Kauf einer originalen Hammondorgel - Was ist wichtig?

Aufrufe 64 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Kauf und Unterhalt einer originalen Hammondorgel

Sie möchten DEN Orgelsound? Das Original, keinen digitalen Nachbau? Womöglich gar eine B-3? Und wie steht´s mit dem Leslie? Logischerweise sollte man sich jede gebrauchte Orgel vor dem Kauf sorgfältig ansehen. Kaufen Sie außerdem NIE eine Hammond, ohne diese vorher ausgiebig getestet zu haben! Aber worauf muss man dabei achten? Da man ja nicht über Nacht zum Antiquitäten-Experten werden kann, sollte man die Lebensaufgabe, alles Wissen über die B-3 in Erfahrung zu bringen, damit beginnen, sich die Meinung einiger Experten anzuhören.  Ich besitze seit 15 Jahren eine B-3 Portable aus dem Baujahr 1954 und habe mit diesem Baby schon einiges erlebt. Die Generalüberholung vor einigen Jahren kostete stolze 1.500 Euro. Man sollte sich bewusst sein, dass die Orgeln bei richtiger Behandlung und Pflege eigentlich wartungsarm sind, wenn es aber mal nötig wird, etwas zu reparieren, wird es teuer.


Die Grundlagen

Bevor man sich eine B-3 oder ein vergleichbares Modell kauft, sollte man wissen, wie diese Instrumente funktionieren: mechanische Aspekte wie der Tone-Wheel-Generator, die Röhren, die Tastaturen, die Zugriegel, die Effekte usw. Der Käufer sollte so viel wie möglich darüber wissen, denn das erspart ihm eine Menge Geld und Lauferei. Ohne dieses Wissen ist der Käufer eindeutig im Nachteil. Man muss wissen, worauf man zu achten hat, ansonsten steigen die Kosten für Reparaturen ins Astronomische. Jeder, der sich eine Hammond kaufen will, sollte darüber mit einem Techniker sprechen, der sein Leben lang Hammondorgeln restauriert und repariert hat.

Man muss sich immer bewusst sein, was man im Begriff ist zu kaufen: eine gebrauchte Orgel, die 50 oder mehr Jahre alt ist! Selbst wenn man eine der letzten gebauten Hammonds kauft, ist diese schon über 40 Jahre alt!


Zunächst ist es natürlich wichtig zu wissen, welches Modell man erstehen möchte. Die Spinett-Modelle (versetzte Tastaturen) oder gar die "Heimorgel.Modelle" aus den 70ern scheiden für den waren Liebhaber aus: der Sound ist nicht mit einer B-3 vergleichbar. Bei den übrigen Modellen hilft es nicht gerade weiter, dass alle älteren Hammonds mit Tone-Wheels ziemlich gleich aussehen (2 Manuale mit 61 Tasten sowie ein Pedal mit 25 bzw. 32 Tönen). Die Modellnummer steht auf einem schwarzen Schildchen auf der Rückseite der Orgel. Es ist wichtig, dass dort "B-3" steht und nicht etwa B-2, BV oder BC. Denn dabei handelt es sich um frühere Modelle ohne Percussion und/oder Vibrato.

Wie kann man nun die älteren von den neueren B-3 unterscheiden? Es gibt eine ganze Anzahl kleinerer Merkmale. Sehr späte Modelle sind an einem Schlüsselloch zu erkennen, mit dessen Schloss die Tastaturabdeckung abschließen kann. Frühere Modelle haben ein kleines gelbes Licht zwischen den Start- und dem Run-Schalter. Auch die Form der Zugriegel gibt Aufschluss über das Alter: sind diese bei den älteren Modellen etwas abgerundet, so haben die neuen B3-Modelle kantigere Zugriegel, in die zusätzlich die Fußlage eingestampft ist.

Bei ganz frühen Modellen war der Gehäuseteil zwischen den beiden Manualen aus Holz, bei späteren aus schwarzem Kunststoff gefertigt. Auch ein Blick ins Innere der Orgel gibt Aufschluss: der Transformator des Vorverstärkers war bei frühen Modellen von B-3, C-3 und A-100 silbern, später war er schwarz.
 

