Kann ich Kassetten auch auf meinem iPod oder MP3-Player abspielen?

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Kann ich Kassetten auch auf meinem iPod oder MP3-Player abspielen?

Die Geschichte der Kassette

Als die niederländische Firma Philips 1963 die Compact Cassette vorstellte, ahnten vermutlich nicht einmal die Entwickler selbst, welch weite und nachhaltige Verbreitung sie erfahren würde. In Deutschland wurde sie meist einfach als Musikkassette oder schlicht Kassette bezeichnet. Zunächst wurde das System nur für Diktiergeräte konzipiert. Das Ziel war eine einfache Handhabung des Magnetbandes, das mit kleinen, teilweise tragbaren Geräten bespielt und angehört werden konnte.

Durch Verbesserungen des Bandmaterials und nicht zuletzt durch die Einführung des Dolby-Rauschunterdrückungssystems gewann die Audioqualität in den Folgejahren erheblich. Das qualifizierte die Musikkassette als wiederbespielbares Speichermedium auch in hochwertigen Hi-Fi-Anlagen. Die Möglichkeit, auf einfachste Weise Musik mitzuschneiden und zu kopieren, löste einen Aufschrei der Musikindustrie aus, der in dem Slogan „Home Taping is Killing Music" seinen Ausdruck fand. Der Appell an die Nutzer von Kassettenrecordern verpuffte allerdings nahezu wirkungslos. Besonders junge Menschen waren begeistert von der Möglichkeit, ihre Lieblingsmusik jederzeit und überall hören zu können und nutzten sie ausgiebig.

Die Konkurrenz durch selbst bespielte Kassetten brachte der Industrie zwar Umsatzeinbußen, allerdings wurde die Musikkassette auch zum zusätzlichen Medium bei der kommerziellen Verbreitung von Musik. So wurden die meisten Musikproduktionen, die auf Schallplatte und später auf CD erschienen, parallel auch auf Kassette angeboten. Bis zur Einführung digitaler Abspielgeräte war die Musikkassette das einzige Medium, mit dem man im Auto und überall sonst Musik hören konnte. War man vorher auf Plattenspieler bzw. schwere und unhandliche Spulentonbandgeräte angewiesen, so ermöglichten die einfache Handhabung und das geringe Volumen der Kassettenplayer – insbesondere der 1997 erschienene Sony Walkman - erst die Allgegenwart von Musik.
 

Wie funktioniert eine Musikkassette?

Das Trägermedium der Information ist ein Tonband aus Kunststoff mit einer magnetisierbaren Schicht aus Ferrit, bei späteren Versionen aus Chromdioxid. Das Band ist 3,81 mm breit und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 4,8 cm/s am Tonkopf bzw. am Aufnahmekopf vorbei. Das Besondere an der Compact Cassette ist, dass – anders als bei herkömmlichen Spulentonbandgeräten – die Spulen und das Tonband fest in einer handlichen Hülle aus Plastik eingebaut sind. Diese Hülle hat die Maße 4 x 2,5 x 0,5 Zoll und passt somit in jede Tasche. An der Vorderseite befindet sich eine Öffnung, die den Zugang zum Tonband ermöglicht. Hier ist das Band auf einer gepolsterten Feder gelagert, die einen flexiblen Widerstand zum Tonkopf bietet, wenn die Kassette in das Abspielgerät eingelegt wird.

Das Band enthält zwei Spuren, die gegenläufig angeordnet sind. Beim Abspielen bzw. Aufnehmen wird jeweils die untere Hälfte des Bandes gelesen. Nach der Hälfte der Spielzeit muss die Laufrichtung gewechselt werden. Das geschieht entweder durch einfaches Umdrehen und erneutes Einlegen der Kassette oder – bei Auto-Reverse-Geräten – durch tatsächliche Änderung der Laufrichtung. Bei Stereo-Aufnahmen ist die Spur nochmals geteilt und wird von zwei separaten Tonköpfen für den linken bzw. rechten Kanal ausgelesen. Der Grad der Magnetisierung des vorbeilaufenden Bandes wird vom Tonkopf erkannt und in ein elektrisches Signal umgesetzt, das nun verstärkt und zum Lautsprecher bzw. Kopfhörer weitergeleitet werden kann. Die Speicherung des Audiosignals geschieht analog, das bedeutet, dass für eine fehlerfreie Wiedergabe eine sehr gleichmäßige Geschwindigkeit des Bandes nötig ist. Diese wird durch Andruckrollen erreicht, die das Band am Tonkopf entlang ziehen. Durch eine permanente flexible Zugkraft wird das Band anschließend von der zweiten Spule eingezogen und aufgewickelt.

