Kaffeebereiter für Kenner: die French Press

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Kaffeebereiter für Kenner: Wie Sie mit einer French Press das Beste aus der Bohne herausholen

„Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub." Dieser Satz stammt von Franz Kafka und räumt mit einem Vorurteil über Kaffee auf, das sich beständig bis in unsere heutige Zeit gehalten hat: der Kaffee entziehe dem Körper Flüssigkeit. Richtig ist hingegen das genaue Gegenteil. Zwar wirkt der Konsum von Kaffee kurzfristig harntreibend. Das Urteil vieler Gesundheitsexperten ist aber dennoch eindeutig: Kaffee führt dem Körper Flüssigkeit zu, allein durch die für die Zubereitung benötigte Wassermenge.

Dieser Ratgeber möchte sich dem Kaffee von einer anderen Seite nähern. Er beleuchtet das Kaffeetrinken und –zubereiten besonders von seiner genüsslichen Seite her. Dabei nimmt der Ratgeber eine spezielle Form des Kaffeezubereitens in den Blick: die sogenannte French Press.

Sie werden mit praktischen Tipps und Hinweisen zur Kaffeezubereitung versorgt. Der Ratgeber klärt auch, aus welchen Komponenten eine French Press besteht, woher diese „Pressstempelkanne" überhaupt kommt, welche Vor- und Nachteile sie gegenüber anderen Brühmethoden besitzt und wie es mit dem Geschmack des French Press-Kaffees aussieht.

Wo kommt die French Press her?

Die Geschichte des Kaffeetrinkens in Europa lässt sich einige Hundert Jahre zurückverfolgen. Damals war der Kaffee noch sehr teuer und selten. Genauso wie Tee wurde er von Adeligen und reichen Bürgern getrunken. Die belebende Wirkung des Kaffees hatte zur Folge, dass immer größere Mengen der kleinen Bohnen importiert wurden. Es entstanden Kaffeehäuser und schon bald konnten sich auch die „kleinen Leute" den Genuss von Kaffee leisten. Im 19. Jahrhundert war das Kaffeetrinken in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten.

Der Kaffee verwandelte sich somit von einem Luxusgut zum Genussmittel bzw. zu einem Lebensmittel des alltäglichen Bedarfs. Das merkte man im 19. Jahrhundert auch daran, dass die vielen Arbeiter, die in den wachsenden Städten in die Fabriken und Bergwerke strömten, Kaffee tranken. Das Getränk war damit auch ein wesentlicher Begleiter der Industrialisierung.

Die French Press wurde genau in dieser Zeit erfunden. Als Ursprungsland wird immer wieder Frankreich angegeben. Gesichert ist jedoch, dass der italienische Designer Attilio Calimani die Kanne 1929 patentieren ließ und ihren Mechanismus über die nächsten Jahre hinweg stetig verbesserte. Eine weitere Entwicklung, die für die heutige French Press einschneidend war, trägt sich 1974 zu. In diesem Jahr entwickelt das dänische Unternehmen Bodum seine erste French Press. Die Maschine mit dem Namen „Bistro" wurde international ausgezeichnet und gewann Preise für ihr Design und ihre Umweltfreundlichkeit. Bodum ist seitdem der bekannteste Markenhersteller für French Press.

Woraus besteht die French Press

Es gibt viele Namen für die French Press. Etwa Chambordkanne, Kaffeedrücker, Coffee Plunger oder Press Pot. Der unnachahmlich deutsche Begriff „Pressstempelkanne" beschreibt die Funktionsweise der French Press jedoch am besten. Außerdem gibt er die meisten Hinweise auf die verschiedenen Bestandteile der French Press. Da ist zunächst die Kanne, die normalerweise aus Glas gefertigt ist.

Dieser gläserne Brühzylinder wird von einer zumeist metallenen Halterung umschlossen. Die Halterung besitzt einen Griff, der die Handhabung der Kanne um einiges erleichtert, wenn sich heißer Kaffee darin befindet. Der letzte Bestandteil ist das stempelartige Metallsieb und der Deckel. Beide sind durch eine Metallachse miteinander verbunden.

