Jetzt wirds bunt - Farbkopierer für jeden (Teil 2)

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Die „Vollfarbkopie", in diesem Fall mit drei Farben, unterscheidet sich nicht einmal gravierend vom üblichen Verfahren. Das Wichtigste bleibt der transparente Toner: seine Teilchen müssen so klein sein, daß das Auge auf die Täuschung hereinfällt und dem Großhirn beispielsweise „orange" signalisiert und nicht „da sitzen viele rote und gelbe Punkte..."

Über die drei Vorratsbehälter mit den drei Grundfarben gelb, cyan und magenta spricht Daniela Bryan, „Projektleiterin Farbkopierer" bei Kodak, dem Erfinder der xerograpischen Farbkopie nicht gerne. Denn nur das hält die Konkurrenz am Grübeln. Der ganze Rest am derzeit schnellsten Farbkopierer der Welt (1380 A4-Kopien in der Stunde) ist fast ein alter Hut und beim schwarzweißen Bruder längst erprobt. Nur mit der Übertragungs-Trommel hat der Film- und Foto-Multi auf einen firmeninternen Technologievorsprung zurückgegriffen: die Übertragungstrommel ist keine mehr, sondern ein breites Filmband mit einem halben Meter Länge, das genauso aufgeladen werden kann, aber gleichzeitig Platz für drei „latente" Bilder bietet. Diese „vergänglichen" Bilder machen die Sache schneller.

Denn es sind ja drei Kopiervorgänge in den drei Grundfarben notwendig. Eine Kopiertrommel mit dem Umfang eines Blattes muß nach jedem Durchlauf gereinigt und erneut mit Toner beschichtet werden. Das Filmband schafft stattdessen drei auf einmal: während das „gelbe Bild" auf Papier übetrtragen wird, entsteht auf dem nächsten Drittel schon das „Cyan-Bild". Noch ein paar Zentimeter weiter wischt ein Filzstreifen die Reste des „Magenta-Bildes" vom Band.

Entstanden sind die drei Bilder wie beim schwarzweißen Vor-Bild: Licht löscht Ladung. Diesmal aber farbiges Licht, das durch drei Filter in den Grundfarben auf die Vorlage blitzt. Verblüffend simpel: ein kleiner Elektromotor dreht die kreisrunde Filterscheibe blitzschnell in die nächste Position - genau wie bei der bunten Scheinwerfer-Beleuchtung altehrwürdiger Tanzpaläste.

Etwas aufwendiger, aber mindestens genauso genial hat man bei Kodak die nachträgliche Farbwahl gelöst. Wenn schon farbige Vorlagen farbig wiedergegeben werden, warum dann nicht Schwarzweißes nachträglich bunt gestalten? Aber jetzt macht das feine „Licht löscht Ladung"-Prinzip Schwierigkeiten. So einfach ist mit Licht nicht zu hantieren, da der reflektierte Lichtstrahl seine Information, wo wieviel von welcher Farbe sitzt, nicht preisgibt. Also muß zusätzliches Licht an genau die Stellen, die hinterher nicht bunt sein dürfen. Eine schmale, dicht gedrängte Reihe winziger Leuchtdioden übernimmt diese heikle Aufgabe. Dafür müssen die „Zusatzscheinwerfer" noch erfahren, wann sie wie lange leuchten, um beispielsweise ein Firmensignet in rot, den Rest der Kopie in Blau zu erhalten.

Bei der Lösung stand das U-Boot Pate. Unter dem Kontrollpult des gewaltigen Ektaprint-Kopierers verstecken sich zwei kleine, schwarze Öffnungen. Dahinter lauern hochempfindliche Mirofone auf ein einziges Geräusch: das Knacken eines elektrischen Funkens, ausgelöst durch den Druck auf eine Art Kugelschreiber am Kabel. Ganz vorn blitzt es kurz zwischen zwei Elektroden und „Piep" macht es dann, um auch dem Menschen zu zeigen, daß die Information angekommen ist. Aus der Zeit, die das kaum hörbare Knacksgeräusch von der Spitze des Griffels bis zu den beiden Mikrofonen unterwegs war, errechnet der Kopierer nämlich die exakte Position des Stifts auf der Vorlage. Jeder Druck legt einen weiteren Punkt fest und beschreibt dadaurch den Raum, der hinterher durch die Leuchtdiodenkette auf dem vorher mit Farbe beschichteten Tonerfilm ausgespart werden muß.

Auch dabei kommt es auf Bruchteile eines Millimeters an. Liegen die einzelnen Farbdrucke nur um Kleinigkeiten verschoben übereinander, treten an den Rändern die Grundfarben zutage. Ein weiteres Problem der Farbkopie mit drei Grundfarben ist Schwarz, wirklich sattes Schwarz. Da ein „Schwarz"-Filter nun mal kein Licht durchläßt, demzufolge auch kein schwarzer Toner vorhanden ist, wird Schwarz durch gleichzeitiges Drucken aller drei Grundfarben erzeugt. Was dabei herauskommt, heißt „Prozeßschwarz" und bleibt leider etwas flach. Dafür ist alle drei Sekunden eine Kopie fertig und der Preis dafür bisher unschlagbar: etwa 0,5 Euro pro DIN A4-Kopie auf Normalpapier.

