Kinder Fahrradanhänger. Erfahrungsbericht unserer Suche

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Nach dem wir so manche Stunde im Internet und beim Fahrradhändler verbracht haben um den „optimalen“ Kinderfahrradanhänger für uns zu finden, wollte ich einen kurzen Abriss unserer Recherche wiedergeben.
Diese Produktbewertung ist rein subjektiv. Manch einem mag sie hilfreich erscheinen, dem anderen nicht.

Nachdem wir 2,5 Jahre den Chariot Couger (für ein Kind) gefahren haben, brauchten wir für den weiteren Nachwuchs einen neunen Kinderfahrradanhänger.

Der Anhänger sollte haben:
Federung, ausreichend Platz für zwei Kinder, möglichst leicht, gute Verarbeitung, großen Gepäckraum (klar getrennt zur Fahrkabine), Sonnenverdeck, Insektennetz, Beleuchtung, eine Spurbreite von nicht mehr als 90 cm, Fünfpunkt Gurte, Bequeme Sitzfläche, Beinfreiheit, Buggyoption und bitte nicht zu teuer – das haben wir uns aber nahezu abgeschminkt.

Um es vorweg zu sagen, den Anhänger gibt es so zur Zeit nicht auf dem Markt. Folgende Modelle haben wir uns angeschaut und nach den oben genannten Kriterien geprüft.

Burley Cub 2008
 
Pro:
+ Wanne ist so geformt das sie gleichzeitig ein Schutzblech und „Freilaufschutz“ der Räder darstellt. Hindernisse die zwischen Rad und Fahrkabine eingeklemmt werden könnten, gleiten daran ab. Dreck von den Anhängerrädern wird nicht hoch geschleudert.
+ verstellbarer Bügel (Buggyoption)
+ Elastomer Federung mit Dämpfeigenschaften
+ Beleuchtung optional zu kaufen
+ gute Feststellbremse (blockiert beide Räder kraftschlüssig). Einfach zu bedienen
+ attraktiver Preis
+ gutes Gurtsystem

Kontra:
- Befestigung des Buggyrades zu weit vorne. Das Einsteigen in die Straßenbahn, Niederflurbusse ist echt schwierig. Das Rad wird an einer separat mitzuführenden, etwas verkürzten Deichsel befestigt.
- Gewicht. Der Anhänger ist wirklich schwer ca. 17 kg
- 16 ’’  Laufräder
- Gepäckraum nicht abgetrennt zur Fahrerkabine
- Verdeckmaterial wirkt dünn

Ich habe eine Frau bei uns in der Stadt mit diesem Anhänger gesehen und mit ihr über ihre Erfahrungen mit dem Anhänger gesprochen. Und sie konnte diesen sehr empfehlen. Für meinen Geschmack wirkte der Überzug (Bespannung) etwas dünn. Ansonsten scheint der Anhänger gut verarbeitet zu sein. Unschlagbar ist auf alle Fälle der Preis. Sollte jemand die Möglichkeit haben sich diesen Anhänger genauer anzusehen, so sollte er/sie es tun. Mich hat der Anhänger auch beim Fahrradladen nicht überzeugen können. Die Buggyoption war für uns das k.o. Kriterium. Mal eben in die Stadt fahren und die Kinder im Anhänger durch die Stadt schieben (wenn es voll ist) ist damit nicht möglich. Der Anhänger ist einfach zu lang dadurch.


Chariot Couger 2

Pro:
+ separater Stauraum. Getrennt zur Sitzkabine. Spielzeug oder Einkäufe drücken den Kindern nicht in den Rücken
+ gute Buggyoption, die Dank des neuen Verschlusssystems nicht mehr zum Verlust der Flügelschrauben führt (bei uns hat sich eine losgerüttelt. Und nicht nur bei uns)
+ Deichsel lässt sich schnell und unkompliziert installieren. Verschluss ist gut durchdacht.
+ Gewicht (ist kein Anhänger mit einer festen Wanne)
+ durchdachtes Klettsystem. Man kann beim Einsteigen der Kinder die Gurte weghängen
+ Sonnenschutz ist einrollbar, wenn man diesen nicht braucht
+ Baby Hängematte ist unschlagbar in Sachen Komfort bei Beförderung von Säuglingen
+ Fuß Feststellbremse formschlüssig.
+Hoher Wiederverkaufswert

