KORG DW-8000/EX-8000

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Einleitung

Eine kurze, aber hoffentlich informative Zusammenstellung der Features des Synthesizers KORG DW-8000 (EX-8000 als Expander ohne Arpeggiator), als auch einige Tips für den Kauf von gebrauchten Geräten.

Der Synthesizer KORG DW-8000 (EX-8000)



Der KORG DW-8000 ist ein sogenannter Hybrid-Synthesizer. Hybrid deswegen, weil er digitale Oszillatoren (16 Wellenformen) besitz und alles was danach kommt (VCA, VCF, MG (=LFO)) aber voll analog ist. Korg hat damals einen Synth auf den Markt gebracht, der klanglich zwischen digitalen (YAMAHA DX7) und analogen Synthesizern (MOOG, OBERHEIM, ARP, ROLAND usw.)  liegt und somit beide Welten bedienen kann.

Folgende Wellenformen bietet der DW-8000 für jeden Oszillator an:

Sägezahn, Rechteck, Ak. Piano, E.-Piano, E.-Piano-Hart, Clavi, Orgel, Blechbläser, Saxophon, Violine, Ak. Gitarre, Verzerrte Gitarre, E.-Bass, Digi-Bass, Glocken, Sinus. Zusätzlich kann noch weisses Rauschen zugemischt werden.

Klang

Er ist in der Lage sowohl digitale, obertonreiche Klänge (zB. Glocken, Rhodes-Piano, Slapbass, Orgeln) aber auch typisch analoge Klänge (Streicher, Flächen, Solo-Sounds, Bläser, analoge Chöre) zu erzeugen. Der Filter kann bis zur Eigenresonanz geregelt werden und schreit dann richtig schön. Die Hüllkurven sind nicht die schnellsten, aber immer noch schneller als bei den Oberheim-Sauriern. Das zeigt sich in einem deutlichen Punsch in manchen Sounds. Zusammen mit einem Yamaha DX7 zB. klingt der DW-8000 einfach hervorragen. Er schliesst eine Lücke, die die meisten digitalen Synthis von damals nicht bedienen konnten. Er klingt warm und voll. Digital Synthis von damals klingen zwar sehr Obertonreich, aber immer etwas kalt und steril.

Durch seinen ausgewogenen Grundklang passt er sich hervorragend in das Klangbild einer Produktion ein, kann sich aber auch durchsetzen wenn er entsprechend programmiert wird. Der DW-8000 wurde zB in Produktionen von Depeche Mode (Black Celebration, Music for the Masses) oder von dem Jazz-Musiker Joe Zawinul benutzt und auch bei Genesis soll er im Einsatz gewesen sein. Unter anderem aber auch  bei: Divine Masquerade, Juno Reactor,  Dream Theater und Keith Emerson.

Besonderheiten

Eine damals ungewöhnliche Zugabe war das digitiale Modulations-Delay, mit dem man Effekte wie Flanger, Tubeing, Chorus, Doubling, Hall und Echo bis zu einer max. Delayzeit von 512ms erzeugen kann. Damit wird dem Klang des DW-8000 noch eine wichtige Nuance hinzugefügt. Manche DW-8000 sind mit einem nachträglich eingebauten Eingang für das Delay versehen, dass somit auch für andere externe Instrumente verwendet werden kann und dann über den KORG ausgegeben wird. Ganz selten ist eine Erweiterung, die dem KORG eine zweifache Multitimbralität und noch mehr neue Eigenschaften verleiht. Diese Erweiterung wird immer noch von Musitronics als DW-8000 System Expansion (DW-8000 EX) vetrieben. Mein DW-8000 hat seit neuestem diese Erweiterung, die ich nur jedem empfehlen kann. Sie wertet den DW-8000 klanglich, in der Bedienbarkeit, sowie durch 512 interne Speicherplätze und neue MIDI-Features (Layer, Splitting, 2. Midikanal) gewaltig auf. Hinweis: Die Musitronics-Erweiterung mag es wohl nicht, wenn etwas auf dem DW drauf steht bzw abgelegt wird.. Hat wohl was mit dem Platz im DW zu tun. Ist nämlich in dem Bereich doch sehr eng alles.

Ein weiteres Highlight des DW-8000 ist der Arpeggiator mit 64 Schritten, verschiedenen Spielmodi (auf-ab oder selber wählbar) und Oktavlagen (1 Oktave, 2 Oktaven oder alle Oktaven), einer Haltefunktion (Latch) sowie wählbarer Geschwindigkeit. Extern kann der Arpeggiator über MIDI-Sync getaktet werden (8tel,16tel,32tel Note) . Der Arpeggiator ist im EX-8000 Expandermodul nicht enthalten.

Durch verschiedene Key-Assigns, kann man den Synth in verschiedene Spielmodi versetzen:
  • POLY1 - normales polyphones Spiel
  • POLY2 - für das polyphone Spiel mit Portamento
  • MONO1 - alle Stimmen auf eine Taste (leicht gegeneinander verstimmt), Hüllkurve startet bei jeder Taste neu
  • MONO2 - alle Stimmen auf eine Taste (leicht gegeneinander verstimmt), Hüllkurve startet bei gebundenem Spiel (Portamento) nicht neu
Die Modi MONO1/MONO2 erzeugen einen besonders fetten Klang und sind für Bässe und Leadsounds besonders geeignet.