Wenn das Ende des Bandes in einer Laufrichtung erreicht ist, erfolgt automatisch die Abschaltung oder – bei der Auto-Reverse-Funktion - die Umschaltung der Laufrichtung. An der Rückseite der Kassette befinden sich zwei Aussparungen, die bei Leermedien durch eine herausbrechbare Plastikzunge abgedeckt sind. Diese Zunge wird von einem mechanischen Sensor im Aufnahmegerät erkannt, der dafür sorgt, dass die Aufnahmefunktion aktiviert werden kann. Durch Herausbrechen der Plastikzungen kann ein Schreibschutz der Kassette erreicht werden.

Mp3-Player – die nächste Generation

Etwa um das Jahr 2000 wurde die gute alte Musikkassette von etwas abgelöst, das grundsätzlich anders war: dem Mp3-Player. Ganz ohne mechanisch bewegte Teile werden dabei digitale Daten gespeichert und ausgelesen. Je nach Speicherkapazität können auf einem Gerät mehrere Tausend Musiktitel untergebracht werden. Das Volumen des Players ist dabei geringer als das einer einzigen Musikkassette von 90 min. Spieldauer. Auf den ersten Blick hat sich gegenüber den 80er Jahren nichts geändert: Menschen mit Ohrhörern  hören unterwegs ihre Lieblingsmusik. Der Unterschied liegt in der noch einmal wesentlich einfacheren Bedienung der Geräte, in ihrer Unempfindlichkeit gegen Erschütterungen und der Möglichkeit, eine ganze Musikbibliothek in der Hosentasche herumzutragen.


Heute sind Mp3-Player selbstverständlich für uns. Sie sind kaum größer als ein Mantelknopf und man kann sie ständig bequem bei sich tragen, eventuell sogar am Schlüsselbund. Jedes aktuelle Smartphone hat ganz nebenbei einen Mp3-Player eingebaut. Dabei bieten die kleinen Geräte eine Klangqualität, die mit Kassetten, wenn überhaupt, dann nur in aufwendigen Heim-Anlagen zu erreichen ist. Neben dem wesentlich geringeren Volumen und Gewicht sind auch die Verwaltungs- und Suchfunktionen eines Mp3-Players denen eines Kassetten-Walkmans haushoch überlegen. Zurückspulen eines angehörten Albums ist nicht nötig. Mit – mehr oder weniger – komfortablen Suchfunktionen kann man Ordner scrollen und sich seine Lieblingstitel nach verschiedenen Kriterien in einer Playlist anzeigen lassen. Eine Shuffle-Funktion sorgt dafür, dass die Songs bei Bedarf in immer neuer, zufälliger Reihenfolge gespielt werden. Die einzelnen Ordner bieten eine übersichtliche hierarchische Struktur. Sie können jederzeit umbenannt, mit weiteren Titeln befüllt, kopiert oder gelöscht werden. Auch die Titel selbst können per Texteditor außer mit einem beliebigen Namen auch mit zusätzlichen Informationen versehen werden, die wiederum editierbar sind. Das sind Funktionen, von denen ein Walkman-Benutzer der 80er Jahre nicht einmal träumen konnte.

Mobile Musik gestern und heute

Die Verwaltung der Kassetten geschah allein dadurch, dass man sie mit einem selbstklebenden Etikett beschriftete. Die Spielzeit von mehreren Tausend Stunden Musik passt dank dem effizienten Komprimierungscode Mp3 auf einen 32-GB-Chip, der so groß wie eine Briefmarke und nur wenige Millimeter dick ist. Die gleiche Spielzeit auf Compact-Kassette hätte ein Volumen benötigt, das nur mit zwei großen Reisekoffern zu bewegen gewesen wäre. Mp3, der Code, der mithilft, diese grandiose Volumenverringerung zu erreichen, wurde in den 80er Jahren am deutschen Fraunhofer-Institut entwickelt.

Unter der Leitung von Hans-Georg Musmann arbeitete dort eine Gruppe von Forschern auf dem Gebiet der Psychoakustik. Das ist die Lehre von der subjektiven Wahrnehmung von Schallereignissen durch den Menschen. Das menschliche Ohr nimmt viele Anteile eines Geräusches wahr, die jedoch vom Gehirn nicht identifiziert werden können, etwa weil sie von lauteren Geräuschen überdeckt werden. Andererseits ist das Gehirn geneigt, fehlende Frequenzen zu ergänzen. Die Forscher untersuchten diese Mechanismen im Detail und machten sie sich zunutze. Der MP3-Codec fasst all diese Erkenntnisse in einem Algorithmus zusammen. Dieser Algorithmus gestattet es, die Größe einer Audiodatei um einen Faktor 20 zu reduzieren. Bei einer Audioqualität, die kaum noch vom unkomprimierten Original zu unterscheiden ist, ist immerhin noch eine Komprimierung auf ca. 10 % der Originaldatei möglich. Dabei können verschiedene Parameter für die Erstellung des MP3-Files eingestellt werden wie z. B. die maximale Datenrate bei der Übertragung. Für verschiedene Einsatzgebiete von Soundfiles gibt es dabei jeweils einen geeigneten Kompromiss zwischen Klangqualität und Dateigröße.

iPod & Co.

Im Jahr 2001 brachte Apple den ersten iPod auf den Markt. Digitale Abspielgeräte für Musik gab es zwar bereits vorher, aber sie fanden kaum Beachtung. Wie bei auch vielen anderen Technologien war es auch in diesem Falle die Firma Apple, die dem neuen Medium zum Durchbruch verhalf. Das typische iPod-Gesicht, das durch ein sogenanntes Click Wheel geprägt wurde, brachte allerdings erst der iPod Mini, der 2005 erschien. Hier war in einem genialen minimalistischen Design eine Idee konsequent umgesetzt worden: ein kleines, leichtes Gerät, das ohne jedes mechanisch bewegte Teil auskam.

Schon vor der Auslieferung in Amerika lagen 100.000 Bestellungen für den Mini-Player vor. Die dramatisch gestiegene Speicherkapazität von Flash-Speichern, aber auch die Möglichkeit, Soundfiles auf einen Bruchteil ihrer Größe zu komprimieren, trugen das ihre zum Erfolg bei. Apple verwendete dabei allerdings zunächst nicht das lizenzfreie und global verbreitete Format Mp3, sondern setzte auf das proprietäre AAC-Format. Der kleinste iPod wiegt gerade einmal 12,5 Gramm und kann mit einem Clip an der Kleidung befestigt werden.

Apple öffnete im Lauf der Entwicklung von mittlerweile 7 iPod-Generationen auch seine Schotten gegenüber anderen Plattformen. Die Geräte sind nun auch mit Windows kompatibel und unterstützen das Format Mp3. Inzwischen besitzen Modelle wie der iPod Touch berührungsempfindliche Displays. Sie sehen aus wie ein Smartphone und können auch Videos abspielen. Der Maßstab, den Apple mit diesen Geräten vorgegeben hatte, zwang auch andere Hersteller zu Innovationen. Heute gibt es von allen namhaften Herstellern wie auch von No-Name-Produzenten leistungsfähige MP3-Player. Apple ist allerdings auf diesem Sektor nach wie vor der Marktführer.

Wie bekomme ich die Kassette in den iPod?

Musikkassetten und MP3-Player sind nur sehr entfernte Verwandte. Sie benutzen grundsätzlich verschiedene Systeme der Speicherung: analog bzw. digital. Wenn Sie unwiederbringliche Aufnahmen auf Kassetten besitzen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als diese zu digitalisieren, um sie für kommende Jahre zu erhalten. Das könnte z. B. mit einem Kassettenabspielgerät und einem nachgeschalteten Analog-digital-Wandler geschehen. Die „Abwärtskompatibilität" ist jedoch in gewisser Weise möglich: Falls Sie Musik von Ihrem MP3-Player über einen Kassettenspieler hören möchten (das könnte z. B. bei einem älteren Autoradio sinnvoll sein), so ist das auf einfache und preiswerte Weise möglich: Ein sogenannter Kassettenadapter, der nur wenige Euro kostet, nimmt dabei über Kabel das Audiosignal von einem MP3-Player entgegen. Der Adapter wird in das Kassettenfach eingelegt und leitet nun das Audiosignal direkt an den Tonkopf des Kassettenspielers weiter. Man sieht: Die Verständigung zwischen verschiedenen Generationen ist auch in der Technik nicht einfach, aber möglich.

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