Jade - faszinierender Edelstein der chinesischen Kultur

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Jade - faszinierender Edelstein der chinesischen Kultur

Die Jade wird bereits seit mindestens 8.000 Jahren in China vor allem als Ziergegenstand verwendet. Im Laufe der Zeit hat sich sogar ein regelrechter Kult um den Stein entwickelt. Vor allem in Mittelamerika jedoch auch in Europa, im östlichen Mittelmeerraum sowie im pazifischen Raum ist Jade schon seit Jahrtausenden bekannt. Der Edelstein fand durch die kolonialen Bestrebungen der europäischen Staaten am Ende des 19. Jahrhunderts auch mehr und mehr Zugang zur Schmuckkultur der Alten Welt. Und dies, obwohl die Spanier die Jade bei der Kolonialisierung Mittelamerikas für Europa wiederentdeckt hatten. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Edelstein sogar zu einem attraktiven modischen Accessoire. Die Kultur der Hippies der 60er und 70er ließ Jade zum geradezu magischen Symbol werden und verschaffte ihr die esoterische Bedeutung als „Stein der Weisen”.

Eine Eigentümlichkeit der Jade gegenüber anderen Edelsteinen ist die, dass es bei ihr nicht einzig um das Mineral als solches oder um dessen kunsthistorische Relevanz geht, sondern auch um die Inhalte, die mit ihr verbunden werden. Diese Bedeutungsinhalte reichen von den einfachen Vorstellungen der Vorzeitmenschen, die sich um Leben und Tod, Rituale und Zeremonien drehen, über die Magie bis hin zu seiner scheinbaren Heilwirkung.

Der Begriff Jade und seine Herkunft

Ursprünglich lässt sich der Begriff Jade auf das spanische „piedra de ijada”, was so viel bedeutet wie Lenden- oder Nierenstein, zurückverfolgen. Dieser Sinninhalt ist auch heute noch sprachlich im Namen des Co-Minerals Nephrit erhalten. Die Bezeichnung wurde später in die französische Sprache als l’éjade übernommen und vor etwa 350 Jahren fälschlich zu le jade umgeformt. Jade wurde von den spanischen Eroberern zuerst in Mittelamerika wahrgenommen, wo dieser von den Ureinwohnern zu Heilsteinen gegen Nierenerkrankungen verarbeitet wurde. Schließlich wurde der Name Jade auf Edelsteine chinesischen sowie generell asiatischen Ursprungs ausgeweitet. Das chinesische Wort für Jade heißt Yu, das „Ü” ausgesprochen wird.

Während der Eroberung Mexikos im 16. Jahrhundert erhielt Jade seinen Namen durch die spanischen Konquistadoren. Jade oder die in China gebräuchliche Bezeichnung Yu ist eigentlich ein Oberbegriff für zwei grundsätzlich verschiedene Edelsteine, nämlich Jadeit und Nephrit. Aufgrund seiner nierenstärkenden Wirkung wurde der Edelstein auch „lapis nephriticus” genannt. Aus dieser Bezeichnung entwickelte sich in der Folge der Begriff Nephrit. In China werden sowohl Jadeit als auch Nephrit als zhen yu, als „echte Jade”, betrachtet. Wissenschaftler unterscheiden erst seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts die beiden Mineralien, die sich in Härte, dem äußeren Erscheinungsbild sowie den Bearbeitungseigenschaften stark ähneln.

Historische Bedeutung der Jade

In unterschiedlichen alten Kulturen kam der Jade eine hohe Bedeutung zu, die aber ganz besonders in der chinesischen Kultur, in der sogar einer der großen mythischen Protagonisten den Titel Jadekaiser führt, in der Philosophie und der Poesie eine maßgebende Rolle spielt. Auch in den alten Kulturvölkern Mittelamerikas war Jade vor allem wegen seiner Seltenheit sehr begehrt. Smaragdgrüne Jadesteine galten als besonders wertvoll, sie wurden teurer gehandelt als Gold. Obwohl Jade praktisch auf sämtlichen Kontinenten zu finden ist, wurde der Edelstein vor allem von den Völkern des pazifischen Raumes und dort speziell in China nicht nur zu Schmuckzwecken verwendet. Genau wie bei den Mayas Mittelamerikas und den Māoris Neuseelands ist die Jade in China tief in der Mythologie verwurzelt und ist esoterisch bedeutsam. Die Gründe hierfür und warum Jade in anderen Kulturen keine übersinnlichen Inhalte besitzt, liegen weitgehend im Dunkeln.