Die geschundene Tour-Orgel

Um festzustellen, ob die Orgel nur im stillen Kämmerlein oder auf den Rockbühnen dieser Welt gespielt wurde, empfiehlt sich zunächst ein Blick auf die inversen Preset-Tasten: wenn sich darauf Aufkleber befinden, war es wahrscheinlich eine Heimorgel. Diese sind meist gut erhalten und gepflegt. Man will ja keine alte Braut, die 25 Jahre Bühnengeschichte auf dem Buckel hat. Bei diesen Orgeln ist meist vieles verschlissen und kaputt. Abdrücke von Biergläsern auf dem Deckel sind natürlich ebenfalls kein gutes Zeichen, liegt doch der Verdacht nahe, dass sich im Laufe der Jahre mindestens ein Bier im Inneren der Orgel verteilt hat, was zu wirklich großen Problemen führen kann.
 

Checkliste

Welche Tests machen nun Experten mit einer unbekannten Orgel, um ihren Zustand zu testen? Zunächst wird jeder einzelne Zugriegel komplett herausgezogen und alle 61 Tasten durchgespielt um zu sehen, ob alle Töne funktionieren und ob die Kontakte sauber sind. Erklingt bei einer Taste kein Ton, so deutet dies auf einen Problem im Generator oder in der Verkabelung zwischen Generator und Tastatur hin. Innen befinden sich rund 600 kleine Drähte, 9 an jeder Taste, die zu Bündeln zusammen gefasst sind. Da kann schon mal ein Draht brechen und der Kontakt verloren gehen. Neben Defekten an den Start- und Run-Schaltern sind gebrochene Kontakte die häufigsten Probleme an einer B-3.

Wenn ein Ton nicht spielt, kann es aber auch daran liegen, dass einfach nur der Kontakt verschmutzt ist. Ein häufiges Benutzen der Taste hat mit der Zeit einen Selbstreinigungseffekt zur Folge. Sollte dies nicht reichen, so kostet eine Reinigung der Kontakte rund 300 Euro.

Hammonds sind in der Reparatur sehr arbeitsintensive Geräte, sie sind nun mal nicht leicht konstruiert. Um die "Bus-Bars" zu reinigen, muss der gesamte Spieltisch ausgebaut werden, was bedeutet, dass über 100 Drähte gelöst und später wieder angeschlossen werden müssen. Sollten die Bus Bars defekt sein, wird es richtig teuer: sie kosten pro Stück zwischen 30 und 40 Euro, insgesamt gibt es 18 davon. Da wird die Rechnung länger...

Wenn der Vorverstärker der Orgel abraucht, muss man für die Reparatur zwischen 100 und 300 Euro hinlegen.

Beim Check sollte man auch alle Vibrato- und Chorus-Effekte durchschalten, um zu sehen, ob sie richtig funktionieren. Gleiches gilt für die Percussion mit all ihren Einstellmöglichkeiten. Grundsätzlich gilt: Langsam und systematisch alle Funktionen der Orgel ausprobieren. Es kann sein, dass einige Röhren ersetzt werden müssen, es sei denn, der Verkäufer hat einen Nachweis, dass dies schon geschehen ist. Ein Austausch der Röhren kostet ca. 60 bis 100 Euro. Welche Hammonds sind nun besser, die neueren oder die älteren? Generell lässt sich dies nicht beantworten, da jeder Orgel ihre eigene Geschichte und Charakteristik hat. Die Kalibrierung des Generators ist dabei wichtiger als alles andere. Und die ist bei neueren Modellen entgegen landläufiger Meinungen oft besser gelungen als bei den älteren.
 

Der Tone-Wheel-Generator

Der Tone-Wheel-Generator gilt technisch als sehr ausgereift. Trotzdem: wo immer Technik drehende Teile hat, wird eine Flüssigkeit benötigt, damit alles läuft "wie geschmiert".

Alan Young, der als Techniker bei Hammond arbeitete, berichtete folgendes: "Bevor ich zu Hammond kam, wurde jede Orgel mit einem Kännchen Öl in der Sitzbank ausgeliefert. Dazu gab es die Anweisung, die Orgel alle drei bis vier Monate zu ölen. Ich wette, man würde das Öl aus der Orgel tropfen sehen, wenn man sich daran halten würde: das Öl wurde einfach nicht aufgebraucht. Auf meinen Vorschlag hin wurde das Ölungsintervall auf einmal pro Jahr verlängert."

