Jetzt kommt Bewegung ins Spiel – Winder und Motoren für Sportfotografen und Journalisten

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Jetzt kommt Bewegung ins Spiel – Winder und Motoren für Sportfotografen und Journalisten

Mit der Digitalfotografie sind einige frühere Hilfsmittel von Fotografen mehr oder weniger verschwunden, wobei manche Profis selbst heute noch gern auf analoge Kameras setzen. Den Begriff „Winder" dürften diese Profis sicherlich noch kennen, während der Amateur mit dem Wort wohl eher wenig anfangen kann.

Doch wer als Sportfotograf oder Journalist arbeitet und nach wie vor auf eine analoge statt digitale Kamera zurückgreift, wird in Windern und Motoren ein sehr interessantes Hilfsmittel finden. Winder und Motoren nämlich erlauben eine gewisse Schnelligkeit, um nicht zu sagen, deutlich mehr Action.

Wie Sie mit einem Winder und Motor Bewegung ins Spiel bringen und gerade als Sportfotograf – egal ob professionell oder als Hobby – von diesen Hilfsmitteln profitieren können, wird Ihnen hier verraten.

Fotokunde – Sinn und Funktion von Winder und Motoren

Zum Start ist jedoch wohl etwas Fotokunde nötig, denn wozu ein Winder dient und was dieser ist, wissen wohl nur die wenigsten. Der Begriff Winder kommt aus dem englischen, wo das Verb „to wind" für „aufspulen" steht. Einen Winder könnte man somit als Aufspuler oder Aufzieher übersetzen.

Das wäre auch schon dicht dran, denn ein Winder ist quasi nichts anderes als ein kleiner Motor. Dieser Motor dient ausschließlich dem Filmtransport, ergo dessen Vorspulen. Lange vor der Digitalfotografie musste die analoge Fotokamera nach jedem Bild „aufgezogen" werden, der Film für ein neues Foto weiter gespult oder eben transportiert werden. Dazu war die Bedienung eines Handhebels nötig, da in früheren Fotoapparate noch kein Motor für den automatischen Filmaufzug verbaut war.

Nach jedem geschossenen Foto musste der fotografische Film somit manuell aufgespult werden, um ein weiteres Foto machen zu können. Ein Winder als Motor nimmt dem Fotografen quasi diese Arbeit ab, wobei hier weniger Bequemlichkeit und Komfort im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es um eine gewisse Bildfrequenz, die manuell nicht zu erreichen ist. Statt per Hand wird der Film über einen kleinen Motor gespult, was den Vorgang deutlich schneller erlaubt.

Im Schnitt kann ein Winder eine Bildfrequenz von bis zu 2,5 Bildern pro Sekunde erzielen, was die manuelle Bedienung der Kamera wohl deutlich schlägt. Mehr als ein Bild pro Sekunde dürfte dem Menschen jedenfalls kaum ohne Hilfsmittel möglich sein. Der Winder ermöglicht somit Serienaufnahmen mit einer höheren Frequenz. Der Motor muss hierzu natürlich extern angeschlossen werden. Manche Kameras erlaubten eine Befestigung direkt am Gerät, in der Regel wurden jedoch Kamera und Winder zusammen an einem Stativ befestigt.

Analog vs. digital: Winder und Motoren heute

Bei heutigen Digitalkameras sind solche Winder nicht mehr nötig. Weil die Fotos nicht mehr auf einen Film, sondern digital auf einen Chip gespeichert werden. Ein Film muss daher nicht mehr weitergespult werden. Ein simpler Klick auf den Auslöser reicht. Obendrein bieten gute digitale Kameras für Serienbilder eine spezielle Einstellung an, womit der Fotograf quasi nur noch auf das Motiv halten muss. Und doch sind manche Spiegelreflexkameras selbst heute noch mit einem Winder beziehungsweise dem nötigen Anschluss für einen solchen Motor ausgestattet.

