Kettenpflege - so viele Meinungen wie Kettenglieder

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Die Kette besteht meist aus mehr Bauteilen als der Rest des ganzen Fahrrads - und zusätzlich ist sie für die überaus kraftraubende Kraftübertragung verantwortlich.

Nicht nur daher muss ihrer Pflege große Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Fahrradketten verschleißen, da die einzelnen Verbindungsbolzen der Kettenglieder nach und nach immer kleiner geschliffen werden.

Je mehr die Bolzen abgeschliffen werden, desto größer ist das Spiel in diesem Gelenk. Es kommt zur so genannten Kettenlängung (die einzelnen Glieder werden immer länger). Dies hat starke Auswirkungen auf den Verschleiß der Ritzel und Kettenblätter. Ignoriert man eine fortschreitende Längung, kann es sogar dazu führen, dass beim Treten der Pedale die Kette einzelne Zahnräder nicht mehr greifen kann und durchrutscht. Um diese verheerenden Folgen zu vermeiden ist es nötig, die Kette regelmäßig zu pflegen.

 

Kontrolle - Messung der Kettenlänge

Um zu kontrollieren, ob bereits eine Längung vorliegt, benötigt man eine Kettenlehre oder einen handelsüblichen Messschieber. Da in den meisten Haushalten ein Messschieber vorhanden ist, wird im Folgenden diese Messvariante näher erklärt:

Stellen Sie den Messschieber auf eine Länge von ca. 118 mm ein. Nun führen Sie ihn zwischen zehn Kettenglieder an einer beliebigen Stelle der Kette ein. Nun öffnen Sie den Messschieber, bis er an den Rollen der Kettenglieder anliegt. Eine neue Kette hat eine Länge von 119,5 mm. Die Kette ist verschlissen wenn Sie über 120,25 mm (Aluminiumritzel/-kettenblätter) bzw. 120,5 mm (Stahlritzel/-kettenblätter) misst. In diesem Fall sollte die Kette auf jeden Fall getauscht werden.

 

Befreiung von Schmutz

Verschleiß entsteht vor allem durch das Eindringen von kleinen Schmutzpartikeln (Sand, Staub, Erde) in die Kettengelenke. Damit der Schmutz erst gar nicht in die Kettenglieder eindringen kann muss die Kette stets äußerlich sauber und trocken gehalten werden.

Dazu nehmt Ihr einfach einen alten (bei starker Verschmutzung einen öligen) Lappen, umschließt damit die Kette und kurbelt mit der anderen Hand die Pedale bis der Lappen die Kette mehrmals gereinigt hat.

Ähnlich verhält es sich mit den Ritzeln, Umlenkrollen und Kettenblättern: Mit einem Lappen den Schmutz auf den Kettenblättern abputzen. Zwischen den Ritzeln ist es etwas kniffliger - dafür einen ganz schmalen Streifen (ca. 2 cm) vom Lappen abschneiden, zwischen den Ritzeln „einfädeln“ und die Kurbel drehen. Die Umlenkrollen einfach mit einer alten Zahnbürste putzen.

 

Reinigung der Kettenglieder - ja oder nein?

Zu diesem Thema gibt es verschiedene Meinungen - vom Minimalismus bis hin zu rabiaten Reinigungsmethoden:

 

Die Minimalisten

Manche Fahrradfahrer legen größeren Wert auf das Reinigen der Kette als auf das Nachfetten. Eine Schmierung der Berührungspunkte von Kette und Ritzeln/Kettenblättern sei unnötig, da die innere werksseitige Schmierung ausreicht. Ständiges Reinigen wie oben beschrieben bzw. bei stärkerer Verschmutzung mit einer Metallbürste hält Kette und Berührungspunkte schmutzfrei und die werksseitige Schmierung länger am Leben. Falls sich einmal Flugrost bilden sollte, diesen einfach mit einer Metallbürste entfernen. Wichtig sei eben vor allem, alles fettige und ölige, das man mit dem Lappen erreichen kann zu reinigen. Geschmiert wird die Kette erst, wenn sie „zwitschert“ (quietscht).

Vorteil dieser Methode ist vor Allem, dass Matsch und Dreck nicht an der Kette haften können. Ich persönlich glaube jedoch nicht daran, dass die werksseitige Schmierung alleine ausreicht um einer Längung der Kette entgegen zu wirken.

 

Die Saubermänner

Einige Biker reinigen Ihre Ketten mit Bremsenreiniger oder waschen sie sogar in eine Socke eingewickelt in der Waschmaschine. Danach wird die Kette mit einem beliebigen Schmiermittel behandelt und steht für die nächsten Fahrten bereit.

Bevor man so etwas macht muss man jedoch Folgendes wissen: Jedes Kettenglied ist von Werk aus innen gefettet! Das heißt, wenn Ihr die Kette mit so rabiaten Methoden wie Bremsenreiniger oder Waschmaschine zu Leibe rückt geht von dieser Schmierung sehr viel verloren.

Diese Methode solltet Ihr auf jeden Fall nur machen wenn Ihr wisst, was Ihr da tut. Ich halte nichts von solch rabiaten Reinigungsaktionen. Der Kettenhersteller hat sich schon etwas dabei gedacht, die Kettenglieder von Innen mit äußerst dickflüssigem Fett zu schmieren.

 

Die gesunde Mitte

Etwas aufwendiger ist die folgende Herangehensweise: Nach der Ausfahrt wird die Kette gereinigt wie oben beschrieben - während das Rad im Keller steht benötigt es ja keine Schmierung. Vor der Ausfahrt wird die Kette geschmiert und - nachdem das Schmiermittel eingezogen ist - mit dem Lappen gereinigt. Dadurch nimmt sie deutlich weniger Dreck auf und ist dort wo es darauf ankommt einwandfrei geschmiert.

 

Die Schmiermittel

Wichtig ist auch die Wahl des Schmiermittels. Dünnflüssiges Öl, dickflüssiges Kettenöl, Kettenfett, Trockenschmiermittel und viele andere.

Bei mir hängt die Wahl des Schmiermittels vom Anlass und den äußeren Umständen ab - regnet es, fahre ich viel durch Matsch und Schlamm oder nur durch Sand und Staub…

Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich am nächsten Tag eine normale Tour machen möchte, behandle ich die Kette mit dickflüssigem Kettenöl, lasse dies über Nacht „einziehen“ und wische die Kette mit einem Lappen kurz vor der Ausfahrt trocken.

Anders verhält es sich beispielsweise, wenn es schnell gehen muss: Ein Freund kommt unangekündigt vorbei und überredet mich zu einer Tour. Klasse! Ich mache mich fertig, hole mein Rad aus dem Keller. In solchen Fällen benutze ich Trockenschmiermittel - diese ziehen im Gegensatz zu Ölen schlechter und ungleichmäßiger ein. Jedoch haben sie einen anderen Vorteil: Sie sind - wie der Name schon sagt - trocken. Keine Warterei und kein Trocknen der Kette. Man kann sofort losfahren.

 

Wie Ihr seht, gibt es wirklich viele verschiedene Meinungen zum Thema Kettenpflege. Ich für meinen Teil fahre sehr gut mit meinen Empfehlungen und habe eine durchschnittliche Kettenhaltbarkeit von ca. 5.000 km (Mountainbike) beziehungsweise ca. 8.000 km (Rennrad). Falls Ihr andere Erfahrungen habt könnt Ihr mir diese gerne schreiben.

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