Juristische Probleme (copyright-Verletzung) vermeiden 1

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Im Internetzeitalter hat jeder Zugriff auf fast jeden Text. - Das ist toll.


Dadurch kann jeder jeden fremden Text stehlen und als seinen ausgeben. - Das ist nicht toll.

Probleme vermeiden, denn es kann teuer werden!

Hier ein paar Hinweise, wie man Probleme vermeidet und auf der sicheren Seite bleibt.
Denn es ist nicht nur so, daß Lügen kurze Beine haben, sondern es ist inzwischen auch sehr teuer, weil die Gerichte bei Plagiaten ähnlich hart zuschlagen wie bei Raubkopierern von Software.Bei Texten hat man übrigens juristisch mehr Spielraum als z.B. bei Bildern. Hier gehe ich zunächst einmal nur auf Texte ein.


Schöpfungshöhe

Einen Satz wie "die Sonne schien hell, obwohl es schneite" kann ich mir so sicher nicht als geistiges Eigentum schützen lassen, er ist einfach zu beliebig, ihm fehlt die "Schöpfungshöhe", wie Juristen sagen. Wer diesen Satz jetzt also bei passender oder unpassender Gelegenheit verwendet und behauptet, er habe ihn sich ausgedacht, wird sicher keine Strafverfolgung befürchten müssen, auch wenn er es versäumt, mich als den Schöpfer anzugeben.

Genauer erklärt findet man das hier  (ich hätte den Text mit Angabe der Quelle einstellen dürfen, aber eben nicht ohne), aus Gründen der Übersichtlichkeit nur der link (deaktiviert aufgrund der ebay-Regeln): e-juristen.de / Urheberrecht  (oder per Suchmaschine nach "Schöpfungstiefe Urheberrecht" suchen).


Grundregeln

  • Übernahme fremder Texte kenntlich machen (= zitieren)
  • Zitate brauchen die Quelle (Autor, Ort, Datum, evtl.. link, ggf. Zeitschrift usw.)
  • Vorsicht bei "indirekten" Zitaten, besser auch hier der Verweis auf die Quelle

Mein Rat also: es lohnt sich nicht zu stehlen, weil man doch leicht "borgen" (zitieren) kann.

Außerdem:
ich bin stolz auf meine Gedanken, Texte, Beschreibungen, Meinungen, Analysen, Kommentare.
Ich stehe dazu. Denn ich sage, was ich denke, und ich meine, was ich sage.

Bisher bin ich bestens damit gefahren. Und wenn ich mal etwas scharfzüngig über ein Buch schreibe, sodaß es jemandem nicht gefällt und er wiederum der Meinung ist, mein Text sei nicht hilfreich gewesen für ihn, so finde ich das prima. So soll es sein. Alles andere würde doch auch ein bißchen an totalitäre Systeme erinnern, wo die Zustimmung seltsamerweise immer 99,9% beträgt. Im ebay-System gesprochen, bitte ich dann um ein "Nein", ich betrachte es als ein feed-back. Wen es nicht ganz so stark stört, wird einfach weiterblättern, es ist also auch ein feed-back, wenn ein Ratgeber 500 mal aufgerufen wurde, aber nur 8mal positiv bewertet. Meinen Schlaf stört das nicht; falls doch, habe ich irgendetwas falsch gemacht...


Wie erkenne ich "geklaute" Texte?

Das Problem "Diebstahl geistigen Eigentums" ist zwar alt, hat aber durch technische Möglichkeiten heute eine Dimension erreicht, die erschreckend ist. Ausgebildete Sprachwissenschaftler und ausgefuchste Schreiber erkennen zwar aufgrund von Sprachmusterprofilen, wenn bzw. daß zwei oder drei unterschiedliche Textbausteine "zusammengeklebt" wurden, aber der Laie kann sich ebenfalls leicht behelfen: man nimmt einfach einen besonders markanten Satz aus dem zu prüfenden Text und gibt ihn als Suchbegriff bei "google" ein. Nach etwas ausprobieren und mit etwas Erfahrung kann man dann sehr schnell sehen, woher der Text stammt. Ja, man kann sogar den Weg verfolgen, den er genommen hat, daß er z.B. vor drei Jahren in einer dpa-Meldung stand, letzten Monat in einem Leserbrief geschrieben wurde und nun als Produktbeschreibung bei ebay oder als Ratgeber auftaucht.


Mal ein konkretes Beispiel

Ich suche bei den Ratgebern von ebay, weil ich mich für Hape Kerkeling und seine Wanderung auf dem Jakobsweg interessiere; natürlich habe ich schon die Preise erkundet und nachgesehen, ob es günstige Mängelexemplare oder preiswerte gebrauchte gibt. Nehmen wir weiter an, ich fände dann einen ebay-Ratgeber, der lautet:

"Es ist ein sonniger Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und in St.-Jean-Pied-de-Port aufbricht. Sechs Wochen liegen vor ihm, allein mit sich und seinem elf Kilo schweren Rucksack: über die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, durch das Baskenland, Navarra und Rioja bis nach Galicien zum Grab des heiligen Jakob, seit über tausend Jahren Ziel für Gläubige aus der ganzen Welt. Mit Charme, Witz und Blick für das Besondere erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen, lernt er die Einheimischen ebenso wie moderne Pilger und ihre Rituale kennen. Er erlebt Einsamkeit und Stille, Erschöpfung und Zweifel, aber auch Hilfsbereitschaft, Freundschaften und Belohnungen und eine ganz eigene Nähe zu Gott. In seinem Buch über den Wert des Wanderns zeigt der beliebte Spaßmacher, wie er auch noch ist: abenteuerlustig, weltoffen, meditativ."

Ich denke: ja, schön geschrieben, aber... - intuitiv werde ich mißtrauisch. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Also gebe ich ganz willkürlich als Suchbegriff "erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen" ein und finde bei Google in 0,53 Sekunden "Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 6.630 Seiten auf Deutsch für "erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen"

Der Satz taucht IDENTISCH auf bei Libri, buch, amazon, buchhandel, indigo, erlensee, bei diversen Zeitungen usw. usf. - ...ooooops, wie peinlich, da hat einer doch tatsächlich den Klappentext des Buches als "Ratgeber" bei ebay eingestellt.

Mich grämt das nicht weiter. Mit solchen Menschen habe ich Mitleid. Können sie sich nicht ausdrücken? Können sie nicht schreiben? Sind das etwa die Kunden des alpha-Telefons in Münster? Ich weiß es nicht. Ich kann mir kein Motiv vorstellen, so etwas zu tun. Schließlich steige ich auch nicht auf dem Parkplatz in ein fremdes Auto, bloß weil es schöner, größer, schneller ist und teurer war als meines.

Begegnet mir so etwas bei Produktbeschreibungen auf einer Auktionsplattform, nehme ich von Transaktionen mit solchen Menschen Abstand. Denn: "wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht", wie das Sprichwort sagt.


Wenn einer potentielle Auktionskunden anlügt, indem er fremde Texte als seine ausgibt, woher weiß ich, daß er mich nicht auch sonst betrügt?

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