Kaufleitfaden: Kerzen & Kerzengießen

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eBay-Kaufleitfaden: Kerzen & Kerzengießen

Kerzen und Teelichter selbst machen – das Hobby für die ganze Familie

Kerzen erzeugen durch ihre offene Flamme ein stimmungsvolles Umgebungslicht. Dadurch eignen sie sich ausgezeichnet als harmonische, warme Hintergrundbeleuchtung zu den unterschiedlichsten Anlässen. Ob geschmackvolle Dekoration, attraktive Geschenkidee oder gemütliche Beleuchtung zum Entspannen oder bei einem geselligem Beisammensein – Kerzen haben das ganze Jahr hindurch Saison. Selbstgemachte Kerzen und Teelichter haben dabei einen ganz besonderen Charme und bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Gestaltungsmöglichkeiten. Sie können dabei entweder alte Kerzenreste aufbrauchen oder komplett neue Materialien verwenden. Zudem stehen Ihnen unterschiedliche Techniken zur Kerzenherstellung zur Verfügung. Lesen Sie hier, wie Sie Ihre eigenen Kerzen gestalten und verzieren können und welche Punkte Sie bei der Herstellung beachten sollten.

Vom Gebrauchslicht zum Ziergegenstand – Kerzen früher und heute

Kerzen und deren Vorläufer gibt es schon seit der Antike. Öl- und Talglichter aus Pflanzenölen und Tierfetten ergänzten die damals üblichen Pechfackeln und Kienspäne als Raumbeleuchtung. Im Mittelalter spendeten Bienenwachskerzen rußfreies, helles Licht für Adel und Klerus, während die ärmere Bevölkerung weiterhin auf billigen Talg, den sogenannten Unschlitt, zurückgreifen musste. Diese minderwertigen Brennstoffe aus Rinder- oder Hammelfett rußten stark und entwickelten beim Abbrennen einen unangenehmen Geruch. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts kamen mit den ersten Stearin- und Paraffinprodukten Kerzen mit guten Brenneigenschaften und einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis auf den Markt. Von nun an konnten sich auch ärmere Leuchte dieses helle und ruhig brennende Leuchtmittel leisten.

Kerzenproduktion – ein Handwerk mit langer Tradition

Die ersten Talglichter ähnelten vom Prinzip her den Teelichtern. Kleine Gefäße wurden mit Fett oder Pflanzenöl gefüllt, das mithilfe eines Dochtes zum Brennen gebracht wurde. Für die teuren Bienenwachskerzen wurde der Docht auf eine Wachsplatte gelegt und eingerollt. Seit dem 11. Jahrhundert wurden Kerzen in Europa gezogen. Das bedeutet, dass ein Kerzendocht immer wieder in das flüssige Fett oder Bienenwachs getaucht wurde. Bei jedem Herausziehen des Dochtes aus der Flüssigkeit erkalteten Talg oder Wachs und blieben als dünne Schicht haften. Je öfter er eingetaucht wurde, desto dicker wurde die Kerze. Diese Handwerker wurden Licht-, beziehungsweise Kerzenzieher genannt. Ab dem 14. Jahrhundert entstanden parallel dazu die ersten Handwerksinnungen der Kerzengießer. Damit gehört die Kerzenherstellung zu den ältesten Gewerben Europas.

Alte Techniken neu entdecken – das benötigen Sie für Ihre Kerzenherstellung

Zum Kerzenziehen benötigen Sie ein hohes Gefäß zum Schmelzen der Wachsmasse, einen Docht in passender Stärke und eventuell noch Wachsfarben zum Einfärben der Wachsmischung sowie Duftöle zur Herstellung von Duft- und Aromakerzen. Beim Kerzengießen kommen zudem noch die gewünschte Gießform hinzu.

Wachs ist nicht gleich Wachs – eine kleine Materialkunde

Wie schon erwähnt, stehen zum Kerzengießen und -ziehen verschiedene Grundstoffe zur Verfügung. So können sie reine Stearin- oder Paraffinkerzen herstellen oder eine fertige Mischung aus beiden Komponenten verwenden. Außerdem steht Ihnen noch reines Bienenwachs zur Auswahl. Alle drei Stoffe werden als praktische Pastillen oder Granulat angeboten. Das beschleunigt den Schmelzvorgang und vereinfacht die Dosierung. Als Richtwert für die verwendete Wachsmenge gilt: Ein Gramm Wachs erzeugt einen Milliliter gießfertiges Wachs. Für eine Gießform mit 250 ml Inhalt benötigen Sie also ungefähr 250 g Wachsgranulat. Wollen Sie Kerzenreste recyceln, benötigen Sie dazu mindestens 250 g klein geschnittene Kerzenenden oder Endstücke von Stumpen.