Kontra:
- Feststellbremse greift nicht in jeder Position und lässt sich durch den darrüberhängenden Staubeutel schlecht bedienen
- Schnellverschlusssystem der Laufräder benötigt eine stetige Wartung. Korrosion bewirkt, dass der Arretierungsmechanismus nicht greift (wird aber auch vom Hersteller empfohlen)
- Gurtsystem unpraktisch. Dadurch das der Schultergurt ein geschlossenes V darstellt, muss man den Gurt über den Kopf des Kindes ziehen. Mützen verrutschen, Kinder wachen wieder auf ggf. muss der Helm erst im Anhänger aufgesetzt werden (wenn die Kinder einen tragen sollen; Empfehlung des Herstellers)
- Unser Sohn konnte schon recht früh den Gurt alleine öffnen.
- Verarbeitung entsprach nicht unseren Vorstellungen. Verklebung der Skala für die Blattfedereinstellung löste sich auf (kein Einzelfall wie ich aus dem Bekanntenkreis weiß). Nähte gingen auf. Fußraum bei feuchter Witterung nach einigen Kilometern durchnässt. Die sich das bei anderen Anhängern mit Stoffboden verhält konnten wir nicht testen (verständlicherweise).
- Preis. Mit Buggyoption, Hängematte, Deichsel, zwei Kupplungen, Beleuchtung waren wir bei ca. 800 €.
- Sitzfläche von 50 cm (am Po) ist für uns zu schmal.

Wir haben uns gegen den Couger 2 entschieden, da wir von der Verarbeitung enttäuscht waren und wir die Kinder länger im Anhänger mitnehmen wollen. Wenn wir unseren „Großen“ (2,5 J.) reinsetzen und den Kleinen (2 M.) in die Hängematte legen, ist es zu eng für beide. Bestimmt liegt es auch daran, dass wir sie in voller Montur hineingesetzt haben. Aber wer will den Anhänger nur im Sommer nutzten? Ich habe tatsächlich jemanden gesehen, der eine Plexiglasscheibe zwischen seine Kinder gehängt hatte. Das hatte sicher einen Grund.....

Da Chariot noch einige andere Modelle im Sortiment hat, haben wir uns auch diese angesehen. In Frage kam das Model Corsaire XL (siehe Anforderungen oben)
Beinahe hatten wir uns den Corsaire XL auch gekauft, obwohl einige Problempunkte weiterhin bestanden hätten.
Die Sitzbreite liegt bei 64 cm. Er ist angenehm hoch. Bremse lässt sich gut bedienen (kraftschlüssig). Nur hat der Anhänger keinen separaten Stauraum und, mir völlig unverständlich, keinen Sonnenschutz. Warum Chariot daran gespart hat verstehe ich wirklich nicht. Wir finden den Sonnenschutz wirklich sehr wichtig, da unsere Jungs gerne mal im Anhänger einschlafen. Freunde von uns haben das bei ihrem Corsaire XL immer wieder bemängelt. Und ärgern sich jedes Mal darüber.
Ferner hat Chariot alle für uns in Frage kommenden Modell im September 2008 um 50 € verteuert. Also kein Chariot Anhänger.

Ritschie – 2

Dazu kann ich nicht viel sagen. Ich habe mit einem Besitzer gesprochen. Er war absolut überzeugt von dem Anhänger. Irgendwie sind alle Besitzer von ihren Anhängern überzeugt. Der Innenraum wirkte sehr komfortable. Der knappe Stauraum dagegen, hätte unseren Bedürfnissen nicht entsprochen. Ausserdem ist mir der Anhänger (Basisversion 950 €) zu teuer.