Bei mindestens 3,00 Euro pro Kopie liegen die fotochemischen Verfahren. Hier kostet das Fotopapier und die Entwickler- und Fixierflüssigkeiten und nicht zuletzt das Beseitigen: beides ist Sondermüll und muß kostspielig entsorgt werden. Qualitativ ist die „fotografierte" Kopie nicht zu schlagen. Tatsächlich wird das Original wie mit einer herkömmlichen Kamera geknipst, und hinterher wie im Fotolabor auf Fotopapier entwickelt - alles aber in einer mehr oder weniger großen Kiste.

Beim „chromogenen" Verfahren mischen drei lichtempfindliche Schichten im Fotopapier aus den Grundfarben Rot, Blau und Grün. Ähnlich macht das auch ein Farbfernsehgerät: aus kurzer Entfernung lassen sich die drei bunten Farbpunkte oder -balken deutlich unterscheiden. Im ersten Schritt entsteht ein Negativbild mit Grauwerten, das erst in einem zweiten Schritt mit „Farbkupplern" ein Farbbild aus den bekannten Druckfarben Gelb, Magenta und Cyan erzeugt. Die Oberfläche der Kopie ist hochglänzend wie bei einem üblichen Papierbild, das Papier selbst aber recht dick: falzen oder knicken hinterläßt endgültige Spuren.

Ein anderes chemotechnisches Verfahren arbeitet nach einem ziemlich brutalen System: es zerstört bereits im Papier vorhandene Farbstoffe. Diese liegen in drei Schichten der drei Grundfarben übereinander. Entwickelt wird nacheinander. An den nicht belichteten Stellen bleiben die Farbstoffe erhalten und bilden nach einem Fixierbad die endgültige Farbkopie.

Den Grundstein für das „digitale" Kopieren, der dritten Haupt-Variante, hat die Computer- und Videotechnik gelegt. Aus der Videokamera stammt der CCD-Bildsensor, ein höchst leistungsfähiges Bauteil, das Licht und Farbe in digitale Impulse umwandeln kann. Diese Zahlenkolonnen sind wiederum Leibgericht für Computer. Sie fressen die Informationen aus Millarden Einzelwerten gierig in sich hinein, speichern und verändern das Ergebnis auf Wunsch und geben es schließlich an die „Druckabteilung" weiter.

Das kann ein „Thermotransfer-Drucker" sein, der mit Hitze eine Art Wachs von einer Trägerfolie auf das Papier schmilzt: erst Gelb, dann Magenta, Cyan und zuletzt Schwarz. Ein echter Vierfarb-Druck also, der allerdings noch nicht so kleine Bildpunkte erzeugen kann wie beim Toner-Verfahren. Denn jeder Bildpunkt erfordert Speicher- und Rechenkapazität und da hinken erschwingliche Computer einfach noch hinterher. Dieses Verfahren ist allerdings das bisher einzige, das sich auch als Farb-Ausgabegerät für eben diese Computer eignet und damit einen kombinierten Kopierer-Drucker ermöglicht - ein interessanter Zwitter für das elektronische Büro.

An das elektronische Auge des digitalen CCD-Sensors kann aber auch eine Toner-Druckeinheit gekoppelt werden, exakt dasselbe Verfahren, das im Kodak-Kopierer verwendet wird. Nur kommt in diesem Fall das Licht, das Ladung löscht, nicht aus einer Blitzlampe, sondern aus einem computergesteuerten Laserstrahl. Der Canon-Color-Kopierer zeichnet jeden einzelnen Bildpunkt nach den Anweisungen des CCD-Auges auf die Tonertrommel, die das Farbbild aus insgesamt vier Einzeldrucken erzeugt - ein zusätzlicher Schwarz-Durchgang sorgt für sattes Schwarz und gute Kontraste. Mit rund 300 Kopien pro Stunde ist der Canon zwar wesentlich langsamer als Kodaks Schnellster, aber immer noch recht fix und zudem mit vielen Veränderungs-Möglichkeiten am Bild selbst, der Farbe und den einzelnen Farbtönen der vielseitigste, aber auch komplizierteste Farbkopierer. Und er hat bereits einen Verfolger aus eigenem Hause: den Bubble-Ink-Kopierer. Er spritzt die Druckfarben aus kleinen Düsen aufs Papier und schafft eine noch bessere Qualität als die Xerox-Methode, sogar im Format DIN A1 und mit 60 Kopien pro Stunde immer noch recht schnell.

Kompliziert? Keine Bange - in nächster Zeit werden sich ohnehin nur Fachleute mit den teuren Geräten beschäftigen. Manche Druckereien arbeiten schon einige Zeit damit, parallel zum herkömmlichen Vierfarb-Druck, der immer teurer geworden ist. Zeitschriften-Redaktionen geben den Chefredakteuren sicher bald farbige Layoutvorschläge an die Hand und Werbeagenturen wissen schon lange „daß sich Farbe einfach besser verkauft".

Finanzstarke Versicherungen stehen als potentielle Kunden ganz vorn auf der Wunschliste der Farbkopierer-Hersteller. Der Grund: teure Stücke sind schnell vierfarbig festgehalten und machen sich hinterher einfach dekorativer auf Eduard Zimmermanns Fahndungsfotos.

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