückenlehne nicht so variabel und komfortabel wie bei einer festen Sitzeinheit und auch eine Fußstütze ist oft nicht so anpassungsfähig. Auch hier zählt wieder die persönliche Priorität bei Platzersparnis oder Komfort.
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