Kann ich beim Umtopfen meiner Bonsais normale Gartenerde benutzen?

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Kann ich beim Umtopfen meiner Bonsais normale Gartenerde benutzen?

Einen Bonsai artgerecht zu halten, bedeutet fast so viel Aufwand, als würde man sich ein Haustier halten – dies behaupten zumindest einige Fachleute. Ein Grund dafür dürfte die sehr geringe Erdmenge sein, die den kleinen Bäumen in ihren Schalen zur Verfügung steht. Damit sie trotzdem gesund wachsen und genügend Wurzeln ausbilden können, benötigen Sie spezielle Erde. Welche Erde für Bonsais passend ist, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Was ist ein Bonsai?

Bonsai ist ein japanisches Wort, das in etwa „Anpflanzung in der Schale" bedeutet. Die fernöstliche Gartenkunst dreht sich um Bäume und Sträucher im Miniatur-Format, die in kleinen Gefäßen gezogen werden. So wird gewährleistet, dass ihr Wuchs nur begrenzt ist.

Nach chinesischem Verständnis geht es beim Bonsai darum, eine Harmonie zwischen den Naturelementen, der belebten Natur und dem Menschen darzustellen – und das alles im Miniatur-Format. Der Baum steht dabei für die Natur, Wasser und Werg, die meist durch einen Stein und feinen Kies dargestellt werden, sind die Naturkräfte. Die Schale steht als Symbol für den Menschen, der das Werk formt. Wenn alle drei Aspekte im Einklang sind, entsteht ein gelungener Bonsai.

Damit der Bonsai sich entwickeln kann, benötigt er Pflege. Durch Form- und Wurzelschnitte wird er klein gehalten.

Was ist ein „Kaufhaus-Bonsai"?

Wenn Sie in einem Kaufhaus oder im Baumarkt einen Bonsai erwerben, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen „Kaufhaus-Bonsai". In der Regel sind diese sehr günstig und werden manchmal sogar aus Baumschulbäumen zurechtgeschnitten. Da die Drahtung manchmal nicht oft genug nachgeführt wird, haben die Stämme Narben oder die Drähte sind in Extremfällen eingewachsen. Auch stilistische Aspekte werden bei diesen Bäumen häufig nicht beachtet.

Bonsais müssen regelmäßig umgetopft werden

Da die Bäume in kleinen Schalen aufgezogen werden, steht ihnen auch nur eine begrenzte Menge Erde zur Verfügung. Durch das stetige Gießen wird die Erde mit der Zeit ausgeschwemmt. Chlor, Salz und Düngerückstände bleiben in der Erde zurück und führen dazu, dass sie verklumpt. Diese Verklumpung tut den Pflanzen nicht gut, denn die Erde kann das Wasser nicht mehr speichern und auch die Luft zirkuliert nicht mehr ausreichend. Daher sollten Bonsais nach circa zwei bis drei Jahren umgetopft werden.

Wenn die Wurzeln des Baumes schon aus der Erde herausragen, ist es höchste Zeit, den Bonsai umzutopfen.

Normale Blumenerde ist schlecht für Bonsais

Wie bereits erwähnt, steht Ihrem Bonsai nur eine begrenzte Menge Erde zur Verfügung. Diese muss Wasser gut aufnehmen können und auch einen gewissen Luftaustausch ermöglichen. Nährstoffe müssen in der Erde gespeichert und bei Bedarf an den Bonsai abgegeben werden können.

Bonsaierde erfüllt diese Bedingungen. Sie besteht aus drei Hauptsubstanzen: Lehm, Sand und Torf. Diese müssen richtig gemischt werden, damit Sie ein perfektes Substrat für den Bonsai erhalten.

Standardmischungen für Bonsais

Die Standardmischung für den Bonsai besteht aus vier Teilen Lehm, vier Teilen Torf und zwei Teilen Sand. Bei dem Sand handelt es sich um speziellen Gärtnersand. Viele Bonsai-Züchter mischen die Erde selbst. Diese Standardmischung ist für fast alle Pflanzen geeignet.