Wie funktioniert das Kaffeebrühen

Der erste Schritt bei der Zubereitung besteht darin, gemahlenen Kaffee in die Kanne zu geben und mit heißem Wasser (95 Grad Celsius) zu übergießen. Dabei vermischt sich das Kaffeepulver mit dem Wasser und gibt sein Aroma – ohne einen dazwischen befindlichen Filter – ungehindert ab. Die Dauer dieses Vorgangs – zwischen drei uns sechs Minuten - sowie die Menge des verwendeten Kaffeepulvers entscheidet darüber, wie stark der Kaffee am Ende wird. Gewöhnlich kann man mit 55 Gramm Kaffee pro Literkanne rechnen bei einer mittleren Brühdauer von vier Minuten.

Ein zweiter Schritt besteht darin, den entstehenden Kaffee mit einem (nicht-metallischen) Löffel einmal umzurühren. Daraufhin kann man den Stempel mit dem integrierten Metallsieb auf den Kannenboden herunterdrücken. Dadurch befindet sich der Kaffeesatz getrennt von der Flüssigkeit am Boden der Kanne. Als Letztes muss nur noch der fertige Kaffee aus der Kanne in die Tasse gegossen werden. Dank des heruntergedrückten Stempels kann kein Kaffeesatz in die Tasse geraten.

Diese Brühmethode belässt also das Kaffeepulver über eine längere Zeit im direkten Kontakt zum Wasser. Die Filterwirkung entsteht dabei allerdings nicht nur alleine aufgrund des Filtersiebs. Auch größere Kaffeepulverpartikel tragen zum charakteristischen French Press-Kaffee-Geschmack bei. Diese Partikel lagern sich an dem Sieb an und verfeinern dadurch künstlich die Siebmaschen. Im Vergleich zu anderen Brühmethoden (etwa mithilfe eines Papierfilters) verbleiben hierdurch mehr kleinere Pulverpartikel im Kaffee. Dadurch wird der French Press-Kaffee aromatischer und gefühlt stärker.

Gibt es eine alternative Brühmethode?

Alternativ zur herkömmlichen Brühmethode, die oben beschrieben wurde, ist es auch möglich, das Kaffeepulver abzuschöpfen. Dazu gibt man das Kaffeepulver wie gewohnt in die Kanne, gießt heißes Wasser hinzu, rührt den Sud einmal um und lässt das Ganze vier Minuten lang ziehen. Jetzt drückt man jedoch nicht den Stempelfilter hinunter, sondern schöpft den Kaffeesatz mit einem Löffel ab.

Hierdurch ergeben sich einige Unterschiede zur herkömmlichen Methode. Der Geruch des Kaffees ändert sich nur schwach. Er ist weniger intensiv, was besonders Kaffeearten mit floralen Aromen zugutekommt. Die Kaffeesäure ist ebenfalls verändert. Der Kaffeekörper wird geringer und auch das Mundgefühl wird seidiger. Die Ursache hierfür liegt in der geringeren Anzahl von Partikeln im Kaffee.

Exkurs: Kaffeewasser, Mahlgrad und Kaffee-Dosierung

Für das Gelingen eines guten Kaffees, egal ob mit French Press, mit Kaffeefilter oder mithilfe der Espressomaschine, ist die Wasserqualität von entscheidender Bedeutung. Leider wird diese Gegebenheit immer wieder unterschlagen. Macht man sich bewusst, dass Wasser über 99 Prozent des Kaffees ausmacht, wird einem die Wichtigkeit einer guten Wasserqualität deutlich.

Entscheidend hierbei ist die „Härte" des Wassers. „Härte" meint in diesem Zusammenhang den Gehalt von Kalziumionen und Magnesiumionen im Wasser. Je höher die Ionenanzahl, desto härter das Wasser. Wird „hartes" Wasser erhitzt, bilden sich Kalkablagerungen, die sich negativ auf die jeweilige Kaffeemaschine und auch auf den Geschmack auswirken. Dabei geht die Wasserhärte einher mit dem ph-Wert. Sehr hartes Wasser reagiert basisch, zu weiches Wasser ist eher sauer. Im Extremfall kann hierbei sogar Sahne gerinnen.