Allerdings handelt es bei entsprechenden Kameras nicht um digitale, sondern analoge Modelle. Diese haben zwar mittlerweile ebenfalls einen Motor für den Filmeinzug eingebaut, trotzdem macht ein zusätzlicher Winder Sinn. Denn selbst bei einer „automatischen" Spiegelreflex ermöglicht ein stärkerer Zusatzmotor eine höhere Bildfrequenz, also mehr Bilder pro Sekunde.

Der Winder erlaubt bei einer analogen Spiegelreflexkamera somit ganz einfach ein schnelleres Auslösen und dementsprechend schnelleres Aufnehmen der Bilder. Wobei jetzt viele Leser denken, dass analoge Kameras längst aus der Mode sind. Das ist aber nicht unbedingt richtig. Trotz der neuen digitalen Modelle haben analoge Kameras nach wie vor eine große Fanszene, egal ob unter Profis oder Amateuren. Dabei geht es sicherlich weniger darum, ob ein Modell beziehungsweise System besser als das andere ist.

Vielmehr dürften analoge Kameras manche Fans und Liebhaber einfach an alte Zeiten erinnern. Obendrein gilt so manchen Fotografen das Entwickeln eines Films und somit der eigentlichen Fotos noch als echte Handwerkskunst, die zum Fotografieren einfach dazugehört. Eben für diese „Analog-Gemeinde" sind entsprechende Kameras wie auch der Einsatz eines Winders eine interessante Alternative.

Praxis: Wo Winder und Motoren von Nutzen sind

Sinn und Zweck eines Winders wurden bereits erklärt, nämlich der Ersatz des manuellen Aufzugs durch einen Motor. Damit wird eine schnellere Bildfrequenz erreicht, die selbstredend nicht in allen Situationen nötig ist. Tatsächlich bietet sich der Winder eher für ganz spezielle Aufnahmen an, die ebendiese schnellere Bildfrequenz erfordern.

Als Beispiel gilt besonders die Sportfotografie, wo schnelle Bewegungen und ebensolche wechselnden Situationen quasi die Norm sind. Denken Sie nur mal an Fußball. Eben war der Ball noch bei Spieler A, keine Sekunde später erfolgt ein Pass zu Spieler B und prompt ein weiterer zu Spieler C, und plötzlich fällt das Tor. Diese extrem schnelle Folge von Ereignissen manuell festzuhalten – wohlgemerkt mit einer analogen Kamera –, ist kaum oder sogar schlichtweg gar nicht möglich.

Ein Winder jedoch ermöglicht die nötige schnelle Bildfrequenz, womit bei genanntem Beispiel der gesamte Ballwechsel innerhalb von nur zwei oder drei Sekunden mit etlichen Fotos belegt und festgehalten werden kann. Gerade professionelle Sportfotografen, die eine analoge der digitalen Kamera vorziehen, ist ein Winder in solchen Situationen ein Muss. Denn neben Fußball sind viele anderen Sportarten ebenfalls schnellerer Natur, egal ob Tennis, Hockey, Basketball sowie überhaupt sämtliche Ballsportarten oder Motorsport.

Letztgenannte Sportart ist ebenfalls ein gutes Beispiel. Stellen Sie sich ein Überholmanöver vor. Vettel zieht an Webber oder Alonso vorbei. Möglicherweise gleich an beiden. Das ganze Manöver dauert nur ein oder zwei Sekunden. Mit einer analogen Kamera würden Sie in dieser Zeit vielleicht zwei Bilder schaffen, mit einem Winder aber sechs, acht oder sogar zehn. Der „Moment" wird besser festgehalten.

Weitere Beispiele für den Einsatz eines Winders wären außerdem Tier- oder Kinderfotografie, wo mitunter ebenfalls schnelle Bildfrequenzen nötig sind. Etwa, wenn ein Gepard ein Zebra jagt. Oder Kinder bei einer Geburtstagsfeier im Garten toben.

Ein weiteres Plus: Mehr Halt dank Winder und Motor

Parallel bieten Winder und Motor einen weiteren interessanten Vorteil, den der Fotograf sicherlich schnell zu schätzen lernt. Der Winder nämlich verlängert beziehungsweise vergrößert die eigentliche Kamera, womit diese wieder besser in der Hand liegt. Dank der größeren Auflagefläche kann die Kamera ruhiger gehalten werden, was schlichtweg bessere Bilder erlaubt.

Manche Winder ermöglichen übrigens eine noch schnellere Frequenz als der bereits genante Schnitt von 2,5 Bildern pro Sekunde. Einige Geräte schafften je nach Verschlusszeit sogar 3,5 Bilder pro Sekunde, wobei eine solche Schnelligkeit auch ihre Schattenseiten hat. Denn der Winder ist ein eher kleines und flaches, dafür längliches Gerät. Darin befinden sich Bauteile wie ein Motor, ein Getriebe, eine Kupplung und schließlich ein Steuerungselektronik. Mit anderen Worten: Der Winder vereint viele einzelne Bauteile auf sehr wenig Raum.

Die Folge: Nach ein oder spätestens zwei Filmen – die mittels Winder übrigens schnell verschossen sind – muss der kleine Helfer in der Regel „ausruhen". Dauerbetrieb lässt den Winder heiß laufen, weswegen eine Ruhephase zum Abkühlen dem Erhalt der Lebensdauer dient. Dafür ist der Winder meist mit eigenen Batterien ausgestattet, der Betrieb geht also nicht zulasten der Kamera. Angebaut wird der Winder mit einem Gewindestift, der in die Buchse für das Stativgewinde der Kamera geschraubt wird. Um trotzdem ein Stativ nutzen zu können, verfügt der Winder auf seiner Unterseite über eine zweite Gewindebuchse, mit der dann Kamera und Motor an einem Stativ befestigt werden können.

Wie Sie den richtigen Winder und Motor für Ihre Kamera finden

Ein Stativ ist übrigens eine gute Idee, wenn Sie einen solchen Winder nutzen möchten. Zum einen erhöht der Winder das Gewicht der Kamera, was sich vor allem bei längeren Shootings durchaus bemerkbar machen dürfte. Zum anderen erlaubt ein Stativ eine bessere, weil ruhigere Kameraführung. Wer schließlich sogar mit Schwenks und Drehungen aufnehmen will – beispielsweise bei einem Formel-1-Rennen in einer Schikane oder Kurve –, ist schließlich mit einem speziellen Schwebestativ gut beraten.

Zuletzt ist sicherlich noch interessant, wie Sie den richtigen Winder und Motor für Ihre alte Kamera finden. Für viele frühere Kameras haben die Hersteller eigene, exakt passende Winder entwickelt. Es lohnt daher im ersten Versuch, einen Winder nach Kamera beziehungsweise Hersteller zu suchen. Wie erfolgversprechend diese Suche ist, kommt sehr auf das Modell an.

Ob es überhaupt einen Winder oder Motor für Ihre eventuell ältere Kamera gibt, kann allerdings nicht garantiert werden. Gerade bei älteren Kameras ist es möglich, dass entsprechende Produktionen längst eingestellt sind. In dem Fall könnte ein gebrauchter Winder und Motor eine Lösung sein, wobei auch hier wieder keine Garantie für das nötige Angebot gegeben werden kann.

Recherchieren Sie zudem, ob Ihre Kamera mit einem Winder – trotz der Möglichkeit der Nutzung – eventuell beschädigt werden kann. Fälle, wo ein Winder aufgrund der höheren Belastung einen Schaden an der Kamera herbeiführte, sind durchaus bekannt. Erkundigen Sie sich also, ob der ausgesuchte Winder für Ihre Kamera zulässig ist. Schlimmstenfalls drohen insbesondere bei Liebhaberstücken Schäden, die möglicherweise nicht mehr reparabel sind, einfach, weil entsprechende Ersatzteile nicht mehr angeboten werden. Ansonsten setzen Sie den Winder sparsam ein, achten Sie auf die nötigen Ruhephasen. Permanenter Gebrauch dürfte Ihrer Kamera jedenfalls kaum gut tun. Weniger ist manchmal eben doch mehr, gerade bei einem zusätzlichen Winder.

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