Allerdings muss auch der pH-Wert stimmen, den Sie mit der Hilfe von Teststäbchen ermitteln können. Der Wert sollte zwischen 6 und 6,5 liegen.

Den Wert können Sie selbst ermitteln, indem Sie ein Teil Erde mit zwei Teilen destilliertem Wasser mischen und anschließend das Teststäbchen in die Mischung tauchen.

Erde beim Fachhändler kaufen: Akadama

Natürlich müssen Sie die Erde nicht selbst mischen, sondern können auch auf bereits fertige Produkte von Fachhändlern zurückgreifen. Ein Substrat, das häufig verwendet wird, ist Akadama. Das japanische Substrat wird aus gebranntem Lehm hergestellt. Es ist ein rein mineralisches Granulat ohne organische Bestandteile. Akadamaerde ist porös und kann daher gut Wasser speichern. Durch die grobe Körnung ermöglicht es eine hohe Luftzirkulation. Wenn Sie Ihren Bonsai in Akadamaerde pflanzen, sollten Sie nur organische Dünger verwenden.

Für Kiefern und Wacholder: Kiryu-Substrat

Kiryu-Erde ist besonders für Kiefern und Wacholder geeignet. Es ist ein kiesiges Granulat aus Japan, das Sie bei eBay kaufen können.

Die japanische Bonsaierde Kanuma

Ein weiteres Substrat ist Kanuma. Moorbeet-Pflanzen, Azaleen und andere Rhododendron-Gewächse fühlen sich in ihr wohl. Sie ist sehr sauer und hat daher einen niedrigen pH-Wert um 4,5 bis 5,0.

Keto für Felsenpflanzungen

Ebenfalls eine spezielle Bonsaierde ist Keto. Der japanische Schwarztorf klebt besonders gut und eignet sich für Felsenpflanzungen. Er kann pur verwendet oder mit anderen Substraten gemischt werden.

Seramis ist Gift für die Mini-Bäume

Einige Bonsai-Neulinge mischen unter die Erde Seramis. Meist geschieht dies, weil Sie mit dem Produkt bei anderen Pflanzen wie zum Beispiel Orchideen erstaunliche Ergebnisse erzielen konnten. Doch Bonsais mögen Seramis nicht. Die Steinchen sind zu grob und durch die Verwendung können Hohlräume unter den Wurzeln der Bonsais entstehen. So geht in einer kleinen Schale viel Wurzelraum verloren.

Wie topfe ich einen Bonsai um?

Als ersten Schritt lösen Sie den Bonsai aus der Schale. Sollte sich dies schwierig gestalten, verwenden Sie scharfe und spitze Messer. Dann lösen Sie die alte Bonsaierde mit einer Wurzelkralle, speziellem Bonsai-Werkzeug, vom Ballen.

Anschließend kürzen Sie die Wurzeln um etwa 1/3 mit einer scharfen Schere. Dabei sollten Sie auf den Zustand der Wurzeln achten. Sind sie weiß und fest, ist der Bonsai gesund. Abgestorbene oder dunkle Wurzeln sollten Sie vorsichtig abtrennen.

Die Schale vorbereiten

Dann kümmern Sie sich um die Schale, die Sie gut reinigen. Auf das Wasserloch legen Sie ein Bonsainetz oder ein Kunststoffgitter. Dieses befestigen Sie mit einem Draht und ziehen danach die Drähte ein, die den Bonsai später halten.

Anschließend füllen Sie eine ca. ein Zentimeter dicke Schicht Kieselsteine ein. Diese sorgt später dafür, dass das Gießwasser nicht zu schnell ablaufen kann. Auf die Kieselsteine kommt die für Ihren Baum passende Bonsaierde. Den Bonsai platzieren Sie wie gewünscht und verteilen seine Wurzeln gleichmäßig in der Erde. Dann befestigen Sie den Baum mit den Drähten und füllen die Schale mit Erde auf. Lassen Sie einen kleinen Rand, damit Sie den Bonsai gießen können.

Moos verhindert Austrocknung

Haben Sie den Bonsai umgetopft, können Sie auf das Substrat eine Schicht Moos legen. Dieses reguliert die Luftzirkulation und sorgt dafür, dass die Erde nicht zu schnell austrocknet.