Zudem fungieren die Behälter über dem Generator nur als Trichter, also bitte nicht voll machen!!! Auch der Motor links braucht von Zeit zu Zeit etwas Öl. Dabei sollte nur Original Hammond-Generator-Öl benutzt werden, das man im Fachhandel in kleinen Tuben für unter 4 Euro bekommt. Leider geht diese kleine Öltube schnell verloren, daher bietet es sich an, ein paar Gummis im Inneren der Orgel anzutackern und die Tube darin zu befestigen. Öffnet man nun die Orgel, um sie zu Ölen, hat man das Öl immer sofort zur Hand. In der Bank sollte sich der Ölnachweis befinden, ein Chart, auf dem die Daten der Ölungen vermerkt sind.

Was nun, wenn die Orgel für lange Zeit nicht geölt worden ist? Altes Öl kann sehr wachsartig werden, was Einfluss auf die Funktion der Orgel haben kann. So kann es sein, dass sich eine Orgel nicht mehr starten lässt, unregelmäßig oder nach unten verstimmt spielt. Wenn die Orgel startet, kann sie noch eine Weile gut laufen, fängt dann aber aufgrund der trockenen Träger an zu heulen. Falls das geschieht, sollte man die Orgel unverzüglich ausschalten und Öl nachfüllen, weil die Träger sonst nach ganz kurzer Zeit den Geist aufgeben. Auch nach der Ölung kann es bis zu zehn Tagen dauern, bis das Öl an alle wichtigen Stellen gelang ist. Hat man nicht soviel Zeit oder sollte das Problem auch dann noch auftreten, so kann man den gesamten Generator ausbauen und ihn direkt ölen, was aber auch mit rund 250 Euro ins Budget schlägt. Wenn ein Generator irreparabel beschädigt ist, muss er ausgetauscht werden. Gebrauchte Generator sind für 400 bis 800 Euro zu haben. Als man sie noch bei der Fabrik beziehen konnte, kosteten sie neu um die 2000 Euro. Meist lassen sich die recht robusten Generatoren jedoch wieder in gang setzen.

 

B-3 und Transportabilität - geht das?

Damit eines klar ist: man muss sich in jedem Fall mit dem Gewicht der Teile auseinandersetzen, insbesondere dem Tone-Wheel-Generator. Dennoch lassen sich umgebaute Hammonds um vieles leichter transportieren als die Originalgehäuse. Die Umbauten machen die Orgel nicht nur leichter sondern auch kleiner. Damit sind sie leichter und billiger zu transportieren und passen nicht nur durch jede Flugzeugtür, sondern auch in den Kofferraum einiger Kombis mit umgeklappter Rückbank. Oft werden beim Umbau auch speziell für den Live-Auftritt benötigte Features mitinstalliert, zum Beispiel ein Line-Ausgang oder der Leslie-Kontrollschalter innerhalb der Spielkonsole. Ein Umbau kostet inklusive des neuen Gehäuses aber ohne die zusätzlich benötigten Teile und Materialien um die 2.500 Euro.

Seit 1988 befindet sich der Name Hammond im Besitz der japanischen Firma Suzuki. In den USA firmiert die Gesellschaft unter dem Titel "Hammond Suzuki Instruments Manufacturing Inc. USA". Kaum zu glauben: aber Suzuki kaufte den Namen zu dieser Zeit, obwohl die ursprüngliche Hammond Company bereits zwei Jahre zuvor gestorben war.

Als Hammond 1986 den Geschäftsbetrieb einstellte, hatte die Firma noch Garantie-Verpflichtungen, weil der "Verkauf der Firma" nur den Namen beinhaltete. Dadurch wurde das Inventar erhalten, doch das Hauptziel war, die Garantie-Verpflichtungen zu erfüllen. Als dies geschehen war, wurde jedoch noch eine Zeit lang weiter mit Ersatzteilen gehandelt. Neue Orgeln aus diesen Teilen zu bauen war allerdings nicht möglich, da es sich meist nur um Service- und Verschleißteile wie Tasten, Kontakte, Röhren usw. handelte. Natürlich gibt es noch das benötigte Öl sowie alle Bedienungsanleitungen. Leider geht der Trend aber wohl dahin, dass die einzige Möglichkeit, Ersatzteile zu bekommen in Zukunft darin bestehen wird, andere Hammonds "auszuschlachten" und diese Teile zu verbauen.
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden