Kassettenrekorder zum Abspielen und Aufnehmen

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Mit diesen Kassettenspielern können Sie Kassetten nicht nur abspielen, sondern auch aufnehmen

Vor dem Beginn der digitalen Revolution, der Erfindung der CD und des MP3-Formats, war die Kassette zusammen mit der Schallplatte das am weitesten verbreitete Medium zur Speicherung und Wiedergabe von Musik. Als großen Vorteil brachte die Kassette mit sich, dass mit einem Kassettenrekorder Kopien von anderen Kassetten aufgenommen und Radiosendungen mitgeschnitten werden konnten.

Der folgende Ratgeber informiert Sie über das Medium Kassette, erklärt die Vor- und Nachteile und beschreibt die unterschiedlichen Kassettenspieler und Ausstattungsmerkmale.

Die Kassette – Compact Cassette

Die Kassette (Compact Cassette) ist ein kompaktes und mobiles Tonband, welches zur einfachen Handhabung von einem Gehäuse, meist aus Kunststoff, umgeben ist. Das Tonband ist ein elektromagnetischer Träger, auf dem Audio-Signale analog aufgezeichnet oder von diesem wiedergegeben werden. Die Aufnahme und das Abspielen einer Kassette erfolgen mithilfe eines Kassettenspielers (Kassettenrekorder).

Das niederländische Unternehmen Philips hat die Kassette im Jahr 1963 auf den Markt eingeführt. Für die folgenden 30 Jahre erfreute sie sich einer sehr großen Beliebtheit und Verbreitung. Neben der Schallplatte und später der Compact Disc (CD) war die Kassette von Beginn der 1970er-Jahre bis zum Ende der 1990er-Jahre das meistgenutzte Audio-Medium. Im Jahr 1967 wurde der Stereo-Ton eingeführt. Inzwischen hat die Kassette in Deutschland und anderen Industrienationen an Bedeutung verloren, aufgrund der einfachen und robusten Technik ist sie in Entwicklungs- und Schwellenländern jedoch weiterhin weit verbreitet.

Das Gehäuse einer Kassette besteht in der Regel aus Kunststoff, manchmal auch aus Keramik, Messing, GFK oder Aluminium. Das Magnetband besteht aus beschichtetem Kunststoff und wird über eine Öffnung an der Kassette zum Tonkopf des Kassettenspielers geführt. Wie die Schallplatte hat die Kassette eine Vorder- und Rückseite (Seite A und B).

Ursprünglich war die Compact Cassette lediglich für den Einsatz in Diktiergeräten gedacht, wurde dann jedoch schnell ebenso als Speichermedium für Musik verwendet.

Das Mix-Tape

Besonders die Möglichkeit, mithilfe der Kassette auf einfache und günstige Art und Weise die Lieblingslieder aus dem Radio aufzunehmen, war bei der Jugend äußerst beliebt und trug zum Siegeszug bei. So kamen die ersten Kombigeräte auf den Markt, in denen ein Radio mit Kassettendeck verbaut war (Radiorekorder), zuerst in Mono, später dann in Stereo.

Speicherung von Mono- und Stereo-Aufnahmen

Wird auf einer Kassette eine Mono-Aufnahme gespeichert, enthält das Tonband zwei Tonspuren, eine pro Richtung. Ein Band, das mit einer Stereo-Aufnahme bespielt ist, enthält vier – schmalere – Tonspuren. Pro Laufrichtung sind zwei Tonspuren gespeichert.

Der Tonkopf eines Kassettenspielers ist so eingestellt, dass dieser lediglich die unterste Tonspur (Mono) bzw. die untersten beiden Tonspuren (Stereo) abtastet. Wird eine Mono-Kassette in einem Stereo-Kassettenspieler verwendet, wird dasselbe Signal von beiden Tonabnehmern abgetastet. Ein Mono-Tonkopf hingegen erfasst die Summe der beiden Stereo-Spuren. Wird die Kassette umgedreht, wird wieder die untere Hälfte des Tonbands abgetastet.

Bezeichnung der Kassette

Aus der maximalen Spielzeit in Minuten der beiden Seiten einer Kassette ergibt sich deren Bezeichnung. Die verbreitetsten Formate sind C60 (pro Seite 30 Minuten Spielzeit), C90 (pro Seite 45 min) und C120 (pro Seite 60 min). Weitere Leerkassetten mit einer Spielzeit von bis zu 240 Minuten sind erhältlich, jedoch sehr selten. Je länger die Spieldauer, desto dünner ist das Tonband. Dadurch ist es anfälliger für eine Selbstentmagnetisierung und eine Zugbelastung.

Kassette vor Überspielen schützen

Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, die Kassette gegen das Überspielen der darauf gespeicherten Aufzeichnung, also ein Löschen, zu schützen. An der linken Seite der Oberkante der Kassette befindet sich eine offene Aussparung, die anzeigt, dass die betreffende Seite der Kassette nicht überspielbar ist. Neue leere Kassetten sind mit einer Kunststofflippe an dieser Stelle ausgestattet. Wird diese Kunststofflippe herausgebrochen, ist der Schutz aktiviert. Ein Kassettenrekorder überprüft mithilfe eines Sensors diese Aussparung. Um eine entsprechend präparierte Kassette dennoch zu überspielen, wird die Aussparung überklebt.

Die Audio-Qualität der Kassette

Die Klangqualität der Compact Cassette wurde mit dem technischen Fortschritt immer weiter verbessert. Wichtig war die Dolby-B-Rauschunterdrückung im Jahr 1968, wodurch das Bandrauschen minimiert wurde.

Kassettenspieler & Kassettenrekorder

Reine Kassettenspieler und Kassettenrekorder sind in einer Vielzahl unterschiedlicher Arten und Kombinationen erhältlich.

Tragbares Einzelgerät

Die einfachste Variante ist ein Gerät, das meist tragbar ist und mit Batterien betrieben werden kann. Es ist mit Kassettendeck, Lautsprecher und eingebautem Mikrofon ausgestattet. Ein solcher Kassettenrekorder mit Mikrofon wird heute hauptsächlich als Kinderspielzeug verkauft.

Als Diktiergerät

Mit zusätzlichen Funktionen und einem Mikrofon ausgestattet wurden entsprechende Diktiergeräte verkauft.

Radiorekorder mit integriertem Radioempfänger

Der tragbare Radiorekorder mit Wiedergabe- und Aufnahmefunktion ist die Weiterentwicklung der tragbaren Kofferradios. Häufig sind ein Mikrofon und ein zweites Kassettenteil integriert. Mitte der 1980er-Jahre kam das CD-Laufwerk hinzu. Heute sind diese Geräte noch immer erhältlich, dann meist mit USB-Anschluss (für MP3-Player) und Steckplatz für eine SD-Speicherkarte, jedoch in der Regel ohne Kassettendeck. Große Radiorekorder mit leistungsstarken Lautsprechern werden Ghettoblaster oder Boombox genannt. Sind zwei Kassettenrekorder verbaut, ist das Anfertigen einer Kopie von einer Kassette problemlos möglich.

Kassettendeck mit Radiowecker (meist ohne Aufnahmefunktion)

In vielen Haushalten ist ein Radiowecker mit Kassettendeck zu finden. Solch ein Gerät steht häufig in der Küche oder auch im Schlafzimmer.

Kassettendeck ohne eigenen Verstärker

Egal ob Micro-, Mini- oder Midi-Stereo-Kompaktanlage – das Kassettendeck war lange Zeit immer integriert. Ein Hi-Fi-Turm wurde von seinem Besitzer immer mit einem Tape-Deck ausgestattet. Damit ist die Aufnahme von Schallplatten, später CDs und Radiosendungen möglich, wenn der Hi-Fi-Turm mit entsprechenden Komponenten ausgestattet ist. Das Hi-Fi-Kassettendeck ist mit ein oder zwei Kassettenrekordern ausgestattet. Sind zwei verbaut, ist mit einem der beiden die Aufnahme möglich, sodass von einer Kassette eine Kopie angefertigt werden kann.

Der Walkman

Der Walkman ist ein kleiner, kompakter, leichter und mobiler Kassettenspieler. Hauptsächlich handelt es sich dabei nur um ein Abspielgerät, Aufnahmen sind nicht möglich. Teilweise ist zusätzlich ein Radioempfänger integriert. Der Walkman verfügt über keinen integrierten Lautsprecher und wird ausschließlich zusammen mit Kopfhörern verwendet. Die Dolby-Rauschunterdrückung und Auto-Reverse Funktion ist in guten Walkmans integriert.

Weitere Ausstattungsmerkmale eines Kassettenspielers

Um den Komfort bei der Bedienung eines Kassettenspielers zu erhöhen, wurden einige weitere Funktionen integriert. Tasten für Wiedergabe, Aufnahme, Stopp, Pause, Rücklauf und Vorlauf der Kassette gehören zum Standard-Umfang eines Kassettenspielers. Kassettenrekorder sind zusätzlich mit einer Aufnahme-Taste ausgestattet. Eine Auswurftaste ist ebenfalls stets vorhanden, über die das Kassettenfach geöffnet wird.

Auto-Reverse

Normalerweise muss die Kassette aus dem Kassettenspieler herausgenommen, umgedreht und wieder hineingesteckt werden, um beide Seiten abzuspielen. Da dies umständlich und lästig ist, wurde der Funktionsumfang der Kassettenspieler im Laufe der Zeit erweitert. Gute Kassettenspieler sind mit einem breiten Tonkopf ausgestattet, der beide Hälften des Tonbands abtastet. Beide Laufrichtungen sind auf diese Weise abspielbar, ohne dass die Kassette umgedreht werden muss. Die Funktion wird Auto-Reverse genannt. Ist das Ende des Tonbands erreicht, wird die Laufrichtung automatisch umgeschaltet.

Die Funktion ist bei reinen Abspielgeräten meist mithilfe eines starren Vierspurkopfes oder eines seitlich verschiebbaren Zweispurkopfes realisiert. Ein Kassettenrekorder hingegen ist mit einer Ton- und Löschkopf-Kombination ausgestattet, die um 180° gedreht wird.

Automatischer Suchlauf

Hochwertige Kassettenspieler sind in der Lage, automatisch zum vorherigen oder nächsten Lied zu spulen. Damit die Technik funktioniert, ist eine Pause zwischen den Liedern vonnöten.

Stillaufnahme

Radiorekorder, die den automatischen Suchlauf unterstützten, fügen während der Aufnahme automatisch eine Pause in die Aufnahme ein (REC MUTE).

Bandzählwerk

Häufig ist in Kassettenspielern ein Bandzählwerk integriert. Einfache Geräte verfügen über ein mechanisches Zählwerk, aufwendigere Geräte zeigen die Information digital an. Teilweise wird die verstrichene Zeit sogar in Minuten und Sekunden angezeigt.

Die Kassette heute

Die CD und die Möglichkeit, Musik mithilfe des MP3-Formats auf einem Speichermedium digital zu speichern, haben dazu geführt, dass die Kassette heute in den Industrieländern weitgehend verdrängt ist. In vielen Ländern in Südasien und Afrika werden jedoch auch heute noch viele Musikaufnahmen auf einer Kassette veröffentlicht. Diese ist verglichen mit der CD robuster, und die Reparatur eines Kassettenrekorders ist ohne Spezialelektronik möglich. Die Kassette ist gegenüber der Schallplatte und der CD wesentlich unempfindlicher gegen Staub und Hitze. Seit dem Jahr 2010 werden in Deutschland keine neuen Kassetten mehr hergestellt.

Nachteile der Kassette

Ein Nachteil der Kassette ist die Gefahr, dass es Bandsalat geben kann. Die Qualität der Aufnahme nimmt automatisch aufgrund der Entmagnetisierung über die Jahre ab. Das Vor- und Zurückspulen zum gewünschten Lied ist lästig, wobei hochwertige Geräte automatisch spulen. Auf einer Compact Disc werden die Audio-Daten digital gespeichert, die Qualität der Aufnahme übertrifft die der Kassette.

Fazit

Die Kassette war für viele Jahre das beliebteste Audio-Medium und wurde erst von digitalen Alternativen verdrängt. Sie zeichnet sich aus durch Robustheit und einfache Handhabung. Vor allem die Möglichkeit, selbst Aufnahmen ohne viel Aufwand anzufertigen, verhalf der Kassette zu ihrem Erfolg. „Home Taping is Killing Music" war eine Kampagne der britischen Musikindustrie gegen die zu Hause erstellten Aufnahmen (Mix Tapes).

Radiorekorder erfreuten sich sehr großer Beliebtheit und waren in fast jedem Jugendzimmer zu finden. Die im Radio gespielten Lieblingslieder konnten auf diese Weise erstmals privat aufgenommen werden. Um Kopien von Kassetten anzufertigen, wurden Geräte mit zwei Kassettendecks verwendet. Heute ist noch ein kleiner Markt für Kassettenspieler für kleine Kinder vorhanden. Hörspielkassetten wie Bibi Blocksberg erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Diese Geräte sind in den meisten Fällen mit Mikrofon ausgestattet, sodass die Kinder die Umgebung aufnehmen können. In vielen asiatischen und afrikanischen Entwicklungsländern ist die robuste Kassette auch heute noch ein beliebtes Medium. Für die Reparatur eines Kassettenspielers ist keine Hightech-Elektronik notwendig.

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