Wie der Bonsai richtig gegossen wird

Sie wissen nicht, wann Sie Ihren Bonsai gießen müssen? Machen Sie den Finger-Test. Fühlt sich das Substrat trocken und bröselig an, braucht der Baum Wasser. Auch helle Erde kann ein Zeichen für Trockenheit sein – und im Gegensatz dazu, dunkle Erde ein Zeichen für Feuchtigkeit. Das Wasser, das Sie verwenden, sollte möglichst kalkfrei sein, da sich Kalk schnell im Substrat ablagern kann und die Erde hart wird. Dann gelangen nur noch wenige Nährstoffe an die Wurzeln des Baumes.

Im Sommer benötigen einige Bonsais besonders viel Wasser. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Baum an einem Südfenster steht. Manche Exemplare müssen dann mehrmals täglich gegossen werden.

Im Winter benötigen die Bäume viel weniger Wasser und können schnell „übergossen" werden. Wenn sich einige Blätter braun färben, fangen die Wurzeln bereits an zu faulen und können keine Nährstoffe mehr aufnehmen.

Was tun bei Schimmelbildung?

Wenn bei Ihrem Bonsai Schimmel auf der Erde entsteht, müssen Sie nicht gleich in Panik verfallen. Solange es ein weißer Schimmelbelag ist, ist dieser nicht schädlich für die Pflanze und Sie können ihn einfach abbürsten – was nur eine Möglichkeit ist. Der weiße Schimmel kann sogar positiv für die Nährstoffaufschlüsselung im Boden sein.

Diese Art von Schimmel entsteht meistens, wenn ein Baum zu feucht gehalten wird oder an einem zu dunklen Platz steht. Auch ein hoher Torf-Anteil in der Erde kann ein Grund sein. Sobald Sie Ihren Bonsai an einen luftigeren und helleren Platz stellen, sollte der weiße Schimmel von selbst verschwinden. Ist dies nicht der Fall, säubern Sie alle Blätter und Äste, auf denen sich Schimmel gebildet hat. Vergessen Sie die Bodenoberfläche nicht.

Chinosol löst nicht die Ursachen des Schimmels

Einige Bonsai-Besitzer schwören bei Schimmel auf die Verwendung von Chinosol. Das Produkt gibt es in Tablettenform. Eine 0,5-Gramm-Tablette sollte in circa 500 Millilitern Wasser aufgelöst werden. Füllen Sie die Mischung in eine Sprühflasche und besprühen Sie den Boden ein wenig. Die Behandlung wiederholen Sie alle zwei Tage eine Woche lang. Danach sollte der Schimmel verschwunden sein.

Chinosol ist zwar eine Möglichkeit, doch durch die Behandlung mit dem Mittel wird die Ursache des Problems nicht beseitigt. Daher ist es sinnvoll, zunächst die Bedingungen für die Pflanze zu verändern, indem Sie diese an einen luftigeren Platz stellen, wo sie mehr Sonnenlicht bekommt.

Ursachen für einseitiges Wachstum

Ein anderes Problem, mit dem viele Bonsai-Freunde kämpfen, ist das einseitige Wachstum ihrer Schützlinge. Meistens ist dieses auf Lichtmangel zurückzuführen. Stellen Sie daher den Bonsai an einen sonnigeren Platz und achten Sie darauf, dass die Erde nicht zu feucht ist.

Schädlinge und Krankheiten schnell behandeln

Bonsais sind Bäume im Miniaturformat. Wenn Sie von Schädlingen befallen werden oder krank sind, ist schnelles Handeln wichtig. Denn aufgrund ihrer Größe fallen Blatt- oder Astverluste besonders ins Gewicht und können das harmonische Erscheinungsbild stören.

Fazit

Die Pflege eines Bonsais ist am Anfang relativ schwierig. Doch im Laufe der Zeit werden Sie ein Gefühl für die Bäume entwickeln und in ihren Bann gezogen werden. Die kleinen Gewächse sind ästhetisch besonders wertvoll und begeistern nicht nur Bonsai-Experten.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden