Jules Verne Hartleben - Ausgaben / Buch - Antiquariate

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Jules Verne - Hartleben Originalausgaben

 

 

Über ebay werden eine Vielzahl Original - Hartleben  - Ausgaben von Jules Verne's Romanen angeboten, zumeist aus der "Collection Jules Verne" in der sog. Volksausgabe. Zwar muß einerseits gesagt werden, daß der "Antik" - Buchmarkt generell stark von Angebot und Nachfrage abhängt, mehr noch als andere Bereiche, aber leider geht hier die Vernunft oft flöten...

Die Bände der sog. "Volksausgabe" (Buchdeckelmotiv aufgehende Sonne, Collection Verne) hat üblicherweise einen Handelspreis von +/- 10 - 15.- Euro pro Band, abhängig von der Erhaltung, z.T. von der Seltenheit der Ausgabe (das Spätwerk ist generell als weniger verbreitet anzusehen, hier sind auch Preise um die 20 - 25 Euro ggf. gerechtfertigt). Es ist weder verständlich daß vereinzelte Anbieter derartige Bände mit erheblich höheren Beträgen als Startpreis einstellen, noch Käufer die für derartige Bände den geforderten Preis zahlen bzw. bis zu einem vielfachen des genannten Betrages von 10-15 Euro bieten - wenngleich es den Verkäufer freut. Auf der anderen Seite sind voll illustrierte Hartleben - Ausgaben zum Teil weder in Original noch in Privatbindung zu angemessenen Preisen im Verkauf. Und daß meine ich mit Vernunft: eine voll illustrierte Originalausgabe sollte doch eigentlich immer mehr bringen als eine "Taschenbuchausgabe" ohne Illustrationen?! Ist aber nicht so...

Andere Einbandformen der "Collection" können ebenfalls u.U. höher zu bewerten sein, das ist halt Nachfrage- bzw. Angebots-abhängig. Erstaunlicherweise sind die "Schriften", also die erste Hartleben - Serie, meist in rotem Leinen mit Goldprägung von Namenszug und Titel, preislich oft ebenfalls recht günstig zu bekommen, obwohl sie älter und seltener sind. Allerdings sind hier in den  letzten Jahren deutliche Preissteigerungen festzustellen gewesen und die Bände bewegen sich jetzt (2011) meist auf einem angemessenen Preisniveau von 20-40 Euro..

Seit 2007 "normalisierten" sich die Preise etwas, wenngleich für einfache Formen in der Bindung von illustrierten Werken meines Erachtens immer noch zu wenig gezahlt wurde. Der Markt wird offensichtlich vor allem von Sammlern bestimmt, die ganz bestimmte Bindungen - und weniger Inhalte der Bücher suchen. Wem es also um den Inhalt geht, der sollte sich bei "Prachtbindungen" oder anderen ungewöhnlichen Erscheinungsformen zurückhalten - die Erfahrung lehrt das über kurz oder lang (fast) alles erneut angeboten wird, und dann vielleicht als Privatbindung oder Broschur, oder gar ohne Buchdeckel, und dann günstig zu bekommen ist - und schon ist ein weiterer seltener Roman im persönlichen Fundus.2011 ist festzustellen, daß selbst privat gebundene illustrierte Ausgaben wieder inzwischen auf hohem Preisniveau angeboten werden, aber dafür auch kaum Abnehmer finden.

Generell war in 2008 sowohl für Hartleben - Ausgaben wie auch auf dem französischen Markt in Sachen Hetzel - Ausgaben ein sinkendes Preisniveau festzustellen, insofern es sich nicht um seltene Bindungsvarianten in entsprechend gutem Zustand handelt. Aber ein leicht ramponierter Hartleben- Prachtband war auch für deutlich unter 100 Euro zu erwerben... Inzwischen (2011) hat sich das Preisniveau "erholt", zumindest wenn es sich nicht um die gängigsten Titel handelt.

Ein heiß diskutiertes Thema sind die sog. "Gelben Prachtausgaben" mit aufgeklebtem farbigen Buchdeckelbild. Diese Ausgaben beinhalten von Hartleben an den Verlag Hermann Michel in Berlin im Jahr 1929 verkauften fertig gedruckten Buchblöcke, die aber noch nicht aufgebunden waren. Michel fasste teilweise verschiedene Bände zusammen und band sie entsprechend ein und verkaufte sie dann. Es handelt sich zwar vom Buchblock her um Original Hartleben - Bände, aber als Gesamtwerk eben um eine wesentlich jüngere Buchausgabe als das Druckdatum im Inneren annehmen lässt. Es gibt nun Stimmen, die durchaus nicht unberechtigt kritisieren wenn für solche Ausgaben zu hohe Preise bezahlt werden, weil es eben nicht vollständige "Original Hartleben" - Ausgaben und vor allem auch nicht gleichermaßen alte antiquarische Bücher sind. Aber auch hier gilt eben Angebot und Nachfrage bzw. die Bereitschaft wie viel dafür gezahlt wird. Auch für diese Bände gilt: Spätwerke sind seltener. In 2011 ist erstaunlicherweise festzustellen, daß diese Bände teilweise bis zu aberwitzige Preise erzielen. So ging sogar ein Recht gängiger Titel in der Michelbindung für 180.- Euro über den Tisch - ein Band für den angemessene 30-40 Euro eigentlich das Höchstmaß hätte sein müssen.

Ein weiterer Tip: nicht jeder liefert im Angebotstitel eine eindeutige Beschreibung, manchmal kann sich hinter "5 Verne - Bücher" nicht nur billige Neuware, sondern tatsächlich ein antiquarisches Schätzchen verstecken. Ich habe so schon so manches Schnäpchen gefunden...