Programmierung

Wie damals üblich wird der Synthesizer nicht über verschiedene Regler eingestellt, sondern über Parameter-Nummern (53 Parameter) und einem Schieberegler oder Up/Down-Taster. Durch die übersichtliche Struktur des Synths und der rechts aufgedruckten Parameterliste ist es aber sogar ohne Handbuch sehr einfach neue Sounds zu programmieren, wenn man schon mal einen analogen Synth unter den Fingern hatte.
Dabei folgt der DW-8000 der klassischen Aufteilung: Oszillator (1+2, Rauschen) -> Filter -> Filter-Hüllkurve -> Verstärker-Hüllkurve -> Modulation -> Delay sowie den Einstellungen für das monophone Aftertouch (auf Modulation, Filter und Verstärker anwendbar).

Spielhilfen

Als Spielhilfe besitzt der DW-8000 einen KORG-typischen Joystick links neben dem Keyboard. Damit lassen sich die Tonhöhe mit bis zu 12 Halbtönen (links/rechts), die Filtermodulation (unten) als auch die Oszillatormodulation (oben) beeinflussen. Der zuletzt editierte Parameter kann mit dem Up/Down-Schieberegler beim Spiel verändert werden. Interessant für Filtermodulation per Hand. Über monophones Aftertouch kann man den Filter, die Modulation und die Lautstärke beeinflussen.

Und noch mehr ...

Mit der Aussenwelt tritt der DW-8000 über die MIDI-Schnittstelle (In, Out, Thru) und den üblichen Ausgängen an der Rückseite in Kontakt (Mono, Stereo Left/Right). Wobei der KORG kein echtes Stereo ausgibt, sondern das Mono-Signal nur phasenverschoben noch mal ausgegeben wird. Ein Kopfhöreranschluss darf natürlich auch nicht fehlen. Zusätzlich gibt es noch Anschlüsse für ein Dämpfer-Pedal, Portamento-Schalter als auch einen Program-Up Schalter. Ein Kassetten-Interface war damals die Alternative zu der noch recht teueren PC-Software um Sounddaten zu verwalten. Leider kann der DW kein Sysex-Dump des kompleten Speichers. Man muss sozusagen die Sounds einzeln aus dem Synthi ziehen.

Ein besonderes Schmankerl war die externe Speicherbank für 4x64 Sounds namens KORG MEX-8000 Memory-Expander, die auch für diverse andere KORG Synthesizer (EX-8000, Poly800 usw.) zu verwenden war. Somit hatte man 5x64=320 Sounds auf der Bühne oder im Studio zur Verfügung. Wichtig!: Die MEX-8000 speichert die zusätzlichen Daten der Musitronic-Erweiterung (s.u.) NICHT mit ab.

Gebrauchtgeräte

Nach all den Jahren ist der KORG DW-8000 wieder sehr beliebt, weil er einen einerseits analogen als auch digitalen Grundklang hat. Dadurch erzielt er für gewöhnlich recht hohe Gebrauchtmarktpreise, ist aber immer noch wesentlich billiger zu ersteigern als der MiniMoog oder Oberheim-Synthesizer.


Worauf man beim Kauf achten sollte:

  • Zustand der Schieberegler und Programmiertasten - besonders die Programmiertasten hakeln bzw. prellen manchmal ein wenig. Die Schieberegler für Volume und Tune können schon mal kratzen. Bei einem Fachhändler lässt sich das aber beseitigen. Ich habe festgestellt, dass die Programmiertatsten nach längerer Benutzung wieder besser funktionieren.
  • Zustand der Tastatur - die Tastatur des DW-8000 ist eher mittelmässig und klappert ein wenig lauter als andere. Bei einem viel gespielten DW-8000 kann sie etwas wackelig sein. Allerdings ist sie lange nicht so schlecht, wie zB damals die vom Casio CZ-1 oder andere Modelle aus dem Hause Casio oder auch Siel. Allerdings habe ich jetzt in vielen Foren gelesen, dass die Tastatur des DW recht gut im Vergleich zu anderen Synthies aus dieser Zeit sein soll.
  • Gehäuse - das Gehäuse des DW-8000 ist sehr stabil ausgeführt und hält so einiges aus, was ihn auch für die Bühne tauglich macht. Für gewöhnlich sind die Beschriftung bzw. Aufdrucke immer noch gut zu lesen und nur selten beschädigt. Mein DW-8000 ist schon recht alt und sieht noch wirklich gut aus.
  • Notenhänger - es ist bekannt, das der Synth vor allem im MIDI-Setup schon mal einen Notenhänger haben kann. Dieses "Problem" liegt aber im Betriebssystem und ist keine Alterserscheinung. Per MIDI kann man einen NOTE-OFF Befehl an den Synth senden, womit das Problem behoben werden kann. Oder einfach aus machen und wieder an, dann kanns weitergehen.

Weitere Informationen

Wer sich für noch mehr Informationen über den DW-8000 interessiert, braucht nur den Suchbegriff DW-8000 in eine Suchmaschine eingeben und wird zahlreiche Links finden die ausführlich über den Synth berichten. Sogar freie Editor-Software (bis WIN2000) gibt es noch zu finden und natürlich auch jede Menge an Sounds.

Ich hoffe, dass ich mit den obigen Informationen eine Kaufentscheidung für einige leichter gemacht habe und wünsche viel Spaß mit dem DW-8000!

Gruß,
belfegor65

zuletzt editiert am: 24.April 2008
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