Jetzt wird's bunt - Farbkopierer für jeden (Teil 1)

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Das, auf was es uns ankommt, ist ziemlich klein. Winzig wäre übertrieben. So unvorstellbar klein, daß nur noch das „geistige Auge" eine ungefähre Vorstellung davon bekommt. Angenommen, ein ziemlich kleiner Millimeter auf irgendeinem Lineal würde nochmals in kleinere Teile unterteilt, erst zehn, dann Hundert, Tausend und so fort.

So lange, bis das Reststück nur noch einen Millionstel Millimeter kurz ist. Oder einen genauso winzigen Milliardstel Meter. Auf insgesamt 380 dieser Milliardstel Meter, Wissenschaftler nennen ihn „Nano-Meter", spielt sich das für den Menschen eindrucksvollste Schauspiel der Welt ab: die Farbe.

Über 600.000 Farbnuancen unterscheidet das menschliche Auge auf diesem winzigen Ausschnitt des Lichts. Solange die Helligkeit ausreicht, der Beleuchtungsfarbton stimmt, die Zapfen in der Netzhaut funktionieren, das Großhirn auf Empfang geschaltet ist und das, auf was es ankommt, überhaupt „Farbe" hat. Offensichtlich wirft Farbe, technisch gesehen, wesentlich mehr Probleme auf, als Mutter Natur vergleichsweise damit hat.

Nur deshalb wurde der Farbkopierer erst jetzt erfunden. Annähernd hundert Jahre nach der Entdeckung der Fotografie und immer noch 60 Jahre später als sein elektronischer Verwandter, der Farbfernseher. Schon bei dieser technischen Übertragung von Farbinformationen von einem Ort zum anderen dauerte es von ersten Versuchen um 1928 fast 40 Jahre, bis 1966 öffentliches Farbfernsehen zur Sensation auch in Europa wurde.

Weitere 20 Jahre sind vergangen, um Farbbilder sekundenschnell von einem Papier auf ein anderes zu übertragen zu können - also doch eine ziemlich komplizierte Sache?

Stimmt. Farbkopierer bringen auch im Zeitalter der Mikrochips immer noch mindestens 60, aber auch schon mal über 330 Kilo auf die Waage, passen kaum in einen Schrank, manchmal nicht einmal ins Büro und sprengen mit Preisen zwischen 20.000 und 130.000 Mark den Finanzrahmen jedes „Normalverbrauchers".

Für die sind Farbkopierer auch nicht gedacht. Eher große Werbeagenturen, Bildarchive, Dokumentationsabteilungen, eben alle großen und größeren Firmen, wo es weniger auf Geld, dafür aber auf diese paar Millonstel Millimeter ankommt: auf Farbe. Denn Farbe kann schneller überzeugen als viele Worte und macht schneller Zusammenhänge deutlich als Schwarzweiß. Sofern sie an der richtigen Stelle und zur richtigen Zeit eingesetzt wird. Wann und wo sich Farbe lohnt, bleibt eine Frage der optimalen Nutzung und des Anschaffungspreises. Zwischen 20.000 und 130.000 Mark? Tatsächlich gibt es gewichtige Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten, den Kopierverfahren, den Ausgabezeiten und Ergebnissen.

Drei grundsätzliche Techniken konkurrieren:

•Xerografisches Kopieren (Optische Abtastung und elektrostatische Vervielfältigung)

•Fotochemisches Kopieren (Kamera und ein komplettes Entwicklungslabor in einem Gehäuse)

•Digitales Kopieren (Abtastung mit Fotohalbleiter, Drucken im Xerographie- oder Thermotransfer-Verfahren)

Dabei kommt das „xerographische" Verfahren gleichzeitig der herkömmlichen Drucktechnik und dem Kopierprinzip am nächsten: es verwendet Tonerpulver in den drei Druckfarben gelb, cyan (blaugrün) und magenta (purpur). Das immer wieder Erstaunliche daran ist, daß diese drei Grundfarben jeden beliebigen Farbton erzeugen, sobald sie in unterschiedlicher Konzentration dicht nebeneinander liegen. So dicht, daß das menschliche Auge sie nicht mehr unterscheiden kann und dadurch „Mischfarben" bildet. Dabei dürfen sich die einzelnen Farben nicht überdecken, sie müssen „transparent", als Einzelpunkte oder „Rasterpunkte" erhalten bleiben. Je dichter dieses Raster gedruckt werden kann, je kleiner also die Einzelpunkte werden können, desto reiner und hochwertiger erscheint der Farbton.

Farbkopieren erfordert also möglichst kleine Pünktchen in den drei Grundfarben. Und genau diese kleinen Pünktchen erzeugt das xerografische Verfahren, bisher allerdings nur mit schwarzem Tonerpulver und einem schwarz/weißen Druckergebnis. Der Schritt zur Farbe erscheint zunächst recht einfach: statt einem Pulver also drei. Wo liegt das Problem? Schlicht daran, daß dieses Kopierprinzip gar nicht so einfach läuft, wie die vielen Xerox-Kisten in den Büros vorgaukeln: Blatt auflegen, Knopf drücken, kopiert. Kapiert. Im Inneren arbeitet eine komplizierte Apparatur, die normalerweise nur dem Servicetechniker vor Augen kommt.

Da geht einem zunächst ein Licht auf. Unter dem Vorlagenglas fährt nach dem ersten Knopfdruck ein heller Lichtschein von einer Seite zur anderen. Oder es blitzt zwei, dreimal. Damit „sieht" der Kopierer, was sich auf der Vorlage befindet, wo sie schwarz, wo weiß ist. Diese „Information" wird auf eine Trommel übertragen, mit der sich schon vorher Erstaunliches ereignet hat - sie wurde aufgeladen. Mit einer Art Elektrizität, wie sie manchmal beim Kämmen die Haare zu Berge stehen läßt oder kleine Papierschnipsel wie von Geisterhand an den Pullover zieht. Diese statische Aufladung wird benutzt, um auf der Trommel (Kunststoff oder Metall) eine gleichmäßige, hauchdünne Schicht Tonerpulver zu legen.

Jetzt schießt Licht herein. Genau auf die mit Toner bedeckte Trommel und nur an die Stellen, die auf der Vorlage hell waren und damit das Licht reflektieren konnten. Von grauen oder schwarzen Teilen kommt weniger oder gar kein Licht zurück. Was jetzt Faszinierendes passiert, haben Physiker in einem unscheinbaren Sätzchen verpackt: Licht löscht Ladung. An allen hellen (oder weißen) Stellen auf der Trommel fällt das Tonerpulver plötzlich ab, die elektrostatische Ladung ist verschwunden. Der Rest bleibt haften - ein exaktes Abbild der Vorlage, das jetzt auf ein Papier übertragen wird: wieder mit Hilfe der elektrischen Ladung, deren Polarität von Plus nach Minus umschaltet und so die Tonerpartikel auf das Papier zieht.

Als Abschluß folgt eine Heizstraße. Der Toner, nichts anderes als winzige Plastikkügelchen, schmilzt und verbindet sich damit wischfest mit der Unterlage. Ergebnis ist eine, noch handwarme Kopie der Vorlage. Optisch vergrößert oder verkleinert je nach den Möglichkeiten der Maschine, aber bisher eben nur schwarzweiß. Oder mit maximal einer oder zwei „Schmuckfarben" versehen, weiteren Tonerpatronen, die entweder in einem Arbeitsgang oder beim nächsten Durchlauf die nächste Farbe bringen.

Weiter mit Teil 2...

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