Paraffingranulat – Kerzenrohstoff auf Erdölbasis

Paraffinwachs, auch Ceresin genannt, ist ein Nebenprodukt aus der Erdölverarbeitung. Spezielles Paraffingranulat für die Kerzenproduktion ist zudem in einem speziellen Verfahren entgiftet worden und daher unbedenklich im Gebrauch. Paraffinwachs eignet sich sehr gut zum Ziehen und Gießen von Kerzen und gilt als vielseitiger Grundstoff für die Kerzenproduktion. Es wird auch oftmals in Mischungen mit Stearin verwendet. Gebräuchlich ist beispielsweise ein Mischverhältnis von 80 % Paraffin zu 20 % Stearin.

Stearin – hochwertiger Kerzengrundstoff auf Pflanzenbasis

Stearinkerzen werden aus Stearinsäure hergestellt, einem Produkt, das beim Verseifen von tierischen und pflanzlichen Ölen und Fetten entsteht. Kerzenstearin ist eine Mischung aus Stearin- und Palmitsäure. Das reine Produkt kann ausschließlich zum Kerzengießen verwendet werden. Doch Vorsicht: Stearin greift Latex- und Silikonformen an. Zum Gießen reiner Stearinkerzen sollten Sie daher Gießformen aus Kunststoff oder Metall verwenden.

Zum Ziehen von Kerzen muss das Stearin mit Paraffinanteilen gemischt werden. Stearinkerzen zeichnen sich durch eine ruhige, gleichmäßige Flamme aus. Sie verbrennen rußfrei und erzeugen dabei einen angenehmen Geruch.

Kerzen aus Bienenwachs – natürliche Leuchtmittel mit angenehmem Duft

Bienenwachs fällt als reines Naturprodukt bei der Honigherstellung ab, da die Honigwaben aus diesem Wachs bestehen und damit verschlossen sind. Das Bienenwachs wird gesammelt und gereinigt. Für das Kerzengießen ist es in Form von Wachspastillen erhältlich. Bienenwachskerzen überzeugen durch ihren feinen Honigduft und ihre natürliche Gelbfärbung in unterschiedlichen Nuancen.

Aus Alt mach Neu – Kerzen aus Resten und Endstücken

Die „Resteverwertung“ ist eine gute Gelegenheit, in das Hobby des Kerzengießens hineinzuschnuppern. Am besten eignen sich ungefärbte oder weiße Wachsreste, da diese beim Einschmelzen in der gewünschten Farbe eingefärbt werden können. Ansonsten können Sie die gesammelten Reststücke auch grob nach der Farbe sortieren und einschmelzen. Der jeweilige Farbton lässt sich bei Bedarf mit Wachsfarbe verstärken oder verändern.

Sonderformen von Kerzenwachs

Neben dem Gießwachs können Sie auch Wachsgel, Wachsplatten und Kerzenwachs zum Kneten kaufen. Kerzengel besteht aus schadstofffreiem, medizinischen Weißöl, einer Paraffinölart. Wachsgel lässt sich zum Anfertigen von Gelkerzen nutzen. Interessant bei diesem Werkstoff ist seine transparente Optik und die bis zu fünf Mal längere Brenndauer als die von herkömmlichem Wachs.

Knetwachs eignet sich durch seinen niedrigen Schmelzpunkt ausgezeichnet zum Formen und Gestalten mit der Hand. Dabei wird die gewünschte Form oder Figur einfach um den Doch herum gestaltet. Knetwachs ist in vielen unterschiedlichen Farben erhältlich und ist ideal für das Basteln mit Kindern, da hier keine heißen Stoffe verarbeitet werden.

Wachsplatten aus gewalztem Knetwachs dienen dagegen der Verzierung der Kerze. Aus den dünnen Platten lassen sich Buchstaben, Ornamente oder Figuren ausschneiden. Sie werden durch Körperwärme geschmeidig und lassen sich damit auf die Kerzenwand kleben.

Der Docht, das Herzstück der Kerze

Der Kerzendocht besteht üblicherweise aus geflochtener Baumwolle und steht in unterschiedlichen Stärken von dünn über medium bis dick zur Verfügung. Vor dem Anfertigen der Kerze sollten Sie schon überlegen, welchen Durchmesser sie haben wird. Denn die Dicke der Kerze entscheidet über die Stärke des Dochtes. Ist der Docht zu dick für die Kerze, fängt sie an zu rußen. Ist er hingegen zu dünn, brennt die Kerze nur schlecht mit kleiner Flamme oder geht sogar ganz aus. Welcher Docht für welche Kerze passend ist, ist abhängig von der Dochtart und dem verwendeten Kerzenwachs. Auch die Zugabe von Farbstoffen kann die Dochtdicke unter Umständen beeinflussen. Eine Faustregel gibt einen ersten Anhaltspunkt über die benötigte Dochtstärke:

  • 3-4 cm dicke Kerzen = dünne Dochte
  • 5-6 cm = mittelstarke Dochte
  • 8 cm und mehr = dicke Dochte

Genauere Details zur Stärke und Beschaffenheit des geeigneten Dochtes finden Sie in den Angaben der jeweiligen Hersteller.

Einfach in Form gegossen – eine Kerze entsteht

Haben Sie das Zubehör zusammen, können Sie mit der Kerzenherstellung beginnen. Dazu befestigen sie den Doch an einem Holzstäbchen, das Sie quer über die Form legen, sodass der Docht von diesem Stäbchen aus mittig in die Form bis ganz zum Boden herunter hängt. Vor dem Guss wird das Kerzenwachs in einer Konservenbüchse oder einem speziellen Wachsgießgefäß im Wasserbad auf ungefähr 70-80° C erhitzt. Nach Wunsch können Sie Wachsfarben oder Duft und Aroma zugeben. Anschließend wird das Gießwachs gut verrührt, damit sich die Stoffe gleichmäßig im Wachs verteilen. Anschließend gießen Sie das flüssige Kerzenwachs in die Form und lassen sie abkühlen. Dieser Vorgang dauert mehrere Stunden, bei voluminösen Kerzen sogar ein bis zwei Tage. Während das Wachs erkaltet, verliert es etwas an Masse. Der sogenannte Wachsschwund ist an einer Vertiefung rund um den Docht erkennbar. Um den Schwund auszugleichen, gießen Sie einfach so viel flüssiges Wachs nach, bis wieder eine ebene Fläche entsteht.

Ist das Wachs vollständig erkaltet, können Sie die fertige Kerze aus der Form nehmen und nach Belieben mit Wachsplatten oder einem Kerzenpen mit spezieller Wachsfarbe dekorieren.

Kerzenziehen – Fleißarbeit für Leuchter- und Baumkerzen

Zum Kerzenziehen schmelzen Sie das Wachs in einem Gefäß, das ein gutes Stück höher ist als der verwendete Docht. Auch hier ist eine Temperatur von 70-80° C optimal. Ist das Wachs heißer oder kälter, verliert die Oberfläche der gezogenen Kerze ihren Glanz und wird matt. Machen Sie nun einen dicken Knoten in eine Seite des Kerzendochts und tauchen Sie ihn anschließend der Länge nach für vier bis fünf Sekunden in das flüssige Wachs. Danach ziehen Sie ihn heraus und lassen ihn etwa auf Körpertemperatur abkühlen. Zum Test können Sie den Docht an ihre Wange halten. Wird die Temperatur als angenehm empfunden, kann der Docht erneut eingetaucht werden. Wiederholen Sie diese Arbeitsschritte so lange, bis die gewünschte Kerzendicke erreicht ist. Hängen Sie jetzt die fertige Kerze zum Abkühlen auf, bis sie komplett erkaltet ist.

Fazit

Kerzengießen oder -ziehen ist heute durch das umfangreiche Angebot an Rohmaterialien und Zubehör einfach und komfortabel geworden. Auch Anfänger können bei diesem Hobby schnell erste Erfolge erzielen. Für Kinder eignet sich hier die vielseitige Kerzenknete besonders gut. Sie braucht nicht erhitzt zu werden und bietet jede Menge Raum für fantasievolle Kreationen. Für ältere Kinder unter Aufsicht eines Erwachsenen können auch mit fertigen Creativsets erste Schritte in der Kerzenanfertigung unternommen werden.

Zur Dekoration der fertigen Stücke erhalten Sie bei eBay zahlreiche Wachsbildchen, Wachsplatten oder Wachspens, um den Produkten persönlichen Charme zu verleihen. So können Sie zum Beispiel Kerzen für einen besonderen Anlass wie GeburtstagHochzeitOstern oder eine Taufe gestalten.

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