Idealerweise sollte man zur Zubereitung von Kaffee auf Wasser mit einem ph-Wert von 7,0 und einer Gesamthärte von 8°d zurückgreifen. Normalerweise fließt aus deutschen Hähnen recht hartes Wasser. Tischwasserfilter (beispielsweise von Brita) können hier sehr hilfreich sein. Man muss zwar regelmäßig den Wasserfilter austauschen, die Kosten sind allerdings immer noch niedriger als bei einem fest installierten Filter.

Praktische Tipps und Hinweise

  • Kontrollieren Sie ab und zu das Sieb am unteren Ende des Stempels. Das Sieb sollte immer fest zugeschraubt sein, damit es sich nicht lösen kann und unnötig durchlässig wird.
  • Füllen Sie die Kanne bis zum oberen Rand (die hier empfohlene Pulvermenge an Kaffee bezieht sich auf die Ein-Liter-Kanne). Die meisten Deckel an den Kaffeepressen besitzen Öffnungen. Drehen Sie die Öffnung beim Transport der Kanne zu.
  • Mahlen Sie Ihr Kaffeepulver selbst, achten Sie darauf, dass Sie etwas gröberes Pulver erhalten. Auf dem Markt werden hierzu verschiedene Kaffeemühlen angeboten.
  • Liebhaber empfehlen von Zeit zu Zeit, die French Press vorzuheizen. Dies ist sicherlich nicht schädlich. Ob es sich jedoch signifikant auf den Kaffeegenuss auswirkt, muss jeder selbst mit seinen eigenen Sinnen prüfen.
  • Füllen Sie die French Press immer ganz bis zum Rand auf. Sie nur bis zur Hälfte aufzufüllen (weil man beispielsweise alleine keine ganze Kanne trinken möchte), verändert jedoch den Geschmack fundamental. Der Grund: Zwischen dem heruntergedrückten Metallfilter und dem Glasboden ist ein genauer abgestimmter Freiraum für den Kaffeesatz. Benutzt man weniger Wasser bzw. weniger Pulver zum Brühen, dringt Wasser in diesen Freiraum ein und schwemmt alle feineren Kaffeepartikel aus, sodass der Kaffee dadurch sehr bitter werden kann. Aus diesem Grund wird die French Press auch in verschiedenen Größen angeboten.
  • Lassen Sie den Kaffee nicht zu kurz ziehen, sonst erhalten Sie nur ein schwaches Aroma. Grundsätzlich gilt: je gröber das Pulver desto länger die Kontaktzeit.

Welche Vorteile ergeben sich aus der French Press-Brühmethode?

  1. Im Vergleich zum herkömmlichen Kaffeebrühen mithilfe von Papierfiltern, ist der Kontakt zwischen Kaffeepulver und Wasser viel direkter. Damit gerät der Kaffee potenziell aromatischer.
  2. Die Anpassung des Aromas bzw. des Kaffeegeschmacks ist sehr einfach. Man kann diese erreichen durch den Mahlgrad des Pulvers, die Menge des Kaffees, die Ziehzeit und/oder durch Abschöpfen des Kaffeepulvers.
  3. Bei der French Press-Methode findet keinerlei Filtration statt. Die Maschen des Metallsiebs sind so dimensioniert, das sie zwar das Pulver hinunterdrücken, die ätherischen Öle des Kaffees jedoch hindurchlassen. Außerdem bildet sich dadurch auch eine leichte Crema auf der Kaffeeoberfläche.
  4. Die Pflege und Reinigung einer French Press ist sehr einfach.
  5. Die French Press gibte in den verschiedensten Größen, 0,2 Liter bis 1,5 Liter.

Gibt es auch Nachteile?

Die Kanne der French Press besteht aus Glas. Zwar befindet sich diese zumeist in der sicheren Halterung. Nimmt man diese jedoch heraus, kann sie schnell kaputt gehen. Entweder, sie fällt herunter oder wird in der Spülmaschine zerdrückt. Ersatz ist meistens teuer und kostet fast soviel, wie eine komplette French Press. Außerdem ist die Pressstempelkanne nichts für Kaffeegenießer, die keine Partikel in ihrem Kaffee tolerieren. Kann man sich mit diesen beiden Einschränkungen arrangieren, steht dem French Press-Kaffee nichts mehr im Wege.

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