Informationen wie Hartleben - Bände (und andere) aussehen können gibt es unter im Internet unter w(orld)w(ide)w(eb).jules-verne-club.de/Kaleidoskop/Hartleben.html

Vorsicht ist geboten bei den Angeboten "Prachtausgabe" bzw.. "Prachtband": fast immer handelt es sich hierbei um die Nachdrucke durch den Deutschen Bücherbund. Hauptunterscheidung zu den Originalen: Es fehlt auf dem Buchdeckel (in der Sonne oder Mond im oberen Drittel) die Bezeichnung "xx. Band" mit römischer Ziffern - Zählweise und die Schrift des Buchtextes ist in lateinischen, nicht in altdeutschen Buchstaben.

Generell ist seit etwa 2010 eine Änderung bei den Angeboten bei eBay festzustellen. Vermutlich bedingt durch die zunehmend verkomplizierte Prozedur des Verkaufens, teilweise Zwangsbedingungen wie Paypal-Zahlungsweise und andere Käuferschutzmaßnahmen, sowie erhöhten Verkaufsgebühren, scheint der Anteil von Privatverkäufern - und damit das Angebot an Zufallsfunden oder "Erbmasse" deutlich zurück zu gehen, während die gängige vorhandene Ware der professionellen Anbieter wie Antiquare mit oft hohen Start-oder Kaufpreisen das Bild bestimmen. Zwar scheint eBay dem entgegen steuern zu wollen, indem inzwischen regelmäßig Auktionswochenenden angeboten werden, die bei dem Online-Einstellen von Angeboten keine Einstellgebühren kosten, aber ich vermute, die Masse an privaten Gelegenheitsverkäufern hat sich bereits stark gelichtet, einfach weil es zu kompliziert, zu arbeitsaufwendig und zu teuer ist. Bestimmte Raritäten, die bis 2009 doch zumindest 2-3 mal im Jahr bei eBay auftauchten habe ich seither nicht mehr gesehen...

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Mal noch ein Wort an Antiquariate, die bei eBay anbieten: In den Zeiten vor eBay konnten Antiquariate vermutlich sehr günstig einkaufen, weil wer nahm einem Unwissenden schon die alten Schinken des verstorbenen Großvaters ab? Und Kunden mussten auf der Suche nach antiquarischen Büchern sämtliche Geschäfte abklappern und waren dann natürlich bereit, wenn Sie mal etwas fanden, entsprechende Preise auch zu bezahlen. Seitdem jede Privatperson ihren "alten Schinken" in Onlinebörsen anbieten kann kommt natürlich viel mehr Material auf den Markt und geht aber auch dementsprechend meist preiswerter weg. Während ein gut erhaltener Hartleben - Prachtband in vielen Antiquariaten je nach "Seltenheit" noch 3 - bis 500 Euro kosten soll, ist dieser meist für 100 bis 300 Euro bei eBay zu haben. Und auch oder gerade bei weniger gut Erhaltenen kann man bei eBay diese schon mal für 50 bis 100 Euro erhalten, während so manches Antiquariat meint immer noch 4-500 Euro dafür bekommen zu können.

Liebe Antiquare: Ihr habt schwer zu kämpfen, eBay & Co haben Eurer Geschäftstätigkeit schwer geschadet. Was aber den Kunden freut. Wenn Ihr aber schon dazu übergeht Eure Bestände auch im Onlinegeschäft anzubieten, dann schaut doch bitte erst mal einige Zeit, was denn wirklich selten ist und dementsprechend einen höheren Preis rechtfertigt, und was häufig wiederkehrend angeboten wird, und vor allem auch wie die Erhaltungszustände der Bücher (Dinge) sind. Und wenn Ihr dann Eure Sofortkauf- oder Startpreise daran orientiert, dann werdet ihr auch hier Verkaufserfolge haben... Es ist aber vollkommen utopisch einen Prachtband anzubieten, den ihr als "selten angeboten - rar - " anpreist, dabei ist er in den vorhergehenden 3 Monaten 2 mal als Pracht - und ein mal als normale Bindungsvariante in unterschiedlichen Zuständen bei ebay angeboten worden. Und wenn dann der angebotene Band im Zustand sichtbar weniger gut erhalten ist als ein kurz zuvor angebotener Band, dann ist es mehr als illusorisch, wenn dieser Band für z.B. 150.- Euro verkauft wurde den eigenen schlechter Erhaltenen mit einem Start- oder Sofortkaufpreis von 400.- Euro einzustellen.... (Dies ist jetzt kein konkretes Beispiel, sondern anhand zahlreicher Beobachtungen eine theoretische Konstruktion - und ich beobachte seit 4 Jahren Hartleben und französische Hetzel - Originalausgaben bei eBay, abebooks, zvab u.a.m. und weiß wovon ich rede)

Kurz: wer als professioneller Antiquar sich mittels online - Verkäufen ein neues Standbein schaffen möchte, sollte die Marktgesetze von Angebot und Nachfrage entsprechend beobachten und auswerten.

Denn dank der neuen Medien ist der Kunde Vergangenheit, der ins Geschäft kommt und schreit, "Hurra, nach 15 Jahren Suche haben ich bei Ihnen gefunden was ich suche, was soll es kosten?" und der dann erfreut oder zähneknirschend den verlangten Preis zahlt (damit er nicht nochmal 15 Jahre suchen muß). Schlecht für das Geschäft der Antiquare, aber schlicht und ergreifend marktrealistischer.

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