China als bedeutendstes Zentrum der Jadekultur

China gilt aufgrund umfangreicher und relativ leicht zugänglicher Abbauregionen als Zentrum des Jadekults. In zahlreichen Fundstätten wurden bis zu 8.000 Jahre alte Gegenstände aus diesem edlen Material entdeckt. Wissenschaftler haben aus der Zeit des chinesischen Neolithikums etwa 10.000 Jadefunde in über 100 Ausgrabungen gefunden. Die Jade muss in der chinesischen Kultur eine derart große Bedeutung besessen haben, dass chinesische Geschichtswissenschaftler neben anderen Zeitaltern der Vorgeschichte eine sogenannte Jade-Zeit einfügten, die den Ausgangspunkt für die spätere chinesische Jadekultur darstellte. Die große Wertschätzung, die der Jade neben der einfachen Verfügbarkeit entgegengebracht wurde, besitzt weitere Hintergründe. Einerseits brachte wohl die Entwicklung strukturierter Gesellschaften von primitiven Stammesgesellschaften zu moderneren Staatswesen das Bedürfnis ihrer Herrscher nach Statussymbolen mit sich, andererseits waren die wichtigsten Funktionen dieser Führer Opferhandlungen und das Führen kriegerischer Auseinandersetzungen, wobei Jade als mystische Materie betrachtet wurde.

Die Jade besaß in der chinesischen Kultur nicht nur eine Bedeutung als künstlerischer Werkstoff, er war auch ein ideelles Symbol in der Literatur, in der Religion, in der Philosophie, ja selbst in der staatlich verordneten Kunst. Selbst im heutigen China, das sich längst in die Moderne aufgemacht hat, gesteht man der Jade heilende Kräfte zu – ganz ähnlich wie in den westlichen Kulturen Europas und Nord-Amerikas in den Bereichen der modernen Esoterik, die ihrerseits unter anderem auf fernöstliche, besonders chinesische Imaginationen verweist. Aus diesen Gründen ist es praktisch unmöglich, vor allem in China aus einem Bildnis der Jadekunst den Gesichtspunkt der Philosophie und Religion auszuschließen.

Die Zeit der Jadekaiser und ihre Rituale

Die Fertigung von Jade-Kunstwerken erreichte zu Anfang der durch den legendären Jadekaiser Yu Di begründeten Xia-Dynastie um 2200 vor Christus durch den Einsatz von Bronzeinstrumenten zu deren Bearbeitung ein neues technisches Niveau. Besonders innerhalb der obersten Schichten begann sich in der darauf folgenden Shang-Dynastie ab 1700 vor Christus die Verehrung der Ahnen deutlich auszubreiten. Der Kult um den obersten Gott Huangdi wurde nach und nach stärker. Damit weitete sich die Verwendung von Jade-Objekten, besonders Schnitzereien und Opferplättchen für die diversen Rituale, stark aus. Jade wurde nachgesagt, dass sie unzerstörbar sei, und allgemein war der Glaube verbreitet, sie erhalte die Lebenskraft, was selbst für die Grabmale der einfachen Bevölkerung galt. Auch hierbei wurden bereits spezielle Riten eingehalten, bei denen Jade eine entscheidende Rolle spielte.

Auch während der Shang-Dynastie, zwischen dem 16. und 11. Jahrhundert vor Christus, und der Westlichen Zhou-Zeit, zwischen dem 11. Jahrhundert und 771 vor Christus, war dieses zeremonielle System bereits institutionalisiert. Den größten Anteil der Objekte aus dieser Zeit, die aus Jade hergestellt worden waren, machen nun nicht mehr die Schmuckstücke, sondern die Gegenstände für rituelle Handlungen aus. Dieser Trend ging jedoch in der Östlichen Zhou-Dynastie zwischen 720 und 256 vor Christus wieder deutlich zurück. In jedem Falle war die Jadeschnitzerei in der Shang-Zeit hinsichtlich der zu dieser Zeit verfügbaren technischen Möglichkeiten bereits sehr gut entwickelt. Neben ornamental gestalteter Jade wie figürlichen Plastiken, etwa Tierplastiken mit Motiven von Hasen, Bären, Tigern oder Bären, und Musikinstrumenten, fanden sich Jade-Objekte als zeremonielle Darstellungen, wie etwa Erd- oder Himmelssymbole oder Zepter für die unterschiedlichen Adelsgrade. Daneben wurden auch Gebrauchsgegenstände wie Gürtelschlösser oder Kleideraccessoires ebenfalls aus Jade gefertigt.

Jade im China des 20. und 21. Jahrhunderts

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war der Edelstein offiziell aus der chinesischen Kunst, mit Ausnahme des Exports, verschwunden, da diese in der Volksrepublik China zumindest bis zu deren wirtschaftlich-kapitalistischer Umstrukturierung in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als elitäres Basismaterial gering geschätzt wurde. Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1970 und von 1973 bis 1976 galt Jade sogar als reaktionär und wurde wie auch andere auf diese Weise eingestufte Kunst meist von den Roten Garden zerstört. Die Herstellung von Gegenständen aus Jade blühte erst nach dem Ende der Kulturrevolution mit der sich entwickelnden Privatisierung des Lebens und dem verstärkten Tourismus wieder auf. Grundlage hierfür waren die kapitalistischen Wirtschaftsreformen Deng Xiaopings.

Trotz aller politischen Veränderungen erfreut sich die Jade im Volk, das trotz des Kommunismus immer auch buddhistische, taoistische, konfuzianische und teilweise auch lamaistische und muslimische Rituale und Überzeugungen beibehalten hatte, weiterhin großer Beliebtheit. Chinesen beurteilen die Qualität des Edelsteins noch in heutiger Zeit nach deren Farbe, wobei die grüne Farbe der Jade das Symbol des Glücks verheißt. Das sehr selten auftretende Verfärben eines Schmuckstückes aus Jade und das Zerbrechen eines Objekts aus Jade wird als ein Zeichen des Unglücks gewertet. Darüber hinaus gilt ein Präsent aus Jade als Liebesbeweis.

Vorkommen, Herkunft und Farbe

Jade gehört der Mineralklasse der Silikate und Germanate sowie der Unterordnung der Kettensilikate und Bandsilikate an. Jade stellte für Wissenschaftler lange Zeit ein Mysterium dar. Fundstätten gibt es in verschiedene Provinzen der Volksrepublik China, in Tibet und Myanmar, in Forchheim in Deutschland, in Grenville und Labrador in Kanada oder in Guatemala und Japan. Die Farbe der Jade erstreckt sich über alle Varianten von Grün in allen erdenklichen Nuancen und kann sogar ins Schwarze changieren. In erster Linie richtet sich der Wert der Jade nach der Farbe und ihrer Intensität, der Struktur der Maserung und der Lebhaftigkeit sowie nach ihrer Reinheit und Transparenz. Die feinste Jade ist von ebenmäßiger Färbung.

Schliff, Bearbeitung und Pflege der Jade

Die Konsistenz von Jadeit ist zäh und widerstandsfähig, besonders bei faseriger, verfilzter Struktur. Die eigentliche Qualität wird erst nach dem Schleifen erkennbar. Der Glanz wirkt nach dem Polieren fast so vollkommen wie bei einem Spiegel. In den chinesischen Zentren der Jadebearbeitung wird das Rohmaterial mit Diamantpulver und Carborundum bearbeitet. Jadeit ist hitzeempfindlich. Wenn er erwärmt worden ist, ist er selbst gegenüber Säuren, auf die dieser Stein sonst kaum reagiert, äußerst empfindlich. Der Kontakt von Jade mit allen Säuren oder säurehaltigen Gemischen sollte vermieden werden. Jadeit sollte in jedem Falle vor Sonnenlicht geschützt werden.

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