Kindercar SSL

Pro:
+ Umlaufender Radschutz (Abgleiten von Hindernissen)
+ Elasomerfederung mit guten Dämpfeingenschaften
+ Buggyoption gut durchdacht und immer dabei. Stark verkürzte mittig angebrachte Deichsel für die Aufnahme von einem Rad. Bei Nichtbenutzung wir die Deichsel mit arretiertem Bugrad unter den Anhänger geklappt.
+ technisch nicht so raffinierte Verschlussmechanismen (Deichselaufnahme, Radbefestigung, etc.) wie bei Chariot, dafür aber simpel und funktional. Eventuelle Reparaturen können selber durchgeführt werden
+ Hohe Zuladung von 50 kg bzw. 40 kg in der Stoffbodenversion
+ Hochwertige, leichtlaufende Nabe (das merkt man tatsächlich)
+ Robuster Bespannung (Verdeck). Regen und Dreck perlt gut daran ab. Wasser bleibt auf der Oberfläche stehen und dringt nicht ein.
+ Sitzbreite ausreichend für zwei Kinder. Im Schulterbereich ist der Anhänger breiter (weitet sich im Schulterbereich und verjüngt sich dann wieder)
+ Bequeme, gut gepolsterte Sitze. Aufgehängt in dem Innenraum
+ Fünfpunkt Gurtsystem. Schultergurte getrennt spannbar (lassen sich nicht so leicht öffnen)
+ Verstellbare Sitzposition. In gewissem Rahmen kann eine Schlafposition eingestellt werden. Da die gesamte Rückbank verstellt wird, gilt diese Position für beide Kinder – Nachteil ?
+ großer Kofferraum aber nicht getrennt.
+ Das Abspannen/Befestigen des Verdecks wird mit Schnüren und Ösen gemacht (flexible Schnüre). Eventuelle Wartungskosten (wenn eine Schnur reist) sind nicht so hoch. Beim Couger hat unser Sohn gerne versucht mit den Füssen das Verdeck aufzudrücken. Den Klettverschlüssen hat das nicht so gut bekommen. Meinen Nerven auch nicht. Jetzt sitzt er dafür zu weit hinten.
+ Beinfreiheit
+ Diodenrücklicht
+ gute Fahreigenschaften. Verdammt kleiner Wendekreis. In Punkto Wendigkeit steht der SSL dem Chariot Couger 1 in nichts nach. Das kann aber auch an dem Kupplungssystem oder der unterschiedlichen Deichsellänge liegen. Bei Chariot hatten wir die „Gummi Kugelkopf Kupplung“ mit Pfannenaufnahme am Rad und bei dem SSL eine Weberkupplung (Standrad). Wenn es interessiert, kann sich das bei den Herstellerseiten ansehen.
+ Gute Belüftung (Anhänger ist nicht an allen voll Stellen geschlossen, aber regendicht)
+ Schnellverschlüsse an allen wichtigen Teilen
+ Höhenverstellbarer Buggybügel

Wiederverkaufswert war nicht zu ermitteln, da es partout keine Gebrauchten gab. Wie man das nun deutet überlasse ich ein Jedem.


Kontra
- Radstand sehr breit. Breiter dürfte dieser nicht sein.
- Sitzgurte werden einmal eingestellt und verbleiben in der Länge. Nachspannen nicht ohne größeren Aufwand machbar (dafür lösen sie sich aber auch nicht – daher eher neutral)
- Gewicht ca. 16 kg (Stoffversion 4 kg leichter – dafür weniger Gepäckraum)
- Weberschale einbauen ist ein Graus. Mit vier Gurten wird diese in den Innenraum gespannt. Das ist gewiss kein Luxus. Man sollte darüber nachdenken Befestigungspunkte für die Spanngurte im Innenraum zu definieren. Nachdem das Teil erst einmal drin ist, ist es gut. An die Lösung von Chariot kommt es aber nicht heran.
- Feststellbremse (Kraftschlüssig) bremst nur ein Rad. Bedienung über eine Art Kniehebel ist kinderleicht. Jedoch ist das zusätzliche Feststellen des Bugrads notwendig.
- Setzten des Sicherheitspins bei der Deichselinstallation ist etwas fummelig. Nach etwas Übung geht es aber immer besser.
- Die Pflicht eine Weberkupplung zu verwenden ist unglücklich, da extrem teuer. Jede Kupplung wird mit einer speziellen Unterlegscheiben für unterschiedliche Rahmenausfallenden ausgeliefert. Für die Shimano Nexus 8 Gang Nabenschaltung braucht man jedoch eine Spezielle. Diese kosten 15 €!


Fazit
Wir haben uns für den Kindercar SSL entschieden. Preislich unterscheidet er sich nicht viel vom Chariot. Die Zusatzoptionen wie Buggyset, Skaterset, etc. sind bei Kindercar deutlich teurer und was die Skateroption angeht (mit zusätzlicher Bremse), besteht beim Hersteller Nachbesserungsbedarf bei der Einstellmöglichkeit der Bremsen (asymmetrische Bremswirkung) – haben wir nicht genommen.
Das wir den Anhänger 15 % billiger bekommen haben (Jubiläumsaktion), war auch ein Grund uns für das Kindercar zu entscheiden.
Bisher sind wir mit dem Anhänger zufrieden. Auch wenn wir lange keinen Anhänger mit fester Wanne wollten, so sind wir nun davon überzeugt uns richtig entschieden zu haben.
Der feste Stand beim Reinklettern ist vorteilhaft. Das gilt jedoch für alle Anhänger mit fester Wanne. Das vielfach angemerkte Klappern der Aluwanne konnte ich nicht nachvollziehen. Zumal der Anhänger mit Teppich ausgeliefert wird.

Ich hoffe mit meinem Bericht wiedergegeben zu haben, dass es sehr auf die Bedürfnisse eines Jeden ankommt.
Macht eine Probefahrt, vergleicht und vor allem verhandelt beim Kauf.
Sollte jemand eine ganz andere Meinung dazu haben, wäre eine Gegenrezession sicher interessant.







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